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Veröffentlicht am 25.05.2022

Geschichten wie Faustschläge

JAB
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Seit seinem brachialen, aber großartigen Roman "Die Plotter" habe ich den koreanischen Schriftsteller Un-Sun Kim auf meinem Leseradar. Nun ist vor kurzem seine Kurzgeschichtensammlung "Jab" herausgekommen ...

Seit seinem brachialen, aber großartigen Roman "Die Plotter" habe ich den koreanischen Schriftsteller Un-Sun Kim auf meinem Leseradar. Nun ist vor kurzem seine Kurzgeschichtensammlung "Jab" herausgekommen und ich war neugierig: Würde Kim, der in seinen Romanen so komplexe Figuren voller Abgründe erdacht hat, sein Potenzial auch auf jeweils wenigen Seiten entfalten können? Würde er genauso überzeugen?

Ein Jab ist beim Boxen eine Gerade, locker geschlagen, ohne den Ellbogen steif zu machen - und wie ein Hagel Faustschläge kommt auch dieses Buch daher. Auf wenigen Seiten komprimiert finden sich die düsteren Nachtgestalten, die Hoffnungslosen und Getriebenen, die gesellschaftlichen Außenseiter und Angehörigen der Unterwelt wieder, die in den vorangegangenen Romanen ebenso episch wie düster ausgebreitet wurden. Die dunkle Poesie, so will ich Kims Stil mal nennen, zeigt sich auch in den Kurzgeschichten. Es sind teils filigrane Studien, die gleichzeitig Raum für Interpretationen lassen.

Der Titel der Sammlung passt angesichts des Tempos und der Wucht der Geschichten jedenfalls gut, auch wenn es in der Titelgeschichte um die Erinnerungen eines ehemaligen Boxschülers geht. Verkorkst und ziemlich kaputt sind eine ganze Reihe der Protagonisten der Geschichten, andere haben etwas kafkaesk-absurdes und selbst dort, wo gelacht werden kann, bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück. Großartig ist die Studie eines Alkoholikers in der Abschlussgeschichte, "Die Flussmündung", wo die Schönheit der Landschaft im kompletten Gegensatz zur Aussichtslosigkeit des Protagonisten steht, der zwar ein neues Leben beginnen wollte, aber nur zu schnell sich wieder mit einem Scheitern abfindet.

Ohnehin scheint es, als ob die Gescheiterten und Aussichtslosen, das Milieu der Trinker und Kriminellen, die gleichwohl ihr ganz eigenes Verständnis von Moral haben, einmal mehr Kim inspiriert haben. Mit einem Umfang von gerade mal gut 20 Seiten ist Jab schnell gelesen, aber die Geschichten hallen nach und bieten viel Stoff zum Nachdenken. Der Sprachstil ist einmal mehr gewaltig, auch buchstäblich. Doch, Un-Sun Kim beherrscht auch die kurze Form, kein Zweifel. Und er bleibt definitiv auf meiner Watchlist von Autoren, die ich weiter lesen will.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Anwältin unter Schafen

Akte Nordsee - Am dunklen Wasser
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Eine Anwaltskanzlei wie die von Fentje Jacobson hat Seltenheitswert - mit Salzgeruch in der Nase, vermutlich einer frischen Nordseebrise und buchstäblich kräftiger Landlust. Da sollte man auch aufpassen ...

Eine Anwaltskanzlei wie die von Fentje Jacobson hat Seltenheitswert - mit Salzgeruch in der Nase, vermutlich einer frischen Nordseebrise und buchstäblich kräftiger Landlust. Da sollte man auch aufpassen wo man hintritt und sich darauf einstellen, dass die Anwältin zum Mandantengespräch in rustikalem Outfit von der Schafweide kommt. Denn die Juristin betreibt ihre Kanzlei vom nordfriesischen Bauernhof ihrer Großeltern aus.Und wenn sie sich nicht um lammende Mutterschafe kümmern muss, könnte es sein, dass die zunehmende Demenz ihrer Großmutter oder eine Krise ihrer pubertierenden Nichte von Gesetzessammlungen und Vertragsrecht ablenken.

