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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2025

Intensiv und tragisch

Wildhonig
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MEINUNG:

Jodi Picoult gehört seit vielen, vielen Jahren zu einer Autorin, der ich immer treu geblieben bin und von der ich nahezu fast alles gelesen habe. Daher war es selbstverständlich, dass ich auch ...

MEINUNG:

Jodi Picoult gehört seit vielen, vielen Jahren zu einer Autorin, der ich immer treu geblieben bin und von der ich nahezu fast alles gelesen habe. Daher war es selbstverständlich, dass ich auch zu Wildhonig gegriffen habe, welches sie erstmals mit einer anderen Co-Autorin geschrieben hat, die nicht zu ihrer Familie gehört.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Olivia McAfee und von Lily Campanello erzählt. Beide Autorinnen berichten im Nachwort, dass Jodi Olivia geschrieben hat und Jennifer Lily. Ich konnte allerdings keinen Unterschied beim dem Geschriebenen feststellen. Es laß sich wie aus einem Guss. Jennifer hat Lily eine ganze besonders Stimme verliehen, da sie hier aus eigenen Erfahrungen und Emotionen heraus eine Person wie Lily besser schreiben konnte, denn sowie Jennifer ist auch Lily eine Transperson. Der Roman gibt ein sehr tiefen, emotionalen Einblick, wie es ist als Transperson zu leben, wie die Gesellschaft darauf reagiert, welches medizinischen Möglichkeiten (in den USA) es gibt etc. Ich wusste davon schon einiges, aber für jemand mit wenig Vorkenntnissen gibt es ein umfassende Sicht. Hinzu kommen auch noch paar Details über Bienen, denn Olivia ist Imkerin und wie es bei Jodi Picoult üblich ist, ist dass das Sachthema des Buches.

Es ist so schmerzhaft gewesen, dass Lily sterben musste, nachdem ich sie so gut und intensiv kennengelernt. Ich habe sie als sehr stark und gleichzeitig auch sehr verletzlich empfunden. Ihre Sicht wurde rückwärts geschrieben und umfasst den Beginn mit ihrer Transformation und dem Neustart in New Hampshire. Nach Beendigung des Buches hat mich das wirklich traurig gemacht. Ganz besonders hat mir auch ihre Mutter Ava leid getan, die so bedingungslos geliebt und unterstützt hat. Damit hat sich so viel mit Olivia gemeinsam gehabt, die beide für ihre Kinder immer noch das Beste wollte und sie gegen die Väter geschützt haben. Ich hätte mir wenigstens kurz noch ein paar Kapitel aus Avas Sicht gewünscht. 

Wie es in Jodi Picoults Romanen üblich ist, nimmt der Gerichtsprozess hier sehr viel Raum ein. Ich mochte das schon immer. Man kann viel über das amerikanische Gerichtssystem lernen. Es mag erschreckend sein, aber es geht um die beste Verteidigungsstrategie und nicht immer um die Wahrheit. Obwohl ich diesen Teil immer mag, fand ich hier, dass es ein paar Längen gab und dass es hier auch nur sehr wenige spannende Wendungen gab, wie es sonst bei Jodi Picoult üblich ist. In dem Buch geht es auch um häusliche Gewalt. Darauf sollte man sich einstellen. Die Szenen werden auch relativ explizit erwähnt. Mich hat das ziemlich sprachlos gemacht, wie grausam man gegenüber einem Menschen sein kann, den man liebt.

FAZIT:

Wildhonig ist wieder mal ein ganz besonders Buch, wo sich die von mir so geschätzte Jodi Picoult mit einer tollen Co-Autorin zusammen getan hat. Wie immer ist emotional sehr intensiv, man kann noch ein bisschen was lernen und es gibt einen Gerichtsprozess. ;)

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von C. Bertelsmann Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Astrologie und Katzen

Das Mondscheincafé
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MEINUNG:

Das Mondscheincafé ist mir zufällig in die Hände gefallen und darüber war ich sehr froh, denn ich liebe asiatische Literatur und Katzen liebe ich auch sehr. Ich kann auch eine gewisse Anziehung ...

