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Veröffentlicht am 21.06.2022

Eine berührende Lebensgeschichte

Das rote Adressbuch
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Als kleines Mädchen erhält Doris zum Geburtstag von ihrem Vater ein rotes Adressbuch. Dieses Buch begleitet sie durch ihr ganzes Leben, auch noch, als es schon ganz zerfledert ist und nur noch Klebeband ...

Als kleines Mädchen erhält Doris zum Geburtstag von ihrem Vater ein rotes Adressbuch. Dieses Buch begleitet sie durch ihr ganzes Leben, auch noch, als es schon ganz zerfledert ist und nur noch Klebeband und Leim helfen. In ihrem bewegten Leben ist sie einigen Personen begegnet, welche allesamt in diesem Adressbuch vermerkt sind. Im hohen Alter von 98 Jahren schaut sie nun zurück auf ihr Leben und auf die Begegnungen mit den Personen aus dem Buch. Ihr Leben wurde geprägt von Trennungen, Erfolgen, Enttäuschungen und Hoffnungen, welche sie bis nach Amerika und wieder zurück nach Schweden bringen. Nirgends scheint Doris ihren Platz zu finden und ist immer auf der Suche danach. Um ihrer Grossnichte Jenny ihre Lebensgeschichte näher zu bringen, schreibt sie ihre Erinnerungen und Geschichten auf, damit diese auch noch für die Nachwelt da sind.

‘Das rote Adressbuch’ liest sich sehr fliessend und ist von emotionalen Stellen geprägt. Die Erzählung von Doris Lebensgeschichte und ihren vielen Begegnungen ist sehr interessant. Dadurch dass bei den Kapiteln nicht vermerkt ist, in welcher Zeitepoche man sich nun gerade befindet, braucht es zuerst ein paar Sätze bis man in den Kapiteln drin ist. Schön fand ich, dass wenn es um eine bestimmte Person ging, beim Kapitelbeginn der entsprechende Namen stand. Einige Handlungen fand ich sehr realitätsfremd, auch gerade für die Zeit in denen die Handlung gespielt hat.

Doris als Hauptperson des ganzen Buches ist eine alte, sehr sympathische Frau, welche einen unglaublichen Kämpferwille hat. Zu Beginn scheint sie mit ihren 98 Jahren noch ganz fit zu sein, doch auch sie hat ihre Gebrechen, welche sich dann auch sehr schmerzlich bemerkbar machen. Dass sie mit der einzigen Verwandten, ihre Grossnichte Jenny, einen so innigen Kontakt pflegt, ist für sie unerlässlich. Dafür ist sie sich auch nicht zu Schade auf neue digitale Geräte zu setzen und skypt regelmässig mit ihr. Echt bewundernswert, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Auch Jenny finde ich sympathisch. Ihre Grosstante ist ihr unglaublich wichtig und dafür lässt sie auch mal einfach alles stehen und liegen.

Ein spannendes Buch über ein bewegtes Leben, das an einigen Stellen leider ein bisschen realitätsfremd ist. Ansonsten aber eine gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Wenn einen die Vergangenheit einholt

Nordwestnacht
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In St.Peter-Ording wird gerade für eine Krimi-Serie gedreht. Nils Scheffler darf bei den Dreharbeiten als Berater für die polizeilichen Fragen mitwirken. Während den Dreharbeiten wird die junge Darstellerin ...

In St.Peter-Ording wird gerade für eine Krimi-Serie gedreht. Nils Scheffler darf bei den Dreharbeiten als Berater für die polizeilichen Fragen mitwirken. Während den Dreharbeiten wird die junge Darstellerin Julia vermeintlich von einem Stalker bedroht und verschwindet spurlos. Ein weiteres Mitglied der Filmcrew wird ermordet aufgefunden und Hendrik Norberg stellt sich die Frage, ob dieser Mordfall etwas mit dem Verschwinden von Julia zu tun hat. Zusammen mit Nils und Anna nimmt er die Ermittlungen auf, welche in verschiedene Richtungen deuten. Gehören diese beiden Fälle wirklich zusammen oder handelt es sich beim Verschwinden von Julia um einen Eifersuchtsakt der älteren Schauspielerin, welche um die Fortsetzung ihrer Karriere fürchtet? Kannten sich der Tote und die Schauspielerin? Immer mehr Fragen tauchen auf und Nils, der ein Auge auf Julia geworfen hat, geht zu emotional in die Ermittlungen und bringt sich damit selbst in grosse Gefahr. Gelingt es dem Ermittlerteam die Fragen zu entwirren und auf die richtige Spur zu kommen?

‘Nordwestnacht’ ist der dritte Band rund um Hendrik und Anna. Wie in den beiden vorherigen Bänden wird auch hier neben den Ermittlungen das Privatleben der Hauptprotagonisten geschildert. Die Kombination von beidem macht das ganze sehr spannend und verleihen etwas menschliches.

Die beiden Hauptprotagonisten Hendrik und Anna arbeiten immer noch sehr gut zusammen und ergänzen sich perfekt. Die beiden kommen sehr sympathisch rüber und durch ihre private Situation, kann man sich noch besser in die beiden hineinversetzen. Auch mit Nils leidet man mit, denn das er unbedingt wissen will, was mit Julia passiert ist, ist mehr als verständlich. Hier die Waagschale zwischen Professionalität und seinen Emotionen zu halten, ist sehr schwierig und bringt in selbst dann auch noch in grosse Gefahr.

Auch der dritte Band konnte mich begeistern und es fiel mir schwer das Buch zur Seite zu legen. Ich kann es jedem begeisterten Soko St. Peter-Ording nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 28.05.2022

Kurzweilige Lesestunden garantiert inklusive Schmunzelgefahr

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid
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Die siebenjährige resp. schon nahezu 8-jährige Elsa ist ein nicht «normales» Mädchen. Ihre beste und einzige Freundin, ihre Oma und sie sind ein vertrautes Team, die so einiges zusammen erleben. Zusammen ...

Die siebenjährige resp. schon nahezu 8-jährige Elsa ist ein nicht «normales» Mädchen. Ihre beste und einzige Freundin, ihre Oma und sie sind ein vertrautes Team, die so einiges zusammen erleben. Zusammen stellen sie die verrücktesten Sachen an und treiben ihre Nachbarn und ihre Familie in den Wahnsinn. Oma erzählt ihr immer wieder Märchen und gemeinsam tauchen sie jeweils in das Land-fast-noch-Wach ab. Als Oma stirbt, ist Elsa alleine und steht plötzlich in der wirklichen Welt. Von Oma bekommt sie vor deren Tod ein Auftrag zur Schnitzeljagd. Diese besteht darin, das sie Briefe an unterschiedliche Personen verteilen soll. Darin geht es immer um Entschuldigungen seitens der Oma. Mit jedem Brief wird eine neue Geschichte der Nachbarn erzählt und die Personen rücken immer ein bisschen näher.

‘Oma lässt grüssen und sagt, es tut ihr leid’ ist ein spannendes Buch in dem es um Traumwelten, die Verbindung zwischen Oma und Enkelin, aber auch die Geschichten der Nachbarn geht. Mit der Traumwelt bin ich nicht immer so zurechtgekommen, hat dem Spass am Lesen aber nichts abgetan. Die Welt aus Sicht der fast 8-jährigen Elsa wahrzunehmen, fand ich spannend und es gab durchaus auch einige Passagen, wo man sich das Lachen nicht mehr verkneifen konnte und es einfach mal raus musste.

Elsa als Hauptperson muss man einfach mögen, obwohl sie so viel weiss. Ein kleines Mädchen, dessen Hauptbezugsperson plötzlich nicht mehr da ist und sie sich zuerst in der wirklichen Welt wieder zurechtfinden muss. Das sie in der Schule gemobbt wird, hat sie nicht verdient, den jeder hat das Recht ‘Anders’ zu sein. Gut dass sie sich jeweils zu wehren weiss, obwohl das nicht bei allen gut ankommt. Elsa’s Familie und die Nachbarn sind alle auf eine Art sympathisch, den jeder hat ja seine Geschichte die er mit sich rumträgt und sein Verhalten beeinflusst. Und Elsa kann mit ihrer kindlichen, sympathischen und ‘besserwisserischen’ Art irgendwie alle knacken.