Mit Fentje Jacobsen schickt die bisher mit der Pia Korettki-Reihe vor allem an der Ostsee aktive Eva Almstädt nun eine neue Protagonistin auf Mörderjagd. In "Akte Nordsee. Am dunklen Wasser" ist Fentje weniger vor Gericht im Einsatz, sondern ermittelt selbst, um die Unschuld ihres neuesten Mandanten zu beweisen. Sie hat den Surfertyp mit Filmriss schlafend auf der Schafweide gefunden - wie er dorthin kam, weiß der junge Mann nicht. Er erinnert sich nur noch, am Vortag seine Freundin besucht zu haben - das ist aber auch schon alles. Als Fentje und ihr Schüzling die junge Lehrerin aufsuchen, finden sie nur ihre Leiche. Für die Polizei steht schnell fest, wer ihr Hauptverdächtiger ist - der junge Mann hatte eine Gelegenheit und er hatte, wie sie herausstellt, sogar ein mögliches Motiv.

Da haben die Ermittler jedoch die Rechnung ohne Fentje gemacht. Sie versucht, auf eigene Faust die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen, zunächst spöttisch belächelt von dem Journalisten Niklas John, der mitten im Sommerloch eine große Geschichte wittert. Als Sohn aus reichem Haus, der es eigentlich nicht nötig hat zu arbeiten, ist er Fentje zunächst einmal eher suspekt und der ziemlich arrogante Niklas traut der in Strafsachen nicht sonderlich erfahrenen Fentje nicht zu, etwas ausrichten zu können. Nach und nach arbeiten die beiden sehr gegensätzlichen Protagonisten dennoch als Team zusammen - auch wenn jede*r eine eigene Agenda hat.

Überhaupt ist in der nordfriesischen Provinz plötzlich viel los: Zwei Schülerinnen des Nordseeinternats, an dem die tote Lehrerin unterrichtete, sind plötzlich verschwunden, ein Pastor, mit dem sie alte Grabsteine untersucht hat, stirbt bei einem Treppensturz - und was verband die Tote eigentlich mit einem wohlhabenden und sehr viel älteen Reeder?

Die Autorin legt für ihre Leser eine ganze Reihe von Spuren aus und erst nach und nach stellt sich heraus, was eine Finte ist und was zur Lösung des Falls beiträgt. Zwischen Küstensturm und Hamburger Rotlichtmilieu gibt es eine Menge Gelegenheit für Fentje und Niklas, sich zusammen zu raufen. Wie es sich für den Erstling einer neuen Reihe gehört, spielt auch das Menschliche und die Vergangenheit der beiden Protagonisten eine Rolle - hier soll schließlich die Grundlage für weitere Bände gelegt werden. Besonders liebevoll gezeichnet sind einige der Nebenfiguren, ganz besondern Fentjes Großeltern und ihre Nichte. Nicht alles ist ganz logisch beziehungsweise entspricht der "echten" Arbeitsweise von Anwälten oder Journalisten. Dafür überzeugt das Lokalkolorit und die Beschreibung der Menschen am Deich und eine Welt, in der (fast) jeder jeden kennt.

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Veröffentlicht am 17.05.2022

Die Ministerin und die dunkle Seite der Macht

Betrug
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Die isländische Autorin Lilja Sigurdadottir ist mir schon mit ihrer Reykjavik-Triologie um die Drogenschmugglerin Sonja ausgesprochen positiv aufgefallen. Ihre starken, aber auch ambivalenten Frauenfiguren, ...

Die isländische Autorin Lilja Sigurdadottir ist mir schon mit ihrer Reykjavik-Triologie um die Drogenschmugglerin Sonja ausgesprochen positiv aufgefallen. Ihre starken, aber auch ambivalenten Frauenfiguren, die Art und Weise wie Queerness nicht als etwas Exotisches, sondern normal und alltäglich dargestellt wird, die Dunkelheit hinter einer scheinbar heilen Oberfläche - hier kam alles sehr fein zu "Scandinavic Noir" zusammen. Da war für mich gleich klar, dass ich auch unbedingt Sigurdadottirs neuen Roman, "Betrug" lesen wollte.

Das Setting und die Protagonisten sind völlig anders, doch die Darstellung von komplexen Charakteren und einem Plot, der sich erst nach und nach erschließt und dabei auf das allzu Offensichtliche verzichtet, sorgt auch hier für ein gelungenes Leseerlebnis. Im Mittelpunkt steht Ursula, die jahrelang als ausgebildete Notsanitäterin bei internationalen Hilfseinsätzen gearbeitet hat, bei einer Ebola-Epidemie in Liberia ebenso wie zuletzt in einem Flüchtlingslager in Syrien. Mit Gefahren und Minenfeldern ist sie also vertraut - in ihrem neuen Amt als isländische Innenministerin hingegen sind die Minen diplomatischer Natur und der Feind versteckt sich hinter nur scheinbar freundlichen Worten.

Die idealistische Ministerin soll nur für ein Jahr antreten, als Kompromisskandidatin der Koalitionsparteien, nachdem die Erkrankung ihres Vorgängers bis zu den nächsten Parlamentswahlen eine Interimsministerin nötig macht. Auch wenn sie keine politische Erfahrung hat, kommt das Angebot Ursula gelegen. Nach traumatischen Erfahrungen hofft sie, die Arbeit in der Heimat könne auch wieder mehr Nähe zu Ehemann Nonni und ihren Kindern ermöglichen. Denn Ursula war eine buchstäblich abwesende Mutter und obwohl sie ihre Familie liebt, kann sie diese Gefühle nicht ausdrücken, ja manchmal nicht einmal spüren.

Ursula hofft, mit ihrer Arbeit etwas verändern und Menschen helfen zu können - so wie jener Frau, der sie zufällig gleich am ersten Arbeitstag begegnet. Deren 14-jährige Tochter wurde von einem Polizisten vergewaltigt. Doch seitdem wurden die Ermittlungen verschleppt, während das Mädchen in sozialen Medien als Hure beschimpft wird. Als Ursula sich mit Nachdruck und gegen passiven Widerstand im eigenen Haus fordert, dem Fall nachzugehen, wird sie zum Ziel sexistischer Beschimpfungen und Gewaltfantasien. Angst bereiten ihr auch rätselhafte Botschaften, wonach sie sich mit dem Teufel eingelassen habe. Sie stammen, wie sich herausstellt, von einem Obdachlosen, der Ursula aus ihrer Kindheit bekannt ist.

Gleich mehrfach ist Ursula mit der dunklen Seite der Macht konfrontiert, sieht sich als Spielball politischer Intrigen und gleichzeitig durch gezielte Indiskretionen im Mittelpunkt öffentlicher Anfeindungen. Gleichzeitig erschließt sich aus den Ereignissen der Vergangenheit viel von Ursulas Persönlichkeit. Auch die Nebenfiguren des Romans - die Ehefrau des Polizisten in dem Vergewaltigungsfall, eine junge Putzfrau, der eine Schlüsselrolle zukommen wird, oder der Bodyguard Gunnar überzeugen in diesem Roman, der sowohl Spannung als auch Auseinandersetzung mit Themen wie Hass in sozialen Medien, Drohungen gegen Politiker, toxische Männlichkeit oder Gewalt gegen Frauen liefert. Athmosphärisch dicht und mit einem dynamischen Beziehungsgeflecht, hat auch "Betrug" wieder eine düstere Note, die Sigurdadottir schon in ihren vorangegangenen Romanen geprägt hat.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Gelungener Abschluss

Blutland
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Auf Suspense verstehen sich Kim Faber und Janni Pedersen, das Autorenteam hinter der Kopenhagener Krimi-Triologie um die Ermittler Martin Juncker und Signe Kristansen. Das stellt das Duo auch in Blutland, ...