MEINUNG:

Das Mondscheincafé ist mir zufällig in die Hände gefallen und darüber war ich sehr froh, denn ich liebe asiatische Literatur und Katzen liebe ich auch sehr. Ich kann auch eine gewisse Anziehung zu Astrologie nicht verleugnen. 

Das Mondscheincafé taucht immer nur an Vollmondnächten auf und wird von Katzen betrieben. Es hat keinen festen Standort. Es gibt auch keine feste Karte, sondern jede bzw. jeder bekommt ein Gericht oder Getränk, was genau auf sie oder ihn passt. Dazu gibt es freihaus Lebensratschläge von den Katzen basierend auf Astrologie. Es kommt eine erfolglose Drehbuchautorin, die verzweifelt ist. Es kommen außerdem eine Friseurin und eine Schauspielerin sowie ein Inhaber einer IT-Firma.

Ich hatte ein bisschen mit den japanischen Namen. Interessant war aber, dass es zwar für sich stehende Kapitel waren, aber die Menschen, um die es ging, waren miteinander verbunden. Alle Stränge laufen am Ende auch zusammen und es gibt einen kleinen Ausblick für jede/n, wie das Leben für die BesucherInnen des Mondscheincafé weiter geht.  Mir hat der Bezug zur Astrologie gut gefallen, weil dafür auch etwas übrig haben. Besonders interessant fand ich die Unterteilung der Lebensphasen nach unseren Planten und was sie ausmacht. Interessant war auch der Ansatz, dass man jede Phase richtig abschließen sollte, damit man in der nächsten Phase keine Probleme bekommt. Außerdem erfährt man, dass wir uns seit Anfang 2000 im Zeitalter des Wassermanns leben. Zuvor waren 2000 Jahre im Zeichen der Fische und wir befinden uns noch immer im Wandel. Das Buch wird auch noch durch zusätzliche Zeichnungen des Tierkreises aufgelockert. Es hat mir gefallen, dass die Ratschläge gut und nachvollziehbar war und nicht so platt a la Du-wirst-nur-glücklick-mit-einem-Partner etc. Das Buch hat den besonderen Sound von asiatischer Literatur.

FAZIT:

Das Mondscheincafé ist ein kleines feines Buch für zwischendurch und alle, die asiatische Literatur schätzen, ein bisschen etwas für Astrologie und vielleicht auch für Katzen übrig haben. :)

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Annähern

Griechischstunden
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MEINUNG:

Bisher habe ich jedes Buch von Han Kang gelesen. Natürlich habe ich Die Vegetarierin gelesen. Am liebsten mochte ich allerdings Deine kalten Hände und würde dies auch immer zum Einstieg empfehlen. ...

MEINUNG:

Bisher habe ich jedes Buch von Han Kang gelesen. Natürlich habe ich Die Vegetarierin gelesen. Am liebsten mochte ich allerdings Deine kalten Hände und würde dies auch immer zum Einstieg empfehlen. Dieses Jahr hat sie nun verdient den Literaturnobelpreis gewonnen. Sehr verdient, wie ich finde und zum ersten Mal kann ich sagen, dass ich die Gewinnerin kenne und sogar schon etwas von ihr gelesen habe. Ich habe es zum Anlass genommen endlich Griechischstunden zu lesen.

