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Veröffentlicht am 29.01.2020

Nichts ist vergessen ...

Eisgrab
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Der Thriller „Eisgrab“ von Mads Peder Nordbo ist der zweite Teil der Abenteuer des Journalisten Matthew Cave, der auf Grönland geboren wurde und dort lebt und arbeitet.

Der Autor greift auch in diesem ...

Der Thriller „Eisgrab“ von Mads Peder Nordbo ist der zweite Teil der Abenteuer des Journalisten Matthew Cave, der auf Grönland geboren wurde und dort lebt und arbeitet.

Der Autor greift auch in diesem Band politische Ereignisse auf und integriert sie in eine spannende und zum Teil recht grausame Handlung. Matthews Vater ist ein amerikanischer Biochemiker, der in Rahmen seines Einsatzes in der US-Army auf der Thule Airbase, die 1951 in Grönland errichtet wurde, stationiert war. Hier im Roman versuchte die Army ein Mittel zu entwickeln, das Menschen unempfindlich gegen Kälte machen sollte. Daran war Matthews Vater Tom maßgeblich beteiligt. Doch die Pillen hatten fatale Nebenwirkungen auf die Psyche der Menschen. Das Experiment verlief alles andere als gut. Toms Vater geriet unter Mordverdacht.

Doch all diese Fakten erfährt Matthew erst später, als er sich zusammen mit seiner rätselhaften Begleiterin Turpannaq auf die Suche nach seiner verschwundenen Halbschwester Arnaaq macht. Beide entdecken eine vergessene unterirdische Stadt mit wenigen seltsamen Bewohnern und geraten in schreckliche und grausame Situationen.

Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. Aber es ist auch eine sehr anspruchsvolle und fordernde Lektüre, da Ereignisse auf verschiedenen Zeitebenen geschildert werden. Gemeinsam ist allen Geschehnissen eine unsägliche Grausamkeit. Der Leser trifft korrupte Beamte aus dem ersten Teil wieder und kann die Rachegedanken Tupaarnaq sehr gut verstehen. Die Ausmaße von Inzest, Missbrauch und Vergewaltigung machen auch in diesem Thriller wieder sprachlos. Es finden sich Spuren, die bis in die heutige Zeit reichen. Dabei geraten Matthew, Tupaarna und Arnnaaq in mehrfach gefährliche Situationen, als die Handlungsstränge der Vergangenheit sich mit der Gegenwart vereinen. Manchmal waren aber für mich auch Situationen verwirrend oder sogar unglaubwürdig, wenn Matthew sich rasant schnell von schwersten Verletzungen erholt. Doch dank überraschender Wendungen bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. Der Schreibstil liest sich flüssig und beschreibt Situationen präzise und genau.

Fazit:
Mit diesem spannenden Thriller, der grausame Szenen, gesellschaftliche Probleme, die Thematik der Amerikaner auf Grönland und die Natur des hohen Nordens perfekt vereint, ist Mads Peder Nordbo ein von Kälte, Eis und geheimnisvollen Riten der Inuit inspiriertes packendes Buch gelungen. Aus meiner Sicht ist es eine Leseempfehlung und hat 4 Sterne verdient.

Das Rezensionsexemplar wurde mir dankenswerter Weise von NetGalley zur Verfügung gestellt und hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.



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Veröffentlicht am 19.01.2020

Ostfriesland ist keine Idylle mehr

Der Tote vom Großen Meer. Ostfrieslandkrimi
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Der neue Krimi „ Der Tote vom Großen Meer“ von Alfred Bekker ist der 5. Fall für Kommissar Steen und der erste Fall dieses Autors für mich. Der Beginn ist dramatisch – gleich drei erschossene Menschen ...

Der neue Krimi „ Der Tote vom Großen Meer“ von Alfred Bekker ist der 5. Fall für Kommissar Steen und der erste Fall dieses Autors für mich. Der Beginn ist dramatisch – gleich drei erschossene Menschen in zwei Kapiteln.
Schauplatz ist die Gegend um das „Große Meer“, ein natürlich entstandener Niedermoorsee, der zwischen Aurich und Emden liegt. Hier auf einem Campingplatz sind viele Urlauber und nun dieser rätselhafte Fall, der Kommissar Steen und seinem Team Einiges abverlangt.

