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Veröffentlicht am 21.02.2023

Irrelevante Nebenhandlungen und anstrengende Charaktere

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Besonders spannend fand ich die Geschichte leider nicht, die Sage ist ja schon sehr bekannt und der Klappentext fasst den größten Teil auch gut zusammen. Interessant wären hier aber die eigene Interpretation ...

Besonders spannend fand ich die Geschichte leider nicht, die Sage ist ja schon sehr bekannt und der Klappentext fasst den größten Teil auch gut zusammen. Interessant wären hier aber die eigene Interpretation und auch ganz besonders die Gefühle der Charaktere, und da war ich eher enttäuscht.

Titel und Inhaltsbeschreibung stellen Medusa in den Mittelpunkt der Geschichte, aber die zahlreichen Nebencharaktere bekommen genauso viel Aufmerksamkeit, sodass Medusa selbst eher kurz kommt. Die Figuren werden ziemlich deutlich in Opfer und Täter aufgeteilt; selbstsüchtige Götter wie Zeus, Poseidon und Athene haben gar keinen Bezug zum Leben der Sterblichen, es geht ihnen nur um Macht und ihren Stolz. Die Sterblichen sind nur kleine, machtlose und unbedeutende Spielfiguren, die irgendwie mit den unberechenbaren Launen der Götter leben müssen.

Medusa wird als Baby ihren göttlichen Gorgonenschwestern überlassen, die aus Zuneigung zu ihr lernen müssen, wie man sich um jemanden sorgt. Ich fand es schön, wie die drei voneinander lernen und sich weiterentwickeln. Die Liebe zu ihrer Schwester macht Euryale und Stheno menschlicher, obwohl ihnen solche Empfindungen früher fremd waren.

Besonders schlimm ist Perseus, der den Kopf einer Gorgone braucht, um seiner Mutter zu helfen. Auch wenn die Götter schreckliche Taten vollbringen, so wie Vergewaltigungen und Flüche, ist Perseus schon ein besonderer Antagonist, weil er ja auch wie ein Mensch aufgewachsen ist. Er wirkt durchgehend erbärmlich und es soll klar sein, wie ungerecht seine Jagd ist, da er ein überheblicher Versager ist, der alleine nichts zustande bringt und auch nicht den geringsten Ruhm verdient. Medusa hingegen hat hier nie etwas getan, das ihren Tod auch nur im geringsten rechtfertigen würde. Ich kann sagen: Die Botschaft ist laut und deutlich angekommen.

Ich fand, dass man bei manchen Charakteren nicht so weit hätte ausholen müssen. Die Geschichten von Andromeda und Athene beginnen noch vor ihrer Geburt oder Entstehung, so wird das Buch immer länger, aber ich hatte das Gefühl, diese Ausführungen wären irrelevant. Medusas Leben hingegen fand ich vielversprechend, da hätte ich gerne mehr von gesehen. Der Schreibstil soll auch den Gefühlen der Charaktere entsprechen und schwankt zwischen tiefsinnig und oberflächlich, wobei letzteres leider häufiger vorkommt.

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Veröffentlicht am 17.02.2023

Androgynie, Kulturkonflikte und Denkanstöße in einem spannenden Science-Fiction-Abenteuer

Die linke Hand der Dunkelheit
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Bereits mit dem Vorwort war mein Interesse geweckt, da wird man schon zum Nachdenken angeregt, was für eine Metapher Science Fiction sein kann. Danach geht es mit Genly Ai weiter, der als Botschafter des ...

Bereits mit dem Vorwort war mein Interesse geweckt, da wird man schon zum Nachdenken angeregt, was für eine Metapher Science Fiction sein kann. Danach geht es mit Genly Ai weiter, der als Botschafter des Ekumen, ein Bündnis Tausender anthrotypischer Nationen über viele verschiedene Planeten, auf Gethen ist, um die beiden Nationen des Planeten zu überzeugen, dem Bündnis beizutreten. Er ist nun schon seit einem Jahr in Karhide, die Menschen haben sich langsam an ihn gewöhnt und er hat bald eine Audienz beim König, aber dann läuft alles ganz anders als geplant.

