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Veröffentlicht am 17.09.2022

Sorgt für Überraschungen

Faust
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Manchmal kann man als Leser auch ohne Vorkenntnisse in eine bereits bestehende Romanserie einsteigen. In "Faust" von Gustav Skördeman funktioniert das nrr sehr bedingt. Zwar gibt es einige Erläuterungen ...

Manchmal kann man als Leser auch ohne Vorkenntnisse in eine bereits bestehende Romanserie einsteigen. In "Faust" von Gustav Skördeman funktioniert das nrr sehr bedingt. Zwar gibt es einige Erläuterungen und Hinweise zu den Ereignissen im Vorgängerband "Geiger" und man kann sich so einiges zusammenreimen. Doch beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, zu große Lücken zu haben, um die Proagonisten wirklich gut zu verstehen, allen voran die Hauptfigur, die Polizistin Sara Nowak.

Was Geheimdienst-Schläfer der Stasi in Schweden zu tun hatten, warum die Stasi ausgerechnet Schweden als Zuflucht für einen neuen Start für RAF-Terroristen ausgewählt haben soll - da fiel mir schon die zeitliche Zuordnung schwer, wann die Handlung eigentlich spielt. Es ist eben alles schon eine Weile her, und ich schreibe das als eine, die sich nicht nur an den Mauerfall erinnern kann, sondern auch Kindheitserinnerungen an den deutschen Herbst und die RAF-Plakate an allen Postämtern (die es damals noch überall in der Nachbarschaft gab - ist wie gesagt lange her) hat. Für jüngere Leser*innen dürfte die Herausforderung also noch grüßer sein.

Interessant, spannend und vielschichtig ist der Roman dennoch, denn es gibt ja auch die "private" Sara Nowak, deren Tochter gerade auszieht, deren Sohn mitten in der Pubertät steckt und deren Mann als Konzertveranstalter in einer ganz anderen Welt lebt. Wie sie als Polizistin versucht, die Distanz zum Geldadel zu halten, zu dem auch ihre Schwiegerfamilie gehört, macht Nowak sympathisch.

Mindestens ebenso spannend wie die Verstrickungen in Geheimnisse und Geheimdienste ist ein aktueller Fall Saras aus der ganz normalen Polizeiarbeit, bei dem es um die Misshandlung einer Prostituierten geht. Frauenfeindlichkeit, Gewalttätikeit und Exzesse von Männern, die glauben, sich alles kaufen zu können, führen zu einer Eskalation, die Sara buchstäblich nahe geht. Das Buch endet mit schmerzlichen Einsichten und einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Und in der Zwischenzeit werde ich sicher noch den ersten Band lesen.

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Veröffentlicht am 17.09.2022

Plot mit überraschendem Twist

The Other Black Girl
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Fängt wie ein woke-Roman an, endet mit subtilem Horror und ein wenig dystopisch: "The other Black girl" von Zakiya Dalila Harris hat mich überrascht. Was halbwegs vorhersehbar und ausgesprochen zeitgeistig ...

Fängt wie ein woke-Roman an, endet mit subtilem Horror und ein wenig dystopisch: "The other Black girl" von Zakiya Dalila Harris hat mich überrascht. Was halbwegs vorhersehbar und ausgesprochen zeitgeistig wirkte, erhielt in dem Roman über eine junge Afroamerikanerin in der Verlagswelt einen völlig überraschenden, unerwarteten Twist, der das Buch zu einem unberechenbaren Leseerlebnis machte. Das fand ich schon mal ganz großartig und will hier auch möglichst wenig rumspoilern.

Der Duft von Kakaobutter, der durch die Büroflure des New Yorker Verlagshauses wabert, ist für Nella das erste Anzeichen, dass sie nicht mehr allein ist. Genauer: die einzige Schwarze im ansonsten reinweißen Umfeld des Lektorats. Dass mit Hazel-May eine weitere Afroamerikanerin für mehr Diversität sorgt, findet sie erst mal großartig. Eine natürliche Verbündete in den versteckten Mikroaggressionen, in rassistischen Stereotypen, die stets ausgeklammert werden, in der "Farbenblindheit", die aus Nella eine Verlagsmitarbeiterin wie jede andere macht, die halt zufällig schwarz ist.

