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Veröffentlicht am 28.11.2023

Kindheitserinnerungen mal anders dokumentiert.

Risse
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Das Cover zeigt wohl eines der wenigen Fotos, die es von der Autorin gibt, aufgenommen kurz nach ihrer Ankunft in Usedom bei ihrem Vater und der Stiefmutter, mit einem sanften Lächelns voller sommerlicher ...

Das Cover zeigt wohl eines der wenigen Fotos, die es von der Autorin gibt, aufgenommen kurz nach ihrer Ankunft in Usedom bei ihrem Vater und der Stiefmutter, mit einem sanften Lächelns voller sommerlicher Erwartungen. Der sicherlich bewusst gewählte Titel RISSE deutet auf eine alptraumhafte Kindheit in der DDR mit unverantwortlich handelnden Eltern hin, vernachlässigt in ihrer Kindheit durch Alkoholismus, Mangelernährung, Gewalt und Sadismus, Suizid-Versuchen des Vaters, gefolgt durch Diebstahl, Lügerei, Heimaufenthalten, Streunen und Verwahrlosung. In der Ich-Form erzählt die Autorin als misshandeltes Wesen von der üblen Macht der Eltern, der Heimmitarbeiter, der Polizei in einem kargen, emotionslosen Schreibstil, nicht anklagend, eher das soziale, kalte Umfeld schnörkellos beschreibend in 10 Geschichten. Kursiv gesetzte Zwischentexte korrigieren diesen autofiktionalen Text in Richtung Autobiografie oder kommentieren das eben Erzählte. Nur die kindliche Verbundenheit zu ihrer kleinen Schwester und die Liebe zu Büchern scheinen die Risse in ihrem traumatischen jungen Leben zu kitten.
Insgesamt bruchstückhafte, berührende Kindheitserinnerungen in asketisch gewählter Schreibweise dokumentiert.

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Veröffentlicht am 27.11.2023

Über die Frauen, die wir waren, die wir sind – heiter bis tiefsinnig.

Eine halbe Ewigkeit
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Das farbenfrohe Cover gewährt einen weiten Blick durch ein weit geöffnetes Fenster auf die Ostsee, in sommerlich angenehmem Ambiente – sehr ansprechend. Nach dem tristen, deprimierenden Buchanfang am Papiercontainer ...

Das farbenfrohe Cover gewährt einen weiten Blick durch ein weit geöffnetes Fenster auf die Ostsee, in sommerlich angenehmem Ambiente – sehr ansprechend. Nach dem tristen, deprimierenden Buchanfang am Papiercontainer mit einem Tagebuch voller Erinnerungen, geschrieben vor 25 Jahren, blickt die Hauptfigur Cora Hübsch zurück, bereits bekannt aus dem ersten Roman der Autorin: Mondscheintarif. Sowohl ernste Themen wie z. B. Sterbehilfe, das in die Jahre gekommene Eheleben voller Gewohnheiten, die Rückbesinnung auf ehemalige Träume auch hinsichtlich der ersten, großen Liebesbeziehung werden in gebührendem Schreibstil angesprochen als auch heitere, sehr humorvolle Episoden über Frauen um 55 Jahre. Besonders das Wochenende am Meer outet sich als Zerreißprobe. Da sind die immer noch tiefen Schuldgefühle gegenüber der lange verstorbenen Freundin. Dieser alte Schmerz lässt sie das letzte, befreiende Kapitel im Tagebuch schreiben. Neben dieser wichtigen Entscheidung des Loslassens geht es auch um das unerwartete Zusammentreffen mit ihrer ersten, großen Liebe, um körperliche und seelische Veränderungen, um Abschiede und Neuanfang während einer solchen halben Ewigkeit. Auch die weiteren Figuren sind liebevoll, humorvoll, skurril in ihrer Diversität porträtiert. Viele Frauen-Themen des Lebens werden derzeit auch als Show zu diesem Buch angeboten, als lebendiges Bühnenerlebnis mit zwei Frauen, mit ehrlichem Blick zurück und nach vorn.

