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Veröffentlicht am 17.09.2025

Muttis im Speckgürtel

Heimat
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Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht auf Hannah Lühmanns Roman "Heimat" - Tradwives im brandenburgischen Speckgürtel um die Hauptstadt und eine Stadtflüchterin, die zwischen Entsetzen und Faszination ...

Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht auf Hannah Lühmanns Roman "Heimat" - Tradwives im brandenburgischen Speckgürtel um die Hauptstadt und eine Stadtflüchterin, die zwischen Entsetzen und Faszination angesichts dieser so ganz anderen Frauenwelt schwankt.

Der Einstieg klang vielversprechend. Die allmähliche Assimilation von Erzählerin Jana, deren Partnerschaft gleichzeitig zerbricht, konnte mich dann aber nicht überzeugen. Zwischen AfD-Wahlständen und einem Buchklub, in dem die Rolle der Hausfrau und Mutter gepriesen wird, scheint sie sich immer wohler zu fühlen und immer weniger zu hinterfragen.

Gleichzeitig bleibt die Faszination für den Mann ihrer neuen Freundin Karolin nicht nachvollziehbar, ebensowenig, was Karolin letztlich umtreibt. Sie wirkt zu selbstbewusst, um sich ihrem Mann unterzuordnen, doch was zieht sie eigentlich in die traditionelle Frauenrolle? Spannungen, etwa im Zusammenhang mit ihrem Kind aus einer früheren Beziehung, das in der Familie in eine Außenseiterrolle gedrängt wird.

"Heimat" hat nachdenkenswerte Ansätze, doch dann plätschert die Erzählung vor sich hin und bleibt mir zu oberflächlich. Dass es unter der idyllischen Oberfläche des Vorort-Wohlstands brodelt, ist klar. Aber hier hätte die Autorin pointierter herausarbeiten und das Profil ihrer Figuren schärfen können. So blieb das Buch leider hinter meinen Erwartungen zurück.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Frauen, die die Freiheit lieben

Im Herzen der Katze
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Selten liegen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit so nah beieinander wie in "Im Herzen der Katze" von Jina Khayyer. Ich-Erzählerin Jina - wieviel Autobiografie in dem Roman steckt, bleibt unklar - sitzt vor ...

Selten liegen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit so nah beieinander wie in "Im Herzen der Katze" von Jina Khayyer. Ich-Erzählerin Jina - wieviel Autobiografie in dem Roman steckt, bleibt unklar - sitzt vor dem Computer und verfolgt die Nachrichten aus ihrem Geburtsland Iran. Eine junge Kurdin,Jina Amini, ist von den Sicherheitskräften ins Koma geprügelt worden, nachdem sie wegen eines nicht "richtig" gebundenen Kopftuchs verhaftet worden war. Der Fall machte Schlagzeilen - auch weil Angehörige und Krankenhausmitarbeiterinnen den Mut besaßen, Bilder der sterbenden jungen Frau aus dem Iran zu verbreiten. Bilder, die die offizielle Version der Behörden über eine angeblich natürliche Todesursache als Lüge entlarvten.

Was folgte, ist Nachrichten-Geschichte: Unter dem Ruf "Jin, Jihan, Azadi!" (Frau, Leben, Freiheit) gingen tausende junge Menschen im Iran auf die Straße, vor allem Frauen und Mädchen. Sie warfen die verhassten Kopftücher weg, demonstrierten gegen das Mullah-Regime, das zwar seit Jahrzehnten jeden Dissens brutal unterdrückt, aber ganz besonders Frauen und Mädchen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark einschränkte.

Jina, die Erzählerin, erinnert sich, an eine Reise vor wenigen Jahren, zu den Tanten, vor allem zu ihrer Schwester, die aus Deutschland in den Iran zurückgegangen war, dort verheiratet ist, im privaten Raum das Leben führen kann, dass ihr in der Öffentlichkeit nicht zugestanden wurde. Jinas Nichte im Teenageralter ist das zu wenig. Sie demonstriert auf den Straßen, verabredet sich über soziale Medien mit Gleichgesinnten. Die Gefahren ignoriert sie. Gegen so viele Menschen könnten auch die gefürchteten Sicherheitsdienste nichts ausrichten, sit sie überzeugt. Nach dem Motto, lieber tot als frei.

Aus ihrem eigenen Erleben hat Jina - die lesbisch ist - seinerzeit einen Eindruck bekommen, welche Folgen Unangepasstheit bekommen kann. Der damalige Reiseführer, der mit ihr und ihrer Schwester unterwegs war, entpuppte sich als queere Frau, möglicherweise auch gender-fluid. Jina wollte das Interesse, das sie entwickelte, nicht mehr verbergen, allen Warnungen ihrer Schwester zum Trotz. Die aufkommende Romanze, soviel sei verraten, hatte kein Happy End.

Und im Rückblick auf die Proteste unter dem Ruf "Jin, Jihan, Azadi" ist auch bekannt - sie wurden brutal niedergeschlagen. Verhaftungen, Folter, Hinrichtungen waren die Antwort der Mullahs und ihrer Schergen. Tod oder Freiheit? Die Menschen im Iran, die sich ein anderes Leben wünachen und nicht anpassen wollen, sind bis heute nicht frei.

Die Autorin vermischt das Private mit dem Öffentlichen, die Wärme der Familie und der Menschen, denen Jina begegnet, mit der Härte des Regimes. Das Heimweh mit dem Wunsch, ohne Lügen und Versteckspiel leben zu können. Das Ende bleibt offen - aus Deutschland soll Jina ihrer Nichte und deren Freund
innen helfen, Bilder der Proteste im Westen zu verbreiten. Welche Konsequenzen das für die Jugendlichen hat, wird nicht bekannt. Ein Buch, das beeindruckt und nachhallt.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Politsatire um tierische Willkommenskultur

Das Geschenk
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Von Gaea Schoeters Roman "Die Trophäe" war ich sprachlich und inhaltlich begeistert - die Spannung auf ihren neuen Roman "Das Geschenk" war also groß. Vergleichen lassen sich beide Bücher nicht, Schoeters ...

Von Gaea Schoeters Roman "Die Trophäe" war ich sprachlich und inhaltlich begeistert - die Spannung auf ihren neuen Roman "Das Geschenk" war also groß. Vergleichen lassen sich beide Bücher nicht, Schoeters hat sowohl einen anderen Stil als auch ein anderes Thema gewählt (auch wenn es in gewisser Weise durchaus um Afrika geht). Aber auch diesmal wieder großes Lesevergnügen, diesmal mit einer etwas heitereren und zugleich bissigen Note und scharfsinnigem Blick der flämischen Autorin auf den (Berliner) Politikbetrieb.

Vermutlich war es eine kleine Zeitungsnotiz, die Schoeters zu ihrem neuen Roman inspirierte, als nämlich der Präsident Botswanas nach deutscher Kritik am geplanten Abschuss tausender Elefanten damit drohte, einfach die Elefanten stattdessen ins ach so besorgte Deutschland zu schicken. Genau dies geschieht in "Das Geschenk" - plötzlich baden Elefanten in der Spree, grasen im Berliner Tiergarten und wandern über Autobahnen.

Bundeskanzler Hans Christian Winkler, der gerade erst ein Elfenbeingesetz verabschiedet hatte, ist nicht amused über die 20.000 Dickhäuter. Ein rechtspopulistischer Politiker, der ohnehin schon immer gegen Migration gewettert hat, wittert Morgenluft für einen politischen Umschwung, der ihn an die Macht bringen soll. Winkler verbreitet "Wir schaffen das!"-Optimismus und beruft als Plan B eine kompetente, aber bisher immer wieder gegen die Männerbünde der Partei gescheitete Politikerin zur Elefantenministerin - wenn etwas schief geht, hat sie die Verantwortung zu übernehmen, während selbstverständlich er die Lorbeeren für eine gelungene Integration der tierischen Einwanderer einzuheimsen gedenkt. Deutschland, ein Elefantenmärchen?

Naturschutz, Willkommenskultur, politische und mediale Aufgeregtheiten und Intrigen - Schoeters holt in ihrer Politsatire zum großen Wurf aus. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, habe ich beim Lesen gedacht. Denn der Umgang mit anderen Krisen lässt vieles von dem, was in "Das Geschenk" geschieht, irgendwie vertraut wirken. Schoeters hat ein Buch geschaffen, dass selten ist: Es vereint Unterhaltung mit viel Stoff zum Nachdenken. Großartig.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Ermittlerin in eigener (Mord)-Sache

Not Quite Dead Yet
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Die Grundidee des Plots von "Not quite dead yet" von Holly Jackson hat es in sich: Eine junge Frau klärt den Mord an sich selbst auf. Nein, es ist nicht eine Ermittlung aus dem Jenseits, wie es in einigen ...

Die Grundidee des Plots von "Not quite dead yet" von Holly Jackson hat es in sich: Eine junge Frau klärt den Mord an sich selbst auf. Nein, es ist nicht eine Ermittlung aus dem Jenseits, wie es in einigen Krimis ja schon vorgekommen ist. Jet Mason, 27 Jahre alt, weiß, dass ihr nur noch sieben Tage bleiben. Ein Unbekannter hat mit einem Hammer dreimal auf ihren Schädel eingeschlagen.

Die Folge sind mehrfache Brüche - und die Neurologin kann Jet wenig Hoffnung machen: Ein Aneurysma wird sie letztlich umbringen. Jet ist eine Tote auf Abruf. Und die junge Frau, die immer glaubte, dass ihr noch so viel Zeit bleibt und eher planlos nach einem abgebrochenen Studium in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist, möchte zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben etwas zu Ende bringen und ihren Mörder finden.