Die anfängliche Begeisterung bekommt aber schon bald einen schalen Beigeschmack: Da ist der Enthusiasmus aller Vorgesetzten, der Hazel entgegenfliegt. Die Erfolge nach kurzer Zeit, für die Nella zwei Jahre lang rackern musste. Und die eigenen Komplexe: Ist Nella überhaupt Schwarz genug? Aufgewachsen ist sie schließlich in einer überwiegend weißen Kleinstadt in Connecticut. Wie ihre Mutter ließ sie sich jahrelang die Haare glätten, erst seit sie in New York ist, lässt sie sich die Haare zu einem Afro wachsen, kennt sich mit Styling-Methoden aber nicht wirklich aus. Und obendrein hat sie einen weißen Freund, auch wenn der immerhin zwei lesbische Mütter vorweisen kann.

Wie anders ist Hazel - sie kommt aus Harlem, ihre Großeltern lernten sie auch einer Demo der Bürgerrechtsbewegung kennen und mit ihren Dreadlocks kommt sie auch optisch als woke-Galleonsfigur rüber. Klar, dass sie tief eingebunden ist in schwarze Kultur und Tradition, Warum hat Nella dennoch das Gefühl, dass hier irgend etwas nicht stimmt? Und was haben die anonymen Schreiben zu bedeuten, die sie seit der Ankunft Hazels auf ihrem Schreibtisch findet und die ihr nahelegen, den Verlag zu verlassen? Hat Hazel damit zu tun? Ist nur Platz für eine Schwarze?

Ein zweiter Erzählstrang, über den hier nicht viel verraten werden soll, wirft anfangs viele Fragen auf und führt später ein in den zweiten und ganz besonderen Plot dieses Buches. Der allmähliche Weg zur Erkenntnis führt zu manchem Aha-Effekt. Und nebenbei dürften insbesondere weiße Leser so einiges über Afro-Hair und seine Herausforderungen lernen.

Daneben hält die Autorin mit ihrem Buch den gewünscht progressiven und politisch korrekten Menschen aller Pigmentmischungen wie auch denen, die sich eigener Stereotype nicht bewusst sind, den Spiegel vor - verbunden mit einer Portion Humor und Witz, insbesondere bei den Gesprächen zwischen Nella und ihrer besten Freundin Malaika, die gewissermaßen ihr Rassismus-Kompass ist. Auch so lässt sich über Rassismus und Identität schreiben.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Von Liebe und Angst

Fliegen oder fallen
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Schönheit kann auch ein Fluch sein. Jedenfalls im Fall von Trudy und ihrer Familie, die Anfang der 1970-er Jahre in einer Kleinstadt am St. Lorenz-Strom in Kanada leben. Trudy lebt zusammen mit ihrer ...

Schönheit kann auch ein Fluch sein. Jedenfalls im Fall von Trudy und ihrer Familie, die Anfang der 1970-er Jahre in einer Kleinstadt am St. Lorenz-Strom in Kanada leben. Trudy lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer vierjährigen Nichte, von der sie fürchtet, dass sie einmal das Schicksal von Mutter, Tante und Großmutter teilen wird: Viel zu früh einen Körper zu haben, der auf Männer wie ein Magnet wirkt. Trudys Mutter hatte mit 17 Jahren ihr erstes Kind und war mit 35 Jahren Großmutter.

