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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2026

Sehr lebendig erzählte Trennungsgeschichte nach 20-jähriger Ehe

Lügen, die wir uns erzählen
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Aus der Perspektive der verlassenen, 47-jährigen Helene, erfolgreich als Krimiautorin, wird ihr gegenwärtiges und vergangenes Leben durchleuchtet, ob richtige oder falsche Entscheidungen auf dem eigenen ...

Aus der Perspektive der verlassenen, 47-jährigen Helene, erfolgreich als Krimiautorin, wird ihr gegenwärtiges und vergangenes Leben durchleuchtet, ob richtige oder falsche Entscheidungen auf dem eigenen Weg zur Selbstverwirklichung getroffen wurden. Neben ihrem verblassten langjährigen Eheleben mit Georg reflektiert sie in unruhigen Zeitsprüngen über ihr Verhältnis zu Alex, einem erfolgreichen britischen Autor. Den Erwartungen ihrer Mutter kann sie ihr Leben lang nicht genügen. Gefangen scheint sie zu sein in der Diskrepanz von Ängsten, Selbstzweifeln und dem äußeren, trügerischen, blendenden Erscheinungsbild von ihr. Thematisiert werden ihr Kinderwunsch, Fehlgeburten, Karriere, Liebe, Mutter sein. Der Rolle ihrer Teenager-Kinder wird verschieden großer Raum eingeräumt, für die Tochter Anne sogar eine separate Erzählebene, was irritierend, sogar überflüssig wirkt. In zahlreichen detailliert beschriebenen Alltagsszenen geht es um die stellenweise langatmige Entfremdung in ihrer Ehe, um das Gefühl emotionaler Leere, was der Schreibstil treffend und ehrlich erfasst. Unglaubwürdig lesen sich dagegen die Passagen rund um die Hausrenovierung und um die erneute Annäherung von Georg in der zweiten Buchhälfte. Unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Keine leichte Unterhaltung!

Ein Hund kam in die Küche
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Der Titel «Ein Hund kam in die Küche» ist die erste Zeile eines Kinderliedes mit grausamem Inhalt. Auch das zweite Kinderlied «Maikäfer flieg» mit ernstem Inhalt ist sicher manch Nachkriegsgeborenem noch ...

Der Titel «Ein Hund kam in die Küche» ist die erste Zeile eines Kinderliedes mit grausamem Inhalt. Auch das zweite Kinderlied «Maikäfer flieg» mit ernstem Inhalt ist sicher manch Nachkriegsgeborenem noch bekannt. Rohe Gewalt, Brutalität und fehlende Empathie werden als Schrecken dieses Krieges eingebaut.
Geschichtlich interessant ist die Südtiroler "Option", ein Stück Zeitgeschichte über die Auswanderung vom faschistischen Italien ins nationalsozialistische Deutschland, um von "Volksdeutschen" zu "Reichsdeutschen" zu werden. Alle deutschsprachigen Familien im Südtirol mussten sich im Zuge dieser Option, die 1939 zwischen Hitler und Mussolini verhandelt wurde, entscheiden. Aus der Perspektive des 11-jährigen Jungen Ludi liest man über den Verlust und die Trauer über seinen jüngeren, behinderten Bruder Anton, Hanno gerufen. Neben der traurigen, feinfühligen Geschichte zweier Brüder, betroffen von Euthanasie im 3. Reich, geht es um den Verlust seiner jeweiligen Freundschaften und um Heimweh. Spätestens nach den Enthüllungen des traumatisierten Vaters nach Kriegsende wird das Dilemma, eine ideologisch falsche Entscheidung als Erwachsener 1942 getroffen zu haben, überaus deutlich und glaubhaft beschrieben. Auch der Umgang mit Fremden wird authentisch geschildert.
Ein überaus kraftvoller und zugleich berührender Roman über dunkle Kapitel deutsch-italienischer Geschichte.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Packender, überraschender Krimi!

Ihr raffiniertes Spiel
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Das Cover unterstreicht die Thematik dieses Thrillers: Eine Frau stürzt von einem Hochhaus. Mir fehlt jedoch die erwähnte Brüstung im Bild. In sechs Teile gegliedert, mit Rückblenden und Datumsangaben ...

