Profilbild von evaczyk

evaczyk

Lesejury Star
offline

evaczyk ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit evaczyk über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2026

Kulinarisches Detox

Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber
0

Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern auch die Gesundheit. Dass die Ernährung an sich großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand haben kann, ist ja nicht neu. In der Medical Cuisine-Reihe ...

Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern auch die Gesundheit. Dass die Ernährung an sich großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand haben kann, ist ja nicht neu. In der Medical Cuisine-Reihe bei G+U stellt der Sportmediziner Matthias Riedl aber immer wieder diese Zusammenhänge ganz gezielt für bestimmte Körperbereiche her, sei es nun Darmgesundheit, Arthrose, Diabetes usw. Sein neues Buch, "Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber", schließt daran an und nimmt das größte Bauchorgan in den Mittelpunkt, das beim Stoffwechsel eine besonders wichtige Rolle spielt.

Fettleber ist heutzutage fast schon eine Zivilisationskrankheit und längst nicht nur auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. In einer Zeit, in der viele Menschen hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen zu sich nehmen oder auf Fertiggerichte, Restaurants usw setzen statt selbst mit frischen Zutaten zu kochen, vermutlich kein Wunder - man hat dabei nicht mehr die Kontrolle, was in Topf und Pfanne kommt und später in den eigenen Magen.

Wie auch in seinen früheren Büchern stellt Riedl einen "Theorieteil" voran, in dem es um die Bedeutung der Leber für den menschlichen Organismus geht, ihre Aufgabe bei der Steuerung des Stoffwechsels und das besondere Problem der "leise leidenden" Leber - Veränderungen und Erkrankung machen sich nicht gleich durch Schmerzen bemerkbar.

Dass Bitterstoffe gut für die Lebergesundheit sind, haben viele vermutlich schon einmal gelesen. Unter den "Top ten zur Stärkung unserer Leber" listet Riedl aber unter anderem auch Kichererbsen, Hüttenkäse, Pilze und Kurkuma auf.

Der anschließende Rezeptteil beginnt mit süßen und herzhaften Gerichten für einen Start in den Tag - Granola-Cups mit Himbeerjoghurt zum Beispiel oder deftiger Porridge mit pochiertem Ei. Die Möhren-Hafter-Ecken dürften dabei auch als Snack zwischendurch oder leichtes Mittagessen überzeugen. Hinzu kommen mehrere Smoothie- und Aufstrichrezepte.

Mehrere kalte Hauptgerichte, insbesondere proteinreiche Salate mit ordentlich Gemüse dazu dürften gerade jetzt im Sommer gut passen. Unter den warmen Hauptgerichten sind mehrere Suppen und Eintöpfe, aber auch Auflauf, Gratins und Ofengerichte. Teils deftig, teils mit mediterranen oder asiatischen Anklängen, aber allesamt recht schnell und ohne größeren Aufwand machbar - die Ausrede "Ich habe aber gar keine Zeit zum Kochen" steht dem kulinarischen Detox also nicht im Weg. Unter den 80 Rezepten ist sogar noch Platz für Nachtisch - wobei "Schokomuffins mit roter Beete" zumindest für mich nicht unbedingt die größte Verlockung sind. Aber Protein-Brownies mit Hüttenkäse oder Zimtschneckenkuchen mit Apfel sind sicherlich einen Versuch wert. Und das beste: Die Erläuterungen und vorgestellten Rezepte laden zu eigenen Kombinationen ein, die der Leber auch jenseits der vorgestellten Rezepte gut tun dürften.

Veröffentlicht am 20.07.2026

Lügen und Ungesagtes

Nicht
0

Als Krimiautor mit seinem Ermittler Avi Avraham hat mir Dror Mishani bereits gut gefallen. Mit seinem neuen Roman "Nicht" hat er überrascht und ein Buch geschrieben, das viel Stoff zum Nachdenken bietet. ...

Als Krimiautor mit seinem Ermittler Avi Avraham hat mir Dror Mishani bereits gut gefallen. Mit seinem neuen Roman "Nicht" hat er überrascht und ein Buch geschrieben, das viel Stoff zum Nachdenken bietet. Ein ausgesprochener Roman der leisen Töne, der Zeit braucht, um sich zu entfalten, dann aber nachhallt.

Der Übersetzer Eli ist schon seit Jahren verwitwet, er hat einen guten Kontakt zu seiner Tochter, lebt aber im großen und ganzen für seine Arbeit, die naturgemäß recht isoliert verläuft. Falls er sich einsam fühlt, hat er das auch vor sich selbst ganz gut verdrängt. Die Versuche von Freunden, sen soziales Leben ein wenig zu pushem, erträgt er eher stoisch. Doch dann verliebt er sich doch noch einma, lässt sich auf Lia ein, Eine ganz neue Erfahrung nach Jahren des Alleinseins.