Trudy selbst hat sich jahrelang völlige Enthaltsamkeit verordnet, nachdem sie beinahe das frühe Mutter-Schicksal der Mutter und Schwester geteilt hätte. Damals half ihr ein Arzt, die ungewollte und viel zu frühe Schwangerschaft zu beenden. Für ihre kleine Nichte ist Trudy in Missy Martsons Roman "Fliegen oder Fallen" dennoch eine Ersatzmutter, denn ihre Schwester hat sich mit unbekanntem Ziel verzogen. Die Mutter wieder trauert weiterhin ihrer großen Liebe nach, einem leider verheirateten Mann. Entgegen dem Ruf als Schlampen-Haushalt haben die Frauen ausgesprochen wenig mit Männern zu tun. Das ändert sich erst, als Jules in die Stadt kommt - Draufgänger, Grankokanadie und mit einem Aussehen, das in Trudys Magen sofort Schmetterlinge tanzen lässt. Er will mit einem getunten Raketenauto den zwei Kilometer breiten Fluss überfliegen.

Die Vernunft sagt Trudy: Abstand halten! Aber wer hört verliebt schon auf die Vernunft? In Trudys tristen, prekären Alltag zwischen Fabrikarbeit und Versorgung der Nichte verspricht Jules Charme und Magie, eine Leichigkeit des Seins, die in ihrem Leben fremd ist. Doch wird der Sprung gelingen? Ist Jules eine Art Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flattert und schon bald wieder weg ist? Zudem einer, auf den die heimischen Männer schnell eifersüchtig-aggressiv reagieren?

Der leicht und witzig geschriebenen Geschichte der Frauen, die an die Liebe glauben wollen, aber von der Realität oft enttäuscht wurden, wird in der Hörbuchfassung von Julia Meier interpretiert. Sie trifft genau den richtigen Ton - mal girrend und selbstironisch, mal im Kindertonfall der kleinen Mercy, mal abgeklärt und ernüchtert.

Manchmal hat "Fliegen oder Fallen" fast etwas Märchenhaftes an sich. Die Außenseiter- und Liebesgeschichte ist locker geschrieben, ohne verkitscht zu sein. Trudys Traum von einem anderen Leben ist nachvollziehbar, ihre Zweifel, ob es jemals dazu kommt ebenso. Skurrile Kleinstadttypen werden treffend skizziert und am Ende wartet eine Überraschung. Gut geschrieben und gelesen, vorwiegend heiter mit ein paar ernsten Elementen.

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Veröffentlicht am 14.09.2022

Brandheißer Schwedensommer

Im Feuer
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Wenn das mal nicht brandaktuell ist nach einem heißen Sommer, in dem in Europa einmal wieder vielerorts die Wälder brannten. Die Klimakrise spielt in Pernilla Ericsons Kriminalroman "Im Feuer" im Hintergrund ...

Wenn das mal nicht brandaktuell ist nach einem heißen Sommer, in dem in Europa einmal wieder vielerorts die Wälder brannten. Die Klimakrise spielt in Pernilla Ericsons Kriminalroman "Im Feuer" im Hintergrund immer wieder eine Rolle. Da es ein Krimi ist, ist allerdings auch so mancher Brand und damit zusammenhängende Todesfall auf menschliches Zündeln zurückzuführen. Dennoch werden Erderwärmung, Klimaveränderunge und das Dauerschwitzen selbst im schwedischen Sommer immer wieder thematisiert.

Die Polizistin Lilly Hed hatte in Stockholm schon große Fälle bearbeitet. Im beschaulichen Nynäshamn ist die Verwunderung bei den Kollegen an der Schärenküste groß, dass sich die Ermittlerin ausgerechnet in die vergleichsweise unspektakuläre ländliche Idylle versetzen ließ, wo Schwerkriminalität normalerweise ein Fremdwort ist. Zumal Lilly sich über ihre Gründe und ihr Privatleben ausschweigt. Auch die Leser wissen zunächst nur, dass es einen Vorfall gegeben haben muss, der die Polizistin ausgebrannt oder traumatisiert zurückgelassen hat - ein Hinweis sind die Schlaftabletten, die sie immer braucht.

