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Veröffentlicht am 22.10.2023

Amerikas Großmutter

Wer den Löffel abgibt
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„Manche Dinge sind innen nicht ganz so perfekt und schön, wie sie von außen erscheinen, nicht wahr?“ (S. 225)
Seit 10 Jahren richtet die inzwischen 73jährige Backbuchautorin Betsy Martin auf ihrem Familienanwesen ...

„Manche Dinge sind innen nicht ganz so perfekt und schön, wie sie von außen erscheinen, nicht wahr?“ (S. 225)
Seit 10 Jahren richtet die inzwischen 73jährige Backbuchautorin Betsy Martin auf ihrem Familienanwesen Grafton Manor für einen großen Streamingdienst die „Bake Week“ aus, um den Unterhalt des alten Gemäuers zu erwirtschaften. Ausgerechnet bei der Jubiläumsstaffel wird ihr ein knallharter, ehrgeiziger Co-Moderator zur Seite gestellt, der auch noch deutlich jünger ist als sie und neue Zielgruppen ansprechen soll. Außerdem spielt sich die bisherige Regieassistentin als Produzentin auf, und auch die Kandidaten sind so gar nicht nach Betsys Geschmack ...

Stella, eine ehemalige Journalistin, hat erst nach einem dramatischen Ereignis vor einem Jahr mit dem Backen angefangen und gilt als Außenseiterin.
Hannah ist erst 21, arbeitet allerdings seit 7 Jahren als Bäckerin und Köchin in einem Diner und gilt als Wunderkind. Sie sieht die Show als Sprungbrett ins Fernsehen oder will wenigstens Influencerin werden.
Mathelehrer Gerald wollte eigentlich wie seine Mutter Bäcker werden, aber die hatte sich für ihn ein besseres Leben gewünscht.
Start-up-Unternehmer Pradymna hat mit einer App Millionen verdient und langweilt sich seit dem Verkauf seines Unternehmen, sucht darum immer neue Herausforderungen, die ihn allerdings nie lange fesseln. „Backen ist wie Jazzmusik: Hat man sich erst einmal die Grundlagen angeeignet, kann man getrost improvisieren.“ (S. 69)
Die ehemalige Krankenschwester Lottie hat sich jedes Jahr für die Show beworben und ist jetzt endlich dabei. Was niemand weiß: „Außerdem ist das Backen nicht der einzige Grund, warum ich nach Grafton Manor gekommen bin.“ (S. 77)
Peter, Restaurator für alte Bauwerke, ist es gewohnt, übersehen zu werden. Er liebt es, seine kleine Familie mit seinen Backwerken zu verwöhnen.

Als ab dem ersten Backtag immer wieder Sachen schief gehen, wird schnell klar: „Hier stimmt etwas nicht! Hier treibt jemand ein falsches Spiel!“ (S. 141) Kein Wunder, dass noch vor dem Ende des Wettbewerbs eine Leiche im Backzelt liegt …

Ich musste beim Lesen permanent an „Das große Backen“ denken, das Flair, das die Sendung versprüht, den Blick vor (und garantiert auch hinter) die Kulissen.
So eitel Sonnenschein, wie es dem Zuschauer suggeriert wird, ist es nämlich nicht. Betsy kämpft verbissen für ihre Show und will den Geldgebern beweisen, dass die Sendung mit ihr steht und fällt.
Die Kandidaten versuchen ihr Bestes zu geben, ohne sich gegenseitig zu schaden, aber irgendjemand boykottiert sie. Bis auf Pradymna, für den es nur ein Spiel ist, verfolgen sie alle ein bestimmtes Ziel oder haben ein Geheimnis.

Jessa Maxwell schreibt extrem unterhaltsam und spannend. Ich mag ihren Humor und habe mich über die Missgeschicke amüsiert, die sie die Kandidaten erleben lässt.
Geschickt lässt sie von Beginn an Hinweise auf die Geheimnisse der Einzelnen einfließen, die sich immer schwerer verbergen lassen, da sie ohne Kontakt nach außen in dem alten Herrenhaus festsitzen. Langsam kommen sie sich näher und öffnen sich einander. „Die Bake Week ist nicht nur ein Wettbewerb. Sie ist gleichzeitig eine Therapie, ein Trost für die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause. … Dies ist eine Transformationsreise für sie, die Bäckerinnen und Bäcker im Zelt.“ (S. 52)
Und obwohl man von Beginn an weiß, dass es eine Leiche gibt, erfährt man erst ziemlich spät, wer es ist.

Und noch ein kleiner Tipp, man sollte das Buch nicht hungrig oder während einer Diät lesen, da einem die beschriebenen Backwerke das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen …

Mein Fazit: Charmante Mischung aus Kammerspiel und Whodunit.