So weit, so gut - hier könnte eine reife Romanze ihren Ausgang nehmen. Doch als Lia zu einer Konzertreise aufbricht, hütet Eli ihren Hund, zu dem er ein eher zwiespältiges Verhältnis hat. Das Hundesitting geht zunächst besser als gedacht, doch dann läuft der Hund während eines Spaziergangs erst davon und dann vor ein Auto.

Eli gerät in Panik - Lia soll nichts erfahren, dass er durch Unachtsamkeit ihr Haustier auf dem Gewissen hat. Nach ihrer Rückkehr erzählt er nur, das Tier sei weggelaufen. Lia findet sich erwartungsgemäß nicht mit dem Verlust ab, such den Hund, schaltet Anzeigen, geht Betrügern auf den Leim und hofft, während Eli sich zwischen Lügen und Ungesagtem in immer mehr Widersprüche verwickelt. Als Lia dann auch noch Halsband und Leine des Hundes zufällig in Elis Kofferraum sieht, ist es bereits zu spät, die Wahrheit zu sagen.

Mishani bringt psychologische Spannung in dieses Porträt eines einsamen Mannes, der ein anderes Leben nahezu greifen kann, mit seinem Lügengebäude aber ein wackeliges Fundament dieser möglichen Zukunft baut. Ruhig und mit guter Beobachtung der äußeren wie inneren Zustände seines Protagonisten hält Mishani so manche Überraschung und ein mehrdeutiges Ende bereit. Für dieses Buch sollte man sich Zeit und Ruhe gönnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2026

Eine Herde ermittelt

Glennkill
0

Ich weiß gar nicht, vor wie vielen Jahren ich "Glenkill" das erste mal gelesen habe. Passend zur Fimlpremiere über die Schaf-Detektive wurde das erste Buch von Leonie Swanns Schafs-Triologie wieder aufgelegt, ...

Ich weiß gar nicht, vor wie vielen Jahren ich "Glenkill" das erste mal gelesen habe. Passend zur Fimlpremiere über die Schaf-Detektive wurde das erste Buch von Leonie Swanns Schafs-Triologie wieder aufgelegt, und beim Wiederlesen habe ich gemerkt, wie viel ich von der Handlung vergessen hatte. Das Wiedersehen mit Miss Maple, dem klügsten Schaf der Herde, Gedächtnisschaf Mopple, dem Winterlamm und den anderen Herdenmitgliedern, die den Mord an ihrem Hirten aufklären, hat Spaß gemacht.

Die scheinbare Idylle der Kleinstadt, vor deren Toren oder vielmehr Hecken die Herdeihe Weide hat, hat Abgründe, auch wenn die Mäh-tektive mitunter nicht gleich erkennen, wer gut und wer böse ist. Aber da können sich auch Menschen bekanntlich täuschen. Selbst Hirte George, der seinen Schafen abends Kriminalromane vorlas, hatte ein paar dunkle Seiten, Im Umgang mit den Schafen war er allerdings vorbildlich, deshalb muss sein Tod geahndet werden. Auf die Polizei allein wollen sich die Schafe da nicht verlassen.

Mit Einfallsreichtum, Schaf-Bedächtigkeit und Kreativität bringen sie die menschlichen Ermittler schließlich auf die richtige Spur. Ein liebenswerter Cozy, der auch bei den Schafen einige sehr menschliche Eigenschaften findet. Wie schön, dieses Buch wiederentdeckt zu haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2026

Ein Bundespräsident in geheimer Mission

00-Laschet
0

Sein Name ist Laschet, Armin Laschet, und in David Safiers neuem Roman "0-0-Laschet" macht der CDU-Politiker nicht nur Karriere als Bundespräsident, sondern stolpert in eine Agentenrolle. Denn sein neuer ...

Sein Name ist Laschet, Armin Laschet, und in David Safiers neuem Roman "0-0-Laschet" macht der CDU-Politiker nicht nur Karriere als Bundespräsident, sondern stolpert in eine Agentenrolle. Denn sein neuer Job, so lernt er gleich am ersten Tag im Schloss Bellevue, ist nicht etwa, oberster Repräsentant des Landes zu sein, Staatsgäste zu empfangen und staatstragende Reden zu halten. Nein, er ist in seiner Rolle auch Steigbügelhalter und Türöffner für einen streng geheimen Geheimdienst, der Schloss Bellevue buchstäblich unterhöhlt hat für den Aufbau seiner Zentrale.

Das ist nicht die einzige Überraschung für Armin, der sich irgendwie sehr schnell ins Aachener Reihenhaus und das bürgerliche Familienleben zurücksehnt. Seine neue Social-Media-Beraterin entpuppt sich nicht nur als die einstige Nachbarstochter, für die er immer noch "Onkel Laschi" ist - die junge Frau ist Top-Agentin in dem erwähnten Geheimdienst - und Laschet muss sich mal eben in den Buckingham Palace einladen lassen, um ihr dort Ermittlungen zu ermöglichen.

