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Veröffentlicht am 26.10.2016

Ein Profiler mit Stenoblock.

Im Angesicht des Bösen
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Im Buch berichtet Deutschlands bekanntester Profiler auf fesselnde, aber auch informative Art und Weise von seinen bisherigen Kriminalfällen und deren verblüffende Aufklärung. So sind es manchmal kleine ...

Im Buch berichtet Deutschlands bekanntester Profiler auf fesselnde, aber auch informative Art und Weise von seinen bisherigen Kriminalfällen und deren verblüffende Aufklärung. So sind es manchmal kleine Details und Zusammenhänge, die zum Täter führen.

Zu Beginn des Buches hat mich die Art und Weise wie hier erzählt wird erst kurz abgeschreckt, im Vergleich zu bisheigen, ähnlichen Büchern war das doch recht ausführlich, war so mein erster Gedanke. Doch später hat sich das aus meiner Sicht noch recht gewandelt, mich hat gerade das ausführliche Schildern sehr interessiert, man konnte durchaus gut an den Fällen und Axel Petermanns Ermittlungen teilhaben. Aber mal langsam.

Im Buch sind lediglich vier Fälle geschildert, bei denen Axel Petermann mitermittelt hat. (In anderen Büchern sind es bei ähnlicher Seitenanzahl beispielsweise ca. dreizehn Fälle - ich glaube bei Michael Tsokos war es so.) Dafür geht es hier tief in die Materie, wie ich finde. Axel Petermann lässt einen an vielen, wichtigen Details teil haben und erzählt hierbei nichts doppelt, so dass man zum einen gut aufpasst (weil man sich ja an sämtliche Details die den jeweiligen Todesfall betreffen auch bei weiteren, späteren Ermittlungen noch erinnern kann - also man möchte ca. 19 Seiten später auch noch alles wissen) und auch interessiert mit überlegen kann. So ergibt ein jedes "Puzzlestück", oftmals jede noch so kleine Information ein wichtiges Indiz bzw. Beweisstück. (Egal ob das jetzt z.B. ein Haar am Tatort ist oder eben ein Detail oder eine Geste etc. eines Verdächtigen.)

Von der Sprache her ist das Buch durchaus auf hohem Niveau angesiedelt, ich denke ein bißchen Kenntnisse in dieser Materie (aufgrund anderer Bücher etc.) sind schon nicht verkehrt. Ansonsten lies sich für mich alles gut nachvollziehen, der Schreibstil gefällt mir ganz gut, auch die Art und Weise, wie man an sämtlichen Gedankengängen von Axel Petermann Teil haben darf.

Mich hat das Buch sehr gefesselt, ich habe teilweise nicht aufhören wollen zu lesen (obwohl man irgendwann mal ins Bett muss etc.), mich hat das Buch durchaus auch mal nachts beschäftigt - unterbewusst im Traum. Entsprechend habe ich das späte Lesen dann vermieden - und dieses Buch auch nicht mit ins Schlafzimmer gelassen... Die Realität kann eben leider auch grausam sein...

Ich fand die Einblicke in das Leben von Axel Petermann, in seinen Job als Tatortanalytiker sehr spannend, mich interessiert dieses Thema eben einfach sehr und von daher war es wirklich interessant darüber zu lesen. Zumal er eben auch für Tatorte schon Anregungen etc. geliefert hat bzw. daran beteiligt war und immer mal wieder auch mitgeteilt hat, was wohl eher unrealistisch wäre...

Wer an dieser Thematik interessiert ist, der wird an diesem Buch Gefallen finden. Was ich übrigens sehr sympathisch finde ist die Tatsache, dass Axel Petermann sich Notizen auf dem Stenoblock macht. (Ich gehe schwer davon aus, dass er diese dann auch in Steno macht. :) Und ja, ich hab das auch noch gelernt...).

Von mir gibts hier eine klare Empfehlung sowie 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.10.2016

Was manchmal einfach aus Frust passiert... unfassbar.

Der Totenleser
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Im Buch schildert Prof. Dr. Michael Tsokos die teilweise recht spektakulären (Todes-)Fälle, die bei ihm in der Rechtsmedizin "landen". Diese Todesfälle sind so alle passiert, ggf. sind mal die Namen geändert.

