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Veröffentlicht am 03.02.2025

Menschliche Abgründe

Verborgen
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MEINUNG:

Verborgen ist der dritte Teil der Reihe "Mörderisches Island". Alle Teilen können unabhängig voneinander gelesen, weil der Fall in sich abgeschlossen ist, aber ich würde immer empfehlen in der ...


MEINUNG:

Verborgen ist der dritte Teil der Reihe "Mörderisches Island". Alle Teilen können unabhängig voneinander gelesen, weil der Fall in sich abgeschlossen ist, aber ich würde immer empfehlen in der Reihenfolge zu lesen, sonst spoilert man sich zu den ermittelnden Personen. Band 1 und Band 2 mochte ich auch sehr.

Der Fokus bei der Autorin liegt immer auf den Personen, genauer auf den Opfern und niemals auf dem reinen Gewaltverbrechen. Sie räumt diesen Personen deutlich mehr Raum ein als der Ermittlung bzw. rasanter Aktion. Die Erzählung ist dadurch ruhiger, auch wenn die Spannung unterschwellig da ist und sich gegen Ende wieder hoch schraubt zum Showdown. Der Fall ist ein großes Geflecht mit vielen Beteiligten, die gefühlt erstmal alle ein Motiv haben könnten. Es gab am Ende einige Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen. Für Elma gibt es auch einen persönliche Entwicklung, die interessant wird für den nächsten Band.

Besonders gut hat mir gefallen, wie sich der Schreib- bzw. Erzählstil im zweiten Teil verändert hat. Im ersten Teil hatte ich ein paar Probleme mit dem Wechsel der Sichten, welche in den Kapiteln mehrfach hin und her gewechselt ist, da es viele Personen gibt. Es ist sehr hilfreich, dass es am Ende ein Personenregister gibt, welches ich auch mehrfach konsultiert habe. Der erste Teil endet mit einem Cliffhanger.  Im zweiten Teil verändert sich der Erzählstil. Ich würde ihn als geordneter und stringenter bezeichnen, da sich der Fokus der Erzählung auf Lise verlegt, die als Au Pair nach Island gekommen ist. Wir erfahren in kursiver Schrift ihre Sicht aus ihrem Tagebuch.

FAZIT:

Mit Verborgen ist Eva Björg Aegisdottir wieder ein sehr guter, intensiver und tiefgründiger Krimi gelungen. Ich mag die Krimis, die einen tiefen Einblick ins menschliche Schicksale geben. Ich freue auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Intensive Beziehung

Rosenfeld
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MEINUNG:

Ich bin zufällig auf Rosenfeld aufmerksam geworden, da mich 1. das Cover sehr angesprochen hat und 2. das Hörbuch von Inka Löwendorf gesprochen wird, welche einfach einer meiner liebsten Hörbuchsprecherinnen ...

MEINUNG:

Ich bin zufällig auf Rosenfeld aufmerksam geworden, da mich 1. das Cover sehr angesprochen hat und 2. das Hörbuch von Inka Löwendorf gesprochen wird, welche einfach einer meiner liebsten Hörbuchsprecherinnen ist.

Noa Simon und Teddy Rosenfeld begegnen sich auf einer Hochzeit. Sie ist 36 Jahre alt und ein deutlich älterer Geschäftsmann. Die Funken sprühen bereits auf der Hochzeit, doch Teddy versucht sich zurückzuweisen. Doch Noa lässt nicht locker und sucht sich in seiner Firma einen Job, um ihm nahe zu sein. Es beginnt ein sehr heißes Machtspiel und eine Affäre zwischen den beiden.

Noa mochte ich sofort, denn sie ist eine Frau, die weiß, was sie, wen sie will und wie sie es will. 

Beide schwanken immer wieder zwischen der großen Leidenschaft und aber auch den emotionalen Schwierigkeiten, denn Teddy ist eine schwierige Person. Er nimmt sich was er will. Er ist rücksichtlos. Er lügt. Er bestimmt über andere, auch über Noa. Er hat ein Alkoholproblem. Er zeigt oft wenig Verständnis für Noa Gefühle und Empfindungen. Ich finde es auch grundsätzlich schwierig, wenn ein Mann sagt, dass er nicht möchte, dass eine Frau nervt. In meinen Augen werden dann ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen. Man kann Teddy vielleicht zu Gute halten, dass er in gewissem Maß weiß wir er ist und Noa davor auch am Anfang warnt. Ich habe ihm auch absolut abgekauft, dass er sie liebt und sie versorgt wissen möchte. Es ist ein Auf und Ab zwischen den beiden und auch beim Lesen erzeugt es ein großes Gefühlchaos, weil ich mich immer gefragt habe, wie es für die beiden ausgehen wird. Die Geschichte hat einen sehr hohen Unterhaltungswert, weil die Schlagabtausche zwischen Noa und Teddy, ganz besonders von Noa richtig gut geschrieben waren. Noa hat allerdings trotzdem so ihre eigenen Baustellen und ihre ruppige Art verdeckt auch viele Unsicherheiten und Verletzheiten aus der Kindheit. Mit Teddys Wohlstad verliert sie auch mehr und mehr ihre eigene Unabhängigkeit. Bei dieser Geschichte muss man trotz aller Unterhaltung genau drauf schauen, denn auch als Leser verfällt man Teddy gerne mal. Es ist wichtig, vor allem sein Verhalten genau zu hinterfragen. Es liefert ein gutes Bild, wie leicht man in eine solche Beziehung rutschen kann. Noa gelingt es erst spät dies zu reflektieren. 