Ein spannendes Buch mit einem angenehmen und lustigen Schreibstil, das ich sehr gerne weiterempfehle. Verspricht kurzweilige Lesestunden, die zum Schmunzeln einladen.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Verfolgung, Korruption und Spurensuche – man trifft sich immer mehrmals im Leben

Esthers Verschwinden
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Eli Rosen und seine Familie betreiben zu Zeiten des 2. Weltkrieges in Lublin ein hoch angesehenes Baugeschäft. Die Familie ist jüdischer Abstammung und hat immer mehr mit zu kämpfen. Als der Krieg beginnt, ...

Eli Rosen und seine Familie betreiben zu Zeiten des 2. Weltkrieges in Lublin ein hoch angesehenes Baugeschäft. Die Familie ist jüdischer Abstammung und hat immer mehr mit zu kämpfen. Als der Krieg beginnt, fühlt sich Esther, Eli’s Frau, nicht mehr sicher und fürchtet um ihr Leben. Doch Eli vertraut seinem Mitarbeiter Maximilian Poleski, welcher über gute Verbindungen zu den Deutschen verfügt und somit einiges von der Familie Rosen fernhalten kann. Esther hat dabei jedoch von Anfang an kein gutes Gefühl und vertraut den Machenschaften von Maximilian nicht.

Die Familie Rosen wird tatsächlich auseinandergerissen und Eli und sein Sohn Isaak können aus dem KZ Buchenwald befreit werden. Die beiden gelangen ins DP-Lager Föhrenwald, wo Eli nach wie vor ein angesehener Baugeselle ist. Nur Esther ist nirgends aufzufinden, Eli weiss nicht wohin sie gebracht wurde und ob sie überhaupt überlebt hat. Aber er gibt seine Suche nicht auf und möchte unbedingt etwas über ihren Verbleib in Erfahrung bringen. Und dann warten die beiden auch immer noch auf ihr Visa für Amerika, damit sie einen Neuanfang wagen können. Als im Lager plötzlich unter der Hand Visa’s vergeben werden, ist Eli’s Ermittlerinstinkt geweckt. Wer macht so was, während Tausende auf legalem Weg versuchen, ein Visa zu bekommen?

‘Esthers Verschwinden’ spielt in drei verschiedenen Zeitepochen, welche sich immer wieder abwechseln. Als Leser kommt man aber gut damit klar, da bei jedem Kapitel immer angegeben wird, in welchem Jahr und an welchem Ort man sich gerade befindet. Durch den Wechsel bleibt es immer spannend, den man weiss nie was als nächstes kommt. Man fiebert mit, ob die Familie Rosen von der Judenverfolgung mehrheitlich verschont bleibt, hofft dass Eli seine Frau findet und sie nach Amerika gehen können und zu guter Letzt versucht man in der dritten Zeitepoche dem Doppelmörder und Eli’s geheimen Auftrag auf die Schliche zu kommen.

Ein gut recherchierter Roman, welcher den Leser bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Das Buch vermittelt einen guten Eindruck wie mit Korruption sehr vieles reguliert werden konnte und welche Machenschaften da dahinter steckten. Ich kann es jedem der gerne gut recherchierte historische Romane aus dem 2. Weltkrieg liest herzlich empfehlen.

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Veröffentlicht am 08.05.2022

spannende Leseprobe, aber enttäuschende Fortsetzung

Das verschlossene Zimmer
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Marie lebt mit ihrem Vater Dominik in Krakau. Leider kennt sie ihre Mutter nicht und ihr Vater möchte auf sie gar nicht angesprochen werden. Nun mit 17 Jahren möchte Marie mehr über ihre Mutter rausfinden ...

