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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2020

Eiskalt erwischt

Die Tote in der Gracht
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In den Niederlanden ist der Elfstädtelauf ein nationales Großereignis, das leider durch die Klimaerwärmung nur noch selten stattfinden kann. Profisportler und Amateure gehen gleichermaßen begeistert an ...

In den Niederlanden ist der Elfstädtelauf ein nationales Großereignis, das leider durch die Klimaerwärmung nur noch selten stattfinden kann. Profisportler und Amateure gehen gleichermaßen begeistert an den Start, an den Laufstrecken herrscht Partystimmung. Diese Atmosphäre hat sich der Autor Jan Jacobs für seinen zweiten Krimi um das Ermittlerteam rund um Griet Gerritsen ausgesucht. Griet und ihr Kollege Pieter befinden sich noch auf dem Abstellgleis, genannt Cold Case, als ein ungewöhnlicher Todesfall in der malerischen Stadt Leuuwarden ihre Mithilfe erfordert. Die Zeugenaussagen sind allesamt nicht stimmig, und so gerät nicht nur der aktuelle Mordfall in ihren Fokus, sondern auch noch ein Geheimnis aus lange zurückliegende Zeiten.
Griet ist eine sehr sympathische Kommissarin mit logischem Verstand und ausgeprägtem Teamgeist. Als Mutter versagt sie dagegen völlig, indem sie ihre kleine Tochter mit auf Verbrecherjagd nimmt. Private Details wie diese lockern die Handlung für den Leser auf, ohne die Spannung zu schmälern. Leider hemmen allerdings die zu häufig eingeworfenen niederländischen Sprachfragmente den Lesefluss. Das ist in meinen Augen auch eigentlich der einzige Störfaktor in einem ansonsten stimmigen Regionalkrimi. Gerade die Wiedergabe der fiebrigen Atmosphäre bezüglich des Wettkampfes, aber auch die schöne Beschreibung von Land und Leuten konnten mich einfangen. 


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Veröffentlicht am 20.08.2020

Ein ganz übler Geburtstag

Geburtstagskind (Ewert Grens ermittelt 1)
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Anhand von Leseprobe und Klappentext war ich auf einen typisch skandinavischen Thriller mit psychologischem Tiefgang eingestellt. Besonders die albtraumhafte Geburtstagsszene versprach wonniges Gruseln. ...

Anhand von Leseprobe und Klappentext war ich auf einen typisch skandinavischen Thriller mit psychologischem Tiefgang eingestellt. Besonders die albtraumhafte Geburtstagsszene versprach wonniges Gruseln. Doch die Handlung weitet sich aus, bezieht albanischen Waffenschmuggel mit ein und bleibt so von der ersten bis zur letzten Seite spannend und unvorhersehbar.
Mir gefällt die Figur von Kommissar Ewert Grens: sperrig, undurchschaubar und sehr menschlich, was seine Kollegin und das gerettete Kind betrifft. Wenn er auch anfangs etwas schwerfällig erscheint, so überrascht er doch mit cleveren Handlungszügen, die letztendlich zur Aufklärung führen. Piet Hoffmann ist sein agiler Mitstreiter, auch wenn dieser eigentlich als ehemaliger Undercover-Mann nicht im Polizeidienst steht. Er ist jung, wendig, belastbar, steht aber vor allem aber unter extremen Stress, weil es ums Überleben seiner kleinen Familie geht. Beide zusammen sorgen für exzellente Thrillerspannung mit einer überraschenden Aufklärung.
Anders Roslund beherrscht die Kunst, das Spannungslevel gleichbleibend hochzuhalten. Deswegen übertrifft dieses Buch meine Erwartungen, obwohl es doch so ganz anders ist als der erste Eindruck.

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Veröffentlicht am 20.08.2020

Großartig

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Maria W. Peter hat erneut einen wunderbaren historischen Roman verfasst. Diesmal schickt sie  ihre Leser in den Deutsch-französischen Krieg 1870. Der Fokus liegt auf dem Liebespaar Madeleine und Paul, ...

Maria W. Peter hat erneut einen wunderbaren historischen Roman verfasst. Diesmal schickt sie  ihre Leser in den Deutsch-französischen Krieg 1870. Der Fokus liegt auf dem Liebespaar Madeleine und Paul, deren Verbindung vorerst nicht  zustande kommen kann, weil ihre Heimatländer Kriegsgegner sind. Es gibt aber auch noch weitere interessante Protagonisten, wie zum Beispiel Madeleines fanatisch kommunistischen Bruder Clément oder das algerische Dienstmädchen Djamila. Alle sind schicksalhaft miteinander verbunden; der Leser verfolgt ihren Werdegang mit großer Spannung.

Die Autorin hat ein feines Gespür für die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch einen Blick für das politische Geschehen. Das Elend des Krieges kommt sehr nahe an den Leser heran.

Zum einen begeistert mich natürlich die Erzählkunst der Autorin, wie sie Charakter kreiert, und Lebenswege verfolgt und sich kreuzen lässt, aber ihre große Stärke liegt in der Detailtreue. Sie hat sich gründlichst in die geschichtliche Materie eingearbeitet, kennt die Fakten und hat nicht einfach nur eine Lovestory in eine andere Zeitebene versetzt. Besonders deutlich wird das im Glossar und auch in den Danksagungen. Vor allem begeistern mich die Hinweise und Adressen speziell für diejenigen Leser, die sich selbst noch weiter informieren möchten.

Ich bin sehr beeindruckt von "Eine Liebe zwischen den Fronten"



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Veröffentlicht am 10.08.2020

Fayes Coup

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 2)
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"Wings of Silver" ist die von mir sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von "Golden Cage".

Faye hat alles, was sie sich erträumt hat. Ihr Kind, ihre Mutter, ihre mütterliche Freundin Kerstin und sie selbst ...

"Wings of Silver" ist die von mir sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von "Golden Cage".

Faye hat alles, was sie sich erträumt hat. Ihr Kind, ihre Mutter, ihre mütterliche Freundin Kerstin und sie selbst können in Italien ein abgeschirmtes Leben in Sicherheit führen. Die Firma brummt und Fayes Ehemann Jack sitzt hinter Gittern. Doch plötzlich droht Gefahr von zwei Seiten:

Jack konnte fliehen, was eine konkrete Bedrohung für Fayes Leben bedeutet und außerdem bereitet ein geheimnisvoller Investor eine feindliche Übernahme der Firma vor.

Sehr spannend beschreibt die Autorin Camilla Läckberg, wie Faye sich den Realitäten stellt, neue Allianzen schmiedet und mit gewohnter Raffinesse den Sieg erringt. 

Dieser Thriller konnte meine hohen Erwartungen vollauf erfüllen. Besonders interessant waren Einblicke in Fayes albtraumhafte Kindheit, die sie zu dieser starken, ja man kann sagen, skrupellosen Persönlichkeit geformt hat.

Die Charaktere der meist weiblichen Hauptpersonen sind sehr unterschiedlich. Man kann sich diese schönen, intelligenten Frauen sehr gut vorstellen, auch wenn man nicht in dieser elitären Schicht zu Hause ist.

Der Schreibstil ist sehr spannend, obwohl auf reißerische Stilmittel und dramatische Cliffhanger verzichtet wird. 

Jetzt stellt sich nur noch eine Frage: wird es mit Faye weitere Bände geben? Schließlich lauert noch eine Gefahr im Hintergrund, die sich für eine wunderbare weitere Folge eignet. 



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Veröffentlicht am 31.07.2020

Beethovens Liebe

Frau Beethoven
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Dieser Roman ist eine fiktive Biografie über Josephine von Brunsvik, die Beethovens einzige große, leider unerfüllte Liebe gewesen sein soll.

Josephine wächst in einem Märchenschloss in der Nähe von Budapest ...

Dieser Roman ist eine fiktive Biografie über Josephine von Brunsvik, die Beethovens einzige große, leider unerfüllte Liebe gewesen sein soll.

Josephine wächst in einem Märchenschloss in der Nähe von Budapest auf. Wie ihre Geschwister hat sie ein außerordentliches musikalisches Talent. In Wien erhält sie von dem damals schon bekannten Ludwig van Beethoven Klavierunterricht, scheinbar der Beginn einer langjährigen, innigen Beziehung, die wegen unüberbrückbarer Standesunterschiede nie in eine Ehe münden durfte. Die Autorin beschreibt den Lebensweg dieser leidenschaftlichen Frau, die ein untrügliches Geschick dafür entwickelt, ihr Leben und das ihrer Kinder ins Unglück zu führen. Bis auf ihren ersten Ehemann, der ihr zwar aufgezwungen wurde, sich aber dennoch als fürsorglicher Partner erweist, gibt sie immer den Werben der falschen Männer nach. Daraus ergeben sich uneheliche Kinder, Zwist mit der Familie und vor allem eine ständige Geldnot. Josephine ist mit der Haushaltführung und der Kindererziehung völlig überfordert, darüber hinaus erkrankt sie schwer.

Der Roman wird einzig aus Josephines Perspektive geschrieben. Sie wird als eine Frau dargestellt, der das Leben nicht gut mitgespielt hat. Liest man aber andere Quellen, so bleibt offen, wie viel ihres Unglücks selbst verschuldet ist.

Das Buch fängt sehr spannend an. Josephine, ihre Geschwister und die Mutter werden sehr lebhaft beschrieben, und als dann erst Ludwig van Beethoven in ihr Leben tritt, hat man als Leser alle deutlich vor Augen stehen. Leider kann dieser wunderbare Spannungsbogen nicht dauerhaft gehalten werden. Er zerfällt parallel mit Josephines Lebensglück und mir wurden die letzten Kapitel dann leider doch etwas zu lang. 



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