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Veröffentlicht am 15.03.2024

Capri und die blauen Eidechsen – interessant.

Der blaue Salamander
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Wie der Buchtitel bereits verrät, geht es um eine seltene Eidechsenunterart, beheimatet auf den Faraglioni bei Capri - deutsch: Leuchtfeuer. In der Antike wurden solche exponierte Felsen häufig durch Feuer ...

Wie der Buchtitel bereits verrät, geht es um eine seltene Eidechsenunterart, beheimatet auf den Faraglioni bei Capri - deutsch: Leuchtfeuer. In der Antike wurden solche exponierte Felsen häufig durch Feuer beleuchtet, um Seefahrern die Orientierung und Navigation zu erleichtern. Diese blaue Ruineneidechse - Lucertola Azzurra – unterscheidet sich von anderen Unterarten durch ihre intensive blaue Farbe und die Zahl der Schuppen in verschiedenen Körperregionen. Auch das Geheimnis um ihr seltsames Verhalten in raren Nächten auf den bläulich schimmernden Faraglioni-Felsen wird gelüftet. Eine seltene Designerhandtasche, gefertigt aus diesem kostbaren blauen Salamanderleder, wird als gestohlen gemeldet. Vorab jedoch geht es um einen Mord. Im Verlauf der Ermittlungen wird ein Zusammenhang beider Delikte hergestellt, dem man logisch gut folgen kann. Die Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in Neapel ist dabei weniger effektiv – mit belebendem Aufklärungseffekt für die zwei erfolgreichen Kommissare Enrico Rizzi und Antonia Cirillo aus Capri. Beide sind mit ihrem nicht ganz unproblematischen Privatleben eingebunden in das touristisch angehauchte Geschehen auf dieser beliebten Insel. Der Trend zur Verarbeitung von veganem Leder wird geschickt eingebunden. Die Idee, die Handtaschenproduktion um den blauen Salamander wieder aufleben zu lassen, ist kreativ gestaltet. Das Finale wirkt jedoch etwas zu sehr konstruiert, besonders die Momente rund um den kirchlichen Tatort.

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Veröffentlicht am 14.03.2024

Eine Homage an Louis Braille

Eine Fingerkuppe Freiheit
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Der Buchtitel zielt gekonnt auf den Inhalt an: Fingerkuppen verhelfen beim Lesen der Blindenschrift von Louis Braille zu einem großen Stück Freiheit, neben Bildung und mehr Selbständigkeit. Der Charakter ...

Der Buchtitel zielt gekonnt auf den Inhalt an: Fingerkuppen verhelfen beim Lesen der Blindenschrift von Louis Braille zu einem großen Stück Freiheit, neben Bildung und mehr Selbständigkeit. Der Charakter des sehr jung erblindeten Louis wird bildlich in der Wortwahl und im pompösen Schreibstil des 19. Jahrhunderts dargestellt. Trotz vieler Widrigkeiten setzt sich sein Schriftsystem gegen die Reliefschriften, ganz gleich, ob Prägedruck, Stachelschrift oder Nadelschrift schließlich weltweit durch. Sein historischer, geradliniger Werdegang, von liebevollen bis aggressiven Nebenfiguren begleitet, animiert zum weiteren Suchen im Internet nach den im Buch erwähnten Größen wie z. B. Abbé Haüy im Bereich der Blindenschrift. Trotz aller Missgunst von Sehenden erfindet der Blinde Louis Braille neben der Blindenschrift zusätzlich auch eine Musiknotenschrift aus sechs erhabenen Punkten sowie einen Raphigrafen zusammen mit Foucault. Zwischen Wahrheit und Fiktion ist hier eine lehrreiche Biographie entstanden, sprachlich teilweise zu poetisch verbrämt.

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Veröffentlicht am 13.03.2024

Kein Krimi, sondern ein Roman!

Lichtjahre im Dunkel
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Der Roman, in vier Teilen konzipiert, handelt zunächst von etwas langatmigen Nachforschungen des Detektiven Tabor Süden in Sachen Vermissung des Zeitschriftenhändlers Leo Ahorn, 48, beauftragt durch die ...