Das Cover unterstreicht die Thematik dieses Thrillers: Eine Frau stürzt von einem Hochhaus. Mir fehlt jedoch die erwähnte Brüstung im Bild. In sechs Teile gegliedert, mit Rückblenden und Datumsangaben klar strukturiert, spielt dieser raffiniert durchdachte Krimi in London. Die Hauptperson, Ich-Erzählerin Tate Kinsella, tischt Lügen und Geheimnisse auf, denn was tatsächlich am 10. Dezember passiert ist, erfährt im weiteren Verlauf der Handlung völlig unerwartete Wendungen. Thematisiert wird Grooming, was in der Rechtsprechung wohl schwer zu packen ist, da betroffene weibliche Teenager selten Anzeige erstatten. Im raffinierten Racheplan, nicht ungefährlich für die Beteiligten, ergeben mehr und mehr Puzzleteile oft ein spannendes Geschehen mit manchem Cliffhanger. Mutige Frauencharaktere sind gut ausgearbeitet. Auch die Nebenfiguren wirken authentisch, meist sympathisch.
Alles wird schlüssig aufgelöst in angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Zwischen Realität und Fantasie

Der blaue Bien
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Das puristisch wirkende Cover ist überaus filigran und dezent gestaltet, sehr geschmackvoll!
Viel Lehrreiches steckt in diesem kurzen Roman über Honigbienen, eingeflochten in eine Beziehungs- und Selbstfindungsgeschichte ...

Das puristisch wirkende Cover ist überaus filigran und dezent gestaltet, sehr geschmackvoll!
Viel Lehrreiches steckt in diesem kurzen Roman über Honigbienen, eingeflochten in eine Beziehungs- und Selbstfindungsgeschichte von Janne und ihrem Sprung in die Selbständigkeit als Restauratorin. Während realistisch ihr Arbeitsalltag in der Werkstatt beschrieben wird, bringen die Abenteuer rund um einen “zugeflogenen” Wildbienenschwarm zarte Magie in die Geschichte. Bisher von Selbstzweifeln befallen, wandelt sich die junge Frau in einen selbstsicheren, wohl strukturierten Charakter, der die ersten schweren Hürden einer Selbständigkeit erfolgreich meistert. Die glaubwürdige Wandlung gefällt. Wie der blaue Bien so verspürt auch Janna schließlich den Drang, sich frei zu entfalten nach der bisherigen Phase der Einengung, sowohl beruflich wie privat.
Eine feinfühlige Geschichte mit etwas Magie.

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Die Färöer Inseln als Liebesnest

Of Thunder and Rain (Färöer-Reihe 1)
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Das Cover zeigt eine neblige, verregnete Küstenlandschaft, die das Ambiente auf den Färöer Inseln festhalten soll, wettermäßig passend für drei Wochen im März. In diesem Zeitfenster werden Themen wie Rassismus ...

Das Cover zeigt eine neblige, verregnete Küstenlandschaft, die das Ambiente auf den Färöer Inseln festhalten soll, wettermäßig passend für drei Wochen im März. In diesem Zeitfenster werden Themen wie Rassismus (-erfahrungen), Depressionen, Tod, Verlust, Trauer und Flucht angerissen. Während die Hauptperson Lina Gásdal, 21, in ihrem B&B, neben ihrem depressiven Vater in Selbstmitleid vereinsamt, geht es bei Louay Saeed, keine 30, mit libanesischen Eltern, um seine Flucht in einer literarischen Existenzkrise und Schreibhemmung, gekoppelt an sein bisher erfolgreiches Pseudonym. Seine Ängste vor Rassismus besonders in den öffentlichen dänischen Medien wird thematisiert. In seiner 3-wöchigen Auszeit in Linas B&B bildet das dortige Setting um landschaftliche Highlights in harschen Wetterbedingungen einen schönen, realistischen Rahmen. In jeweiligen Perspektivwechseln geht es um die düsteren Problematiken beider Hauptfiguren. Deren amouröse Annäherung wird jedoch durch Kommunikationsschwierigkeiten, Sturheit und Zeitmangel stark beeinträchtigt. Der Romanze selbst hätte man gerne mehr Raum und Entspannung in lockererem Umfeld gewünscht, um beiden Figuren emotional näher sein zu können. Das rasche Ende vier Monate später in Kopenhagen lässt viele Fragen offen.
Insgesamt ist die Liebesgeschichte zu kurz geraten in zu trister Grundstimmung.

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