Auf Suspense verstehen sich Kim Faber und Janni Pedersen, das Autorenteam hinter der Kopenhagener Krimi-Triologie um die Ermittler Martin Juncker und Signe Kristansen. Das stellt das Duo auch in Blutland, dem dritten Band nach "Winterland" und "Todland" unter Beweis. Doppelbödig und mit einem Plot, der die Leser immer wieder zwingt,schon sicher geglaubtes zu verwerfen, bleibt auch nach mehr als 550 Seiten Länge am Ende das Gefühl, den Ermittlern gerne noch länger zu folgen.

Auch wenn sich einiges vom ersten Band an wie ein roter Faden durch das Buch zieht - etwa das problematische Verhälnis Signes zu Leiter der Abteilung für Sexualverbrechen oder das nicht weniger konfliktbeladene Auf und Ab in der unaufhaltsam Richtung Scheidung steuernden Ehe Junckers - lässt sich Blutlad auch ohne Kenntnis der ersten Bände lesen. Was nötig ist, wird erklärt. Wer von Anfang an dabei war, hat aber wohl mehr Lesegenuss.

Ähnlich wie in den ersten Bänden der Triologie gibt es eine gelungene Verbindung des Politischen, des Privaten und polizeilicher Ermittlungen. Rechtsextremismus, Bandenwesen in marginalisierten Ghettos und Parallelstrukturen in der modernen Einwanderergesellschaft sind erneut ein Thema. Im Zusammenhang mit dem Tod eines Neonazis verhaften die Ermittler einen Verdächtigen palästinensischer Abstammung. Kurz darauf wird die Schwester des Mannes ermordet aufgefunden. Sie war vor Jahren aus der Familie geflohen und in einem Schutzprogramm untergetaucht, weil ihre Familie sie zwangsverheiraten wollte und wegen ihres westlichen Lebensstils die Ehre der Familie bedroht sah. Ein Ehrenmord?

Juncker entdeckt Parallelen zu einem Fall, der ihn vor Jahren beschäftigte und den er nie aufklären konnte. Als eine dritte Frau ermordet aufgefunden wird, konzentriert sich die Ermittlung zunehmend auf einen Serientäter. Eine Profilerin, die als Beraterin hinzugezogen wird, glaubt es mit einem intelligenten Psychopathen zu tun zu haben. Die Suche nach dem Täter gerät zum Wettlauf gegen die Zeit, schließlich kann der Täter jederzeit erneut zuschlagen.

Dabei sind Juncker und Signe bereits auch so unter Hochdruck - Juncker muss sich nach einem chirurgischen Eingriff einer möglicherweise schwerwiegenden Diagnose stellen, Signe leidet nach wie vor unter den Folgen einer Vergewaltigung, die sie allen verschwiegen hat. Ist ihr Hass auf den Täter so groß, dass sie Selbstjustiz üben könnte?

Bei Faber und Pedersen gibt es keine strahlenden Helden, ihre Protagonisten sind angeschlagen, müde und lassen dennoch nicht locker. Die Polizeiarbeit besteht nicht aus dramatische Alleingängen, sondern aus Besprechngen, Abwägungen zur Öffentlichkeitsarbeit und dem Spagat zwischen Teamplay und Ego-Trips. Man merkt, die Autoren haben Erfahrung in der journalistischen Berichterstattung über Polizei und Justiz, hier gibt es keine Superhelden, sondern menschliche, glaubwürdige Charaktere.

