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Veröffentlicht am 11.09.2024

Wenn das Schicksal zuschlägt ...

Schicksalsstunden
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Mit „Schicksalsstunden“ präsentiert uns Katja Maybach einen ganz wunderbaren zweiten Band ihrer „Schicksalstrilogie“, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und in Teilen inspiriert wurde vom Schicksal ...

Mit „Schicksalsstunden“ präsentiert uns Katja Maybach einen ganz wunderbaren zweiten Band ihrer „Schicksalstrilogie“, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und in Teilen inspiriert wurde vom Schicksal ihres Großonkels, Hauptmann Franz Leiling. Er schließt direkt an Band eins an und durch geschickt eingewebte Details, war ich schnell wieder drin in der Geschichte. Das ehemalige Geschwistertrio besteht nun durch den tragischen Tod des geliebten Bruders Franz nur noch aus den beiden Schwestern Luise und Victoria. Victoria setzt alles daran, das Hotel Deutscher Kaiser wieder zu seinem ehemaligen Glanz zu verhelfen, nachdem es durch einen mutwillig gelegten Brand fast völlig zerstört wurde. Luise hingegen bleibt weiterhin mit dem Vater zerstritten und verbringt ihre Tage als Kostümbildnerin in Berlin. Während die Mutter der Beiden immer noch um den Sohn trauert, vergeht sie nebenbei weiterhin vor Eifersucht auf ihre Schwägerin. Immer wieder unterstellt sie ihrem eigenen Mann ein Verhältnis, das enger ist als es sein sollte. Auch die Söhne der Schwägerin und des Bruders sind inzwischen erwachsen und spielen eine signifikante Rolle in diesem Roman, besonders als Olga, die Enkelin des Brandstifters aufs Tapet kommt …

Die Stimmung zur damaligen Zeit ist mal wieder wunderbar eingefangen und die politischen Entwicklungen werden deutlich spürbar. Durch die bunte Mischung sympathischer Charaktere aber auch solcher, gegen die man beim Hören eine kaum zu ertragende Antipathie entwickelt, bleibt das Buch spannend bis zur letzten Seite. Katja Maybach ist die Symbiose zwischen Wahrheit und Fiktion bestens gelungen und ich freue mich schon jetzt auf den dritten und letzten Band, für den ich hoffentlich bald Zeit finden werden. Verbunden mit einer von Herzen kommenden Hör- bzw. Leseempfehlung, vergebe ich fünf, dicke, fette Sterne. Ich finde, dass dieser Band sogar noch einen Tick besser war als Band eins. Also zögert nicht und stürzt euch rein ins Hör- oder Leservergnügen!

Veröffentlicht am 10.09.2024

Forgotten names ... Valentina Sanina Schlee in the world of fashion ...

Die Modeschöpferin von Manhattan
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Diesmal hat sich die von mir sehr verehrte Autorin Joan Weng ein aufregendes Thema ausgesucht. Sie widmet ihren Roman der inzwischen leider vollkommen unbekannten Modedesignerin Valentina Schlee, die in ...

Diesmal hat sich die von mir sehr verehrte Autorin Joan Weng ein aufregendes Thema ausgesucht. Sie widmet ihren Roman der inzwischen leider vollkommen unbekannten Modedesignerin Valentina Schlee, die in den 40er Jahren viele Prominente Damen der Gesellschaft ausgestattet und auch um ihre eigene Person einen ganz schönen Wirbel veranstaltet hat. Man sagt ihr nach, dass sie „exzentrisch wie ein betrunkener Kolibri“ sei und da war sicher ein etwas in sich ruhender Gegenpol nötig, um die Dame des Hauses ein wenig in der Spur zu halten. Diese Rolle fällt ihrer jungen Assistentin Daisy zu, die mit viel Geduld und Umsicht Ordnung in das Chaos zu bringen versucht, in dem Valentina sonst unweigerlich versunken wäre. Daisy geht auf in ihrer Rolle, doch sie weiß, dass ihre Tage in New York gezählt sind, wollen ihre Eltern sie doch an den angehenden Südstaaten Anwalt Alistair verheiraten. Mit viel Geschick schafft sie es immer wieder einer geplanten Verlobung aus dem Weg zu gehen, denn ihr Herz schlägt für den irischen Journalisten Christopher Flanagan, der für ihre Eltern jedoch eine undenkbare Verbindung darstellt …