Es ist Science Fiction, aber es gibt kaum nennenswerte Technologie, ein Grund mag auch das Alter der Geschichte sein, die schon vor über fünfzig Jahren verfasst wurde. Doch es liegt auch am Fokus der Erzählung: Der Kulturkonflikt zwischen Genly Ai und den Bewohnern des Planeten Gethen. Sie haben eine andere Politik und Art, sich auszudrücken und Genly ist sich nicht mehr sicher, ob er dem obersten Minister Estraven, der sein wichtigster Ansprechpartner ist, überhaupt noch trauen kann. Kulturell bedingte Kommunikationsschwierigkeiten werden zu schwerwiegenden Missverständnissen; obwohl sie das gleiche Ziel haben, schaffen sie es nicht, zusammenzuarbeiten, um es zu erreichen.

Da die Geschichte zum größten Teil als Bericht des Stationärs Genly Ai verfasst ist, ist auch die Sprache meistens eher sachlich gehalten, es gibt viele Fachbegriffe und jede Menge wissenschaftlich klingende Fragen und Beobachtungen. Ein zentraler Punkt sind dabei auch die biologischen Unterschiede, da Gethens Bewohner allesamt androgyn sind. Genly, der eine Einteilung in zwei Geschlechter gewohnt ist, begegnet dieser Tatsache ziemlich offen, aber ist auch immer wieder versucht, bestimmte Verhaltensweisen als männlich oder eher weiblich anzusehen. Auch das Paarungsverhalten wird ausführlich beschrieben und Genly denkt viel darüber nach, wie ihre Sexualität und auch die Umwelt die Kultur der Gethener prägt.

Das klingt alles ziemlich trocken, aber zum einen sind diese Denkanstöße faszinierend umgesetzt, und außerdem haben Genly Ai und Estraven eine Mission, bei der politische Ansichten kollidieren und so wird es zu einem gefährlichen und spannenden Abenteuer.

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Veröffentlicht am 14.02.2023

Unterhaltsamer Anfang, danach ein eher ernster Ton

The Man I Never Met – Kann man lieben, ohne sich zu kennen?
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Die Geschichte von Davey und Hannah beginnt sehr unterhaltsam und süß, der amerikanische Davey ruft die falsche Nummer an und landet nicht bei seinem Vorstellungsgespräch, sondern bei Hannah. Sie bleiben ...

Die Geschichte von Davey und Hannah beginnt sehr unterhaltsam und süß, der amerikanische Davey ruft die falsche Nummer an und landet nicht bei seinem Vorstellungsgespräch, sondern bei Hannah. Sie bleiben in Kontakt und werden schnell zu mehr als nur Freunden, die es kaum erwarten können sich endlich zu treffen, wenn Davey für seinen neuen Job nach London zieht.

Entgegen meiner Erwartung gibt es hier kein Mysterium, nicht mal einseitige Geheimnisse zwischen den Protagonisten, in die nur die Leserschaft eingeweiht ist. Man weiß von Anfang an, warum Davey und Hannah sich nicht treffen. Beide Protagonisten haben ihre eigene Perspektive und ich weiß nicht, was ich zu der Geschichte sagen kann, ohne schon zu viel zu verraten.

Das Buch hat sich nach dem Anfang auf jeden Fall ganz anders entwickelt als erwartet und das hat mich schon ziemlich enttäuscht. Der Mittelteil zieht sich in die Länge, während die Protagonisten sich im Kreis drehen, nachdem sie spontane Entscheidungen getroffen haben und versuchen, mit den Konsequenzen zu leben.

Die ersten Seiten, bis zur Wende, haben mir so gut gefallen, die Verbindung zwischen den Charakteren war sofort da, aber es war so schnell wieder vorbei und ich hatte das Gefühl, dass sich damit auch der Ton der gesamten Geschichte grundlegend verändert hat. Es war so locker und mit dem Blick nach vorne gerichtet, dann allerdings wurde es eher hoffnungslos und es war frustrierend, Davey und Hannah dabei zuzusehen, wie sie sich mehr oder weniger treiben lassen.

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Veröffentlicht am 12.02.2023

Gift, Magie und viel Lärm um nichts

Silver & Poison, Band 1 - Das Elixier der Lügen
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Poisoner, Narratives und Artists sind die drei Arten von Magiern in New York. Avery ist keine besonders begabte Poisonerin, aber ihre magischen Zugaben in den Drinks machen die Bar ihres Bruders sehr beliebt. ...

Poisoner, Narratives und Artists sind die drei Arten von Magiern in New York. Avery ist keine besonders begabte Poisonerin, aber ihre magischen Zugaben in den Drinks machen die Bar ihres Bruders sehr beliebt. Da sie als Jugendliche in die Fänge einer Gang geraten ist, muss sie manchmal auch gefährliche Getränke herstellen, aber eigentlich möchte sie damit nichts zu tun haben. Als dann noch ein attraktiver Detective, mysteriöse Morde an Magiern, verborgene Erinnerungen und unerwartete magische Kräfte hinzukommen, wird ihr Leben noch komplizierter.

Die ersten hundert Seiten der Geschichte fand ich noch ziemlich langweilig und es dauerte eine Weile, bis mich die Handlung überhaupt interessieren konnte. Er wird viel erklärt, ohne das man wirklich viel über die Welt und ihre Regeln erfahren wurde, oft werden Umgebungen und die aktuelle Situation beschrieben, das zieht das Buch etwas in die Länge.

Es gab so ein paar Sachen, die mich nicht so ganz überzeugen konnten, wie zum Beispiel Gangboss Dorian Mars, der Avery Anweisungen gibt, wenn sie mal Leute für ihn manipulieren soll. Es ist so oft die Rede davon, wie gefährlich er ist und wie viel Angst Avery hat, sich ihm zu widersetzen, aber eigentlich spürt man nichts davon. Bei der Liebesgeschichte ging es mir ähnlich, auch da wird oft von der Verbindung zwischen Avery und Hayes gesprochen, aber ich konnte da gar keine Chemie, Spannung oder Romantik fühlen, wenn sie sich unterhalten. Da habe ich mehr Liebe zum Großvater spüren können, der Avery aufgrund seiner Demenz teilweise nicht einmal erkennt. "Show, don’t tell" konnte dieses Buch leider nicht umsetzen.

Es gibt ein paar spannende Geheimnisse und Wendungen. Am Ende sind noch sehr viele Fragen offen und mit dem aktuellen Wissensstand gibt es auch einiges, was nicht wirklich Sinn ergibt und sich eher zu widersprechen scheint. Natürlich werden viele Fragen dann in der Fortsetzung beantwortet, aber das Buch lässt mich auch etwas verwirrt und enttäuscht zurück. Den Cliffhanger am Ende fand ich ganz gut gelungen, auch wenn es etwas unerwartet kam und ich gern einen stärkeren Bezug zum Rest der Handlung gehabt hätte.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Undercover-Job und Fake-Dating - einfach und unterhaltsam

Love You After All
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Die Geschichte bietet eigentlich schon genau das, was man auch erwarten würde: Zwei Polizisten wie Katz und Maus, die für ihre Arbeit ein verliebtes und verlobtes Pärchen spielen müssen, das dazu noch ...

Die Geschichte bietet eigentlich schon genau das, was man auch erwarten würde: Zwei Polizisten wie Katz und Maus, die für ihre Arbeit ein verliebtes und verlobtes Pärchen spielen müssen, das dazu noch in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Ich fand es besonders unterhaltsam, dass sie auch andere Persönlichkeiten vorspielen mussten, was Eden eher schwerfällt. Sie ist zwar eine mutige und zielstrebige Polizistin, hat aber noch nie einen Undercover-Einsatz machen müssen und gerade mit Marc als Partner ist ihre erste Reaktion immer Protest, selbst wenn seine Vorschläge auf seinen zahlreichen Erfahrungen basieren und durchaus hilfreich sind.

Aber ein großer Teil zur Verbesserung ihrer geheimen Identität besteht aus Änderungen ihrer Kleidung, denn die Männer dieser Stadt sollen Eden aus der Hand fressen, sie ist der hübsche, glänzende Köder. So richtig wohl fühlt Eden sich dabei nicht, aber natürlich spielt sie mit, weil sie immer entschlossen ist, ihre Arbeit gut zu machen. Ich fand es schon ein bisschen übertrieben, wie ihr alle hinterhersabbern. Marc hat sich schon länger zu Eden hingezogen gefühlt, aber die beiden bevorzugen es, einander verrückt zu machen. Sogar wenn Marc ihr bei ihrer Rolle hilft, tut er es auf eine neckende und provozierende Art.

Aber insgesamt macht die Liebesgeschichte der Protagonisten einfach Spaß. Sie bietet keine großen Überraschungen, aber bei dem Knistern zwischen Eden und Marc wird es trotzdem nie langweilig.

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