Die Geschichte wechselt zwischen der Sicht der namenlosen jungen Frau und des ebenso namenlosen Griechischlehrers. Sie kann nicht sprechen (ist aber nicht stumm) und er verliert langsam sein Augenlicht. Es ist eine relativ spannende Kombination, auf die ich sehr gespannt war, wie sich die beiden annähern und miteinander kommunizieren werden. Es ist allerdings keine ausdrückliche Liebesgeschichte. Ich fand es daher wenig schade, dass die Geschichte dann schon wieder zu Ende war als die beiden Protagonisten sicher näher gekommen sind. Es gibt einen kleinen Lichtblick, der auf eine gemeinsame Zukunft hoffen lässt, aber ich hätte mir gerne mehr gewünscht. Beide erschienen mir als verlorene Seelen, die vor allem durch ihre Handicaps immer mehr in die Isolation abrutschen. Wie so oft in asiatischer Literatur war die Einsamkeit wieder zum Greifen nah. Beide haben auch einen großen Schmerz in sich. Sie hat das Sorgerecht für ihr Kind und ihre Mutter verloren.  Er  fühlt sich hin- und her gerissen zwischen Deutschland, wo er aufgewachsen ist und Korea, wo er ursprünglich herkommt und wo er wieder zurück gekehrt ist, um nicht mehr so anders zu sein. Leider ist auch das manchmal ein Trugschluss. Den Griechischunterricht kann nur ich nur als Mittel der Annäherung und der möglichen Kommunikation zwischen den beiden werten, denn etwas anderes hat sich mir nicht erschlossen. Ich habe selbst auch nicht viel übrig für Sprachen und leider schon gar nicht für Altgriechisch. Mir hat gefallen, dass der Roman auch tw. ein Briefroman war, wo er seinen Lieben Briefe geschrieben hat. So hat man viel über ihn und seine Beziehungen erfahren.

FAZIT:

Griechischstunden ist für mich als handlungsgetriebene Leserin auf jeden Fall eine Herausforderung gewesen, auch wenn es sprachlich sehr gut und außergewöhnlich ist. Ich würde es dennoch nicht als Einstieg in die Werke von Han Kang empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Wichtige Perspektive aus Sicht der Opfer

Bright Young Women
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MEINUNG:

Jessica Knoll hat mich mit Ich.bin.so.glücklich sehr begeistert und ich habe mich schon lange gefragt, ob von ihr nochmal etwas Neues erscheinen wird, umso mehr habe ich mich gefreut als Bright ...

MEINUNG:

Jessica Knoll hat mich mit Ich.bin.so.glücklich sehr begeistert und ich habe mich schon lange gefragt, ob von ihr nochmal etwas Neues erscheinen wird, umso mehr habe ich mich gefreut als Bright Young Woman angekündigt worden ist.

Der Erzählstil ist anspruchsvoll. Man braucht hier die volle Aufmerksamkeit. Ich habe das Buch erst im zweiten Anlauf durchgelesen, weil ich mich im ersten Durchgang nur schwer konzentrieren konnte. Anspruchsvoll machen es die Zeitsprünge und dass eben jene Tina in 1978  mit Pamela zusammen Nachforschungen anstellt und in der Vergangenheit mit Ruth, ihrer Freundin, ein paar Jahre früher. Diese Sicht ist auch aus Ruth' Perspektive geschrieben. Die Autorin macht es teilweise so geschickt, dass die Kapitel zwischen den gleichen Orten wechseln, so dass man einmal in der Vergangenheit ist mit Ruth und Tina  und einmal 1978, wo die Vergangenheit erforscht wird durch Pamela und Tina. Ich empfand es als einen sehr besonderen Clou, aber es braucht volle Konzentration. Dazu gibt es noch eine Gegenwartsperspektive, die 2018 spielt, denn es fehlt immer noch Ruth' Leiche.

Die Autorin nennt den bekannten Serienmörder, Ted Bundy,  nie mit Namen, was ich richtig stark fand, denn so gibt sie den Opfern endlich den Raum, den sie eigentlich verdienen würden. Häufig liegt die Faszination nämlich fast ausschließlich auf den Tätern und niemand kann sich an die Namen der Opfer erinnert. Erschreckend auch, wie wenig vor allem Pamela und Tina auch Ernst genommen werden. Sie vermischt sehr geschickt reale und fiktive Ereignisse, wobei ich mich noch nie so tief mit Ted Bundy beschäftigt habe, dass ich sage könnte, was real davon ist. Bright Young Woman ist kein Thriller, auch kein sogenannter True-Crime. Spannung gab es für mich nur im letzten Drittel als die Gerichtsverhandlung war. Die Autorin legt den Fokus auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge der 1970er Jahre in den USA, was vor allem bei Ruth spürbar war. Diese muss sich vor allem von ihrer Mutter einiges anhören, vor allem als sie hat scheiden lassen und wird von dieser einfach klein gehalten. Beim Lesen wurde ich oft wütend. Ein bisschen ist daher auch eine Geschichte der Emanzipation mit starken Frauencharakteren. 