Wie immer wieder in skandinavischen Kriminalromanen findet Spannung nicht ohne gesellschaftlichen Hintergrund statt. Hier geht es nicht zuletzt um Hass gegen Frauen, um die Versuche, starke und selbstbewusste Frauen klein zu halten und die Folgen, die Gewalterfahrungen für die Opfer noch Jahre später haben.

Schade, sehr schade, dass mit "Blutland" der Abschluss der Triologie erreicht ist. Bleibt zu hoffen, dass Faber und Pedersen ihre Zusammenarbeit fortsetzen.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Fight or flight?

Dann rennen wir
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Wenn Menschen in Gefahrensituationen sind, streiten zwei Ur-Instinkte um die Entscheidung: Fight or flight`? Kämpfen oder Weglaufen? Der Titel von Paula McGrath´s Roman "Dann rennen wir" deutet bereits ...

Wenn Menschen in Gefahrensituationen sind, streiten zwei Ur-Instinkte um die Entscheidung: Fight or flight`? Kämpfen oder Weglaufen? Der Titel von Paula McGrath´s Roman "Dann rennen wir" deutet bereits an, wofür sich ihre Protagonistinnen entscheiden. Und dennoch ist jeder Flucht der Augenblick inne, wo das Laufen ein Ende hat und neue Richtungen überlegt werden müssen, gegebenenfalls auch doch die zuvor vermiedene Konfronation.

Gemeinsam ist den Protagonistinnen auch ihre Einsamkeit und Isolation: Da ist die Frauenärztin, die im Dublin des Jahres 2012 ein Möglichkeit hätte, eine Stelle in einer Londoner Klinik anzutreten und dem restriktiven irischen Abtreibungsgesetz den Rücken zu kehren, das sie dazu zwingt, ungewollt schwangeren Frauen und Mädchen selbst nach einer Vergewaltigung nicht mit dem Abbruch der Schwangerschat helfen zu dürfen. Doch was wird dann aus ihren Mutter, die als Alzheimerpatientin in einem Pflegeheim lebt?

Allein ist auch die 16-jährige, die als jugendliche Rebellin im Goth-Look aus dem irischen Heimatstädtchen abhaut, weg von der alkoholkranken Mutter. In London wäre sie fast unter die Räder gekommen, in Dublin lernt sie buhstäblich, sich durchzuboxen: Fasziniert vom Boxtraining in der Sporthalle der Universität, kann sie den kenianischen Medizinstudenten George überreden, sie heimlich zu trianieren, obwohl Boxen im Irland des Jahres 1982 für Mädchen verboten ist. Das Training, das Disziplin fordert, gibt ihrem Leben wieder eine Struktur - bis hin zur Überlegung, ihren Schulabschluss nachzuholen.

Ein Teenager ist auch das amerikanische Mädchen Ali, das von seiner Spät-Hippie-Mutter als Freigeist erzogen wurde und auf einem Boot lebte. Nach deren Tod muss sie allerdings zu ihren Großeltern väterlicherseits, zu denen sie nie Kontakt hatte und deren Lebensstil so ga nichts mit dem ihrer Mutter gemeinsam hat. Auch Ali rennt davon, schließt sich einer Biker Gang an und ist nach einem traumatischen Erlebnis erneut auf der Flucht.

Die Erzählfäden finden zusammen, als klar wird, dass nicht nur die Entscheidung, zu Bleiben oder Wegzulaufen ein verbindendes Element ist. Einiges davon zeichnet sich schon früh ab, anderes lässt sich zumindest ahnen. Das Ende ist denn auch irgendwie absehbar. Die durchaus spannenden Frauenfiguren hätten mehr Tiefe vertragen können - hier geht der Episodencharakter der drei Erzählstränge klar zu Lasten von Figurenentwicklung oder Dialog. Dennoch vermittelt das Buch einen Eindruck von der Enge und moralischen Strenge, die vor noch gar nicht so langer Zeit die dunkle Kehrseite der grünen Insel bildete und etwa den Umgang mit ledigen jungen Müttern bestimmte.

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