Ja, ...

Im Buch schildert Prof. Dr. Michael Tsokos die teilweise recht spektakulären (Todes-)Fälle, die bei ihm in der Rechtsmedizin "landen". Diese Todesfälle sind so alle passiert, ggf. sind mal die Namen geändert.

Ja, ich kannte Michael Tsokos bereits vom Vorgängerbuch und so war ich auch hier wieder sehr gespannt, welche kuriosen Fälle er so schildert. Der Schreibstil gefällt mir hier in diesem Buch wirklich sehr, im vorherigen Buch ("Dem Tod auf der Spur") kamen mir einfach zuviele Fachbegriffe vor, das Buch war sehr fachlich angehaucht. Das war hier nicht der Fall. Dieses Buch hat mir wieder einen guten Einblick in so manch kuriosen Todesfall gegeben, beispielsweise eine "autoerotischer Unfall" wird im Buch geschildert, hier stirbt eine Person während einer sexuellen Handlung (die er alleine verübt). Natürlich ist dieses Buch nicht auf Jubel-Dubel-Heiterkeit aus, die geschilderten Todesfälle sind teilweise brutal, blutig und vielleicht für manche auch eklig. Ich bin jedoch der Meinung, dass man das Buch ja nicht lesen muss. Mich hat hier nichts geekelt, ich war eher am Buch interessiert.

Generell bin ich hier übrigens der Meinung, dass solch ein Buch erst für Erwachsene "frei gegeben werden" sollte, meiner Ansicht nach sollten das Halbwüchsige nicht in die Hände bekommen (warum gibts hier eigentlich kein FSK?), denn ich denke, dass sie sowas noch nicht so gut verkraften. Besonders berührt hat mich ein im Buch geschilderter Fall eines siebenjährigen Mädchens, das erst vergewaltigt und dann getötet wird, ein Fall, der wohl auch durch die Presse ging. Sowas sollte man in jungen Jahren noch nicht lesen. Als Erwachsener hingegen ist man dem dann doch schon durchaus gewachsen, denn man hört ja auch täglich in den Medien von sämtlichen Verbrechen etc. Und gut geschildert bzw. sehr gut lesbar ist das Buch auf alle Fälle.

Entsprechend kann ich dieses wirklich gut geschriebene, gut nachvollziehbare Buch (auch ohne großartige medizinische Kenntnisse) absolut empfehlen und vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.10.2016

Leben retten ist oft auch kurios.

Die Sauerei geht weiter ...
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Im Buch sind 20 neue wahre Geschichten aus dem Alltag des Rettungsdienstes geschildert. Manche Geschichten sind wirklich ziemlich kurios, bei manch anderer mag man über die zu Rettenden nur den Kopf schütteln.

Ja, ...

Im Buch sind 20 neue wahre Geschichten aus dem Alltag des Rettungsdienstes geschildert. Manche Geschichten sind wirklich ziemlich kurios, bei manch anderer mag man über die zu Rettenden nur den Kopf schütteln.

Ja, ich wollte mal wieder was anderes lesen, so war ich wirklich gespannt, als ich das Buch zu Lesen angefangen hab. In zwanzig Geschichten mit jeweils einer Zeichnung teilt sich das Buch auf, die Geschichten sind meiner Ansicht nach sehr verschieden, mal geht es um einen äußerst gut geplanten Selbstmord eines alten Mannes, mal um das Treffen des Kleingärtnervereines, das aus dem Ruder läuft, mal trifft man auf einen vermeintlich suizidgefährdeten nicht-Deutschsprachigen.

Das Buch ist also wirklich sehr vielfältig, außerdem wird einem bei dem ausschmückenden, informativen und zugleich witzigen Schreibstil wirklich nicht langweilig. Im Buch schildert Jörg Nießen sehr gut den Alltag auf der Wache, der wirklich sehr abwechslungsreich und auch arbeitsreich ist, denn es müssen natürlich auch sämtliche Formulare ausgefüllt werden, außerdem diverse Kontrollen durchgeführt werden. Für mich kommen die Hauptpersonen im Buch, der Ich-Erzähler - Jörg selbst würde ich sagen - und Hein, der Kollege (sämtliche Namen sind geändert), sehr sympathisch rüber, die beiden sind sehr entspannt, wenn es an die Arbeit geht, d.h. sie treten den Patienten etc. sehr ruhig gegenüber, machen keinen Stress, verfallen nicht in Hektik und haben sonst auch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. (Was ich aus meiner Erfahrung mit Sanitätern bzw. Feuerwehrleuten auch nur bestätigen kann, sie sind super nett und wirklich erstaunlich ruhig - was man in solch einer Situation auch brauchen kann.)

Für mich war es ein sehr interessantes Buch, ich wurde zum Einen ein kleines Stück weit über die Arbeit von Lebensrettern informiert, zum großen Teil aber super gut unterhalten. Manche Geschichten sind so kurios, dass man sie regelrecht mehrfach lesen möchte, bei anderen muss man einfach nur Schmunzeln.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die generell an diesem Thema interessiert sind, wobei die Schilderungen im Buch schon sehr lustig sind. (Dennoch sachlich.) Ich vergebe hier 5 von 5 Sternen und spreche eine Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 26.10.2016

Alt werden ist nicht einfach.

Wir werden zusammen alt
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Die Geschichte spielt in der Seniorenresidenz Les Bégonias in Paris. Die Bewohner dort geben täglich immer ihr bestes - Emotionen von zuckersüß bis ganz schön garstig sind auf der Tagesordnung. Außerdem ...

Die Geschichte spielt in der Seniorenresidenz Les Bégonias in Paris. Die Bewohner dort geben täglich immer ihr bestes - Emotionen von zuckersüß bis ganz schön garstig sind auf der Tagesordnung. Außerdem sind die Gebrechen des Alters bzw. die Krankheiten wie Demenz und Alzheimer auch nicht zu unterschätzen - diese machen auch den Pflegerinnen dort den Alltag nicht immer leicht... So verliebt sich Thèrése im Heim - besser spät als nie... Kapitän Dreyfus gibt den Damen (die natürlich "Madame So und so " heißen ;) ) dort Anweisungen, der Sohn einer Bewohnerin hat eine Affäre mit einer Pflegerin...

Schon ein paar Tage lag das Buch bei mir, ehe ich es lesen konnte. Das bisherige Buch war noch nicht ausgelesen, ich war nicht in Stimmung für dieses Buch. Nun habe ich es endlich ausgelesen. Die Geschichte spielt in Frankreich, was man natürlich auch an den Namen merkt. Madame, Monsieur, ... ich habe mir damit teilweise sehr schwer getan, u.a. merkt man sich "Müller, Meier, Schmitt" etc. doch irgendwie besser als einen schweren französischen Nachnamen... außerdem kommen im Buch doch auch einige Personen vor, so sind es ca. zehn verschiedene Personen, die immer wieder auftauchen, deren Leben bzw. Lebensabend geschildert wird.

Die Geschichten an sich sind teilweise so schlimm wie das Leben selbst, ich möchte hier gar nicht näher drauf eingehen, um nichts zu verraten. Natürlich wird auch von guten, schönen Zeiten und Tagen erzählt, dennoch behält man die schlimmen Dinge wohl leider mehr im Kopf. Auch die Krankheiten der Bewohner sind alles andere als angenehm. Ist ein wenig Gebrechlichkeit noch harmlos, so merkt Monsieur Destroismaisons bei seiner Frau die volle Bandbreite der Alzheimer-Erkrankung. Sie erkennt ihn nicht als ihren Mann an, er, der ihr immer treu geblieben ist, sie schien das ganze leider nicht so ernst zu nehmen in jüngeren Jahren. So ist das Buch auch ziemlich ergreifend, wenn man sieht, wie er mit seiner Frau umgeht, wie die Krankheit sie zeichnet - aber auch ihn mitnimmt.

