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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Ein Abenteuerroman mit besonderem Kick!

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Einen jungen, naiven Dichter als Spion wie in diesem Roman zu rekrutieren ist eine ausgefallene Idee. Als ungewöhnliche Hauptfigur eignet sich in diesem Fall dieser Poet Jakob besonders wegen seiner ungezwungenen ...

Einen jungen, naiven Dichter als Spion wie in diesem Roman zu rekrutieren ist eine ausgefallene Idee. Als ungewöhnliche Hauptfigur eignet sich in diesem Fall dieser Poet Jakob besonders wegen seiner ungezwungenen und kreativen Kommunikationsfähigkeit. Außerdem liebt er einzigartige Abenteuer, hier eingebunden in eine vergangene Ära der Sowjetunion mit heimlichem, korruptem Handel von Militärmaterial. Mit dem eigentlichen Drahtzieher, einem alternden Doppelspion, aktiv für BND und FSB, wird ein teils kurioses Geheimdienstambiente um Rom und seiner gewissen Flexibilität, um Almaty / Kasachstan und Sankt Petersburg aufgebaut unter Einbeziehung nationaler und örtlicher Eigenheiten oder Traditionen. Die politischen Wirren im Russland der 90-er Jahre bieten für diese so unterschiedlich geprägten Figuren den idealen Hintergrund: hier der junge, optimistische Dichter auf eine bessere, freiere osteuropäische Entwicklung hoffend, dort der Doppelspion alter Spielart seiner bisherigen Haupttätigkeit mehr oder weniger beraubt. Die menschliche, emotionale Note wird verstärkt durch die indiskrete Nebenfigur Dominique Fishbowl und die eher mütterliche Sprachlehrerin Francesca Aquatone.
Ein tragikomisches Abenteuer zum Schmunzeln und Nachdenken!

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Trauma-Verarbeitung und kreativer Krimi besonderer Art

Böser, böser Wolf
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Auf mehreren Erzählsträngen geht es um bizarr inszenierte Morde in der Gegenwart, geschrieben von der unfreiwillig eingesperrten Autorin Katie T. Hexen nach Motiven aus bekannten Grusel-Märchen der Gebrüder ...

Auf mehreren Erzählsträngen geht es um bizarr inszenierte Morde in der Gegenwart, geschrieben von der unfreiwillig eingesperrten Autorin Katie T. Hexen nach Motiven aus bekannten Grusel-Märchen der Gebrüder Grimm. Ihre modernen Fassungen dienen dem Serienmörder, dem Grimm-Ripper, als grobe Vorlage für seine tatsächlich durchgeführten Morde in immer schnellerer Abfolge. Thematisiert werden bei dieser Geiselnahme ihre Schutzmechanismus zur psychischen Bewältigung ihrer Todesangst und totalen Abhängigkeit. Mit seiner Wolf-Maske steht der Mörder für das dunkle Element in jedem Menschen.
Zwischen Realität, Magie und Fiktion sorgt auf weiteren Erzählebenen Detective Inspector Lyla Rondell für Aufklärung. Sie versucht gleichzeitig, ihr Trauma im Zusammenhang mit dem Verschwinden ihrer besten Freundin Allison vor 25 Jahren zu bewältigen. Als erfolgreiche Queer-Heldinnen avancieren diese beiden fiktiven Protagonisten schließlich.
Der Thriller wechselt unregelmäßig in den Fantasy-Bereich, auch gekoppelt an die kindliche Feengeschichte mit der Zahnfee Schreckensbeer rund um den ausgefallenen Milchzahn, der einen mit Bedacht gewählten Wunsch erfüllt. Mit einer Kreatur wie Colt Pixie verarbeitet die Autorin auch eine Figur aus der englischen Folklore in Südengland und Südwestengland. Die mysteriöse Pilz- und Kräuterfrau Mellicent Farling spricht ebenfalls in Rätseln und sorgt dabei gleichzeitig für kreative, hintergründige Twists.
Diese kreative Mischung aus Krimi und Autofiktion, inspiriert von gängigen Märchen, liest sich spannend.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Eine Kommissarin mit dissoziativer Amnesie nach einem Unfall ermittelt

Die Tote von Nazaré
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Das Cover mit den typischen blauen Kacheln deutet passend auf das südländische Flair des darunter befindlichen Küstenortes hin. Der Touristenort Nazaré, an der stürmischen Atlantikküste in Portugal gelegen, ...

Das Cover mit den typischen blauen Kacheln deutet passend auf das südländische Flair des darunter befindlichen Küstenortes hin. Der Touristenort Nazaré, an der stürmischen Atlantikküste in Portugal gelegen, sollte für die Hauptkommissarin Maren Berger aus Köln der Erholungsort nach monatelanger Rekonvaleszenz nach Schussverletzung am Kopf bei einem dortigen Banküberfall sein. Ihr Erinnerungsvermögen an diesen bisher unaufgeklärten Kölner Fall ist sehr bruchstückhaft und lässt sie mit vielen Selbstzweifeln im Januar in diesem windigen Ort kaum zur Ruhe kommen. Ihre seelische und körperliche Konstitution lässt sich gut nachempfinden, auch als sie auf die erste Leiche trifft. Mit dem sympathischen João Ferreira, Inspektor von der Polícia Judiciária in Leiria, an ihrer Seite entwickelt sich ein interessanter Plot zwischen deutscher und portugiesischer Polizei. Bei der gesamten Ermittlungsarbeit bei weiteren Morden passt die dynamische, effektive Zusammenarbeit zwischen diesen Hauptfiguren. Häufigere Einbeziehung der landschaftlichen Schönheit und Besonderheit hätten mehr Ambiente heraufbeschwören können. Die finale Aufklärung und Überführung der Täter wirkt sehr konstruiert und wirft Fragen zu unschlüssigen Details auf. Die Nebenfiguren wirken daher etwas unglaubwürdig. Angerissen werden historische Daten wie die Schlacht von Aljubarrota, sowie die typische portugiesische Musik des Fado – dieser Mischung aus Klagelied und Seemannssong - gepaart mit Saudade.
Ein unterhaltsamer Krimi!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Nicht voll überzeugend!

