Profilbild von engineerwife

engineerwife

Lesejury Star
offline

engineerwife ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit engineerwife über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2022

Man darf die alten Klassiker nicht unterschätzen ... diesen empfehle ich !!

Vor Rehen wird gewarnt
0

„… und deren Bann man sich bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.“ Mit diesen Worten beschreibt der Klappentext dir Hauptfigur Ann Ambros, die von Männern gerne auch Angelina, die Engelsgleiche genannt ...

„… und deren Bann man sich bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.“ Mit diesen Worten beschreibt der Klappentext dir Hauptfigur Ann Ambros, die von Männern gerne auch Angelina, die Engelsgleiche genannt wird. Was für eine Ironie, denn mit Engeln hat sie genauso viel gemein wie die warme Sommerbrise mit einem schneidenden Eissturm. Seit sie ihr kleines Köpfchen zum Denken einsetzt schafft sie es, sich geschickt die Rosinen aus dem Leben zu picken, das für sie bestimmt ist. Auf heimtückische Weise spielt sie sich in den Vordergrund, lässt von den Eltern, der Schwester bis zu Nachbarn, Freunden und anderen Anverwandten nicht nur alle nach ihrer Pfeife tanzen, sondern gibt ihnen auch noch das Gefühl, dass sie ihnen damit etwas Gutes tut und sie ihr dankbar sein sollten. Doch man sollte sie nicht unterschätzen, denn Menschen in ihrem Dunstkreis, derer sie überdrüssig geworden, ist verschwinden oder sterben sogar. Auch ihre Ziehtochter Joy kann sich Anns Klauen nicht entziehen, bis eine große Tragödie passiert … oder etwa doch nicht?

Mir ging es beim Lesen tatsächlich so, dass ich das Buch gar nicht zur Seite legen wollte und immer wieder aufs Neue überrascht war, was für Grausamkeiten sich die Protagonistin ausgedacht hatte und wen sie damit alles ins Verderben stürzte. Mehr als einmal wollte ich ihr persönlich das Handwerk legen oder Betroffene vorwarnen, doch mir waren die Hände gebunden. Ich konnte nichts tun als die Geschichte atemlos zu verfolgen, was wegen der äußerst kleinen Schrift meines beinahe siebzig Jahre alten Exemplars fast ein wenig mühsam aber nicht minder unterhaltsam war. Ich vergebe für diesen Klassiker die volle Punktzahl. Mit Vicki Baum habe ich mich gerne in Vergangenheit zurückversetzen lassen. „Vor Rehen wird gewarnt“ wird bestimmt nicht mein letztes Buch der Autorin bleiben.

Veröffentlicht am 22.09.2022

Victims of circumstances beyond their control ...

Fliegen oder fallen
0

Es passiert mir nicht oft, aber es passiert. Nämlich, dass mich ein Buch ein wenig sprachlos zurücklässt und ich mir die Frage stellen muss … was war das jetzt eigentlich und hat es mir gefallen oder nicht? ...

Es passiert mir nicht oft, aber es passiert. Nämlich, dass mich ein Buch ein wenig sprachlos zurücklässt und ich mir die Frage stellen muss … was war das jetzt eigentlich und hat es mir gefallen oder nicht? Genauso geht es mir mit „Bad Ideas“ von Missy Marston, das im deutschen mit der ebenso passenden Überschrift „Fliegen oder Fallen“ betitelt wurde.

Das Buch spielt in einer fiktiven, heruntergekommenen Kleinstadt im Osten Ontarios im Jahr 1973. Beim ersten Kennenlernen mit den Protagonisten treffen wir zuerst auf die junge Trudy. Sie arbeitet in einer Fabrik, lebt mit ihrer Mutter Claire und ihrer kleinen Nichte Mercy zusammen und hatte seit fünf Jahren keinen Sex mehr. Doch dann kommt ein Fremder in die Stadt. Ein Fremder, der in Preston Mills einen Auto-Stuntsprung plant. Diese Ankunft löst eine Kette von unglaublichen Ereignissen aus ...

Aber nicht nur Trudy, sondern jedem Charakter im Buch wird eine Stimme gegeben – insgesamt sieben an der Zahl. Alle mit sich überschneidenden Leben. Alle wollen mehr vom Leben, als sie haben. Und alle haben oder treffen Entscheidungen, die sich später als schlechte Ideen entpuppen. Während ich immer wieder zwischen Mitleid und Wut schwankte, machten die Mitspieler einfach mit dem Leben weiter, trotz aller Konsequenzen die sie zu tragen hatten. Jeder nach seiner Fasson.

