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Veröffentlicht am 28.02.2024

Nicht nur für Jungen ein Lesevergnügen!

The Fort
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Das Cover verdeutlicht klar den geheimnisvollen Ort. In diesem Jugendbuch werden zunächst kapitelweise die fünf Jungen Evan, Jason, Mitchell, C.J. und Ricky vorgestellt - um 13 Jahre alt - mit all ihren ...

Das Cover verdeutlicht klar den geheimnisvollen Ort. In diesem Jugendbuch werden zunächst kapitelweise die fünf Jungen Evan, Jason, Mitchell, C.J. und Ricky vorgestellt - um 13 Jahre alt - mit all ihren charakterlichen Eigenheiten und belastenden familiären sowie schulischen Problemen. In großer Variation wird die persönliche Lebenssituation der Jugendlichen beschrieben. Dabei handelt es sich um häusliche Gewalt durch den Stiefvater, getrennt lebende Eltern nach Scheidung, Zwangsstörung, Triskaidekaphobie, drogenabhängige Eltern und ein Hochbegabter als Außenseiter. Alle gemeinsam genießen aus verschiedener Intention heraus ihren streng geheimen Rückzugsort, der sogar im weiteren Verlauf überlebenswichtig wird – beschrieben in großem Spannungsbogen mit kreativen Twists wie z.B. Ricky`s kreativen Problemlösungen rund um Jaeger, C. J.`s Kreativität bei seinen Todesbezwingern oder Mitchell mit dem geheimen Garten, der nur nachts bewässert werden kann. Der Kaktus Königin der Nacht oder die Fort-Olympiade lockern manch traurige Szene auf. Emotionen wie Verzweiflung, Loyalität, Angst, Kontrolle bzw. -verlust, Wahrheit, Scham, Abschied nehmen, Rolle eines Außenseiter tauchen auf, ebenso Probleme, die die Möglichkeiten von Jugendlichen übersteigen. Doch durch Freundschaft helfen sie sich gegenseitig durch viele Querschläge hindurch. Besonders C.J.`s Jahre des Verbergens, Täuschens und Lügens werden abgerissen wie ein Pflaster. Auch wenn seine Probleme nicht weg sind, so hat er sie zumindest nicht mehr allein zu stemmen. Informativ sind auch die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen wie den Gruppenchat mit Decknamen, das Ablenkungsfort oder das Tracking vom Aufenthaltsort. Historisch wird an den kalten Krieg mit Atombomben zwischen USA, Russland und China erinnert. Das mögliche Leben in einem Atomschutzbunker mit allem notwenigen Zubehör wie z.B. Konserven, Filmen, Schallplatten, Chemietoilette wird bildlich erfahrbar. Schließlich endet dieses endgültig verlorene Abenteuer mit der Erkenntnis: Was wissen sie schon davon, wie besonders es ist – wie einzigartig –, wenn man als Jugendlicher einen Ort findet, der einem komplett allein gehört? Ganz egal, was sonst im Leben los ist – eine Scheidung, ein fürchterlicher Stiefvater, ein Umzug in eine neue Stadt, Sonderklassen oder Eltern, die einen verlassen – man hat immer noch diesen Ort, an den man entfliehen kann. Bis er einem weggenommen wird.

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Veröffentlicht am 27.02.2024

Ein Roman um Trennung und Sprachlosigkeit

ruh
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Das bunte Cover zeigt eine friedliche Seelandschaft mit bewaldetem Berg bei leichter Bewölkung im Sonnenuntergang. Der Buchtitel RUH ist auf Deutsch hier gut interpretiert, auf türkisch bedeutet ruh dagegen ...