Einen der Toten, einen in der Gegend ansässigen Landwirt, erkennt die Polizistin Altje sofort. Die anderen beiden können bald nach ersten Ermittlungen auch identifiziert werden. Einer gilt als islamistischer Gefährder und ist für das BKA kein Unbekannter. Doch leider hatte man dort seine Spur verloren, bis er als Toter in Ostfriesland gefunden wurde.
Weitere Recherchen führen die Ermittler zu einem in Bremen ansässigen Clan. Welche Ziele werden in Ostfriesland verfolgt und welche Rolle spielt ein Mann mit einer markanten Narbe im Gesicht?

Erzählt wird eine komplexe und phantasievolle Geschichte mit Liebe zum Detail. Überraschungen unterschiedlicher Art und unerwartete Wendungen bringen Spannung. Aufgelockert wird der Fall durch die Kollegen des Kommissars. Altje, die im Nebenerwerb auf dem Hof ihrer Eltern tätig ist, kennt die Ortsansässigen und ihre Geschichten genau, manchmal zu genau für den Geschmack ihres Chefs. Ein anderer Kollege, Ihno Purwin, läuft kurz vor seiner ersehnten Pensionierung noch einmal zur Höchstform auf und kann seinem Chef ein ebenbürtiger Partner werden.

Außerdem ist da noch der Journalist Tammo Tjaden von der Lokalpresse, der immer wieder den Weg von Kommissar Steen kreuzt, sich aber dieses Mal erstaunlicherweise als kooperativ und nützlich für den Fall erweist.

Die Kriminalgeschichte ist gut durchdacht und in sich schlüssig gelöst. Die Personen sind authentisch und ihre Handlungsweisen nachvollziehbar. Der flotte Schreibstil liest sich ausgezeichnet.

Fazit:
Ein kurzweiliger Krimi mit viel Lokalkolorit, der von Beginn an unterhält und mit einigen unerwarteten Wendungen punkten kann. „Der Tote vom Großen Meer“ ist gelungen und Lesevergnügen pur. Spannend und unterhaltsam – deshalb vergebe ich gern 5 Sterne und empfehle das Buch allen Freunden von guten Ostfrieslandkrimis.

Mein Dank gehrt an den Klarant-Verlag, der mir kostenlos ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine ehrliche Lesermeinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Veröffentlicht am 26.12.2019

Eine Yacht ohne Skipper

Skippermord in Bensersiel. Ostfrieslandkrimi
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In ihrem 9. Fall müssen sich Nina und Bert um einen toten Skipper kümmern, der von zwei Fischern in der Nordsee zwischen den Inseln Langeoog und Baltrum entdeckt wurde. Der Hafenmeister erkennt ihn sofort ...

In ihrem 9. Fall müssen sich Nina und Bert um einen toten Skipper kümmern, der von zwei Fischern in der Nordsee zwischen den Inseln Langeoog und Baltrum entdeckt wurde. Der Hafenmeister erkennt ihn sofort – es ist ein Psychologe aus Münster, der vor kurzem in den Ruhestand gegangen ist und jetzt mit seiner Motoryacht die ostfriesische Küste von Bensersiel aus erkundet.

Seine Yacht ist im Hafen und bald wird klar, dass er keines natürlichen Todes gestorben ist. Hatte er Feinde? Seine Ehefrau, die mit ihrer Schwester in Schweden weilte, kann die Frage nach einem Mordmotiv nicht beantworten. So bleibt dem Team von Nina und Bert nichts weiter übrig, als akribisch das Privatleben der Eheleute zu recherchieren. Die Entdeckung von Wanzen im Wohnwagen der beiden und ein Anschlag auf die Ehefrau bringen Tempo in die Ermittlungen.

Der Schreibstil von Rolf Uliczka ist flüssig und sehr gut zu lesen. Durch immer neue Erkenntnisse ist die Spannung garantiert. Immer wieder führen vermeintliche Spuren in eine Sackgasse und die Ermittler müssen den Fall neu durch denken. Polizeiarbeit ist auch immer Routine und Warten auf Zuarbeiten von anderen Behörden. Das zehrt manchmal ganz schön an den Nerven von Nina und Bert, die viel lieber handeln würden. Doch Geduld ist notwendig, wenn man Verbrecher auf frischer Tat überführen will.

Wie das gelingt und welche heiße Spur tatsächlich entdeckt wird, möchte ich hier natürlich nicht verraten. Nur so viel: Die Lösung des Kriminalfalls ist in sich schlüssig und nachvollziehbar.

