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Veröffentlicht am 06.08.2020

Luxusfrauen auf Rachekurs

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 2)
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Aus dem goldenen Käfig ist Faye erfolgreich ausgebrochen, an Ehemann Jack hat sie sich gerächt - und wie! Das haben die Leser von Camilla Läckbergs "Golden Cage" mitverfolgen können. Im Nachfolgeband "Wings ...

Aus dem goldenen Käfig ist Faye erfolgreich ausgebrochen, an Ehemann Jack hat sie sich gerächt - und wie! Das haben die Leser von Camilla Läckbergs "Golden Cage" mitverfolgen können. Im Nachfolgeband "Wings of Silver" geht es erneut um Rache - diesmal auf beiden Seiten. Denn gerade als Faye sich nicht nur ein neues Leben aufgebaut hat, sondern auch als Unternehmerin den nächsten großen Schritt mit der Expansion in die USA unternehmen will. Nach eher belanglosen One night Stands hat sie zudem einen Mann kennengelernt, mit dem sie sich eine Zukunft vorstellen könnte. Könnte gar nicht besser laufen? Dann gäbe es ja auch kein Buch von der schwedischen Rächerinnen-Spezialistin Läckberg.

Die Alarmglocken schrillen gleich mehrfach: Faye droht die Mehrheitsanteile an ihrem Unternehmen "Revenge" zu verlieren. Irgendjemand macht ihren Aktionärinnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können oder wollen - was bedeutet das für die Expansionsstrategie? Noch alarmierter ist Faye, dass es sich nicht um Zufallskäufe handelt, sondern ein Unbekannter die Mehrheit von "Revenge" anstrebt. Kandidaten gibt es da durchaus, schließlich ist Faye seinerzeit nicht zimperlich vorgegangen, um beruflichen Erfolg mit privater Rache zu verbinden (mehr dazu in meinem Blog: https://skandinaviaspannung.blogspot.com/2019/04/vom-goldenen-kafig-zum-rachefeldzug.html

Das ist aber nicht alles: Fayes Ex-Mann Jack, wegen Mordes an der gemeinsamen Tochter zu einer langen Haftsstrafe verurteilt, ist bei einem Gefangenentransport ausgebrochen und auf der Flucht - zusammen mit einem weiteren Mann, den Faye nur zu gut kennt. Zudem stellt eine Polizistin Nachforschungen an, die für Faye unangenehme Folgen haben könnten.

Um das Ruder noch einmal herumzureißen, findet Faye Verbündete unter Frauen, die eigentlich ein eher ambivalentes Verhältnis zu ihr haben dürfen. Doch sei es Pragmatismus, sei es echte Frauensolidarität - als Rächerinnen schließen sie sich zusammen und verfolgen gemeinsame Interessen, die vor allem gegen ihre (Ex-) Männer gerichtet sind.

Daneben wird in Rückblenden mehr über die Vergangenheit Fayes bekannt, als sie noch Mathilda hieß. Dabei wird klar: Auf Rache hat sie sich schon verstanden, bevor sie sich selbst neu erfand. Im Vergleich zum ersten Buch hat "wings of Silver" etwas zu viele champagnerlastige Momente - es wirkt schon etwas seltsam, wenn Karrierrefrauen den Lifestyle von trophy wives pflegen. Besonders subtil geht die Autorin nicht vor, aber ein solider und spannungsreicher Roman ist ihr auch diesmal gelungen. Und der letzte Satz macht klar: Damit dürfte der Rachezug noch nicht vorbei sein.

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Veröffentlicht am 06.08.2020

Düstere Zukunftsvision mit ein paar Schwächen

Paradise City
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Schöne neue Welt? Die meisten Krankheiten sind ausgerottet, klimaneutrale und schadstoffarme Brennstoffe normal, das medizinische System scheint perfekt. Doch die Kehrseite ist ein Überwachungsstaat, in ...

Schöne neue Welt? Die meisten Krankheiten sind ausgerottet, klimaneutrale und schadstoffarme Brennstoffe normal, das medizinische System scheint perfekt. Doch die Kehrseite ist ein Überwachungsstaat, in dem die Bürger ihre Daten quasi mit dem Staat teilen und gesellschaftlicher Widerspruch kaum existiert. Doch was, wenn jemand aus dem durch Algorithmen geregelten Leben ausbricht?
Eigentlch hätte "Paradise City" ein richtig guter Zukunfts-Thriller werden können. Zoe Beck präsentiert dem Leser einen spannenden Plot aus der Welt von übermorgen - nach der Klimakatastrofe, nach dem Anstieg der Meeresspiegel, der Überschwemmung der Küstengebiete, dem weltweiten Temperaturanstieg. Das alles wird allerdings nur knapp im Nebensatz abgehandelt statt Teil der Handlung zu sein, ebenso wie die völlig geänderten Lebensgewohnheiten. So wundert sich die Hauptfigur, als sie in der Welt der "Parallelen", die außerhalb der Gesellschaft leben, auf Menschen trifft, die noch Fleisch essen. Die Zeit der Agrarfabriken ist in der gar nicht zu fernen Zukunft also auch vorbei.
Doch anscheinend ist die Menschheit nur bei der Frage der Ressourcen klüger aus dem (Klima-)Schaden hervorgegangen, denn wenn es um Daten geht, herrscht eine Unbekümmertheit und Apathie, die nach dem NSA-Skandal und anderen Whistleblower-Aufdeckungen nur staunen macht. Denn das Leben wird durch Algorithmen geregelt, der Staat hat alle Daten der Bürger, unabhängige Medien gibt es so gut wie gar nicht mehr.
Liina, die in der Megacity Frankfurt als Rechercheurin für eine unabhängige Medienproduktionsgesellschaft arbeitet, soll in der Uckermark mehr herausfinden über eine angeblich von Wölfen getötete Frau. Sie ist mäßig begeistert von dem Auftrag, zumal ihr Chef, mit dem sie auch eine Affäre hat, offenbar an einer großen Story dran ist. Doch als sie wieder in Frankfurt eintrifft, wartet eine Hiobsbotschaft: Der Chef liegt im Koma auf der Intensivstation, nachdem er vor einen Zug stürzte - wurde er gestoßen? Eine andere Mitarbeiterin wird tot in ihrer Wohnung gefunden. War sie an einer Geschichte dran, die so brisant ist, dass jemand zu töten bereit ist, damit etwas nicht bekannt wird? Liina beginnt ihre eigenen Nachforschungen, mitten in einer eigenen medizinischen Krise, denn nach einer Herztransplantation muss sie sehr genau auf ihr Herz achten und wird vom medizinschen Überwachungssystem immer wieder daran erinnert, dass sie sich zu viel zumutet.
So weit, so aussichtsreich. Die Handlung führt zurück in Liinas Jugend, zu ihrer Suche nach den "Parallelen" und ihrer Lebenswelt, zu ihrer Schulfreundschaft mit der Frau, die heute Gesundheitsministerin ist. Bei den gefährlichen Recherchen gilt es auch, die allgegenwärtigen Überwachungssysteme auszutricksen, Erst nach und nach ergeben die verschiedenen Puzzleteile, die Liina zusammensetzt einen Sinn. Doch als sie auf die Wahrheit stößt, ist es fast schon zu spät.
Allerdings wirkt "Paradise City", als sei es am Ende übereilt, um nicht zu sagen schludrig, zusammengeschrieben. Sowohl der Plot als auch die Entwicklung der Figuren - plötzlich muss alles ganz schnell gehen, bleiben ungeklärte Fragen und auch die Spannung leidet unter dem Beigeschmack, das hier einfach einiges fehlt. Mit nicht einmal 300 Buchseiten wäre sicherlich Platz gewesen, hier noch etwas tiefer zu gehen und mit einem besseren Ergebnis ans Ende zu kommen. So aber bleiben die Erwartungen nach einen erwartungsvollen Start unbefriedigt.
Gefallen hat mir an diesem Buch der völlig selbstverständliche Umgang mit Diversität und Gender, einschließlich einer nichtbinären Figur, Zumindest einiges ist in der beschriebenen Zukunft vielversprechend.

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Veröffentlicht am 04.08.2020

Eine Anklage gegen das Nichts Tun

Terror gegen Juden
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Das vielleicht schlimmste an den Anschlägen von Halle und Hanau, außer dem Verlust von Menschenleben, war vielleicht: Keiner, der schon eine Weile mit dem Problem rechtsextremistischer Gewalt zu tun hatte, ...

Das vielleicht schlimmste an den Anschlägen von Halle und Hanau, außer dem Verlust von Menschenleben, war vielleicht: Keiner, der schon eine Weile mit dem Problem rechtsextremistischer Gewalt zu tun hatte, war überrascht. Die Gewalt, der Terror - sie kamen nicht unerwartet, nicht für viele jüdische oder muslimische Gemeinden, nicht für Migrantenorganisationen, nicht für die Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer oder antisemiticher Gewalt. Sie hatten sich schon seit langem die Frage gestellt, ob solche Taten in Deutschland möglich seien, sondern wo und wann. Dass sie nicht aus dem Nichts kamen, das macht auch Ronen Steinkes Buch "Terror gegen Juden" deutlich, das im Untertitel deutlich macht, was es ist: Eine Anklage.

Denn an den Text schließt sich eine rund 100-seitige Chronik antisemitischer Gewalttaten zwischen 1945 und Anfang 2020 an. Wohlgemerkt - hier geht es um Gewalttaten, um Angriffe auf Menscheb, Synagogen, Gemeindezentrum, nicht um Beleidigungen, Hetze, antisemitische Witze. Dann wäre das Buch deutlich umfangreicher und ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit geraten. Doch selbst der Vergleich über die Jahre zeigt: Es ist mehr geworden, und es ist schlimmer geworden, das verdeutlicht die Zahl körperlicher Angriffe in den vergangenen Jahren.

Für seine Recherchen hat Steinke mit Juristen gesprochen, mit Rabbinern, mit Staatsschützern, mit jüdischen Menschen, die teils im öffentlichen Leben stehen, teils ihr Judentum bewusst "diskret" behandeln.

Anklagend ist der Ton gerade, wenn es um den Anschlag von Halle geht: Wäre die Tür nicht so massiv gewesen, nichts hätte den Täter an dem beabsichtigten Blutbad ausgerechnet an Yom Kippur, also dem höchsten jüdischen Feiertag, verhindert. Einem Tag also, an dem die Synagoge voller ist als sonst, ähnlich wie christliche Kirchen an Weihnachten oder Moscheen zum Ende des Ramadan. Und trotzdem war keine Polizei vor Ort. Und auch vorher hatte es keinen Polizeischutz gegeben, mangels Staatsvertrag zwischen dem Land und den jüdischen Gemeinden. Die Tür war eine Spende einer Organisation aus Israel gewesen.

Wer in Berlin, Frankfurt oder München lebt, kennt die schwer bewaffneten Polizeiposten, die rund um die Uhr Synagogen und Gemeindezentren bewachen, die israelischen Wachleute, die im Inneren Dienst tun, die Betonpoller, die Sprengstoffanschläge mit Autos verhindern sollen. In Halle hat es all das nicht gegben - kein Einzelfall, gerade in kleinen Gemeinden außerhalb der Metropolregionen, die in der Regel zudem nicht das Geld haben, die vom zuständigen LKA empfohlenen Schutzmaßnahmen umzusetzen - und wo sich das jeweilige Bundesland mangels entsprechender Verträge nicht in der Pflicht sieht.

Die "nie wieder"-Reden an den einschlägigen Gedenktagen kosten nichts - bei Maßnahmen zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland fühlen sich die Gemeinden, das zeigt das Buch, vielfach allein gelassen. Das gelte auch dann, wenn Juden angegriffen werden - man solle doch nicht so empfindlich sein, bekommt danach manches Opfer zu hören. Sei doch alles nicht so gemeint. Das erinnert an die Erfahrungen derjenigen, die sich von Rassismus, Sexismus oder Homophobie betroffen fühlen.

Oder der Umgang mit dem Mord an dem Verleger Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin im Jahr 1980, wo bevorzugt persönliche statt antisemitischer Tatgründe untersucht wurden. Erinnert an NSU?

Steinkes Buch ist auch eine Abrechnung mit Verharmlosung, eine Absage an die resignative Grundstimmung, dass der Ausnahmezustand der Normalzustand jüdischen Lebens in Deutschland sei und eine Auflistung all jener Umstände, dass Juden vielleicht nicht gerade auf gepackten Koffern sitzen aber doch, wie einer der Gesprächspartner des Autors sagte, schon einmal auf dem Dachboden nach den Koffern sucht. Eine Zustandsbeschreibung, die bitter ist und nicht nur zum Nachdenken, sondern vor allem zum Handeln anregen sollte.

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Ein Ostfriese auf Undercover-Mission

Rupert undercover - Ostfriesische Mission
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n den Küstenkrimis von Klaus-Peter Wolf geht es in der Regel um die ostfriesische Kommissarin Ann Kathrin Klaaasen und ihren Mann, man könnte auch sagen Adlatus, Frank Weller. Spannend, solide und mit ...

n den Küstenkrimis von Klaus-Peter Wolf geht es in der Regel um die ostfriesische Kommissarin Ann Kathrin Klaaasen und ihren Mann, man könnte auch sagen Adlatus, Frank Weller. Spannend, solide und mit friesisch-herbem Charme, allerdings muss ich zugeben, dass mich persönlich die allgemein anerkannte Perfektion der Kommissarin (keiner fasste so viele Serienmörder wie sie) ein wenig nervt. Der Spannung tut es obendrein Abbruch, wenn klar ist: Ann Kathrin Klaasen wird auch diese Herausforderung wuppen, am Ende gepriesen von ihrem persönlichen Hofberichterstatter bei der örtlichen Presse (die personenkultartige Verehrung durch den Lokaljournalisten, der im Auftrag auch mal Falschinformationen zugunsten der Ermittlungen verbreitet, stört mich schon berufsbedingt. So was geht gar nicht.). Und am Ende essen alle Marzipan und Torte von ten Kate.

Die komische, ja Anti-Figur bei so viel Perfektion ist Rupert. Es gibt fleißigere und engagiertere Leute bei der Polizei. Es gibt auch entschieden solche, die mehr politische Korrektheit verinnerlicht haben. Der Rupert ist der ewig Pubertierende, dessen Aufmerksamkeit besonders schnell von kurzen Röcken oder tiefen Ausschnitten abgelenkt wird, während seine new age-beseelte Ehefrau völlig unverständliche Geduld mit ihrem Gatten zeigt. Ruperts Macho-Sprüche können schon ziemlich nerven, doch auch wenn er sich bei der Arbeit selten ein Bein ausreißt, träumt er von künftiger Größe - schon mehrfach hat er sich beim BKA beworben. Allerdings bisher stets vergeblich.

Doch nun ruhen die Hoffnungen einer toughen rothaarigen Sonderermittlerin des BKA, die eigentlich ganz in Ruperts Beuteschema passt, auf dem Ostfriesen-Cop. Denn Rupert weist täuschende Ähnlichkeit mit dem Spross eines deutsch-südamerikanischen Drogenclans auf, der nun als Thronprinz die Geschäfte übernehmen soll. Zufälligerweise ist er wegen einer Überdosis in einem Gefängnis gelandet Beste Voraussetzungen, einen Ausbruch zu inszenieren und Rupert als Double auf Undercover-Mission zu schicken. Kann eigentlich nur schief gehen?

Mit "Rupert Undercover" hat Klaus Peter Wolf erstmals Rupert in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Für Komplikationen ist von Anfang an gesorgt, denn der weitgehend ungebriefte Rupert muss reichlich improvisieren. Getrübt wird seine Rolle als Mafia-Erbe durch die Tatsache, dass Frederico, der echte Drogen-Erbe, abgesehen von seinem Heroin-Problem ein kunstsinniger Weinkenner und Vegetarier ist. Bier und Currywurst können ab sofort nur noch konspirativ genossen werden. Mit Fredericos soziopathischen Gewährsmann Klebowski hat Rupert einen Mann an seiner Seite, vor dem er keine Schwäche zeigen darf - und dann wären da noch diverse konkurrierende Familien, die Frederico an Leib und Leben wollen sowie ein sadistischer Killer, der einen Auftrag durchzuführen hat.

Das ist teils slapstickhaft überdreht und voll überzogener Komik, teils aber auch voll brutaler Härte. Die Kombination dieser Elemente gelingt in "Rupert Undercover" allerdings nicht so gut wie, sagen wir mal, in einem Tarrantino Film. Der Autor scheint sich nicht zwischen Realsatire seiner eigenen Figuren und einem toughen Psychokrimi entscheiden zu können - und das macht die Schwäche von "Rupert undercover" aus. Das Buch ist nicht ohne Charme, aber bei der Umsetzung zwischen Cozy, Komik und Noir wäre eine einheitlichere Linie besser gewesen. Spannend ist es dennoch und am Ende zeichnet sich ab, dass Ruperts Undercover-Leben gerade erst begonnen haben könnte. Jedenfalls nach einer Verschnaufpause bei Marzipan und Torte. Fortsetzung folgt?!

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Die dunkle Seite der Ferieninsel

Verschollen in Palma
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Ein Skandinavien Krimi unter der Sonne des Mittelmeers - kann das sein? Ja, und wie, so düster wie im hohen Norden, mediterranean noir, gewissermaßen! Jedenfalls in Mons Kallentofts neuen Beuch "Verschollen ...

Ein Skandinavien Krimi unter der Sonne des Mittelmeers - kann das sein? Ja, und wie, so düster wie im hohen Norden, mediterranean noir, gewissermaßen! Jedenfalls in Mons Kallentofts neuen Beuch "Verschollen in Palma", wo ein auf Privatdetektiv umgesattelter Ex-Polizist seine seit drei Jahren vermisste Tochter sucht. Ihre Spur verliert sich auf der Urlaubsinsel, wo sie zusammen mit zwei Freundinnen zum ersten Mal allein Urlaub machte. Es war Tim, der Vater, den sie von der Reise überzeugen konnte und der dann auch seine zunächst ablehnende Frau Rebekka zu ihrem Einverständnis überredete. Doch nach einer Partynacht verliert sich Emmes Spur, ihre Freundinnen haben die Eltern erst nach einem Tag informiert, weil sie meinten, Emme würde schon zurück ins Hotel kommen nach einer wilden Nacht.



Auch drei Jahre später will Tim nicht glauben, dass Emme tot ist, möglicherweise betrunken schwimmen gegangen und im Meer ertrunken, wie die Polizei meint. Er hat seine Zelte in Schweden abgebrochen, die Ehe ist über der Familientragödie kaputt gegangen. Wo Rebekka sich in ihre Arbeit als Ärztin stürzt, geht Tim neben seiner Arbeit an Untreueermittlungen oder Bootsbetrügern weiter jeder Spur nach, die sich vieleicht doch noch auftun könnte, mit mehr Alkohol und Tabletten, als gut für ihn ist. Der Leser erlebt ihn als einen gebrochenen, kaputten Helden, den eigentlich nur noch die Verzweiflung und seine selbstgesteckte Mission aufrecht halten, einer, der auf der falschen Seite der Avenida lebt und vor allem die Schattenseiten des Urlaubsparadieses kennt.



Das gilt umso mehr für den neuen Fall - ein deutscher Millionär befürchtet Untreue seiner sehr viel jüngeren Ehefrau, was Tim innerhalb einer Woche eindeutig bestätigen kann. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse: Der Lover, ein Escort, wird ermordet aufgefunden, Tatwaffe war ein Baseballschläger, wie ihn der gehörnte Ehemann in seiner Villa hatte. Die Ehefrau ist spurlos verschwunden,. Der Deutsche unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Doch Tim glaubt nicht, dass es so einfach ist und ermittelt auf eigene Faust.



Schon bald merkt er, dass er in ein Hornissennest gestoßen ist: Korruption, Immobiliengeschäfte, Parties mit sehr jungen Frauen und Prostituierten, bei denen es ausgesprochen hart zur Sache gehen kann. Die feine Gesellschaft von Mallorca hat eine dreckige Seite und etwas dagegen, wenn ein Detektiv sie demaskieren will. Doch als Tim auf ein Foto stößt, auf dem eine rosa Jacke zu sehen ist, wie sie Emme getragen hat, gibt es für ihn kein Halten mehr . Doch er hat sich mit skrupellosen Gegnern eingelassen, die ihre Interessen buchstäblich mit aller Gewalt schützen...



Düster und dramatisch liest sich "Verschollen in Palmen", mitunter auch so wirr wie ein Alkohol- oder Drogenrausch, mit Einsprengseln aus der Gedankenwelt der verschwundenen Emme, als seien nur ihre Erinnerungsfetzen noch vorhanden. Auf ein Licht am Ende des Tunnels zu hoffen ist dabei müßig. Definitiv kein Cozy-Urlaubskrimi, aber für Freunde des Scandinavia noir wärmstens zu empfehlen.

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