FAZIT:

Bright Young Woman bringt eine wichtige Sicht auf die Opfer und deren Angehörige eines Serienkillers. Diese werden oft mit einer großen Faszination betrachtet, wobei die Opfer fast niemand kennt. Jessica Knoll gelingt es geschickt in der Mischung von Fiktion und Realität diese Sichtweise darzustellen. Eine anspruchsvollen, aber sehr lohnend Lektüre.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Gestrandet auf einer Insel

One Perfect Couple
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MEINUNG:

Von Ruth Ware habe ich bisher nur Woman in Cabin 10 gelesen und das fand ich ganz solide. Bisher habe ich keinen weitere Thriller gelesen, finde aber gut, dass die Autorin immer neue Settings ...

MEINUNG:

Von Ruth Ware habe ich bisher nur Woman in Cabin 10 gelesen und das fand ich ganz solide. Bisher habe ich keinen weitere Thriller gelesen, finde aber gut, dass die Autorin immer neue Settings wählt und alle Bücher unterschiedlich sind. Ich wollte es hier unbedingt nochmal probieren.

Lyla und ihr Freund Nico - sie Wissenschaftlerin und er Schauspieler - werden für ein Reality Format namens One Perfect Couple angefragt. Für Nico soll es der Push für seine Karriere sein und für Lyla kommt es als Auszeit ganz gelegen, da sie sowieso eh nicht weiß, wie es beruflich für sie weiter gehen wird. Zusammen mit vier anderen Paare beziehen sie die Insel Ever After in der Nähe von Jakarta, Indonesien. Auf der Insel beginnen dann die ersten Schwierigkeiten, denn es ist alles noch ziemlich provisorisch. Equipment funktioniert nicht und als dann noch ein Sturm aufkommt, ändert sich alles...

Das ganze Setting ist kein völlig Neues, außer der Realityshow Hintergrund war ein bisschen anderes. Das hat mir gut gefallen, da ich selbst gerne solche Shows schaue. Die vier Paare sind untereinander nicht wirklich grün. Acht Personen sind auch eine Menge Leute, bei denen ich bis zum Schluss ein bisschen Probleme hatte alle immer auseinander zu halten, besonders deren Partner/in zu zuordnen. Manche Personen sind allerdings auch nicht wirklich wichtig, denn sie sind schnell wieder weg. Der Thriller ist zu großen Teilen aus der Sicht von Lyla geschrieben. Mit dem Sturm verwandelt sich das ganze in das typische Überlebens wie z.B. in Serien wie Lost. Die Spannung heizt sich ganz schnell auf, denn die Vorräte werden knapp. Es gibt außerdem auch verletzte Personen. Hinzu kommen persönliche Spannungen, den einige Spielen ihr eigenes Spiel. 

Spannung war ganz in Ordnung. Ich habe vor allem mit gefiebert, ob sie es schaffen, dass sie gerettet werden. Eine Person hat auch Diabetes und es entstehen schnell lebensbedrohliche Situationen. An manchen Stellen beschreibt die Autorin nicht alles bis ins kleinste Detail und dadurch ist auch nicht alles zu End gedacht. Ich habe mich schon gefragt, wo manche Personen plötzlich abgeblieben sind. Es wurde dann nicht mehr darauf eingegangen. Es entsteht eine typische Herr der Fliege Situation, die Menschen Dinge tun lässt, die sie normalerweise nie tun würde, nur um zu überleben.

FAZIT:

In One perfect Couple liegt Fokus der definitiv auf der zwischenmenschlichen Ebene. Der Thrill entsteht durch die abgeschiedene Notsituation auf engsten Raum und die begrenzten Ressourcen. Ein solider Thriller, der allerdings nicht das Fahrrad neu erfindet. ;)

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