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Veröffentlicht am 27.03.2018

Loslassen

Elternteile
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Ich gebe zu, dieses Buch hatte mich mit seinem Cover am Haken. Die zwei Seepferdchen sind wunderschön und beschreiben auch ziemlich gut, worum es in der Geschichte geht.

Karen trennt sich nach knapp ...

Ich gebe zu, dieses Buch hatte mich mit seinem Cover am Haken. Die zwei Seepferdchen sind wunderschön und beschreiben auch ziemlich gut, worum es in der Geschichte geht.

Karen trennt sich nach knapp drei Jahren von ihrem Mann. Beide haben zusammen die dreijährige Tochter Anna. Von nun an prägen Schuldgefühle und die Sehnsucht nach der Tochter das Leben von Karen, denn die Eltern versuchen, sich das Kind zu teilen und die Hälfte der Woche und die Hälfte aller Ferien und Feiertage verbringt das Kind nun beim Vater.

Aus Karens Sicht erleben wir den schmerzhaften Prozess des Loslassens, denn genau das muss sie tun, um dem Vater gestatten zu können, auch am Leben seines Kindes teilzuhaben und es gleichberechtigt mitzugestalten. Sie tut sich sehr schwer damit. Es entspinnt sich ein heimlicher Wettbewerb und immer wieder stellt sie sich die gleichen Fragen. Hat sie ihrer Tochter den Start ins Leben erschwert, durch den Bruch mit dem Vater? Wie kann sie ihre gluckenhaften Gefühle in den Griff bekommen, wie im Gleichgewicht bleiben, auch wenn ihr Einfluss auf Anna schwindet?

In kurzen Abschnitten reflektiert Karen ihr Leben, ihre Gefühle, ihre Erlebnisse mit der Tochter aber auch eigene Kindheitserlebnisse mit der energischen Mutter. Sie muss lernen, dass Anna ihr nicht gehört und auch beim Vater gut aufgehoben ist.

Das Buch ist kein eigentlicher Roman, sondern eher ein Erfahrungsbericht, eine Besinnung, eine Analyse. Da alles um Anna und Karens Befindlichkeiten kreist ist es teilweise etwas eindimensional und langatmig. Die Sprache ist aufgefeilt, intensiv, abwechslungsreich. Ein Buch zum Nachdenken und Mitfühlen

Veröffentlicht am 26.03.2018

schöner Histo

Die Räuberbraut
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Der Schinderhannes, wie Johannes Bückler im Volksmund genannt wurde, ist einer der bekanntesten und schillerndsten deutschen Räuberhauptmänner. Und es gibt jede Menge Sachbücher über ihn. Jetzt hat Astrid ...

Der Schinderhannes, wie Johannes Bückler im Volksmund genannt wurde, ist einer der bekanntesten und schillerndsten deutschen Räuberhauptmänner. Und es gibt jede Menge Sachbücher über ihn. Jetzt hat Astrid Fritz einen gut recherchierten Histo-Roman geschrieben, in dem nicht nur Hannes sondern auch Juliana, eine junge Frau zu Wort kommt, mit der der Räuber die Ehe eingehen wollte.

Juliana lernte Hannes als sehr junge Frau kennen und war sofort von dem schneidigen und wortgewandten Mann fasziniert. Da ihre Familie arm war, folgte sie Bückler schon bald und wurde seine Lebensgefährtin. Der Schinderhannes hatte eine bunt gemischte Truppe um sich versammelt. Sie überfielen und erpressten bevorzugt jüdische Kaufleute, weshalb die katholische Bevölkerung die Räuberbande oft vor den Gendarmen versteckte und die Gerichtsbarkeit lange keine Zeugen für die Sraftaten finden konnte. Juliana würde viel lieber mit einem Krämerladen über Land fahren aber Hannes kann und wollte mit der Räuberei nicht aufhören. Er hiletsich für unverwundbar und die Polizei für zu dumm und lahm, um ihn zu schnappen. Ein Irrschluss, der ihn übermütig und unvorsichtig machte.