Dort trifft er nicht nur Charles, Camilla und George Clooney, sondern trampelt auch sehr schnell in das eine oder andere Fettnäpfchen. Das diplomatische Parkett ist offenbar noch glatter als Parteizentralen voller ränkeschmiedender und intriganter Parteifreunde! Doch das ist nur der Anfang eines harsträubenden Abenteuers, um eine gobale Verschwörung mit katastrophalen Auswirkungen für die ganze Welt aufzudecken. Dabei freundet sich Laschet zunehmend mit der Idee an, mal eben die Welt retten zu wollen, wobei seine freundliche und mitunter doch recht tolpatschige Art angesichts abgefeimter Gegenspieler so manche schwierige Lage zur Folge hat.

Nach der ermittelnden Altkanzlerin Angela Merkel hat Safier erneut einen poltischen Protagonisten für einen Cozy-Agentenkrimi in den Mittelpunkt gestellt. Wie auch bei den Miss Merkel-Romanen gibt es ein paar Seitenhiebe auf die Politik, ohne dabei irgendwem wirklich weh zu tun. Und manches ist ein wenig arg klamaukig. Trotzdem ein liebenswerter Protagonist, der sich mit geradezu kindlichem Staunen in einer Welt behaupten muss, die eigentlich ein bißchen groß für ihn ist. Dass es bei allen Turbulenzen und Gefahren nur auf ein happy end hinauslaufen wird, versteht sich dabei von selbst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2026

Rätsel um einen alten Todesfall

Wenn der Sturm ruht
0

Im dritten Band von Lenz Koppelstätters Gardasee-Krimiserie, "Wenn der Sturm ruht" führt der Plot tief in die italienische Vergangenheit - in die "bleierne Zeit" und in den Faschismus, die noch immer vorhandenen ...

Im dritten Band von Lenz Koppelstätters Gardasee-Krimiserie, "Wenn der Sturm ruht" führt der Plot tief in die italienische Vergangenheit - in die "bleierne Zeit" und in den Faschismus, die noch immer vorhandenen rechtsextremistischen Netzwerke. Ganz schön viel für eine Zeit, in der Polizeireporterin Gianna Pitti, ihr Vater Arnaldo und ihre einstige Chefredakteurin Elvira eigentlich schon gut ausgelastet mit dem nuovo Messagero sind - multimedial, angepasst an die Medienbedürfnisse des 21. Jahrhunderts. Aber wenn nach der Eröffnungsparty der neuen Redaktionsräume ein Toter an Arnaldos Schreibtisch gefunden wird, müssen die drei mal wieder ermitteln - und auch der Marchese, Giannas Onkel und Arnaldos so ganz anderer älterer Bruder, ist wieder mit dabei.

Mit dem nunmehr dritten Buch ist Koppelstätter endgültig bei seinen Protagonisten "angekommen", bei ihren Leidenschaften und Zweifeln, Ambitionen und Gefühlsturbulenzen. Der Mord führt in eine komplexe Vergangenheit, die auch die Familiengeschichte der Pittis berührt. Und bei den Ermittlungen ist ausgerechnet eine russische Ausgabe von Doktor Schiwago, die in Elviras Schreibtisch gefunden wird, ein wichtiger Hinweisgeber.

Denn der Tote an Arnaldos Arbeitsplatz, so stellt sich heraus, war ein Hamburger Investigativjournalist. Er wollte dem Leben - und Tod - des Verlegers Giangiacomo Feltrinelli nachgehen. In dessen Villa war der Marchese als Junge oft zu Gast, denn sein Vater war mit Giangiacomo befreundet. Heute ist die einstige Familienvilla ein Luxus-Boutiquehotel. Giangiacomo hätte das wohl gegraust, denn der Spross einer schwerreichen Unternehmerfamilie war ein bekennender Linker. Um seinen Tod ranken sich Gerüchte: Hatte er Linksterroristen nicht nur finanziell unterstützt, sondern selbst einen Anschlag geplant und war bei einer vorzeitigen Explosion ums Leben gekommen? Er hatte jahrelang im Untergrund gelebt, zu seinen Freunden zählte Fidel Castro.

Oder war alles ganz anders? Das Team vom Messagero versucht zu entschlüsseln, ob in Doktor Schiwago Hinweise versteckt sind. Dabei geraten sie selbst in Gefahr. Eine rechtsextreme Gruppe, so scheint es, hat kein Interesse an Fragen zum Tod des Verlegers, und noch weniger an hartnäckigen Journalisten.

Wie auch in seinen Südtirol-Krimis bringt Koppelstätter viel Lokalkolorit ein und gewährt Einblicke in das Denken und die mitunter turbulente Gefühlslage seiner Protagonisten, Der Marchese, als kultivierter Lebemann üblicherweise mehr an gutem Essen und exzellenten Weinen interessiert, spielt hier eine aktivere Rolle als in den vorangegangenen beiden Bänden, und auch die Kontraste der ungleichen Brüder werden einmal mehr ausgespielt. Nicht alle Fragen werden am Ende gelöst sein - doch dafür werden schon neue aufgeworfen, die auf einen Folgeband hoffen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere