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Veröffentlicht am 07.09.2020

Ermittlungen zwischen Tellerfleisch und Salon

Der falsche Preuße
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Wilhelm Freiherr von Gryszynski ist Hauptmann der Reserve aus Preußen, vor allem aber Kriminalist bei der Königlich Bayerischen Polizei. Den anfänglichen Kulturschock hat der Ermittler von Stand prächtig ...

Wilhelm Freiherr von Gryszynski ist Hauptmann der Reserve aus Preußen, vor allem aber Kriminalist bei der Königlich Bayerischen Polizei. Den anfänglichen Kulturschock hat der Ermittler von Stand prächtig überwunden. Dazu dürfte beigetragen haben, dass die eher barocke und sinnenfreudige Lebensweise seiner neuen Heimat ihm mehr zusagt als das von Pflicht und Disziplin geprägte Leben in der Heimat. Insbesondere die kulinarischen Genüsse haben es Gryszynski angetan. Ehefrau Sophie ist mit allem zufrieden, solange sie nur ausreichend Bücher um sich hat und der kleine Sohn Fritz ist viel zu jung, um etwas von den Unterschieden zwischen Preußen und Bayern zu ahnen.

Nicht nur wegen seiner adeligen und obendrein preußischen Herkunft ist der Titelheld von Uta Seeburgs historischem Kriminalroman "Der falsche Preuße" eine ungewöhnliche Erscheinung bei der Münchner Polizei im Jahr 1894. Gryszynski ist nämlich Kriminalist und damit Vertreter einer damals noch jungen Wissenschaft. Seinen Tatortkoffer konnte er bislang nicht öffnen, bis dann doch endlich ein kecker Münchner Bub namens Schoasch eine männliche Leiche in den Maximiliansauen findet, der nicht nur das mit einer Schrothilfe weggeschossene Gesicht fehlt, sondern die zudem in einem exotischen Federnumhang steckt. Und nicht nur das: Am Tatort werden Fußspuren gefunden, die verdächtig nach Elefanten aussehen. Wie kann das alles zusammenpassen?

Der Tote wird als Bierbeschauer identifiziert, die Suche nach dem Täter allerdings bleibt schwierig. Zumindest in Sachen Federumhang stößt Gryszynski auf eine vielversprechende Spur: So ein Umhang wurde bei der Einweihungsparty in der Villa des neureichen Industriellen Lemke gesehen, Lemkes Frau trug ihn als Vögelchen im "goldenen Käfig". An Lemke, der ebenso charmant wie größenwahnsinnig zu sein scheint, hat auch der preußische Gesandte in München lebhaftes Interesse und stößt Gryszynski in einen Loyalitätskonflikt. Denn neben seinen offiziellen Ermittlungen soll er für die Preußen gewissermaßen spionieren, um herauszufinden, ob Lemke, der einst eine Eisenbahnstrecke in Deutsch-Ostafrika baute, eine Expeditionskarte so manipulierte, dass 30 Teilnehmer einer Forschungsexpedition auf der Suche nach blauen Diamanten elend umkamen....

Der Reiz von "Der falsche Preuße" liegt zum einen in dem preußisch-bayrischen Kulturkonflikt, der miunter auch stereotypenlastig daherkommt, zum anderen in den exzentrischen Figuren, die den Roman bevölkern, angefangen von Gryszynskis Assistenten bis hin zu dem zu allerlei Marotten neigenden Lemke. Gryszynski ist dabei ein wenig martialischer und immer zum Essen aufgelegter Ermittler, der bei Tellerfleisch und Kren auf Inspiration sucht und des öfteren seine Dienstwaffe vergisst - was angesichts seiner bescheidenen Schießkünste aber ohnehin schon fast egal ist.

Die Spannung bleibt zwischen all den historischen Details, kulinarischen Vertiefungen und skurrilen Gestalten mitunter auf der Strecke, ohnehin handelt es sich hier eher um einen bajuwarischen Cozy aus dem 19. Jahrhundert. Unterhaltsam mit einem sympatisch-verfressenen Titelhelden ist "der falsche Preuße" allemal.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

Vegetarisch in den Feierabend

Feierabendfood vegetarisch
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Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. ...

Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. Der Feierabend wartet, der Magen knurrt, und es gibt schöneren Zeitvertreib als aufwändiges Kochen - sei es ein gemütlicher Fernsehabend oder eine Lesestunde. Und wer vorher noch eine Sporteinheit eingelegt haben sollte, will erst recht was essen.

Für diejenigen, die dabei nicht an ein Wurst- oder Schinkenbrot denken, hat Susanne Bodensteiner das Buch "Feierabendfood vegetarisch" geschrieben. Verglichen mit anderen der G+U-Reihe ist es mit 70 Rezepten eher überschaubar (vielleicht erscheint mir das auch doppelt, da derzeit "Vegan" aus der Goldenen Reihe des Verlags einen gewichtigen Teil meiner Food-Lektüre stellt).

Dennoch ist es nicht so, dass man hier nicht fündig wird. Ob Salate, Suppen oder (mein persönliches Lieblinskapitel) Soulfood für den Feierabend - die Rezepte versprechen Abwechslung, leichte Kost und schnelle Zubereitung mit Zutaten, die nicht aufwändig zu besorgen sind. Pilzgulasch mit Schupfnudeln ist zum Beispiel ein Gericht aus dem Souldfood-Kapitel, das mich mit Gedanken an einen nasskalten Herbstabend anlacht. Oder Kürbis-Paprika-Curry, mit den der saisonale Herbstklassiker mal etwas anders aufgepeppt wird. Deftig, aber fleischlos ist der Linsensalat mit Paprika sicher ein Gericht, der sicher auch als Mitnahme-Lunch gut geeignet ist, wenn Reste übrig bleiben. Überhaupt sind die Gerichte variabel - der Frühstücksklassiker Shakshuka etwa wird auch als Abendessen vorgeschlagen. und die Kichererbsensuppe mit Harissa-Öl dürfte zu jeder Tages- und Nachtzeit wärmen!

Wie üblich, gibt es in den Zwischenkapiteln nützliche Tipps, manche schon aus anderen Büchern bekannt, aber es gibt ja stets Erstleser. Etwa wenn es darum geht, was an Vorräten vorhanden sein sollte, um schnell was auf den Tisch zu zaubern, wie sich leicht variieren lässt - in diesem Fall auch, wie sich aus einem vegetarischen ein verganes Gericht machen lässt.

Da es am Feierabend nicht nur um Essen und Relaxen gehen soll, gibt es auch gesunde Snack-Vorschläge und Ideen, auch ohne Fitness-Studio während des Feierabends beweglichzu bleiben und in Bewegung.

Veröffentlicht am 01.09.2020

Das Schuldgefühl des Davongekommenen

Kein Ort ist fern genug
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Manches ist geschrieben worden über die „survivors guilt“, das Schuldgefühl derjenigen, die den Holocaust überlebt hatten, während so viele andere sterben mussten, das Gefühl, gewissermaßen ohne eigenen ...

Manches ist geschrieben worden über die „survivors guilt“, das Schuldgefühl derjenigen, die den Holocaust überlebt hatten, während so viele andere sterben mussten, das Gefühl, gewissermaßen ohne eigenen Verdienst davongekommen zu sein mit so viel anderen Verlusten. Der Protagonist von „Kein Ort ist fern genug“ entwickelt dieses Schuldgefühl aus weiter Ferne in Argentinien, wenn er auf die Situation in Warschau im Zweiten Weltkrieg blickt. Von hier ist Vicente, eigentlich Wincenty, ein polnischer Jude, in den späten 20-er Jahren nach Südamerika ausgewandert.

Santiago Amigorena hat seinen Roman im französischen Original „Das innere Ghetto“ genannt, und dieser Titel trifft die Essenz des Buches. Denn während Vicente eigentlich mit seiner europäischen Vergangenheit abgeschlossen hat, in Argentinien eine Familie und eine geschäftliche Existenz gegründet hat, ist seine Mutter mit dem älteren Bruder in Warschau geblieben. Anfangs reagiert Vicente genervt auf die Wünsche der Mutter nach regelmäßigen Briefen, lässt die Schreiben, die ihn erreichen, auch längere Zeit unbeantwortet. Selbst der Beginn des Zweiten Weltkriegs ändert daran zunächst wenig.

Erst nach und nach macht sich Vicente klar, dass die beunruhigenden Zeitungsberichte, die sein ebenfalls aus Polen stammender Freund Ariel im Kaffeehaus diskutiert, für seine Mutter einen ganz persönlichen Bezug haben. Der Mann, der sich längst als Argentinier betrachtet hat, der auch in Polen mit dem orthodoxen Judentum wenig am Hut hatte und sich eher als Pole gefühlt hatte, entwickelt angesichts der Vorgänge in Europa ein Bewusstsein für seine eigene jüdische Identität als Konfrontation mit dem Antisemitismus, wobei dies eine eher schmerzlich-ambivalente Erfahrung ist:

„Mit am schlimmsten am Antisemitismus ist die Tatsache, dass Juden sich zwangsläufig als Juden zu fühlen haben, dass man sie auf eine Identität jenseits ihres Willens festlegt und kurzerhand für sie beschließt, wer sie wirklich sind. … Wie viele Juden verstand Vicente allmählich, dass der Antisemitismus Semiten braucht, um existieren zu können.“

Die Deportationen, die Einrichtungen von Ghettos, die „Sonderaktionen“ – vor Argentinien aus ist das weit weg, sprengt auch die Vorstellungskraft von Vicente, Ariel und ihren Freunden, um so mehr die der argentinischen Nachbarn. Doch mehr noch als die Zeitungsartikel und Wochenschauberichte sind es die immer spärlicher werdenden, die immer sehnsüchtiger erwarteten Schreiben der Mutter, die Vicente die Augen öffnen.