Auf den letzten Seiten dachte ich das Ende zu kennen, wurde dann jedoch überrascht von Wirkung, die der schließlich unerwartete Schluss auf mich hatte.

Die Geschichte von Ken „The Crazy Canuck“ Carters Versuch, mit einem raketengetriebenen Lincoln Continental über den Sankt-Lorenz-Strom zu springen, war Marstons Inspiration für „Fliegen oder Fallen“. Das Buch hätte von mir vom Inhalt her die Bestnote erhalten können, wenn sich mir da nicht dieser sperrige, abgehakte Schreibstil in den Weg gestellt hätte. Ich weiß, hier scheiden sich die Geister aber von mir gibt es leider nur drei von fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 22.09.2022

Die schmerzhafte Aufarbeitung eines jungen Lebens ...

Der Klang der Erinnerung
0

Gleich zu Anfang meiner Rezension möchte ich anführen, dass ich den Klappentext zu diesem Buch nicht wirklich passend finde. Er suggeriert, so meine ich, dass es um eine Geschichte rund den Haldenrutsch ...

Gleich zu Anfang meiner Rezension möchte ich anführen, dass ich den Klappentext zu diesem Buch nicht wirklich passend finde. Er suggeriert, so meine ich, dass es um eine Geschichte rund den Haldenrutsch in Aberfan geht, doch während dieser eine wichtige Rolle spielt, geht es eigentlich um viel mehr im Leben des einstigen Chorknaben William Lavery. Früh im Leben verliert dieser seinen geliebten Vater, wodurch seine Mutter ihn mehr denn zu lieben scheint, ihn regelrecht vergöttert. Sie schickt William, der eine engelsgleiche Stimme hat, ins Gesangsinternat nach Cambridge, wo er beginnt, eine steile Karriere hinzulegen. Dort findet er auch einen nicht minderbegabten Freund namens Martin, der ihm stets beschützend zur Seite steht. Doch dann geschieht das Unglaubliche, es kommt zum Bruch zwischen den beiden Freunden und kurz darauf überwirft sich William auch mit seiner Mutter. Der einst blütengesäumte Pfad in eine sonnige Zukunft nimmt eine unverhoffte Wendung und beschert William Albträume, die schließlich sein Erwachsenenglück zu zerstören drohen …

Ich tat mich anfänglich, tatsächlich eigentlich bis fast zur Hälfte des Buchs, ein wenig schwer, eine echte Leselust für das Buch zu entwickeln, ja fand es sogar fast zäh. Doch dann plötzlich hatte mich die Autorin Jo Browning Wroe abgeholt, um nicht zu sagen, mitgerissen. Ich fand mich zwischen Bedauern und Wut für und mit dem Protagonisten, der sich immer selbst im Weg zu stehen und mit seiner Hoffnung auf Glück im Leben abgeschlossen zu haben schien. Selbstmitleid und die mangelnde Bereitschaft Hilfe anzunehmen ärgerte und faszinierte mich gleichermaßen. Wenn auch der Schluss des Buchs drohte ins Kitschige abzudriften, schaffte es die Autorin mich vom Gegenteil zu überzeugen und ließ mich sogar ein paar Tränen zu vergießen. Schade, für die Bestnote hat es für mich nicht ganz gereicht, dennoch vergebe ich gerne wohlverdiente vier von fünf Sternen verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung. Die Welt der Balsamierer war mir bis dato fremd und ich habe mich gefreut, dass die Autorin mir diese – tatsächlich aus eigener Erfahrung sprechend – nähergebracht hat. Ich bin gespannt, ob wir uns noch auf weitere Romane aus ihrer Feder freuen dürfen.

Veröffentlicht am 22.09.2022

Wenn der Satz "Keine Macht den Drogen" plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt ...

Winters Knochen
0

Mit „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell hatte ich mal wieder ein altes Schätzchen aus den Tiefen meines Stapels ungelesener Bücher gezogen auf das ich richtig Lust hatte. Ich selbst hatte einige Jahre ...