Generell fand ich das Buch sehr gut geschrieben, es ist eben speziell, ein französisches Buch halt, würde ich mal so sagen. Ich bin gut unterhalten worden, natürlich gibt es auch mal den ein oder anderen Witz im Buch, meist durch den Kapitän Dreyfus (er möchte so genannt werden, er überspielt die Demenz damit teilweise).

Ein nachdenkliches Buch, welches gelegentlich auch zum Schmunzeln anregt, manches im Buch hatte ich mir ein bißchen anders vorgestellt, jedoch ist es in solchen "Seniorenresidenzen" leider nicht immer wirklich harmonisch, was ich persönlich auch schon bei Besuchen erfahren habe.

Ich kann dieses Buch jedem, der sich mit dieser Thematik grundsätzlich ein wenig auseinandersetzen möchte, ans Herz legen. Ich kann hier 4 von 5 Sternen vergeben, einen ziehe ich ab, da ich mir mit den Namen sehr schwer getan habe.

Veröffentlicht am 26.10.2016

Das ist also ein poetisches Buch.

Schweigeminute
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Christian, ein 18jähriger Schüler, schildert im Buch seine Liebesbeziehung zu Stella, seiner Englischlehrerin. Doch Stella ist verstorben, er wechselt beim Erzählen immer wieder hin und her - von Erinnerungen ...

Christian, ein 18jähriger Schüler, schildert im Buch seine Liebesbeziehung zu Stella, seiner Englischlehrerin. Doch Stella ist verstorben, er wechselt beim Erzählen immer wieder hin und her - von Erinnerungen zur Gegenwart, der Trauerfeier in der Schule.

Diesmal sollte es auch ein etwas "dünneres" Buch sein, lediglich 128 Seiten bot diese Novelle. Novelle. Was war das noch mal eben... äh... ja. Eine kürzere Erzählung in Prosaform. Natürlich!

Zuerst wusste ich überhaupt nicht, um was es hier genau geht - denn eine Inhaltsangabe habe ich im Buch nicht wirklich gefunden - was ich nicht weiter schlimm finde - dagegen waren Eindrücke anderer Leser abgedruckt, so hat der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki das Buch als "ein poetisches" und zugleich wohl "Lenz' schönstes" gelobt. Nun gut, ich hatte bis dato noch nichts von Siegfried Lenz gelesen. Zumindest ist mir da nichts in Erinnerung geblieben...

Ich hab mir anfangs etwas schwer getan, bis ich in die Geschichte hinein gefunden habe, was da gerade genau passiert ist. Zumal manche Schilderung so klingt, dass es sich wohl um einen Suizid handelt. Entsprechend "gespannt" war ich wie die Geschichte dann wohl ausgeht, die Hintergründe haben mich doch sehr interessiert bzw. am Lesen dran gehalten...

Generell ist die Liebesgeschichte zwischen Schüler und Lehrerin recht schön geschildert, Christian wirkt auch erwachsener, regelrecht poetisch schildert er die Vorstellungen der gemeinsamen Zukunft. Was mich jedoch gestört hat: die Geschichte spielt wohl in Norddeutschland an der See und Christian ist bei seinem Vater auf dem Schiff tätig. Hier kommen immer wieder spezielle Begriffe auf, die für mich als Landratte nicht wirklich logisch bzw. im gängigen Vokabular vorhanden sind. Das hat mich ziemlich genervt.

Ansonsten war es vom Schreibstil her mal was ganz anderes als das, was ich sonst so lese. Ja, schon poetisch, allein wie sich Christian immer ausdrückt, das ist schon sehr poetisch, aber auch gefühlsdusselig. Ganz mein Ding ist es jedoch nicht, auf Dauer könnte ich sowas nicht lesen. Zumal es mir manchmal ein bißel zu lahm ist, sich so hinzieht.

Für mich wars mal ein Ausflug in die Welt der "klassischeren Literatur", täglich muss ich sowas sicher nicht lesen, verkehrt war das Buch nun auch nicht. Ich bin seeeehr zwiegespalten, mir hats nicht "weh getan", das Buch zu lesen, viele neue Erkenntnisse hats aber auch nicht gebracht.

Ich bin sehr unentschlossen und vergebe 3 von 5 Sternen.