Der Roman, in vier Teilen konzipiert, handelt zunächst von etwas langatmigen Nachforschungen des Detektiven Tabor Süden in Sachen Vermissung des Zeitschriftenhändlers Leo Ahorn, 48, beauftragt durch die Ehefrau Viola Ahorn, 42. Die Charakterisierung des Ehepaares mit ihren Vorstellungen von Ehe und gemeinsamem Alltag, vom dem Siechtum geweihten Schreibwarenladen ist gut gelungen. Im zweiten Teil sorgt das Ermittlungsteam der Polizei rund um Oberkommissarin Fariza Nasri für etwas Spannung, durch Namensnennung eines bisher unbekannten Zuhälters, auch durch Violas Verfall in Schuldgefühle und Selbstzerstörung. Der Verdächtige, Georg Kramer, ehemaliger Umzugsunternehmer mit Schuldkomplex, steht im weiteren Teil mit seinem teils simulierten Gedächtnisverlust und Alkoholkonsum im Zentrum des Geschehens. Zu ihm gesellt sich ein geheimnisvoller Besucher aus der Berliner Halbwelt, sein bisher unbekannter Halbbruder Sandro Zille bzw. Fels, der für einige Wendungen im weiteren Verlauf bis zum erfolgreichen Ermittlungsende sorgt. Die Milieuschilderungen, auch die in der Kneipe Blaues Eck, haben Atmosphäre, kommen realistisch rüber. Die Durchschnittlichkeit, Knickrigkeit, all die Enttäuschungen und der Verlust von Lebensträumen nicht nur bei den Kneipenbesuchern, all dies wird wortgewandt beschrieben. Der Buchtitel mag sich auf Georg Kramer beziehen, der erst im Alter von 61 Jahren von der Existenz eines Halbbruders erfährt, wodurch aber nicht nur sein Leben starken Eruptionen unterliegt.
Eine gelungene tiefgründige Zeichnung von enttäuschten, kranken Menschen auf dunklem Hintergrund.

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Ein einfühlsam geschriebener Roman

Wort für Wort zurück ins Leben
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Ein tiefgehender Roman über Verlust, Adoption, Panikattacken, Entfremdung und zweite Chancen nach verpassten Gelegenheiten. Das Cover zeigt eine gemalte Sommerlandschaft in friedlicher Natur – ansprechend ...

Ein tiefgehender Roman über Verlust, Adoption, Panikattacken, Entfremdung und zweite Chancen nach verpassten Gelegenheiten. Das Cover zeigt eine gemalte Sommerlandschaft in friedlicher Natur – ansprechend gestaltet. Die Szenarien spielen in Bristol, Rye, Paris und Sévérac-le-Chateau, einem kleinen Ort in Frankreich bei Rodez. Neben lebendigen Dialogen zwischen allen Beteiligten geht es auch um Tagebucheinträge in Stenographie, die über einen sehr langen Zeitraum geschrieben, Aufschluss geben über die Sorge des verstorbenen Vaters um die zurück gelassenen Kinder Greg, Pearl und Benjy aus erster Ehe, um verletzte Gefühle und Vergebung. Pearl setzt sich mit diesem Vermächtnis an Tagebüchern auseinander und findet dabei nicht nur wieder Anschluss an ihre Familie, sondern findet mit 52 Jahren auch aus ihrer Abgeschiedenheit in Frankreich heraus zu einem Anfang mit ihrer zur Adoption freigegebenen Tochter Carrie. Die Charaktere, besonders Pearl und ihr Ehemann Denny, werden meist sehr sympathisch dargestellt mit ihren teils extremen menschlichen Problemen wie Panikattacken. Der Schreibstil ist angenehm, die Handlung realistisch dargestellt, die Wortwahl emotional und berührend. Vergangenheitsbewältigung der verletzten Gefühle und ein gemeinsamer Neuanfang bilden den gelungenen Schlussakkord.

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Veröffentlicht am 09.03.2024

Ein weises Buch zur Selbstreflexion

Die sieben Türen
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Schon die Anzahl der Türen, hier sieben an der Zahl, erinnert an viele Bedeutungen in der Mythologie in allen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen, z.B. das Buch mit den 7 Siegeln ist biblischen Ursprungs, ...

Schon die Anzahl der Türen, hier sieben an der Zahl, erinnert an viele Bedeutungen in der Mythologie in allen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen, z.B. das Buch mit den 7 Siegeln ist biblischen Ursprungs, ebenso wie die 7 Tugenden und 7 Laster oder die 7 Sakramente (Taufe, Ehe etc.). Diese sieben Türen erinnern an einen grundsätzlichen Stufenweg, auf dem ein Mensch zur Erleuchtung geführt werden kann bis zum Beginn eines neuen Lebens. Die schöne Metapher der schließlich sich verwandelnden Raupe in einen Schmetterling versinnbildlicht die vollzogene Wandlung vom Ich ins Selbst. Hinter den sieben Türen versammeln sich jeweils Gegensätze (Licht und Dunkelheit, Liebe und Hass, Angst und Mut, Glück und Trauer, Jetzt und Unendlichkeit, das alles vereinigende Universum und das Nichts, Chaos und Ordnung) in den inneren Wohnungen, aus denen jemand schrittweise die Entbindung seines wahren Selbst vollziehen kann und sich damit allem Dunkel der Unwissenheit entledigt und erstrahlen kann wie ein großer Stern. Nur jemand, der eine Konfrontation mit dem eigenen Unbewussten wagt, um seine Schattenanteile zu finden – durch eine intensive und rückhaltlose Form der Introspektion – dem ist eine Wiedergeburt in ein neu erstarkendes Ich-Bewusstsein machbar. Hat man schließlich ein vollkommenes Bewusstsein der eigenen Innenwelt erlangt, geht damit der Wunsch einher, sich seinen Mitmenschen liebevoll zuzuwenden. So interpretiere ich den sehr poetischen Text mit liebevoll eingebrachten Illustrationen. Ein nicht alltäglicher Lesestoff!

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