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Veröffentlicht am 02.01.2021

Erschütternd

Die Farbe von Milch
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Mary lebt 1830 auf dem Hof ihres Vaters als jüngste von drei Schwestern. Ihr herrischer Vater führt die Familie mit harter Hand und schickt Mary mit 15 in die Dienste des Pfarrers. In ihrer einfachen Sprache ...

Mary lebt 1830 auf dem Hof ihres Vaters als jüngste von drei Schwestern. Ihr herrischer Vater führt die Familie mit harter Hand und schickt Mary mit 15 in die Dienste des Pfarrers. In ihrer einfachen Sprache schildert Mary die Geschehnisse in diesem Jahr, die ihr Leben so radikal veränderten.

Wie rückblickende Tagebucheinträge erscheinen die einzelnen Kapitel. Anfänglich hatte ich etwas Mühe mich an die Erzählweise wie u.a. die indirekte Rede zu gewöhnen. Gleichzeitig macht es die Geschichte so authentisch, als läse man ein Zeitzeugnis. Stück für Stück lerne ich Marys Alltag kennen, ihren Freigeist und ihre unverblümte Ausdrucksweise lieben.

Die Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft, die harte Arbeit, die das Überleben sichert, und die ermüdenden Wiederholungen, die der Alltag fordert, zeichnen ein erdrückendes Bild vom entbehrungsreichen Leben der jungen Frau.

Die rückblickende Erzählung zieht die Schlinge immer enger um Marys Hals. Sie bleibt sich unbeirrbar treu, egal welche Bürden ihr das Schicksal auferlegt. Am Ende bleibe ich tief berührt zurück und bin stolz auf diese junge Frau, die sich nicht beugen lässt.

Fazit: Eine Geschichte, die gehört werden soll. Absolute Leseempfehlung. Triggerwarnung!

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Veröffentlicht am 01.01.2021

Reine Zeitverschwendung

Einer wird sterben
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Selten hat mich ein Buchkauf so wütend gemacht. Was von Verlag und bekannten Autoren als „wahnsinnig spannender Psychothriller“ angepriesen wird, entpuppt sich als lahme Story um Nachbarschafts-und Beziehungskrisen, ...

Selten hat mich ein Buchkauf so wütend gemacht. Was von Verlag und bekannten Autoren als „wahnsinnig spannender Psychothriller“ angepriesen wird, entpuppt sich als lahme Story um Nachbarschafts-und Beziehungskrisen, die auf den letzten Seiten zu einem unglaubwürdigen Familiendrama mit blutigen Ende aufgeblasen wird.

Über 200 Seiten passiert nichts. Seitenweise lahme Verdächtigung und Gedankenkarussel einer überspannten und beziehungsgestörten Frau, die mich schon nach dem ersten Kaptiel genervt hat.
Ich habe wohl deshalb nur zu Ende gelesen, weil ich ob des großen Lobes nicht glauben konnte, welch gequirlter Mist sich hinter dem hübschen Cover verbirgt. Bis zuletzt habe ich eine überraschend geniale Wendung gehofft. Zeitverschwendung.

Einen Stern gibt es für den spannenden Klappentext. Das Beste am Buch.

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Veröffentlicht am 28.12.2020

Vom Mut die Schutzmauern niederzureißen

Ich treffe dich zwischen den Zeilen
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Erwartet habe ich eine blumige Romanze, die sich Poetry-Slam-Battles entwickelt und mit schönen Worten zu bezaubern vermag. Erhalten habe ich einen psychologisch fundiert aufgebaute Coming-of-Age-Geschichte ...

Erwartet habe ich eine blumige Romanze, die sich Poetry-Slam-Battles entwickelt und mit schönen Worten zu bezaubern vermag. Erhalten habe ich einen psychologisch fundiert aufgebaute Coming-of-Age-Geschichte mit liebevoll entwickelten Charakteren und einem packenden Spannungsbogen, die so viel mehr enthält als nur schöne Worte.

Ich will nicht zu viel verraten: Die große Stärke dieses Buches ist die tolle Entwicklung von Loveday, die anfangs völlig verbarrikadiert hinter ihrer Schutzmauer lebt und deren Leben nur aus der Leidenschaft für Bücher zu bestehen scheint. Doch das Treffen mit Nathan weckt in ihr den Wunsch, dass es für sie noch mehr im Leben geben muss und sie machst sich auf, die Schutzmauern einzureißen. Außer mit Lovedays Geheimnis weiß das Buch mit noch mehr gut entwickelten Nebenfiguren und überraschenden Wendungen zu überraschen. Seite für Seite wächst alles zu einem großen Ganzen.

Der Geschichte hat mich total gefangen genommen und gehört zu einen meiner Highlights in diesem Lesejahr.

Fazit: Eine Geschichte, die im Herzen bleibt und es wert ist, immer wieder gelesen zu werden.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Die Macht der Wortlosigkeit

Still!
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Mariella ist zu der Erkenntnis gekommen, das Reden keine Probleme löst. Folgerichtig hat sie sich entschlossen, nicht mehr zu sprechen - mit niemanden. Es ist überraschend, wie umfassend sie diese Entscheidung ...

Mariella ist zu der Erkenntnis gekommen, das Reden keine Probleme löst. Folgerichtig hat sie sich entschlossen, nicht mehr zu sprechen - mit niemanden. Es ist überraschend, wie umfassend sie diese Entscheidung umsetzt und selbst in Situationen, in der klärende Worte alles vereinfachen würden, bleibt sie stumm. Konsequent in allen Lebenslagen.