Gewiss, er hatte davon gesprochen, die Mutter nach Argentinien zu holen, war aber doch erleichtert zu wissen, dass sie bestimmt nicht seine Geschwister zurücklassen würde. Hätte er drängen müssen, hätte er die Zeichen der Zeit erkennen müssen? Während seine Mutter aus dem Ghetto von Hunger und dem allgegenwärtigen Tod auf den Straßen berichtet, begibt sich Vicente in das „innere Ghetto“, in eine von der Umgebung abgeschottete Gedankenwelt, in der kein Platz mehr für die Liebe seiner Frau und seiner Kinder, für die Arbeit ist. Glücksspiel, Pferdewetten, Nächte im Kaffeehaus sind einer Flucht aus dieser Realität wie auch aus der Realität in Europa.

Der Brief seiner Mutter hatte Vicente die Augen geöffnet und ihn zum Schweigen gebracht angesichts des Unsagbaren. „Sein Blick ist inzwischen gesprächiger geworden, als es seine Lippen je waren“ konstatiert sein Freund Ariel. Aus dem inneren Ghetto gibt es keinen Ausweg, so wie auch der Weg der Mutter aus dem Warschauer Ghetto nur vom berüchtigten Umschlagplatz in das Vernichtungslager Treblinka gehen konnte.

Auch Vicente ist ein Überlebender, ein Davongekommener, der von Schuldgefühlen niedergedrückt und zum Verstummen gebracht wurde. Es ist sein Enkelsohn Amigorena, der sich sein Bild der Familiengeschichte erschreibt.

„Kein Ort ist fern genug“ ist keine klassische Holocaustliteratur und doch untrennbar mit der Erfahrung der Schoah verbunden. Das Buch erzählt langsam, eher unspektakulär. Es ist sowohl ein Psychogramm wie eine Warnung von Gleichgültigkeit angesichts scheinbar ferner Ereignisse.

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Mehr Bridget Jones als #BLM

Queenie
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Kann man komisch über Rassismus schreiben? Im Fall von Candice Carty-Williams Debütroman "Queenie" mitunter schon. Queenie, das ist eine 25-jährige Londonerin, deren Großeltern aus Jamaica eingewandert ...

Kann man komisch über Rassismus schreiben? Im Fall von Candice Carty-Williams Debütroman "Queenie" mitunter schon. Queenie, das ist eine 25-jährige Londonerin, deren Großeltern aus Jamaica eingewandert waren. Seit ihr - weißer - Freund eine Auszeit vorgeschlagen hat, ist ihr Leben aus der Kurve geraten. Eigentlich will Queenie nur ihren Tom zurück, doch in der Zwischenzeit hat sie viel zu viele Dates mit Männern, die ihre "schokoladigen" Kurven rühmen, auf one night stands aus sind beziehungsweise auf rein sexuelle Beziehungen aus sind, in denen Queenie mehr Objekt als Partnerin ist. Kein Wunder also, dass es ihr nicht gut geht.

Die Ich-Erzählerin mit Hang zu Selbstgeißelung, die sich bei ihren besten Freundinnen mal über die Sehnsucht nach Tom, mal über die Mistkerle ausweint, an die sie immer wieder gerät, der hohe Alkoholkonsum, die eher nachlässig verfolgte Karriere bei einer Zeitung - das alles erinnert an die Lebens- und Liebeskrisen von Bridget Jones. Allerdings mit deutlich dunkleren Untertönen, denn spätestens als Queenie klar wird, dass Tom schon längst ein Leben ohne sie führt, kommt es zum Zusammenbruch und der quälenden Suche nach verdrängten Krisen der Vergangenheit, die Queenie auch in der Gegenwart herunterdrücken. Zum Entsetzen ihrer Großeltern, bei denen sie vorübergehend unterkommt, macht sie sogar eine Psychotherapie. Dabei ist Queenie mit ihren Ängsten, ihren Brüchen und Zweifeln glaubwürdig und sympathisch.

Hinzu kommt die Erfahrung, eine Schwarze Frau zu sein, Alltagsrassismus zu erleben, sich über strukturellen Rassismus klar zu werden und vergeblich Themen wie Black Lives Matter für die Berichterstattung der Zeitung vorzuschlagen. Hier liegt allerdings auch eine Schwäche des Buchs, denn irgendwie kann sich die Autorin nicht entscheiden, ob sie Frauen-Freundschaft-Beziehungs-Belletristik oder scharfe Gesellschaftskritik schreiben will, und dabei kommen die schärferen Töne eindeutig zu kurz.

Ganz nebenher bekommen die Leserinnen noch einiges über Schwarze Identität und ihre Facetten mit - etwa die karibischen Traditionen von Queenies Familie und die afrikanischen ihrer Freundin, deren Familie aus Uganda stammt, über die Arbeit, die Frau mit ihren Weaves hat (ganz zu schweigen von dem Aufwand, sie wieder zu lösen) über die Veränderungen in einem traditionell westindisch geprägten Stadtteil wie Brixton durch Gentrifizierung und weiße Hipster, die das Viertel als "ihres" vereinnahmen. Es gibt da eine bitterböse Szene im Schwimmbad - da wünschte ich mir, die Autorin hätte diesen Stil das ganze Buch hindurch durchgehalten.

Manches wirkt, jedenfalls im London des 21. Jahrhunderts, eher unglaubwürdig, wenn Queenie ihre Schwarze Identität etwa im Kontext ihrer Arbeit als so singulär erlebt. Sie lebt schließlich nicht irgendwo in Sachsen, sondern in einer multiethnischen Metropole mit einer großen Schwarzen Diaspora, wo sie weder an der Uni noch im Arbeitsleben das einzige dunkle Gesicht im Raum sein dürfte.

Mein Fazit: Unterhaltsam und warmherzig, mit einem kritischen Touch, der ruhig stärker hätte ausfallen können.

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Mit Axt und Weißwein durch die Krise

Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau
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Vermutlich gibt es ihn ohnehin nicht, den besten Zeitpunkt, um verlasssen zu werden. Kurz vor der Silberhochzeit ist es jedenfalls bestimmt nicht ideal - vor allem, wenn der noch-Ehemann mit dem Vorschlag ...

Vermutlich gibt es ihn ohnehin nicht, den besten Zeitpunkt, um verlasssen zu werden. Kurz vor der Silberhochzeit ist es jedenfalls bestimmt nicht ideal - vor allem, wenn der noch-Ehemann mit dem Vorschlag kommt, die geplante Feier trotz Trennung durchzuführen, um die Familie - vorzugsweise seine eigene Mischpoche - nicht vor den Kopf zu stoßen. Dass die 48-jährige Diane vom künftigen Ex mit der Begründung konfrontiert wird, sie sei nun mal so furchtbar langweilig, macht die Sache nicht leichter. Plötzlich ist die Mutter dreier erwachsener Kinder - das Nesthäkchen ist gerade zum Studium ausgezogen - allein zu Haus. Und der Vater der drei Kinder startet in sein neues Leben mit einer 30-Jährigen.

Ist es unter diesen Umständen verständlich, dass Diane abwechselnd zu Weißwein oder einer Axt greift, um die Krise zu bewältigen? Erst das Ehebett zerlegt und dann weitere Teile, die sie an ihre gescheiterte Ehe erinnern? Dass die Trennung vom Mann auch die Trennung von den ungeliebten Teilen der angeheirateten Familie bedeutet, kann sie erst nach und nach positiv verbuchen - kein Pflicht-Babysitting für die Schwägerin mehr, die sich regelmäßig selbst verwirklichen will. Keine mühsame Freundlichkeit mehr im Umgang mit der Ex-Schwiegermutter, die nie akzeptiert hat, dass der älteste Enkelsohn schwul ist. Und Freundin Charlotte, die das Verlassenwerden zugunsten einer Jüngeren schon vor einer ganzen Weile durchlitten hat, ist gerne bereit, zu trösten und zu helfen.

Mit ihrem "Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau" hat Marie-Renée Lavoie ein Thema gewählt, das für die reifere Leserinnen-Generation von Chicklit-Romanen ja nicht gänzlich neu ist. Zum einen womöglich aufgrund eigener Lebenserfahrung, sehr viel mehr aber, weil ja schon seit Jahren Variationen zu dem Thema erscheinen, mit ein bißchen Humor und Augenzwinkern und am Ende der voraussehbaren Wiederentdeckung der Heldin, meist mit einem neuen Mann an ihrer Seite.

Augenzwinkern und Humor fehlt auch hier nicht. Statt einer neuen Romanze gibt es Phantasien über den ansehnlichen Bürokollegen aus der Buchhaltung- aber der ist verheiratet. Der Hipster-Bauarbeiter aus der Nachbarschaft ist einfach nur hilfsbereit. Nicht jedes verlassene Schneewittchen wird von einem Prinzen wachgeküsst. Statt dessen kann frau beim Lesen über die mitunter bitterbösen Bewältigungsstrategien von Diane schmunzeln. Das Buch endet vielleicht nicht gerade romantisch, aber dennoch happy. Leichte Wohlfühllektüren zum Schmökern, vielleicht nicht gerade während der Planung einer Silberhochzeit.

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