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Veröffentlicht am 26.11.2023

Zwanghaftes Lügen mit bösen Folgen – spannend.

Kaltblütige Lügen
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Die Szenerie spielt in San Diego, Kalifornien und über 20 Tage voller Ermittlungen des dortigen Police Departments lassen die sympathischen Hauptfiguren, die Polizistin der Mordkommission Kit McKittrick ...

Die Szenerie spielt in San Diego, Kalifornien und über 20 Tage voller Ermittlungen des dortigen Police Departments lassen die sympathischen Hauptfiguren, die Polizistin der Mordkommission Kit McKittrick und den Psychologen Dr. Sam Reeves, charakterlich erblühen. Zunächst wird im Prolog Kit mit ihrer persönlichen Motivation für den Polizeiberuf offenbart, gefolgt von ihrer besonderen Ermittlungsarbeit mit hoher Aufklärungsquote zusammen mit ihren authentisch wirkenden Kollegen. Auch ihre warmherzige Adoptionsfamilie im Hintergrund vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Diese professionelle, aber auch mitfühlende und fürsorgliche Polizistin ermittelt bereits langatmig in Sachen Serienkiller, der über zwanzig Jahre hinweg junge, zierliche Mädchen erdrosselt und in Parks vergräbt. Beginnend mit einem anonymen Hinweis an die Polizei sorgt der Psychologe Sam für reichlich Spannung. Er betreut zwanghafte Lügner und gerät dabei in Gewissenskonflikte. Eine Prise Romantik zwischen den Hauptcharakteren steigert den Lesegenuss im nachvollziehbaren Plot mit liebenswerten und verkorksten Figuren. Erzählt wird in der dritten Person ohne zu viele Rückblenden. Weder übertrieben, noch zu konstruiert wirken alle Figuren, weder die Bösewichte noch die Guten. Der unerwartete Täter versteckt sich in einer nicht vorhersehbaren, interessant verwobenen Handlung mit reichlich Konfliktstoff. Ein gelungener Thriller.

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Veröffentlicht am 24.11.2023

Die dramatische Verzweiflung von Eltern – ein realistischer Plot?

Stunde um Stunde
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Das Cover in Schwarz und Rot zeigt eine zerbrochene, wohl Blut verschüttende Ampulle neben weiteren aufgereihten, mit roter Flüssigkeit gefüllten Ampullen– eine doch düstere Atmosphäre passend herauf beschwörend. ...

Das Cover in Schwarz und Rot zeigt eine zerbrochene, wohl Blut verschüttende Ampulle neben weiteren aufgereihten, mit roter Flüssigkeit gefüllten Ampullen– eine doch düstere Atmosphäre passend herauf beschwörend. Denn als wichtiger Tatort sticht das Labor 21 im Hertzberg-Davis Institut für Forensische Forschung in Los Angeles heraus, denn in diesem Labor lagern viele Proben, auch sogenannte One-Shots, die für die Aufklärung wichtiger Fälle existenziell sind. Man hat also nur eine einzige Chance für die Auswertung der Probe zur möglichen polizeilichen Aufklärung, danach ist alles verloren. Ein Cold-Case, aufgeklärt in 24 Stunden, bildet den spannenden Rahmen zur Vorstellung von Undercover-Detective Charlie Hoskins und der frischgebackenen Polizistin Lynette Lamb. Das verzweifelte Ehepaar Delaney, Geiselnehmer von 3 Personen, zerstört zunächst alle zwei Stunden eine solche einzigartige Probe, wenn man nicht ihr seit zwei Jahren vermisstes Kind findet. Im Verlaufe dieses Geiseldramas kommt es zu Verletzten und Getöteten, bei denen die Einsatzkräfte vor Ort der Polizeichefin kräftig in den Rücken fallen, während sich der enttarnte Undercover-Agent Charly Hoskins und die noch vor Dienstantritt geschasste Polizistin Lamb auf die Suche nach diesem Kind machen. Stunde um Stunde werden nun unwiederbringliche Beweise anderer ungeklärter Fälle im Labor vernichtet. Die beiden Hauptcharaktere ermitteln unter Zeitdruck aus unterschiedlichen Motiven: Charlys Proben aus 5-jähriger Undercover-Arbeit über eine äußerst kriminelle Rockerbande drohen auch die Vernichtung im Labor 21, Lynette möchte als Polizistin bei der LAPD eingestellt werden. Die zwei Handlungsstränge das Schicksal des vermissten Kindes Tilly und das Geiseldrama betreffend werden durch drei Erzählperspektiven aufgelockert: Sicht der Geiseln und Geiselnehmer, der Polizei rund um die Geiselnahme, während Charles Rückblicken und beider Suche nach Beweismitteln. Besonders die originellen, sympathischen Charaktere rund um Charly wie sein Kumpel Surge oder seine große Schwester begeistern wie auch die kreativen Dialoge im ganzen Krimi. Es entwickeln sich dramatische Ereignisse mit einigen Cliffhangern, auch in etlichen, vielleicht zu vielen Nebenschauplätzen, mit einem ebensolch überraschenden Ende. Für unrealistisch halte ich die Aufklärung eines solchen Cold Cases innerhalb von 24 Stunden. Die Polizeiarbeit mit ihren ungenügenden Ermittlungsmethoden sowie deren Loyalität gegenüber der Vorgesetzten sorgen in ihrer Beschreibung für Nachdenklichkeit.
Insgesamt ist das kreative Setting, die verschiedenen Charaktere, der Plot vielfältig gelungen.