Das bunte Cover zeigt eine friedliche Seelandschaft mit bewaldetem Berg bei leichter Bewölkung im Sonnenuntergang. Der Buchtitel RUH ist auf Deutsch hier gut interpretiert, auf türkisch bedeutet ruh dagegen die Seele, der Geist, das Gemüt, die Psyche, das Innere. Und genau der seelische Kraftakt der Hauptperson Cemal steht im Mittelpunkt, gefangen in deutscher Gegenwart und türkischer Vergangenheit, verfolgt von Träumen, Vorurteilen und Rassismus. Ohne Türkischkenntnisse und ohne erklärendes Glossar bleibt leider manches Erklärende verborgen, wo doch die zarte, beschädigte Gefühlsebene des jungen türkischen Deutschlehrers angesprochen wird. Seine Suche nach Identität zwischen den verschiedenen Kulturen lässt ihn verzweifeln und vereinsamen – ein komplexes, schwieriges Thema auf verschiedenen Zeitebenen. Schlussendlich verliert man sich etwas verwirrt auf der Suche nach mehr Struktur zwischen den Perspektiven der Beteiligten verschiedener Generationen trotz anhängendem Familienstammbaum. Besonders die lebhaften Beschreibungen zu Cemals dörflichen Kindheitserinnerungen der Südtürkei gefallen. Die gegensätzlichen Charaktere von Cemal und seinem Partner Georg sind gut herausgearbeitet, bringen nicht nur körperliche Spannung ins Beziehungsgeflecht. Cemals Umgang mit seiner Tochter und ihren Launen wird liebevoll gekonnt beschrieben. Beim Leser sollten zumindest Grundkenntnisse der türkischen Sprache vorhanden sein.

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Veröffentlicht am 26.02.2024

Ein ruhiges Buch zum Nachdenken

Tremor
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Wie der Autor auch agiert die Hauptperson Tunde, ein in Nigeria geborener Harvard Professor, unter anderem als Lehrkörper für Fotografie an der Universität in Neuengland. In dieser losen Ansammlung von ...

Wie der Autor auch agiert die Hauptperson Tunde, ein in Nigeria geborener Harvard Professor, unter anderem als Lehrkörper für Fotografie an der Universität in Neuengland. In dieser losen Ansammlung von Geschichten und Erinnerungen geht es um Literatur, Fotografie, Rasse, menschlichem Überleben zwischen Massakern, Erdbeben, um koloniale, kriegerische Gewalt, um Musik und Malerei. An der komplexen Kolonialgeschichte zwischen Indianern und Weißen sollte die problematische Darstellung von Wahrheit und Geschichte vom Leser überdacht werden. Das bildhaft beschriebene Alltagsleben und der Kampf ums Überleben in Lagos wird vorgestellt. Wie auch Gedanken zu Rassismus, Herkunft von Gemälden, Dekolonisation und Restitution von Kulturgütern. Der Duft der afrikanischen, schwarzen Seife ose dudu erweckt in Tunde Erinnerungen an seine Kindheit in Ojodu, Lagos, an die Nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga und ihre Kunstprojekte. Ein weiteres Highlight sind die Reflexionen über die Benin Bronzen, über das Massaker der Britischen Armee im Jahre 1897. Er stellt diese Nigerianische Kunst des 15. Jahrhunderts mit Turners Bild Slavers Throwing Overboard the Dead and Dying und dem Bild Landscape With Burning City des flämischen Meisters Herri met de Bles in einen Kontext. Das Zusammenleben von Tunde und Sadoko, deren quälender Stille und doch ersehnter Berührung, spielt hier auch eine Rolle. Der Schreibstil auf 256 Seiten ist nicht provokant, der Duktus eher ruhig, meditativ. Insgesamt ein labyrinthisches Geschichts-Puzzle, ein Bericht über Lagos und eine Lektion über Rassismus.

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Veröffentlicht am 24.02.2024

Eine herzerwärmende Biographie

Nostalgia Siciliana
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Das Cover könnte sehr gut für eine Werbekampagne der Tourismusbranche über Sizilien um 1940 herhalten, passend zum nostalgischen Buchinhalt. Dieser Familienroman spielt sich zwischen Berlin und Sizilien ...