Unterstützt wird Jet von ihrem Kindheitsfreund Billy, in dessen Wohnung sie einzieht, weil sie mit der eigenen Familie Stress hat. Zudem wird ihr immer klarer, dass auch in ihrer Familie manches Geheimnis schlummert, das womöglich als Mordmotiv taugt. Doch rennt ihr die Zeit davon, während die neurologischen Probleme von Tag zu Tag größer werden?

Ich kannte die Autorin bisher nicht, sie ist offenbar eine populäre Autorin von Jugendbüchern. Und das merkt man irgendwie, denn für eine 27-jährige ist Jet ziemlich pubertär. Auch sprachlich erinnert Jet eher an die zweite Trotzphase eines Teenagers als an eine junge Frau, die auf die 30 zugeht. Von einigen Logikproblemen mal ganz zu schweigen. Dass jemand mit einem dreifachen Schädelbruch nach einem Tag das Krankenhaus verlassen kann, Auto fährt usw - das erscheint nicht gerade glaubwürdig. Auch wenn ich mich zugegebenerweise mit Neurochirurgie oder Medizin im allgemeinen nicht auskenne.

Mein Fazit fällt gespalten aus - eine tolle Grundidee, zahlreiche ermittlerische Irrwege, auf die Jet und Billy die Leser*innen mitnehmen und viel Stoff zum Rätseln auf meiner Positiv-Seite. Schwache Dialoge, ein allzu plakativer Schreibstil und eine ziemlich unreife bis nervige Protagonistin auf der negativen.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Die Staatsanwältin und die grüne Leiche

Das Bierkomplott
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Evi Pflaum hat sich einen Herzenswunsch erfüllt. Nach Jahren in München ist die junge Staatsanwältin zurück in die fränkische Heimat gekehrt und verstärkt jetzt die Anklagebehörde in Bamberg, der Stadt ...

Evi Pflaum hat sich einen Herzenswunsch erfüllt. Nach Jahren in München ist die junge Staatsanwältin zurück in die fränkische Heimat gekehrt und verstärkt jetzt die Anklagebehörde in Bamberg, der Stadt mit den vielen Brauereien. Schaden genommen hat dabei allerdings ihre Beziehung - ihr Lebensgefährte, Anwalt in einer Wirtschaftskanzlei, der sich im Studium unsterblich in Evi verliebt hatte, findet die Liebe nun doch nicht wert, als Fernbeziehung am Leben gehalten zu werden. Jetzt ist Evi wieder ins alte Kinderzimmer auf dem Hof ihrer Eltern eingezogen und hofft, dass ihre hamsternde Mutter doch noch mal die Einliegerwohnnung frei räumt.

Auch Evis neuer Job bietet keinen sanften Einstieg in Carina Heers Cozy-Krimi "Das Bierkomplott": Ihr Vorgesetzter ist krank, deshalb bekommt es Evi gleich in ihrer ersten Arbeitswoche mit einem Mordfall zu tun. Die im Separee eines Puffs gefundene Leiche einer Prostituierten ist bizarrerweise mit grünem Flaum überzogen und riecht nach Malz. Also nicht gerade ein unkomplizierter Einstieg für die junge Staatsanwältin. Es gibt aber auch erfreuliches: Den grünäugigen Gerichtsmediziner nämlich, den sie beim ersten Zusammentreffen glatt für einen Kriminellen gehalten hat. Nachdem dieser Irrtum geklärt ist, muss Evi ihre romantischen Gedanken nicht mehr bremsen.

Wenn "Das Bierkomplott" leicht versaut ist, liegt das allerdings nicht an heißen Sexszenen, sondern an Rosi, der Sau, die gleich auf den ersten Buchseiten geschlachtet wird. Anders als ihre vegane (und mit dem örtlichen Schlachter verheiratete) Schwester liebt Evi nämlich Schlachterplatte, Leberwurst, Pressack und all die anderen fleischlichen Schweinereien, in die Rosi und ihre Artgenossen verarbeitet werden können. Ihre Ermittlungen hingegen werden durch regelmäßiger Alkoholabstürze mit ihrer besten Freundin erschwert. Kerw hier, Junggesellinnenabend da. Vergesst das P1, das dörfliche Nachtleben kann heftig sein. Und Aktenstudium mit Kater - oder Flirts mit einem gewissen Gerichtsmediziner mit Asbachfahne - sind auch nicht gerade einfach.

Auch wenn mir beim Lesen das "frrrrengisch" rollende R im Kopf rumschwebte - dieses Buch würde ich gerne als Hörbuch und entsprechender Dialektfärbung genießen. Aber auch so konnte ich mir Evis Abenteuer zwischen Dorf und Bamberger Behörde lebhaft vorstellen. Besonders blutig ist es genrekonform nicht und das Buch hat mehr mit einer romantic comedy als mit einem Krimi gemeinsam. Wie es auszugehen hat, ist deshalb frühzeitig klar. Am Lesespaß ändert das aber nichts. Dieser gute Laune-Cozy hat die Erwartungen erfüllt.

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