Meine Meinung:
Ungewöhnliche Geschichten, mitten aus dem Leben.
Ich hatte mit Nachmittage sehr spannende Lesestunden. Schirachs Geschichten zeigen, welch fatale Folgen Irrtümer haben können. Manchmal konnte ...
Meine Meinung:
Ungewöhnliche Geschichten, mitten aus dem Leben.
Ich hatte mit Nachmittage sehr spannende Lesestunden. Schirachs Geschichten zeigen, welch fatale Folgen Irrtümer haben können. Manchmal konnte ich gar nicht fassen, was in der einen oder anderen Geschichte passiert ist. Erlebnisse aus den verschiedensten Ländern haben gezeigt, dass Menschen überall gleich ticken. Da führt ein Mann ein Doppelleben und wird erpresst. Eine Frau verdächtig ihren Mann, ein Exhibitionist zu sein. Auch die anderen Geschichten konnten mich begeistern und stellenweise entsetzen. Jede einzelne Kurzgeschichte hat es in sich. Sie regen zum Nachdenken an. Vereinzelt schwirren sie mir jetzt noch im Kopf herum. Wahre Geschichten über Prominente fand ich besonders interessant. Natürlich geht es auch um Literatur.
Fazit:
Ferdinand von Schirach ist ein guter Beobachter und Schriftsteller. Von mir eine absolute Empfehlung. Danke.
Es kommt nicht allzu oft vor, dass ich ein Buch an einem Nachmittag lese. Bei Kein guter Mann hätte ich war wahrscheinlich noch nicht mal bemerkt, wenn ...
Meine Meinung:
Wenn Gott ein Postbote wäre ...
Es kommt nicht allzu oft vor, dass ich ein Buch an einem Nachmittag lese. Bei Kein guter Mann hätte ich war wahrscheinlich noch nicht mal bemerkt, wenn das Haus in Flammen steht. Das liegt zum einem, an dem verschrobenen Postboten Walter. Zum anderen an der warmherzigen Geschichte, die auf jeglichen Kitsch verzichtet.
Walter hat die Begabung sich unbeliebt zu machen. Ich fand sein Verhalten total amüsant. Ganz ehrlich, er konnte ja oftmals wirklich nichts dafür. Die Umstände sprachen aber leider oft gegen ihn. Ob in der Gegenwart oder in der Vergangenheit. Besonders in der Vergangenheit habe ich begonnen, Walters Verhalten in der Gegenwart zu verstehen.
Dann hat er zu allem Übel noch zwei Vorgesetzte mit dem Namen Sabine. Sabine 1 versetzt ihn in die Christkindfiliale, bei der man Briefe von Kindern beantwortet. Walter ist davon mehr als genervt. Bis er einen Brief von dem kleinen Ben erhält, der an den lieben Gott schreibt. Das ist der Beginn von einem Briefaustausch, der Walter sehr zu Herzen geht. Obwohl Sabine 2 ihm verboten hat selbst auf Briefe zu antworten,(seine Antworten waren nicht unbedingt charmant,) schreibt Walter dem kleinen Ben zurück. (Und das sogar nett!) Sein Absender: Gott!
Ich mag den geschiedenen Postboten total gerne. Selten hat mich ein Protagonist so berührt wie er. Ich durfte den jungen Walter kennen lernen. Konnte nicht fassen, was alles mit ihm passiert ist. Seine Exfrau dagegen ist einem großen Irrtum aufgesessen, den ihr eigener Vater verschuldet hatte. Sie entzog ihm das Besuchsrecht für seine Kinder. Damit hat sie Walter zu einem sehr unglücklichen Mann gemacht. Überhaupt wurde sein Herz einige Male gebrochen. Dabei darf man echt froh sein, wenn man so einen Menschen wie ihn um sich hat. Die Auf und Abs in seinem Leben hätten so manchem das Genick gebrochen. Sein Tun und Handeln ist- und war stets von totaler Ehrlichkeit geprägt. Leider manchmal mit fatalem Ausgang.
Ich musste mehrmals lachen und weinen. Das Lesen dieses Buches ist ein einziges Auf und Ab der Gefühle. Weihnachtliche Stimmung versprüht es auch. Der alte Postbote hilft dem kleinen Ben. Ben ist, ohne es zu wissen, auch eine große Hilfe für Walter. Die Geschichte kommt absolut spannend daher. Rein gar nichts war für mich vorhersehbar. Ob im beruflichen oder familiären Bereich, alles kam anders, als ich es erwartet hätte. Der Schreibstil liest sich wie Butter.
Fazit:
Bitte lest diese wunderbare Geschichte! Das Ende hat mich fassungslos zurück gelassen. Ein großes Dankeschön Andreas Izquierdo. Den Alltag bei der Post haben sie sehr gut beschrieben.