Mich hat dieser Ostfrieslandkrimi gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich 5 Sterne sowie eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.12.2019

Humorvoll und nachdenklich

Das Leben ist ein listiger Kater
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Die Erzählung „Das Leben ist ein listiger Kater“ war für mich auf jeder Seite anspruchsvolle und lustige Unterhaltung pur.

Der 67jährige Jean-Pierre erwacht schwerstverletzt im Krankenhaus. Er wurde ...

Die Erzählung „Das Leben ist ein listiger Kater“ war für mich auf jeder Seite anspruchsvolle und lustige Unterhaltung pur.

Der 67jährige Jean-Pierre erwacht schwerstverletzt im Krankenhaus. Er wurde von dem jungen Prostituierten Camille aus der Seine gefischt. Daran, wie es dazu kam, fehlt ihm die Erinnerung. Aufgrund von diversen Knochenbrüchen und inneren Verletzungen kann sich Jean-Pierre nicht bewegen, sondern nur nachdenken. So reflektiert er sein Leben auf ungewöhnliche Weise. „Allein zu sein heißt auch, sich um niemanden zu sorgen.“ Unterbrochen wird er dabei durch eine 14 jährige Patientin, die sich immer wieder, ohne viel nachzufragen, sein Laptop leiht. Besuche des jungen Polizisten Maurice und seines Retters Camille erfreuen ihn nur bedingt. Dabei ergeben sich immer wieder skurrile Situationen und Gespräche, die mich nicht nur schmunzeln, sondern lachen ließen. Die Autorin Marie-Sabine Roger ist eine Meisterin des Wortwitzes und der Ironie. Ihr flotter Schreibstil liest sich ausgezeichnet.

Als Jean-Pierre von seiner verstorbenen Frau Annie und ihrem unerfüllten Kinderwunsch nach drei Fehlgeburten berichtet, kommt er zu folgendem Résumé: „Sieben oder acht Jahre gab sie ein Vermögen an Zeit, Geld, sinnlosen Mühen und geplatzten Träumen. Tausend Mal wurde ihr gesagt, man müsse hoffen und man lebe von der Hoffnung. Von der Hoffnung leben vor allem die, die daraus Profit schlagen.“

Jean-Pierre ist ein eigensinniger Kauz, der zunächst nicht unbedingt Sympathie ausstrahlt. Doch im Verlauf der Geschichte verändert er sich, obwohl er sich immer wieder dagegen sträubt. Aber er ist auch ein guter Beobachter, der sich doch für das Schicksal seiner Mitmenschen, Patienten, Schwestern, Ärzte und Besucher interessiert. Er zeigt sogar Ansätze von Hilfsbereitschaft und empfindet am Schluss Empathie mit anderen. Dabei kann er sich auf seinen Humor verlassen. „Wir können lachen: Wir sind noch am Leben.“

Es macht Freude seine Entwicklung in ganz kleinen Schritten vom völlig hilflosen Patienten zur relativen Eigenständigkeit mit fortschreitender Genesung zu verfolgen. Vor allem, wenn man selbst, vor nicht allzu langer Zeit im Krankenhaus war, kann man diesen Aspekt der Geschichte schätzen.

Viel zu schnell die Geschichte am Ende und als Leser versteht man jetzt auch den Buchtitel. Es ist wahrer Lesegenuss. Gern vergebe ich 5 Sterne und eine klare Empfehlung. Ich werde Jean-Pierre vermissen.

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Veröffentlicht am 30.11.2019

Wer ist das Opfer?

In den Fängen der Schuld
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Julia Neumann erzählt in ihrem zweiten Krimi „In den Fängen der Schuld“, erschienen im PIPER-Verlag, eine sehr diffizile und außergewöhnliche Geschichte, die den Nahostkonflikt hautnah in Deutschland ...

Julia Neumann erzählt in ihrem zweiten Krimi „In den Fängen der Schuld“, erschienen im PIPER-Verlag, eine sehr diffizile und außergewöhnliche Geschichte, die den Nahostkonflikt hautnah in Deutschland spüren lässt. Es gehört auch viel Mut dazu einen Krimi zu schreiben, der aktuelle Entwicklungen aufzeigt und kritisch hinterfragt. Hier werden keine Klischees wiederholt, sondern die Autorin hat eine eigene Meinung, die sich in ihren Hauptpersonen widerspiegelt.