Mit „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell hatte ich mal wieder ein altes Schätzchen aus den Tiefen meines Stapels ungelesener Bücher gezogen auf das ich richtig Lust hatte. Ich selbst hatte einige Jahre in Missouri gelebt und war mit dem im Klappentext genannten eisigen uns schneereichen Winter bestens vertraut. Wenn kalt, dann richtig kalt! Während ich mich damals selbst eher in konservativen Kreisen ohne nennenswerten Drogenkonsum bewegte, war ich doch neugierig auf die wohl bevorstehenden Erlebnisse der jungen Ree Dolly, die ganz offensichtlich in einem weit weniger kuscheligen Elternhaus aufgewachsen war als ich selbst. Sehr bildhaft beschreibt der Autor gleich zu Anfang die Umgebung mit den halbverfallenen Häusern, Mobile Homes, ausgedienten Autowracks und verwilderten Gärten „out in the middle of nowhere“. Doch diese Umgebung scheint für Dee im Moment das kleinste Problem zu sein, denn sie muss ihren Vater finden, der einen wichtigen Gerichtstermin nicht versäumen darf um der verbliebenen Familie nicht das Dach über dem Kopf nehmen zu lassen. Die gefährliche Suche beginnt und bringt Dee mehr als einmal an ihre Grenzen und in Lebensgefahr …

Während ich zu Anfang des Romans noch an den Beschreibungen der riesigen Familie Dolly, von denen alle ihre Finger in zwielichtigen Geschäften zu haben schienen, klebte, merkte ich doch recht schnell, dass der Roman in eine Atmosphäre abdriftete, mit der ich so gar nicht klar kam. Drogen und brutale Gewalt gegenüber allem und jedem dominierte die Zeilen und ich ertappte mich dabei, wie ich schlussendlich nur noch quer las. Würden die Männer der allmächtigen Dolly Familie in Missouri lesen, hätte sie vielleicht Freude an der Story gefunden. Ich hingegen war enttäuscht und vergebe leider auch nur zwei von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 22.09.2022

Harte Zeiten für Mensch und Tier in Schönbrunn ...

Die Frauen von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 1)
0

Von der talentierten Autorin Beate Maly nach Wien entführt zu werden, ist doch immer wieder eine Reise wert. Diesmal nimmt sie mich mit in die Tierwelt, eine Welt mit der ich mich bis dato recht selten ...

Von der talentierten Autorin Beate Maly nach Wien entführt zu werden, ist doch immer wieder eine Reise wert. Diesmal nimmt sie mich mit in die Tierwelt, eine Welt mit der ich mich bis dato recht selten auseinandergesetzt hatte. Ich lerne die beiden Moser Schwestern Emma und Greta sowie ihren Vater Karl kennen. Während Greta von der Liebe und einer eigenen kleinen Familie träumt, hat die forsche Emma ganz andere Ambitionen. Ein Medizinstudium möchte sie absolvieren, möchte wie ihr Vater Arzt werden, aber dazu ist die Wiener Welt noch nicht bereit. Doch so schnell gibt sie sich nicht geschlagen und erkämpft sich einen Platz im schon damals ältesten Zoo der Welt, der mitten in der kaiserlichen Sommerresidenz Schönbrunn in Wien liegt. Die Arbeit als Tierpflegerin ist keine Zuckerschlecken, doch sie liebt sie allesamt, des Kaisers Tiere im Zoo. Inzwischen ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen und macht auch vor den Männern in ihrer Peripherie keinen Halt. Als erst Gretas Verlobter Gustav und schließlich sogar der Vater eingezogen werden, ringen die Schwestern um das tägliche Überleben. Auch im Zoo hinterlässt der unsägliche Krieg seine Spuren, und das nicht nur bei den Tieren …

Das Buch liest sich so flüssig und flott, dass ich fast Mühe hatte, die Seiten schnell genug umzublättern. Die Autorin hat einfach ein Händchen dafür den Leser schnell für eine Geschichte einzunehmen und ihn das Drumherum vergessen zu lassen. Ich erlebte neben der Geschehnisse rund um Emma und Greta tolle Einblicke in die Geschichte des Tierparks in Schönbrunn, die definitiv Lust auf einen Besuch in der österreichischen Hauptstadt machen. Gerne vergebe ich hier deshalb verdiente vier von fünf Sternen und eine Empfehlung für alle diejenigen, die auch mal eintauchen wollen in das Reich der Tiere in Schönbrunn. Erfreut habe ich gelesen, dass es nächstes Jahr mit „Die Kinder von Schönbrunn“ ein Wiedersehen in Wien geben wird. Bin heute schon gespannt darauf!