Ihr Umfeld kommt damit nicht zurecht. Besonders bei ihrer Mutter liegen die Nerven blank. Aber auch in der Schule wird ihr vieles zum Nachteil ausgelegt, und es ist überraschend, wie aggressiv sowohl Lehrer als auch Mitschüler auf die Stille reagieren.
Als Mariella den gehörlosen Stan trifft, scheint sie endlich jemanden gefunden zu haben, der ihre Entscheidung akzeptiert. Sie beginnt Hoffnung zu schöpfen, doch unterschätzt sie die weitreichenden Folgen ihrer Sprachlosigkeit.

Die Geschichte spiegelt Mariellas Innenleben. Stück für Stück durchlebt man ihren Alltag, ihre Gefühle, ihre Ängste, ihre Träume. Es ist bewundernswert wie konsequent sie ihre Entscheidung umsetzt. Und auch in Momenten der Schwäche, bleibt sie dabei. Das hat mich sehr beeindruckt. Gleichzeitig wird gezeigt, wie wenig Bereitschaft im Umfeld besteht, sich auf Mariella einzustellen.

Mir gefällt die Grundidee des Buches sehr. Es wird mir sehr leicht gemacht, in Mariellas Haut zu schlüpfen und die Welt durch ihre Augen zu betrachten. Doch manches hätte ich mir ausführlicher gewünscht. Viele Szenen bleiben bruchstückhaft. Durch die strikte Wahl der Perspektive bleiben leider auch einige Hintergründe, die zu Mariellas Entscheidung geführt haben diffus. Prägende Ereignisse werden nur angerissen. Mariella wirkt an manchen Stellen stur, doch ich denke, es zeigt gut ihre Überforderung.

Erst die drastischen Ereignisse am Ende machen ihr einen Entwicklungsschritt möglich. Zum Ende gibt es einen Hoffnungsschimmer, doch zur Klärung scheint es noch ein langer Weg.

Fazit: Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit liegen dicht beieinander. Doch man sollte sie nicht verwechseln.

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Veröffentlicht am 15.12.2020

Abenteuerlicher Lesegenuss mit Hindernissen

Tiger
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Es ist kein einfaches Buch. Keine Geschichte, in die man einfach versinken kann. Geduld und Glaube an die Fertigkeiten der Autorin werden gefordert. Ich wurde hin und her geruckelt, haderte mit der ungewöhnlichen ...

Es ist kein einfaches Buch. Keine Geschichte, in die man einfach versinken kann. Geduld und Glaube an die Fertigkeiten der Autorin werden gefordert. Ich wurde hin und her geruckelt, haderte mit der ungewöhnlichen Einteilung, mit dem sich überlappenden und nicht immer chronologischen Erzählsträngen. Manche Passage wirkten überflüssig und erhielten erst am Ende einen Sinn.

Die Autorin hat die Geschichte überwiegend von vier Protagonisten erzählen lassen: Frieda, Tomas, Edit und dem Tiger. In vier abgeteilten Abschnitten berichten sie von ihrem Leben und ihrer Entwicklung. Lange Zeit blieben die Zusammenhänge im Dunkeln. Erst am Ende kommen sie jeder für sich wieder zu Wort.

Der Roman ist in einer wunderschönen Sprache erzählt und sie wandelt sich auf jeden Protagonisten abgestimmt. Besonders die unwirtliche Lebensbedingungen in Sibirien, die Schönheit der Fauna und Flora und das Innenleben der Protagonisten werden dadurch greifbar und einzigartig. Der Tiger beherrscht auf eine nachdrückliche Weise die gesamte Erzählung.

Jeder Protagonist für sich wird ausführlich vorgestellt, dabei werden besonders die psychischen Besonderheiten und ihre Entwicklungsstörungen herausgearbeitet. Es sind keine einfachen Charaktere, die in existenziellen Krisen stecken und sich mit ganz unterschiedlichen Lösungsstrategien den Herausforderungen ihres Lebens stellen. Keiner ist auf den ersten Blick sympathisch. Doch je besser ich sie kennenlernen - ihre Nöte, ihr Ringen - desto mehr wachsen sie mir ans Herz. Am Ende ist eine glaubhafte Entwicklung gelungen.

Schwierig fand ich die abbruchartigen Übergängen zum nächsten Abschnitt. Ich war noch gar nicht bereit mich auf jemanden Neues einzustellen. Gestört hat mich außerdem, dass lange Passagen gedanklicher Rückblicke großen Platz eingeräumt wird und die aktuelle Geschehnisse dadurch wie kurze Blitzlichter erscheinen. Dies ändert sich tatsächlich erst zum Ende. Faszinierend waren dafür die Raubkatzen und der Überlebenskampf in den sibirischen Wäldern. Die detailreichen Schilderungen hinterlassen tiefe Eindrücke.

Der Autorin gelingt es am Ende die Verbindungen herzustellen und alle losen Enden zu vernähen. Das versöhnt mich ein wenig mit den harten Abbrüchen in der laufenden Erzählung. In Erinnerung bleiben mir die Kraft des Tigers, die Kälte Sibiriens und dass Herzen einer Berufung folgen möchten.

Fazit: Ungewöhnliche Erzählung, die mehr Entwicklungs- als Abenteuerroman ist und ihre Spannung aus der Unterschiedlichkeit der Protagonisten zieht, der Wildheit Sibiriens und seiner Tiger.

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