Rätsel um einen alten Todesfall
Wenn der Sturm ruhtIm dritten Band von Lenz Koppelstätters Gardasee-Krimiserie, "Wenn der Sturm ruht" führt der Plot tief in die italienische Vergangenheit - in die "bleierne Zeit" und in den Faschismus, die noch immer vorhandenen ...
Im dritten Band von Lenz Koppelstätters Gardasee-Krimiserie, "Wenn der Sturm ruht" führt der Plot tief in die italienische Vergangenheit - in die "bleierne Zeit" und in den Faschismus, die noch immer vorhandenen rechtsextremistischen Netzwerke. Ganz schön viel für eine Zeit, in der Polizeireporterin Gianna Pitti, ihr Vater Arnaldo und ihre einstige Chefredakteurin Elvira eigentlich schon gut ausgelastet mit dem nuovo Messagero sind - multimedial, angepasst an die Medienbedürfnisse des 21. Jahrhunderts. Aber wenn nach der Eröffnungsparty der neuen Redaktionsräume ein Toter an Arnaldos Schreibtisch gefunden wird, müssen die drei mal wieder ermitteln - und auch der Marchese, Giannas Onkel und Arnaldos so ganz anderer älterer Bruder, ist wieder mit dabei.
Mit dem nunmehr dritten Buch ist Koppelstätter endgültig bei seinen Protagonisten "angekommen", bei ihren Leidenschaften und Zweifeln, Ambitionen und Gefühlsturbulenzen. Der Mord führt in eine komplexe Vergangenheit, die auch die Familiengeschichte der Pittis berührt. Und bei den Ermittlungen ist ausgerechnet eine russische Ausgabe von Doktor Schiwago, die in Elviras Schreibtisch gefunden wird, ein wichtiger Hinweisgeber.
Denn der Tote an Arnaldos Arbeitsplatz, so stellt sich heraus, war ein Hamburger Investigativjournalist. Er wollte dem Leben - und Tod - des Verlegers Giangiacomo Feltrinelli nachgehen. In dessen Villa war der Marchese als Junge oft zu Gast, denn sein Vater war mit Giangiacomo befreundet. Heute ist die einstige Familienvilla ein Luxus-Boutiquehotel. Giangiacomo hätte das wohl gegraust, denn der Spross einer schwerreichen Unternehmerfamilie war ein bekennender Linker. Um seinen Tod ranken sich Gerüchte: Hatte er Linksterroristen nicht nur finanziell unterstützt, sondern selbst einen Anschlag geplant und war bei einer vorzeitigen Explosion ums Leben gekommen? Er hatte jahrelang im Untergrund gelebt, zu seinen Freunden zählte Fidel Castro.
Oder war alles ganz anders? Das Team vom Messagero versucht zu entschlüsseln, ob in Doktor Schiwago Hinweise versteckt sind. Dabei geraten sie selbst in Gefahr. Eine rechtsextreme Gruppe, so scheint es, hat kein Interesse an Fragen zum Tod des Verlegers, und noch weniger an hartnäckigen Journalisten.
Wie auch in seinen Südtirol-Krimis bringt Koppelstätter viel Lokalkolorit ein und gewährt Einblicke in das Denken und die mitunter turbulente Gefühlslage seiner Protagonisten, Der Marchese, als kultivierter Lebemann üblicherweise mehr an gutem Essen und exzellenten Weinen interessiert, spielt hier eine aktivere Rolle als in den vorangegangenen beiden Bänden, und auch die Kontraste der ungleichen Brüder werden einmal mehr ausgespielt. Nicht alle Fragen werden am Ende gelöst sein - doch dafür werden schon neue aufgeworfen, die auf einen Folgeband hoffen lassen.