Spielverderberin
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Gegensätze zwischen Bauernschaft mit bodenständigem Realismus, Klatsch und Großstadtleben unter Akademikern sowie zwischen der Schulzeit-Vergangenheit vier Jahre früher und der Gegenwart mit Romys Verschwinden, ...

Gegensätze zwischen Bauernschaft mit bodenständigem Realismus, Klatsch und Großstadtleben unter Akademikern sowie zwischen der Schulzeit-Vergangenheit vier Jahre früher und der Gegenwart mit Romys Verschwinden, all das bildet den Rahmen dieser Dreierfreundschaft, belastet mit Lügen, Schuld und Obsession. Durch sich verändernde Zweierkonstellationen rund um Romy entwickeln sich problematische Beziehungen, alles andere als eine vertrauenswürdige, verlässliche Freundschaft zu dritt. Sophie, die Ich-Erzählerin voller Minderwertigkeitskomplexe, deutet anfangs schlimme Schuldgefühle Lotte gegenüber an, aber auch ihre zwiespältige Einstellung zu Romy voller Neid bzw. Obsession zeigen ihre Unsicherheit an. Über zwei Zeitebenen nähert man sich der nicht ganz nachvollziehbaren Wahrheit wegen fehlenden Details. Interessant ist die Zusammenstellung der Charaktere: Lotte eher unsicher, ängstlich und scheinbar passiv, Romy dagegen selbstsicher, selbstgefällig, weltmännisch und schließlich Sophie schuldbeladen, ambivalent gegenüber Romy, in ihr mehr als nur Halt suchend. Die Szenerie wirkt zu jeder Zeit angespannt, eher belastet durch stille Eifersucht statt ausgeglichen durch vertrauenswürdige, herzliche Freundschaft. Leider wird das vergangene Ereignis um Lotte zu wenig thematisiert, während die finale Einbeziehung von Milan am Baggerloch verwirrt.
Veränderungen in Freundschaftsbeziehungen junger Menschen – hier eher ein Jugendroman?

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Viel Stoff zum Nachdenken!

Real Americans
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drei Generationen mit Beginn ab 1999, aber nicht in chronologischer Reihenfolge. Von May, aufgewachsen in Maos China bis zu ihrem Enkel Nick, der in San Franzisco in der Bio-Tech-Branche aktiv ist, geht ...

drei Generationen mit Beginn ab 1999, aber nicht in chronologischer Reihenfolge. Von May, aufgewachsen in Maos China bis zu ihrem Enkel Nick, der in San Franzisco in der Bio-Tech-Branche aktiv ist, geht es sowohl um historische Fakten, um Genforschung als hautnahes, persönlich ausgeführtes wissenschaftliches Experiment und um eine Portion Magie, weitergereicht von May über Lily zu Nick, indem sie vorübergehende Zeitschwankungen erleben aufgrund eines lang ausgesprochenen Wunsches von May in Peking. Auch wenn die Wissenschaft unzählige Daten über uns dokumentiert wie in der DNA und RNA, sollten wir nicht glauben, alles über uns bereits verstehen zu können. Zeitlich beginnt diese Auswanderungsgeschichte in China während der Kulturrevolution und fragt schließlich tiefer greifend, wie man sich als Immigrant zum Amerikaner entwickelt und auch die Chance dazu bekommt. Die drei Hauptfiguren scheinen sich nicht als wahre Amerikaner zu identifizieren, nicht nur aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes als Chinesen zwischen verschiedenen Kulturen. Aber es geht nicht nur um deren selbst empfundene, nicht gelingende asiatisch-amerikanische Identität, auch die Öffentlichkeit charakterisiert besonders Lily als Asiatin mit überraschend guten Englischkenntnissen, wogegen Lilys Sohn Nick als Halbchinese vom äußeren Erscheinungsbild eindeutig als Weißer in seiner Umgebung wahrgenommen wird. Alle Charaktere scheinen dadurch zunächst missverstanden zu werden, am deutlichsten der frustrierte Nick. Er fühlt sich als Chinese, doch Leute erkennen ihn nicht als solchen – spannend in einem Land, was viel um Selbstdarstellung und Gruppenzugehörigkeit gibt. Wie beeinflusst das, was andere in uns sehen unsere Selbstwahrnehmung? Aber auch folgende schwerwiegende ethische Frage interessiert hier: Was ist, wenn wir kontrollieren könnten, welche Gene wir an unsere Kinder weiterreichen? Neben einer Lovestory streift dieser umfangreiche Roman auch eine Welt krasser Armut wie auch der Opulenz und voller Luxus.
Zum Nachdenken!

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