Im Mittelpunkt steht der junge Kommissar Marcus Morelli, der bald einen ganz persönlichen Bezug zu diesem Fall bekommt. „…er wird zu einem brutalen Überfall gerufen: Hooligans haben einen knapp achtzigjährigen Israeli krankenhausreif geschlagen. Ein Fall mit antisemitischem Hintergrund ist das letzte, was Morelli sich wünscht.“ Als er den Enkel darüber informieren will, findet er ihn erschlagen im Eingangsbereich des Hauses seines Großvaters.

Aber es wird noch schlimmer – Vertreter der Presse bekommen Wind davon. Beim Versuch die Journalisten abzuwehren, passiert es. Unglückliche Fotos von Morelli und falsch zitierte Aussagen kommen in die Zeitungen. Sein Chef tobt, denn seit den Vorfällen Silvester 2015 steht die Polizei in Köln unter besonderer Beobachtung der Presse. Jetzt noch dieser Fall eines ermordeten Juden in Deutschland. Morelli weiß es ist keine jüdische Lobby, „sondern die Angst vor ihr, die das Denken seines Chefs bestimmte.“

Doch bald führen die Spuren bei der Suche nach dem Motiv weg von den rechten Hooligans zu einer palästinensischen Austauschstudentin. Er versucht mehr über die Menschen hinter dem Fall zu erfahren. Aber Antworten zu finden ist schwer und Morelli muss sich seiner eigenen linken Vergangenheit stellen. Mit diesem Protagonisten ist der Autorin eine sehr interessante und sympathische Person gelungen. Manchmal erscheint er etwas ungeschickt, aber Morelli ist frei von Vorurteilen. Das hilft ihm bei seinen Untersuchungen weiter, als die Armeezeit des Mordopfers in seinen Blickpunkt gerät.

Ausgerechnet in Hebron im besetzten Westjordanland war Oz stationiert. Irgendetwas ist hier passiert, was ihn verändert hat. Obwohl Morelli zwischenzeitlich sogar vom Dienst suspendiert wurde, gibt er nicht auf und reist selbst nach Israel, genauer gesagt nach Hebron. Hebron ist jene Stadt, wo sich die Gräber Abrahams und weiterer Patriarchen befinden. Sie könnte ein Symbol dafür sein, was Juden, Muslime und Christen verbindet. Aber nicht im Israel von heute.
Nirgendwo ist der Nahostkonflikt so präsent wie in Hebron, der geteilten Stadt im Westjordanland, wo Palästinenser und radikale israelische Siedler direkt aufeinander treffen. Bewaffnete Auseinandersetzungen sind hier an der Tagesordnung und Morelli steckt bald direkt darin. Nur mit etwas Naivität und viel Idealismus, kann man solche Reise wagen. Die Schilderungen sind hochinteressant. Sie weisen Julia Neumann als kenntnisreiche Autorin Israels aus. Aber auch der Humor kommt hier nicht zu kurz. Ein Beispiel dafür: Ausgerechnet am Sabbat kommt Morelli in Jerusalem an, ahnt nicht, was das bedeutet und steckt fest, weil keine Straßenbahn mehr fährt. Aber die arabischen Busse fahren und er gelangt nach Hebron. Dort gelingt es ihm tatsächlich sein Vorhaben zu erfüllen und der Auflösung ganz nah zu kommen, ungeachtet der großen Gefahren denen er ausgesetzt ist. Nur die Kontakte seines Chefs zum Innenministerium können ihm noch helfen, als er vom israelischen Militär verhaftet wird.

Die Lösung der Mordfalls ist eine echte Überraschung und in sich absolut schlüssig.

Fazit:
„In den Fängen der Schuld“ ist nicht nur unheimlich gut und spannend erzählt, sondern es macht auch betroffen. Das Buch gibt keine Antworten auf Fragen, aber es regt zum Nach- und Mitdenken an. Es gewährt tiefe menschliche Einblicke und zeigt viele Facetten des Nahostkonflikts.
Julia Neumanns flüssiger und informativer Schreibstil fesselt von Beginn an. Rückblicke in die Vergangenheit von Eliah und seinem Enkel Oz geben dem Krimi eine zusätzliche historische Dimension und verdichten die Problematik.

Aus meiner Sicht ist dieser politische Krimi eine klare Leseempfehlung und hat 5 Sterne verdient.