Ich freue mich, dass ich mit Hilfe der Autorin die schillernde Gestalt der Valentina Schlee kennenlernen und ein wenig in die Welt der Reichen und Schönen eintauchen durfte. Die schillernde Marlene Dietrich, Kathrin Hepburn, Präsidentengattin Eleanor Roosevelt und schließlich auch göttliche Greta Gabor gaben sich bei ihr die Klinke in die Hand. Aufgelockert wurde die Geschichte durch die junge Daisy und ihrer Entourage bestehend aus ihrer trinkfreudigen Tante und ihrer quirligen Freundin, so dass man nur so durch die Seiten flog. Gut gefallen hat mir die Mischung aus Wahrheit und Fiktion, wenn ich mir an manchen Stellen auch noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte. Diesem Roman hätten hundert Seiten mehr gutgetan. Dennoch vergebe ich für diese außerordentlich gut recherchierte Story sehr gerne vier schillernde Hollywood Sterne verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung. Es hat mal wieder Spaß gemacht, liebe Joan!

Veröffentlicht am 09.09.2024

Was nicht passt, wird passend gemacht ... das Leben des Paul Brenner im "Pott" und beyond ...

Kerl aus Koks
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Ich könnte mir vorstellen, dass sich der beliebte Schauspieler Michael Brandner mit „Kerl aus Koks“ einen kleinen Lebenstraum erfüllt hat. Durch die Augen seines imaginären Sidekicks Paul Brenner lässt ...

Ich könnte mir vorstellen, dass sich der beliebte Schauspieler Michael Brandner mit „Kerl aus Koks“ einen kleinen Lebenstraum erfüllt hat. Durch die Augen seines imaginären Sidekicks Paul Brenner lässt er hiermit sein eigenes Leben Revue passieren. Die Zeitspanne von 1951 bis 1994 ist erfüllt von Höhen und Tiefen, von mehr als einer lebensbedrohlichen Situation, von Armut und Hunger aber auch von einem Zusammenhalt im Ruhrpott, der seinesgleichen sucht. Sein erstes Trauma erlebt der kleine Paul, als er abrupt aus seinem vertrauten Heim in einer Pflegefamilie in Bayern gerissen wird, in dem es immer nach fluffigem Brot und Schweinsbraten riecht, denn seine Mutter hat andere Pläne. Sie hat „in den Pott“ geheiratet und präsentiert dem verdutzen Paul nicht nur eine zu enge Wohnung in einer der vielen Mietskasernen, sondern auch den neuen Mann Helmut, seines Zeichens Bergarbeiter. „Das ist jetzt dein neuer Vater!“ verkündet sich und Paul muss sich fügen. Doch schnell findet der Stiefsohn Gefallen an der Situation. Er liebt Menschen und ist bald umringt von ebensolchen, die ihm das Leben versüßen. Die Ruinen werden sein großer Spielplatz, begleitet von Fußball, Currywurst und den „Proleten“, wie seine Mutter Helmuts Familie abwertet bezeichnet. Er wird größer, muss in die Schule, die er recht lustlos absolviert. Er ist eben ein Träumer, ein kleiner Wildfang, ein kleiner Künstler aber hat das Herz am rechten Fleck. Welche Abenteuer er in seinem Erwachsenenleben bestreitet wird, wird an dieser Stelle nicht verraten. Lest selbst und lasst euch entführen in Pauls Welt. Langweilig wird es nicht, soviel kann ich versprechen!