FAZIT:

Rosenfeld ist ein sehr aufwühlender Roman einer relativ toxischen Beziehung. Die Geschichte ist ein ewiger Hin und Her und spielt mit den Nerven der Beteiligten und der Leserschaft. Ich mochte vor allem die rasiermesserscharfe, sture und starke Noa, die stets um ihre Unabhängigkeit kämpft sehr gerne, auch sie der Macht von Teddy immer wieder verfällt und auch oft die wahren Blick auf ihn verliert. Für mich trotzdem ein Highlight!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Kunst und Toxik

Die blaue Stunde
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MEINUNG:

Bisher habe ich alle Bücher von Paula Hawkins gelesen. Natürlich ist sie am meisten bekannt für ihr berühmtestes Buch Girl on the train, aber auch für Wer das Feuer entfacht und Into the Water. ...

MEINUNG:

Bisher habe ich alle Bücher von Paula Hawkins gelesen. Natürlich ist sie am meisten bekannt für ihr berühmtestes Buch Girl on the train, aber auch für Wer das Feuer entfacht und Into the Water. Ich habe mich auf Die blaue Stunde sehr gefreut. 

Alles beginnt damit, dass in einer Skulptur der berühmten Künstlerin Vanessa Chapman ein menschlicher Knochen gefunden wird. Das ruft James Becker, den Kurator der Galerie auf, der Chapman all ihre Werke vermacht hat nach ihrem Tod. Die Galerie gehört seinem guten Freund und Sohn des Erbens. Er macht sich auf die Suche nach Eris, um Antworten zu finden und außerdem weitere Werke von Vanessa zu bekommen, die der Galerie eigentlich zu stehen würden. Dort trifft er auf Vanessas engen Freundin Grace.

Das Leben von Vanessa war sehr bewegt und wir lernen die posthum kennen bzw. gibt es Einblicke in ihre Sicht durch diverse Tagebucheinträge. Paula Hawkins verknüpft hier sehr geschickt Gegenwart, mit den Tagebucheinträgen und einigen Rückblicken. Es gibt ein relativ großes Beziehungsgeflecht rund um Vanessa, welches viele Frage aufwirft, u.a. die schwierige und toxische Beziehung zu ihrem Mann, der ebenfalls tot ist. Dessen Leiche man aber bis jetzt nicht finden konnte. Dann stellt sich die Frage, warum Vanessa die Werke der Fairburn Galerie vermacht hat, denn diese Beziehung war auch schwierig und zu guter Letzt ist das die Beziehung zu Grace. Ich hatte von Anfang ein seltsames Gefühl mit Grace.  Die Autorin hat hier einen interessanten Charakter geschaffen, aber Grace wird auch ein wenig stereotypisiert dargestellt. Sie, die graue Maus neben einer schillernden Person wie Vanessa und die auch alles für sie tun würde. Es ist schwierig diese beide Charaktere zu mögen. James Becker dagegen mochte ich, auch wenn er mir ein wenig zu naiv manchmal war. 

Mir gefielen vor allem die Landschaftsbeschreibungen von der fiktiven (Halb-)Insel Eris Island. Ich liebe einerseits sowieso Schottland und andererseits passt dieser Ort sehr gut zur Atmosphäre, die Paula Hawkins hier geschaffen hat. Die Abgeschiedenheit von Eris sorgt für die ein oder andere Situation, die vor der Gesellschaft und auch der Justiz verborgen bleibt.  Die Spannung baut sich langsam und stetig auf. Ich hatte irgendwann schon eine Ahnung, was und wer hier hinter einigen Dingen stecken könnte. Das Ende ist stark, aber auch diskutabel.

FAZIT:

Die blaue Stunde ist für ein sehr gelungener Mix aus Spannung, dunklen Geheimnissen sowie unaufgedeckten Kriminalfällen, komplexen zwischenmenschlichen Beziehung, die oft toxisch sind und natürlich viele Kunst. Für mich definitiv eines ihrer besten Bücher.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Unsere Erde

Umlaufbahnen
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MEINUNG:

Bei Umlaufbahnen hat mich zuerst das Cover angesprochen. Ich freue mich, dass der Verlag das Original Cover übernommen hat. Mein Interesse ist gestiegen als ich gelesen habe, dass es den diesjährigen ...