Juliana und der Schinderhannes werden beide als junge und etwas blauäugige Menschen beschrieben. Dass die zahlreichen Überfälle, bei denen es bald auch zu Verletzten und Toten kam, die Gendarmen zu einem erhöhten Einsatz anstachelten, war absehbar. Durch Banden wie die von Hannes wurde auch die Polizei dazu genötigt sich zu formieren und ihre Methoden zu verbessern. Das Katz- und Mausspiel ist interssant zu lesen. Es kommt auch zu einem großen Gerichtsprozess, der für damalige Verhältnisse spektakulär war. In einem ausführlichen Nachwort erklärt Astrid Fritz alle Daten und Fakten und die geschichtlichen Zusammenhänge.

Ein schöner historischer Roman.

Veröffentlicht am 26.03.2018

nicht ganz mein Fall

Der Dichter der Familie
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Gregoire Delacourt war mir bereits von seinem Vorgängerroman „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ bekannt und ich war gespannt auf das neue Buch „Der Dichter der Familie“. Es ging mir mit dieser Geschichte ...

Gregoire Delacourt war mir bereits von seinem Vorgängerroman „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ bekannt und ich war gespannt auf das neue Buch „Der Dichter der Familie“. Es ging mir mit dieser Geschichte leider so, dass ich doch etwas anderes erwartet hatte. Noch im Nachhall zu französischen Romanen wie z.B. „Der Hut des Präsidenten“ hatte ich auf eine Sommerlektüre gehofft. Aber die Geschichte passt viel besser in einen dunklen Herbstmonat oder zu einem Abend am Kaminfeuer. Es ist tragisch und traurig wie der „Dichter der Familie“ Edouard schon als Kind auf seine Rolle festgelegt wird und daran über die Jahre zu zerbrechen droht.

Als kleiner Junge hat er ein reizendes Gedicht verfasst und Eltern und Großeltern sind begeistert und versteifen sich darauf, dass darin seine Berufung liegen würde und aus ihm ein großer Dichter und Poet werden wird. Aber Edouard kann diese Hoffnungen nie erfüllen und versteift sich nun seinerseits in Vorstellungen, wie sein Privatleben und sein beruflicher Erfolg sein sollten und trifft deshalb eine falsche Entscheidung nach der anderen, sucht nach dem Glück und der Erfüllung und findet beides nicht.

Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass es wohl das Erstlingswerk des Autors ist, welches jetzt nachträglich ins Deutsche übersetzt wurde. Mit solchen nachträglichen Veröffentlichungen habe ich schon öfter Schwierigkeiten gehabt. Hier habe ich zwar gespürt, dass der kurze und geschliffene Schreibstil des Autors durchschimmert aber er ist noch nicht ganz ausgereift. Außerdem bin ich unschlüssig, was mir das Büchlein sagen will. Soll man seine Pläne nicht zu hoch stecken? Soll man zufriedener sein auch mit den kleinen Dingen? Oder geht es tatsächlich darum die ganz alltäglichen Tragödien zu zeigen, die in einer Familie passieren können und die verhindern können, dass man in den richtigen Tritt kommt?

Ich bin ein zutiefst positiver und optimistischer Mensch. Außerdem schätze ich die von mir erreichten Ziele und traue nicht jeder verpassten Gelegenheit nach. Edouard war für mich ein sperriger und teilweise sogar unsympathischer Charakter. Seien Art ging mir gehörig gegen den Strich. Aber andererseits, auch das muss eine fiktive Person erst mal schaffen. Von mir nur eine bedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.03.2018

Etwas zäh

Das Ministerium des äußersten Glücks
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Indien ist ein Land mit unendlich vielen Facetten. Ein Land so bunt wie seine Saris, so laut wie die Straßen Delhis, mit intensiven Gerüchen, exotischen Gewürzen, hunderten von Gottheiten. Genau das versucht ...