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Veröffentlicht am 17.10.2023

Ein Bücherschiff zum Verlieben

Das kleine Bücherschiff
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„Mangelndes Wissen würden sie eben durch Engagement und ganz viel Liebe wettmachen.“ (S. 3) Nach einer schlimmen Trennung erfüllen sich die Freundinnen Miri und Katja einen Jungendtraum – sie eröffnen ...

„Mangelndes Wissen würden sie eben durch Engagement und ganz viel Liebe wettmachen.“ (S. 3) Nach einer schlimmen Trennung erfüllen sich die Freundinnen Miri und Katja einen Jungendtraum – sie eröffnen eine Buchhandlung. Aber nicht etwa irgendeine, nein, ein ganz besondere. Mit ganz viel Liebe, Enthusiasmus und fachmännischer Hilfe bauen sie ein ehemaliges Postschiff im Hamburger Museumshafen zum Bücherschiff um. Natürlich legen sie auch bei ihrem Programm den Schwerpunkt auf das Thema Meer und bieten „Kaperfahrten“ an(Lesungen, bei denen sie die Hamburger Handlungsorte mit ihrem Schiff anfahren). Sie haben Glück, ihr Konzept geht auf, der Laden läuft wirklich gut an und auch privat gibt es bald einen Lichtblick für Miri. Der alleinerziehende Architekt Henning gefällt ihr sofort, und dann werden sie auch noch Nachbarn. Aber leider scheint sein kleiner Sohn Finn noch nicht bereit zu sein für eine neue Frau in der Familie.
Dann flattert ihnen auch noch eine exorbitante Mieterhöhung für ihr Schiff ins Haus, es stellt sich heraus, dass es zu einer Luxusunterkunft umgebaut werden soll – und dass Henning mit den Plänen dafür beauftragt wurde. Gibt es noch Hoffnung für das Bücherschiff und die junge Liebe?!

„Das kleine Bücherschiff“ ist eine Geschichte mit ganz viel Herz, etwas Romantik und Drama, mit feinem Humor und natürlich vielen Büchern und Hamburger Flair, über Träume, Freundschaft und Liebe, in der man sich einfach wohlfühlt.
Tessa Hansen versteht es, die Leser sofort in Miris und Katjas Kosmos zu ziehen und die Besonderheiten des Bücherschiffs durch ihre plastischen Beschreibungen vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Aber auch schwerere Themen, wie z.B. ein verstörtes Kind, hat sie ohne moralischen Zeigefinger gut lesbar umgesetzt.

Miri und Katja sind mitten aus dem Leben gegriffen, zwei Freundinnen, die sich schon ewig kennen, viele Aufs und Abs zusammen durchgemacht haben und immer für einander da waren. Den Traum von der Buchhandlung hatten sie beide, haben dann aber doch erstmal etwas „Anständiges“ gelernt und als medizinische Fachangestellte und Floristin gearbeitet. Als sich die Chance ergibt, sich ihren Traum endlich zu erfüllen, greift Katja – vielleicht etwas blauäugig – sofort zu und reißt Miri einfach mit.
Dafür stürzt sich Miri in die Liebesgeschichte mit Henning, obwohl sie durch ihre letzte Beziehung große Schwierigkeiten hat, wieder Vertrauen zu fassen. Aber zum Glück geht es Henning ähnlich. Der Blitz hat einfach eingeschlagen. „Ich fühle mich Dir so nah, als würden wir uns schon ewig kennen.“ (S. 65)

Vor allem zum Ende hin kommt sehr viel Bewegung in die bis dahin in ruhigen Bahnen verlaufende Handlung, man leidet und fiebert mit Miri und Katja mit. Und da sich das Buch hauptsächlich um Miri gedreht hat, bin ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung und darauf, Katja besser kennenzulernen. Eine wirklich schöne Geschichte über Bücher und Träume.

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Veröffentlicht am 15.10.2023

Prickelnde Ermittlungen im Paradies Club

Strippen statt sticken!
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Noch in der gleichen Nacht, nachdem ein Paartherapeut Marianne und Siggi nach zwei Jahren Therapie verkündet hat: „Eure Ehe ist nicht mehr zu retten. Aus. Vorbei. Finito. Ich empfehle die Scheidung.“ (S. ...