Der verschmitzte kleine Kerl auf dem Cover ließ mich sofort zu dem Buch greifen und ich wurde nicht enttäuscht. Neben einer absoluten Leseempfehlung vergebe ich hier gerne vier glänzende Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Wer ist hier das wahre Monster ... ???

Kleine Monster
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Laut Klappentext suggerierte mir die Autorin Jessica Lind mit ihrem Buch „Kleine Monster“ eine tragische Geschichte um den kleinen Luca, der in der Schule einem Mädchen unaussprechliche Dinge angetan haben ...

Laut Klappentext suggerierte mir die Autorin Jessica Lind mit ihrem Buch „Kleine Monster“ eine tragische Geschichte um den kleinen Luca, der in der Schule einem Mädchen unaussprechliche Dinge angetan haben soll. Ich erwartete also eine Geschichte der Aufarbeitung dieses Vorfalls, erwartete vielleicht noch, dass dieser Vorfall vielleicht sogar die kleine Familie von Vater, Mutter, Kind zerstören könnte. Doch stattdessen erhielt ich eine Geschichte, in der die verkorkste Vergangenheit der Mutter Pias aufgearbeitet wurde. Der arme kleine Luca, über den man übrigens nie wirklich erfährt, was vorgefallen ist, rückt in diesem Buch total in den Hintergrund und Pia drängt sich förmlich ins Rampenlicht. Ok, vielleicht hätte man das noch verzeihen können, wenn denn nun wenigstens ihr Ballast aus der Vergangenheit leichter geworden wäre. Aber auch diese Aufklärung ist lückenhaft und nebulös und ließ mich als Leserin unbefriedigt zurück. Die Dreistigkeit dann auch noch Kinder als kleine Monster zu bezeichnen, gab mir irgendwie den Rest. Schade. Während der Schreibstil flüssig war und die Idee durchaus Potential gehabt hätte, ließ die Umsetzung zu wünschen übrig. Von mir gibt es deshalb leider nur gutgemeinte drei Sterne und leider auch keine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Es war ein weite, aber sehr lohnenswerte Reise zu Tante Rose ...

Dinner mit Rose
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Wegen des doch recht süßlich, in rosa gehaltenen Covers hatte ich ein wenig Sorge, dass es sich bei „Dinner mit Rose“ um einen schnulzigen Liebesroman handeln würde, der ordentlich auf die Tränendrüse ...

Wegen des doch recht süßlich, in rosa gehaltenen Covers hatte ich ein wenig Sorge, dass es sich bei „Dinner mit Rose“ um einen schnulzigen Liebesroman handeln würde, der ordentlich auf die Tränendrüse drücken sollte. Gott sei Dank stellte sich diese Sorge jedoch als überflüssig heraus. Die Geschichte rund um Josie, den jungen Rinderfarmer Matt und natürlich Rose hat durchaus Tiefgang bewiesen. Josies Tante Rose, die früher ihre Tage gerne rauchend und trinkend verbrachte und das Highlight auf jeder Party war, ist nicht mehr die alte. Lange hat sie sich geweigert, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sich ihre schwere Krebserkrankung einzugestehen. Als es schließlich jedoch unvermeidbar wird, wird sie – wenn sie persönlich es auch eher nicht für nötig befindet – liebevoll von ihrem Umfeld versorgt. Hier packen alle mit an, um ihr die letzten Monate oder vielleicht auch nur noch Wochen ihres Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten. Ihren Dank drückt sie besonders Matt und Josie gegenüber auf sehr einfühlsame Weise aus …

Diese Geschichte, die leicht ins rührselige hätte abdriften können, hat mich trotz ihres eher traurigen Themas bestens unterhalten. Einige der Charaktere können es einfach nicht lassen, sich einzumischen, während wiederum andere von einer Katastrophe in die nächste stolpern. Mir hat der Ausflug nach Neuseeland sehr gut gefallen und mal wieder neugierig auf ein für mich möglicherweise neues Urlaubsziel gemacht. Hier vergebe ich gerne verdiente vier Sterne und spreche, zumindest für das Hörbuch, eine Empfehlung aus.