Meine Meinung:
Wie geht man mit doppelter Trauer um?
Man streitet sich mit seinem Partner und wenige Stunden später ist er tot. Das klingt doch nach einem richtigen Albtraum. Oder? Keine Gelegenheit mehr ...
Meine Meinung:
Wie geht man mit doppelter Trauer um?
Man streitet sich mit seinem Partner und wenige Stunden später ist er tot. Das klingt doch nach einem richtigen Albtraum. Oder? Keine Gelegenheit mehr sich auszusöhnen und sich für böse Worte zu entschuldigen. Paula hat das noch viel schlimmer erlebt. Ihr langjähriger Freund teilt ihr bei einem chicken Essen mit, dass er sie für eine jüngere Frau verlassen wird. Nur ein paar Stunden darauf wird er auf seinem Rad von einem Auto überfahren. Er stirbt im Krankenhaus.
Ich habe jedes Wort inhaliert. Konnte nur erahnen, was die 42jährige Paula für Seelenqualen erleidet. Die Geschichte spielt in Barcelona. Ich habe die Trauer gespürt. Dennoch kommt das Buch auch optimistisch rüber. Paula spricht mit ihrem verstorbenen Partner. Kaum jemand weiß, dass sie von ihrem Freund verlassen wurde. Sie eigentlich eine doppelte Trauer verarbeiten muss. Das alles habe ich in einer wunderbaren Sprache erlebt. Besonders gut haben mir die Rückblenden aus Paulas Leben gefallen. Schon als 7jähriges Mädchen musste sie versuchen, den Tod der Mutter zu verarbeiten. Das war eigentlich kaum möglich, da ihr Vater mit seiner eigenen Trauer beschäftigt war. Er seinem kleinen Mädchen nicht wirklich die nötige Wärme vermitteln konnte. Das Verhalten von Vögeln erforschen war seine Art, mit der Trauer umzugehen. Trotzdem spürt man die große Liebe, die er für seine Tochter hat. Schenkt ihr Weihnachten ein Lied, das genau zu Paulas Lebenssituation passt. Die Pianoklänge dazu lassen Paulas Herz vor lauter Liebe zu ihrem Vater überlaufen. Mir haben sie ein paar Tränen entlockt. Paula ist Neonatologin. Sie steckt ihr ganzes Herzblut in diesen Beruf. Es gab einige Situationen, die mich richtig traurig gestimmt haben. Aber auch positive Wendungen konnten mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sei es bei den Frühchen oder bei Paulas Trauer. Ihrem Leben in Schwarzweiß beim bunter werden zu beobachten, kommt sehr emotional daher.
Fazit:
Eine doppelte Trauer zu verarbeiten ist nicht leicht. In einer bildhaften Sprache führt uns Marta Orriols durch die verschiedenen Trauer Phasen. Dies geschieht mit sehr viel Empathie und nicht durchgehend traurig. Das Setting ist gut gewählt. Ich war noch nie in Barcelona, konnte es mir aber sehr gut vorstellen. Die Protagonisten kommen authentisch rüber. Die Versuche eine trauernde Frau zu trösten kommen mitten aus dem Leben. Aber wie kann man mit einer doppelten Trauer fertig werden, für ein und den selben Mann? Das lest Ihr am besten selbst.
Danke Marta Orriols, für diese wertvolle Geschichte.
Ein abenteuerlicher Tauchgang hat mich gleich am Anfang förmlich in die Geschichte gezogen. Die Sogwirkung hat auch im weiteren Verlauf nicht nachgelassen. ...
Meine Meinung:
Spannende Reise in das London um 1800
Ein abenteuerlicher Tauchgang hat mich gleich am Anfang förmlich in die Geschichte gezogen. Die Sogwirkung hat auch im weiteren Verlauf nicht nachgelassen.
Besonders nahe ging mir Pandora Blake. Dora musste nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrem garstigen Onkel Hezekiah leben. Einst hatten ihre Eltern ein angesehenes Antiquitätengeschäftin in London. Ihr Onkel hatte innerhalb kürzester Zeit einen Ramschladen mit Fälschungen daraus gemacht. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Er bringt Dora kein bisschen menschliche Wärme entgegen. Die junge Frau stellt bezaubernden Schmuck aus allen möglichen Fundstücken her. Sie hofft damit einmal ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wie sich Hezekiah und seine unfähige Haushälterin im weiteren Verlauf gegenüber seiner Nichte verhalten, ist einfach nur unterirdisch. Doras Leben erfährt erst dann eine positive Wendung, als der Hobby - Ärchäolge Edward den Laden betritt.