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Veröffentlicht am 21.11.2023

Spiritualismus zur Zeit Königin Viktorias

Die geheime Gesellschaft
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Das Cover zeigt wohl einen oval förmigen Goldrahmen eines Spiegels ins Zentrum, der den Buchtitel perfekt hervorhebt. Eine brennende Kerze und rundum scheinbar schwebende Blüten auf neblig blauem Untergrund ...

Das Cover zeigt wohl einen oval förmigen Goldrahmen eines Spiegels ins Zentrum, der den Buchtitel perfekt hervorhebt. Eine brennende Kerze und rundum scheinbar schwebende Blüten auf neblig blauem Untergrund leiten zum geheimnisvollen Inhalt sinnvoll und kreativ hin. Das späte Viktorianische Zeitalter um 1873 mit seinen teils sehr teuren, renommierten Herrenclubs in London, Séancen und Trauerbräuchen stehen im Mittelpunkt. Weiterer Schauplatz zweier geheimnisvoller Frauen namens Vaudeline D’Allaire und Lenna Wickes, agierend als Spiritualistinnen und Wahrsagerinnen, ist Paris mit viel freieren Sitten zwischenmenschlicher Art. Die spirituelle Bewegung, zentriert um Kommunikation mit den Toten mit theatralischen, betrügerischen Darbietungen, führt hier spannend zur Lösung eines außergewöhnlichen Morddesasters. Dass Frauen als Medium in Sachen Spiritismus speziell bei Mordopfern um Kontaktaufnahme gebeten werden, wird hier praktiziert, sogar von der ausschließlich aus Männern bestehenden Geheimgesellschaft »Séance Society«. Während die Entlarvung dieser kriminellen Gentleman Society und die Aufklärung mehrerer Morde gelingen, ändern sich speziell bei Lenna auch die logischen Ansichten über Wissenschaft und nicht greifbarer Geisterwelt. Auch werden Konventionen hinsichtlich der geschätzten Brautwerbung der Londoner Gesellschaft von ihr aufgegeben, mutig für die damalige Zeit. Begriffe wie Meton-Zyklus, Lampadomantie, Geisterhörner oder Ektoplasma etc. lassen materielle Techniken der Séancen als greifbares Zeichen für das Jenseits bildlich vorstellbar werden. Die fiktiven Beschwörungsformeln aus sieben Phasen einer hier praktizierten Séance sind kreativ zusammengestellt und spannend eingeflochten bei der Mordaufklärung besonders im Londoner Wermutkeller. Alle Charaktere überzeugen, der Schreibstil unterstreicht passend den dramatischen Handlungsverlauf.

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