Kleinstadtmädchen im Eliteinternat
PrepDie Buchbeschreibunng des Coming of Age-Romans "Prep" von Curtis Sittenfeld klang vielversprechend: Ein Mädchen aus dem mittleren Westen der USA in einer Prep-School der US-Ostküste, einem jener Eliteinternate, ...
Die Buchbeschreibunng des Coming of Age-Romans "Prep" von Curtis Sittenfeld klang vielversprechend: Ein Mädchen aus dem mittleren Westen der USA in einer Prep-School der US-Ostküste, einem jener Eliteinternate, die der Vorbereitung zum Studium an einer der nicht weniger elitären Ivy League-Universitäten dienen. Lee Fiora, Tochter eines Matratzenhändlers aus Indiana, gehörte an ihrer alten Schule stets zu den Besten. Eigeninitiativ bewirbt sie sich für die Aufnahme an einer Prep-School und ein Stipendium, stellt ihre Eltern vor fast vollendete Tatsachen.
Laut Beschreibung ein Buch über die Schwierigkeiten, einen Platz im Leben zu finden. Beim Lesen allerdings hatte ich so meine Probleme mit der Protagonistin, vor allem ihrer Passivität - sei es im Umgang mit den Mitschülern, sei es mit den akademischen Anforderungen. Von dem lernbegierigen Mädchen ihrer alten Schule, in der der Unterricht häufig ein Dialog zwischen Lee und ihren Lehrern war, ist nichts zu spüren. Die Leistungen sind allenfalls durchschnittlich - und Lee nimmt es einfach hin. Selbst als ihr wegen schlechter Matheleistungen ein Rausschmiss kurz vor dem Abschluss droht, läuft sie gewissermaßen mit Scheuklappen durch den Unterricht und entwickelt nicht den Ehrgeiz, gegenzusteuern.
Die sozialen Untzerschiede zu den Schülern aus reichem Elternhaus werden gleich in den ersten Wochen bewusst, doch auch hier macht die Autorin nicht deutlich, was das mit ihrer Protagonistin macht. Lee beobachtet stumm und unkommentiert, bleibt im Umgang mit anderen passiv und kann so weder gute noch schlechte Erfahrungen machen. Handelt sie aus einer Art Minderwertigkeitsgefühl so? Auch das bleibt letztlich offen. Lee ist keineswegs die einzige Stipendiatin, doch auch zu anderen Schülerinnen und Schülern, die materiell nicht mithalten können, sucht sie keinen Kontakt.
Lee ist mir beim Lesen fremd und fern geblieben, und auch die Prep School als Mikrokosmos blieb merkwürdig leblos. Schade.