Marie lebt mit ihrem Vater Dominik in Krakau. Leider kennt sie ihre Mutter nicht und ihr Vater möchte auf sie gar nicht angesprochen werden. Nun mit 17 Jahren möchte Marie mehr über ihre Mutter rausfinden und wissen warum sie Dominik alleine grossgezogen hat. Als Dominik nicht zu Hause ist, versucht sie in sein Zimmer, das immer abgeschlossen ist, zu gelangen. In einer losen Bodendiele findet sie ein Kistchen in dem sich ein abgeschnittener blonder Zopf befindet. Ist das ein Hinweis auf ihre Mutter? Während sie weiterhin versucht mehr Informationen zu ihrer Mutter zu bekommen, trifft sie auf ihre Kinderliebe Ben. Der junge Jude ist wieder zurück in Krakau und Marie fühlt sich immer noch sehr zu ihm hingezogen. Doch ihr Vater findet die Verbindung zwischen diesen beiden nicht wirklich gut, da sich anzeigt, dass Juden immer mehr aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Aber Marie lässt sich davon nicht beirren und konvertiert zum Judentum, damit sie Ben heiraten kann. Ihren grossen Traum, Medizin studieren zu dürfen, scheint im Jahr 1939 für eine Frau unmöglich zu sein. Überall wird sie abgewiesen, doch sie möchte ihren grossen Traum nicht aufgeben müssen.

In einem zweiten Erzählstrang wird auf das Leben von Marie’s Eltern im 1918 zurückgeblickt. Helena arbeitet für Dominik’s Vater in dessen Apotheke. Auch sie verfolgt bereits das Ziel, als Frau grosses Erreichen zu können. Doch ihr bleibt das verwehrt und sie kann in der Apotheke nur Fuss fassen, weil der Apotheker immer vergesslicher wird. Damit die Kunden nicht zu schaden kommen, wird Helena zur Aufpasserin und darf sogar selbst Medikamente zubereiten. Als Dominik aus dem Krieg zurückkehrt fühlt er sich zu Helena hingezogen und die beiden beginnen eine Affäre. Doch bald wird Dominik wieder eingezogen und Helena bleibt schwanger bei seinem Vater zurück.

«Das verschlossene Zimmer» konnte mich leider nicht so packen. Der Klappentext und auch die Leseprobe waren sehr interessant. Leider hat danach die Spannung abgenommen und ich musste mich durch die Seiten zwingen, erst im letzten Drittel des Buches nahm die Geschichte wieder an Fahrt auf. Als Leser wollte man dann unbedingt wissen, was es genau mit der verschollenen Mutter auf sich hat und ob es Marie gelingen wird, das Familiengeheimnis aufzudecken. Der Schreibstil selbst empfand ich als angenehm und man konnte den Ausführungen gut folgen. Das die Geschichte in zwei Zeitepochen erzählt wurde, finde ich eine gute Idee. Als Leser konnte man sich beide Situationen gut vorstellen und so auch die Geschichte von Marie’s Eltern in einer sehr schwierigen Zeit kennen lernen.

Die Geschichte dreht sich rund um Marie, die versucht ihre Mutter zu finden. Eine junge, sympathische Frau, die ihr Ziel nicht aus den Augen verliert und gegen jeden Widerstand ankämpft. In dieser Zeit ein sehr schwieriges Unterfangen, was für uns heute unvorstellbar ist. Dominik, Marie’s Vater, der als anerkannter Arzt arbeitet hält sich bewusst immer im Hintergrund. Er möchte einfach keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und überlegt sich auch mehrmals ob er sich wirklich als Klinikleiter bewerben soll. Die weiteren Charaktere sind gut ausgearbeitet und passen gut in die beiden Zeitepochen. Sie geben dem Leser einen guten Eindruck, wie die Situation dazumal ausgesehen hat.

Nach der Leseprobe habe ich ein spannendes Buch erwartet, das ich in einem Zug verschlingen werde. Leider war die Fortsetzung danach eher enttäuschend. Das Ende der Geschichte, finde ich für diese Zeit eher unrealistisch und kommt dadurch auch unglaubwürdig rüber.

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