MEINUNG:

Bei Umlaufbahnen hat mich zuerst das Cover angesprochen. Ich freue mich, dass der Verlag das Original Cover übernommen hat. Mein Interesse ist gestiegen als ich gelesen habe, dass es den diesjährigen Booker Prize gewonnen hat. 

Der Roman, auch wenn ich ihn als solches nicht bezeichnen würde, gibt Einblick in die Leben der sechs AstronautInnen, von den zwei Kosmonauten sind, sprich aus Russland. Da wird schnell klar, dass hier strikt getrennt wird. Man ist zwar auf einer gemeinsamen Mission, aber es dürfen z.B. nicht die gleichen Toiletten genutzt werden. Im Verlauf der Geschichte, die keinem wirklich roten Faden folgt, außer den Umlaufbahnen, die die Erde um die Sonne macht, lernt man einiges über den Alltag an Board eines solchen Raumstation. Mir hat gefallen, dass hier auch eine leise Kritik geäußert wird, dass bei aller Romantisierung dieser Mission, auch sehr viel Geld notwendig ist und dass der Treibstoffverbrauch eine sehr große Umweltbelastung darstellt. Die Ausbildung erfordert auch viele Entbehrungen , z.B. dass man lange fort von der Familie ist und das sogar die Lebenserwartung sinkt. Von einer Astronautin stirbt während dessen auch die Mutter und sie konnte nicht Abschied nehmen. Doch alle sind sich einig, dass sie es immer wieder so machen würden. 

Der Roman liest sich ein bisschen, wie ein Teil von der Unendlichkeit, denn es gibt nicht so richtig einen Anfang und kein festes Ende. Natürlich ist klar, dass die Crew irgendwann zurückkehren muss, aber theoretisch könnte sie ewig sich so weiter treiben lassen. Die Sprache ist so wunderbar poetisch und atmosphärisch. Der Text hat vor meinem inneren Augen ganz viele Bilder ausgelöst, als würde ich eine Doku über unsere Erde schauen. Es war als würde ich selbst mit in der Raumstation sitzen und von oben auf die Erde schauen. Spannend auch, wie die Landschaften beschrieben werden. Die Crew sieht z.B. auch einen heran nahenden Taifun und andere Umweltphänomene. Die Übersetzung ist hier wirklich großartig gelungen. 

FAZIT:

Umlaufbahnen ist eine wundervolle poetische Reise durch unsere Weltall. Das Buch liest sich als würde meine Dokumentation sehen, die so etwas heißt, wie "Unsere Erde". Gleichzeitig führt uns das Buch vor Augen, wie kostbar unser Planet ist und wie wir ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Das Buch eine sehr angenehme Lektüre, um einmal aus der momentanen schwierigen geopolitischen Lage abzutauchen. Eine sehr gute Wahl von der Booker Prizes Jury, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein Buch, was man immer wieder lesen kann.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Typischer Wisting

Wisting und die Tote am Wegesrand
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MEINUNG:

Jorn Lier Horst und sein Kommissar Wisting gehören zu einer meiner allerliebsten skandinavischen Krimireihen. Bisher habe ich schon sehr viele Bücher gelesen, die auf Deutsch erschienen sind.

Dieses ...

MEINUNG:

Jorn Lier Horst und sein Kommissar Wisting gehören zu einer meiner allerliebsten skandinavischen Krimireihen. Bisher habe ich schon sehr viele Bücher gelesen, die auf Deutsch erschienen sind.

Dieses Mal spielte der Fall sogar über die Grenzen von Norwegen hinweg, denn "Astria" hat zusammen mit anderen auf einer  Crowdsolving-Plattform an dem Mord der Rucksacktouristin Ruby recherchiert, der in Spanien passiert ist, wo auch ihre Familie Immobilien hat. Eine Userin meldet sich bei Wisting, da Astria in Forum plötzlich nicht mehr aktiv ist, aber etwas auf der Spur war. Kurze Zeit später wird auch Astria tot aufgefunden in Norwegen. Wisting reist nach Spanien, um die Ermittlung aufzunehmen.

Die Fälle von Jorn Lier Horst machen immer die sehr gute Recherche aus. Sein Schreibstil ist sehr nüchtern, manchmal vielleicht zu nüchtern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es nicht vielleicht auch an der Übersetzung liegt. In seinen Büchern liegt der Fokus immer auf der Ermittlung und dem Fall, nicht auf der emotionalen Tiefe der handelnden Personen und dem Zwischenmenschlichen. Ich mag dennoch Wistings ruhige und besonnene Art, wie er Fälle angeht.  Der Fall ist schon relativ komplex, da es sehr viele Personen gibt und er in zwei Ländern spielt. Ich fand es interessant, dass es solche Crowdsolving Plattformen wirklich gibt und das Leute privat versuchen Fälle aufzuklären, tw. liefern sie Hinweise, die auch für die Polizei interessant sind.

FAZIT:

Für mich war auch dieser Wisting wieder spannend und solide. Mit den Büchern kann man absolut nichts falsch machen und kann sie jeden empfehlen, der gerne gut konstruierte Fälle mag im kalten Norden.

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