Als ein Mann in seinem Haus bei einem Brand ums Leben kommt, wird zunächst ein Suizid nicht ausgeschlossen - es gab Eheprobleme, wie auch bei einem zweiten Vorfall. Doch dann häufen sich die Anzeichen für Fremdverschulden. Daneben gibt es aber auch genügend "natürliche" Brände, die Menschen und Grundstücke gefährden und die Polizisten wie auch die Feuerwehr auf Trab halten. Hat ein psychische kranker Mann, der vor Jahren in der Gegend Brände gelegt hat, die Hand im Spiel?` Gibt es ein verbindendes Element zwischen den Toten? Je mehr Lilli in der Vergangenheit wühlt, desto mehr Rauch von neuen Feuern scheint ihre Sicht zu trüben. Als zunächst eher irritierende Ablenkung entpuppt sich auch der sympathische Feuerwehrmann Jesper, der Lillys Furcht vor Nähe gewaltig auf die Probe stellt.

Hinzu kommt eine zweite Erzählebene, das Schicksal eines Menschen, der von einer Gruppe Jungen als Monster verhöhnt, geqüält und misshandelt wird, der schließlich seine Wohnung in einem Feuer verliert. Übt er etwa Rache? Ist er körperlich dazu überhaupt imstande? Je mehr Lilly herausfindet, desto größer wird auch ihr Risiko, denn wer immer die Brände gelegt hat, will das Geheimnis unbedingt wahren....

Ebenso wie Lilly müssen die Leser lange in der Asche stochern. Der Plot sorgt für Überraschungen und ist spannend aufgebaut, wobei ich schon so eine leise Ahnung hatte, wer hinter all dem steckem könnte. In der Auflösung kommt dann alles passend zusammen. Spannend geschrieben und mit dramatischen Brandszenen, die dafür sorgen, dass einem beim Lesen ordentlich eingeheizt wird. Die Protagonisten sind sympathisch und glaubwürdig. Demnächst mehr?

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Veröffentlicht am 14.09.2022

Mehr Promifaktor als Kochgenuss

Wenn ich das kann, kannst du das auch!
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Das Buch "Wenn ich das kann, kannst du das auch!" von Ex-Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis mit ihrer "persönlichen Rezeptesammlung" lässt mich reichlich zwiegespalten zurück. Einerseits ist es ein niedrigschwelliges ...

Das Buch "Wenn ich das kann, kannst du das auch!" von Ex-Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis mit ihrer "persönlichen Rezeptesammlung" lässt mich reichlich zwiegespalten zurück. Einerseits ist es ein niedrigschwelliges Angebot für Kochmuffel und -neulinge mit passendem Storytelling: Zervakis konnte nicht kochen. Dann kam Corona. Immer nur Lieferdienst war auch kein Vergnügen. Sie probierte, kochte mit Freunden und Voila - am Ende steht ein Kochbuch!

Dem Storytelling und Promifaktor folgt das Buch denn auch durchgehend. Es gibt launige Anekdoten und Bilder, besonders oft mit Zervakis. Mal trägt sie mit Selfie-Flunsch eine Wasserelone, mal herzt sie die Mama, mal feiert und kocht sie mit Freunden. Das mag ja ganz nett sein für Leute, die bekannten Leuten in den Kochtopf blicken wollen, ist aber nicht so wirklich zielführend, wenn es darum geht, neue Rezepte kennen zu lernen. Und dort, wo es dann tatsächlich inhaltlich wird, ist die Lage eher überschaubar, nach meinem Epfinden zu überschaubar für ein fast 20 Euro teures Buch.

Immerhin, so bin ich an ein lecker klingendes Rezept für einen Dattel-Dip gekommen, auch das Omelette Greek Style übereugt und für Mezze-Fans wie mich sind das Muhamarra-Rezept einer syrischen Freundin der Moderatorin und der persische Auberginendip, der von einer weiteren Freundin beigesteuert wurde, auf jeden Fall lohnenswert. Auch die Brioche mit Orangenmarmelade sehen sehr ansprechend aus und werden sicherlich nachgebacken.

Mehr Selbstbespiegelung, mehr Content, das wäre hier wirklich gut gewesen. Zervakis-Fans werden mit der Aufteilung vermutlich trotzdem zufrieden sein, aber mit hat das definitiv nicht gereicht - Datteldip hin, Muhamarra her.