Indien ist ein Land mit unendlich vielen Facetten. Ein Land so bunt wie seine Saris, so laut wie die Straßen Delhis, mit intensiven Gerüchen, exotischen Gewürzen, hunderten von Gottheiten. Genau das versucht Arundhati Roy in ihrem neuen Roman „Das Ministerium des äußersten Glücks“ in all der Vielfalt abzubilden. Und ich bin beim Lesen daran irgendwie gescheitert.

Die Geschichte beginnt mit der Geburt eines kleinen Menschen, der kein eindeutiges Geschlecht hat und sich als kleines Kind immer mehr als Frau empfindet, obwohl die Mutter es wie einen Jungen erzieht. Schließlich wird eine Hijara namens Anjum aus ihr. Die ersten Kapitel waren verheißungsvoll und ich bin gerne eingetaucht in diese fremde indische Welt. Die Armut und das Kastenwesen, die schwierigen politischen Verhältnisse, die Gottheiten, die den Alltag regeln all das gefällt mir sehr gut und man spürte, dass hier jemand erzählt, der all das genau kennt.

Aber nach und nach ändert sich die Erzählstruktur. Vom stringent erzählten Plot wechselt die Autorin zu einer Art Potburri. Ständig fügt sie neue Personen hinzu, erzählt andere Leben, beschreibt geschichtliche Geschehnisse, die nur am Rande mit der ursprünglichen Geschichte zu tun haben. Die Geschichte zerfasert in unendlich viele kleine Geschichten. Sie überschüttet mit Informationen, mit Facetten dieses Landes, die alle für sich intensiv und interessant sind, aber ich fühlte mich plötzlich wie in einem Sachbuch welches mit belletristischen Mitteln Wissen und Meinung transportieren wollte. Ein Überfluss entstand, den ich nicht mehr einsortieren konnte und ehrlich gesagt auch wollte.

Da der Erzählstil sehr anspruchsvoll und nur mit Konzentration zu lesen ist und mich der Plot nicht fesseln konnte, habe ich mich durchgequält. Die Autorin hat sicherlich sehr viel zu sagen – aber sie hätte meiner Meinung nach, mehrere Romane schreiben sollen und nicht versuchen, alles in einen zu packen.

Veröffentlicht am 26.03.2018

Dicke Leseempfehlung

Marlenes Geheimnis
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Nane’s Leben bedindet sich gerade im Umbruch. Da muss sie an den Bodensee reisen, da ihre Großmutter verstorben ist. In Lindau treffen sie Tante Marlene, die Nane ein Tagebuch der Oma aushändigt. Es wurde ...

Nane’s Leben bedindet sich gerade im Umbruch. Da muss sie an den Bodensee reisen, da ihre Großmutter verstorben ist. In Lindau treffen sie Tante Marlene, die Nane ein Tagebuch der Oma aushändigt. Es wurde geschrieben zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Großmutter Eva gelangte erst nach einer abenteuerlichen Flucht an den Bodensee.

Während Nane eintaucht in die Geschehnisse vor über 60 Jahren, beginnt sie auch ihre Probleme in der Gegenwart unter einem neuen Licht zu sehen und Stück für Stück gewinnt sie wieder Sicherheit und Zuversicht.

Der Wechsel zwischen den Zeitebenen, zwischen den Akteurinnen Nane und Eva, bringt den nötigen Drive in diese Geschichte von Krieg, Liebe, Hoffnung und Verlust. Beide Frauen sind mir schnell ans Herz gewachsen. Brigitte Riebe beschreibt sie mit Herz und Charme und man kann mit ihnen mitleiden und mitfiebern.

Ich habe eine Woche Urlaub am Bodensee gemacht und dadurch wurde das Buch noch interessanter, da ich mich fast auf den Spuren von Eva und Nane fühlte. Ein schöner Roman. Von mir eine Leseemfehlung.