Alles was ein Buch für mich interessant macht, konnte ich in dieser Geschichte finden. Eine geheimnisvolle Familiengeschichte, garniert mit einem geheimnisvollen Fund. An Spannung und Liebe mangelt es auch nicht. Zweiteres spross wie eine zarte Pflanze. Überhaupt liebe ich historische Romane, die in London spielen. Von den schlechten Gerüchen bis zu den Protagonisten konnte ich mir alles bildlich vorstellen. Wir erleben das Geschehen überwiegend aus der Sicht von Dora und Edward. Auch der zwiespältige Hezekiah lässt uns des öfteren an seinem fiesen Gedankengut teilhaben. Selbst ruhigere Passagen konnten mich gut unterhalten.
Fazit:
Diese abenteuerliche Geschichte, mit einem Schuss Mystik, hat mir spannende Lesestunden beschert. Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Auch die Nebencharaktere wissen zu überzeugen. Ob mir das Ende gefallen hat? Das verrate ich jetzt mit Sicherheit nicht. Geheimnisse sollte jeder selber entdecken. Ach, und bevor ich es vergesse: Ich mag die diebische Elster Hermes.
Danke Susan Stokes-Chapman. Das Erbe der Pandora Blake ist mein zweites Highlight 2024.
Nicht selten hört man von schwerkranken Menschen, wie selbstverständlich sie doch ihr Leben und ihre Gesundheit genommen haben. Vielen belanglosen Dingen zu viel ...
Meine Meinung:
Ein tiefgründigerKlassiker
Nicht selten hört man von schwerkranken Menschen, wie selbstverständlich sie doch ihr Leben und ihre Gesundheit genommen haben. Vielen belanglosen Dingen zu viel Beachtung schenkten.Was uns allen jedoch die größte Sorge bereitet, irgendwann mal hilflos auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Um sich mit solchen Dingen zu beschaftigen, braucht es jedoch nicht immer eine Krankheit. Ein kleines Missgeschick reicht auch. Ein Ölfleck auf dem Deck ist daran schuld, dass der erfolgreiche New Yorker Geschäftsmann Henry Preston Standish kopfüber im Atlantik landet. Der gut situierte Gentleman möchte nicht laut um Hilfe schreien. Zumal es doch eine Schande ist, wenn jemand in seiner Position so tollpatschig mitten im Atlantik landet. So begutachtet er erst mal den wunderschönen Sonnenaufgang. Schaut dem Schiff dabei zu, wie es immer kleiner wird. Ist sich seiner Hilflosigkeit bewusst.Er kann keine Hilfe erwarten, für den Moment.
Den Gedanken von Henry habe ich sehr gerne gelauscht. Befindet er sich doch das erste Mal in seinem Leben in der Situation, sich mit sich selbst befassen zu müssen. Ganz allein im Atlantik lässt er sein Leben Revue passieren. Sehnt sich nach den Dingen, denen er überdrüssig wurde. Was gäbe er jetzt für einen Scotch mit Soda und einer Zigarette. Dieser Klassiker lebt von der Hoffnung, die die Leserschaft für Henry entwickelt. Henry ist doch ein angenehmer Zeitgenosse. Das haben auch die anderen Passagiere bemerkt. Was zeitgleich auf dem Schiff passiert, scheint nicht von dieser Welt zu sein. Lug und Trug und eine gewisse Befangenheit, hindern die Passagiere daran zu melden, dass Mr. Standish von Bord gegangen ist. Keiner möchte dem ruhigen, in sich gekehrten Standish auf die Pelle rücken.
Henrys Gemütszustand wechselt zwischen Verzweiflung, Zorn und Hoffnung hin und her. War doch sein Leben bisher nie von irgendwelchen Entbehrungen geprägt. Zwischen dem Bewusstsein sterben zu müssen, mischt sich immer wieder die Freude seiner Frau und den Kindern von seinem Abenteuer zu erzählen.
Ich habe darauf gewartet, wann Henrys Abwesenheit bemerkt wird und das Schiff umkehrt. Habe Henry stellenweise um seinen Optimismus beneidet. Mir die Geschichte seiner Familie angehört. Hätte ihm gerne seinen geliebten Scotch mit Soda und eine Zigarette gereicht. Irgendwie war ich mir sicher, Henry wird es schaffen!
Fazit:
Was passiert mit einem Menschen, der mitten im Atlantik unbemerkt über Bord geht? Wir wissen es alle. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich empfehle das interessante Nachwort von Jochen Schimmang zu lesen. Der Autor Herbert Clyde Lewis ist Henry gar nicht mal so unähnlich.
Erwähnenswert ist das wunderschöne in Leinen gebundene Buch in einem Schuber.
Danke Herbert Clyde Lewis. Ein großes Dankeschön an den Mare Verlag, für die Neuauflage dieses Klassikers. Mein Dank geht auch an Klaus Bonn für die Übersetzung. Danke für das informative Nachwort Jochen Schimmang.