Das Cover könnte sehr gut für eine Werbekampagne der Tourismusbranche über Sizilien um 1940 herhalten, passend zum nostalgischen Buchinhalt. Dieser Familienroman spielt sich zwischen Berlin und Sizilien ab, abwechselnd in Rückblenden erzählt, mal aus der Sicht von Vater Giovanni Di Stefano, Gianni, dem Pizzakönig, ab 1949, mal von Tochter Tita erzählt ab 1973. Ein Anruf des Notars aus Marina di Ragusa macht im Jahre 2004 die Regelung der Erbschaftsangelegenheit um Magni, einem bäuerlichen Anwesen, zum zentralen Ausgangspunkt des Romans. Erinnerungen und Aufzeichnungen der Familie Di Stefano über dieses Landgut Magnì zwischen Ragusa und dem ehemaligen Fischerort Mazzarelli spiegeln ein warmherziges, wenn auch finanziell karges, arbeitsames Familienleben wieder. Die Biografie des italienischen Gastarbeiters Gianni betont die enge Bindung zur sizilianischen Familie, zu seiner über alles geliebten Heimat trotz seines familiären und beruflichen Erfolges in Deutschland. Seine Zerrissenheit in diesen zwei Welten kommt neben dem historischen Zeitgeschehen, sizilianischer Kulturgeschichte mit Sagen, Märchen, Aberglauben und Geschichten dieser Insel nicht zu kurz. Diese Liebeserklärung an ihren Vater, der in Deutschland die Tiefkühlpizza erfand, überzeugt durch einfühlsam beschriebene Emotionen zwischen Heimweh, Melancholie und Trauer. Die Angaben zu seinem liebenswürdigen Charakter überstrahlen die negativen Fakten wie die Cosa Nostra, dysfunktionale Bürokratie, Müllchaos, Arbeitslosigkeit und Brände Siziliens. Aber auch die Repressalien, die Distanz und Ablehnung der deutschen Bevölkerung, ihre Essgewohnheiten aus der Sicht der Gastarbeiter kommen zur Sprache. Insgesamt ein interessantes Spiegelbild eines Gastarbeiters und seinem familiären Umfeld in zwei sehr verschiedenen Welten.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Unverarbeitete Trauer und ein wenig märchenhafte Magie

Schura
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Das Cover verdeutlicht bildlich, wie die junge Hauptfigur Schura auseinander fällt und lautlos weint in ihrer traumatischen Trauer. In dieser russischen Familiengeschichte geht es um die junge Schura und ...

Das Cover verdeutlicht bildlich, wie die junge Hauptfigur Schura auseinander fällt und lautlos weint in ihrer traumatischen Trauer. In dieser russischen Familiengeschichte geht es um die junge Schura und ihrem besonders engen Verhältnis zu ihrem ältesten Bruder Kostja, der plötzlich verschwindet. Ihr Zusammenleben mit Großeltern, Eltern und ihren älteren Brüdern in einer russischen Stadt in Karelien und auf der Datscha ihrer Großeltern wird umfassend liebevoll, teils mit deftig herbem Wortschwall beschrieben. In ihrer trauernden Seelenwanderung besonders während ihres Medizinstudiums bei Anatomiestudien erfolgt nach jahrelanger Wut und Feindseligkeit gegenüber ihrer Umwelt ein unerwartetes Wiedersehen mit Kostja – nur für sie sichtbar, geschaffen aus Erinnerungen und Traurigkeit. Beim Sezieren zwischen Brust und Bauchhöhle empfindet sie das dazwischen liegende Zwerchfell als Sitz der Seele vergleichbar mit der Rolle von Kostja in ihrer Familie. Mit der Romanfigur der Babka Jasja kommt ein märchenhaftes Erzählelement mit heidnischer Magie des slawischen Kulturraums ins Spiel, der der schwermütigen russischen Seele Erleichterung verschafft bis zur Erlangung neuer Freiheiten. Russisch/kyrillisch durchzieht das Buch zusammen mit Beschreibungen zu typischem Brauchtum und Ritualen. Ein interessanter, feinfühliger, bildhafter Sprachstil mit kreativen Wortkombinationen.

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