Noch in der gleichen Nacht, nachdem ein Paartherapeut Marianne und Siggi nach zwei Jahren Therapie verkündet hat: „Eure Ehe ist nicht mehr zu retten. Aus. Vorbei. Finito. Ich empfehle die Scheidung.“ (S. 8) wird Siggi von der Lokalpresse vor dem Haller Swingerclub abgelichtet. Kein Wunder, dass der Familien-WhatsApp-Chat explodiert, weil Marianne mit Irmgards Boule Team „Bouletten“ zu einem Turnier gefahren ist.
Dabei ist die Situation wirklich ganz harmlos und Siggi würde das auch gern erklären, aber wie so oft hören die Seifferheldschen Frauen einfach nicht zu. Sein ehemaliger Polizeikollege Dombrowski von der Sitte hat ihn mitten in der Nacht angerufen und um Hilfe gebeten. Dessen Neffe Dominik, Schriftsteller und Comburg-Stipendiat, war angeblich nur zu Recherchezwecken in dem Club und ist dort neben einer Toten aufgewacht, die er aber weder kennt noch ermordet hat, behauptet er. „Erst kann er nicht sagen, wie die Tote zu Tode kam, und dann behauptet er, die Tote sei gar nicht seine Tote. Das wird sich vor Gerichten gar nicht gut machen!“ (S. 77)
Siggis Ehrgeiz ist geweckt. Er kommt bei der ganzen Aufregung nicht mal zum Sticken, und dass Domenica, die Besitzerin des Paradies, ihm mehr zu (zu)trauen scheint als seinen uniformierten Kollegen und ihm darum die Geheimnisse ihrer Gäste verrät, gibt ihm einen weiteren Anreiz. „…mit ihrem Jogginganzug und den unzähligen schweren Goldketten um ihren Hals saß sie aus wie ein in die Jahre gekommener Rapper aus New York. Nur in Weiß. Und weiblich.“ (S. 127)

Tatjana Kruse hat es wieder geschafft, mich in einem Wartezimmer vor lauter Fremden zum Lachen zu bringen. Ich liebe ihre skurrilen Protagonisten und die überspitzten Situationen, denen sie sie aussetzt. Siggi kann sich in dem Swinger Club gar nicht so viel Fremdschämen, wie er gerne würde. Sein Schwager, Pfarrer Helmerich, kommt vor lauter Aufregung aus dem Flatulieren gar nicht mehr raus. Die Generalin, auch bekannt als Siggis Schwester Irmgard, verliert zum ersten Mal die totale Kontrolle über die Familie. Nur Marianne scheint zu allem zu schweigen. Und Putzfrau Olga putzt zwar nicht, stellt dafür aber die richtigen Fragen. „Wenn Olga sich nicht aufs Nicht–Putzen, spezialisiert hätte, wäre sie vermutlich Verhörspezialistin geworden. Ihre Art zu fragen, kitzelte immer Antworten heraus. Es war nicht gänzlich auszuschließen, dass sie ihr Leben nicht als Nicht–Putzfrau begonnen hatte, sondern als Foltermagd zur Ausbildung beim KGB.“ (S. 92)

Natürlich kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Die Königin der Krimödie hat wieder einen extrem spannenden und raffinierten Mordfall konstruiert, dessen Aufklärung weitere Opfer zu Tage bringt und der seine Kreise bis in die Haller Stadtverwaltung zieht – und für den sich Siggi wieder mal in echte Lebensgefahr begibt, denn nicht nur der Mörder, auch die Frauen seiner Familie sind ihm (wenn auch aus hoffentlich anderen Gründen) dicht auf den Fersen ...

So ein kleines Abenteuer kann eine Ehe ja auch wiederbeleben, aber wie sieht es aus, wenn der Gatte vorm Swingerclub erwischt wird?! Wenn ihr wissen wollt, ob in dem Buch wirklich jemand strippt und ob Siggis Ehe diese Ermittlung überlebt müsst ihr das Buch schon selber lesen 😉. Ich verspreche auf jeden Fall prickelnde Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 12.10.2023

Spannender Genuss- und Wohlfühlkrimi

Ein tödlicher Jahrgang
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„Hier in der Wachau werden keine Menschen ermordet.“ (S. 241) Genau wie viele andere Einwohner von Marienkirchen ist Lou Conrad, ehemalige Ermittlerin beim LKA Niederösterreich und jetzige Feinkostladenbesitzerin, ...

„Hier in der Wachau werden keine Menschen ermordet.“ (S. 241) Genau wie viele andere Einwohner von Marienkirchen ist Lou Conrad, ehemalige Ermittlerin beim LKA Niederösterreich und jetzige Feinkostladenbesitzerin, gerade mit einer Weinprobe im Rahmen des jährlichen Weinfests beschäftigt, als ein naher Weinberg brennt. Die Polizistin in ihr ist neugierig, also fährt sie hin und trifft vor Ort auf ihre ehemalige Vorgesetzte – und eine Leiche. Markus Haller, DER Top-Winzer der Region, wurde auf seinem eigenen, gerade erworbenen Hang ermordet. Hatte ein Konkurrent genug von Hallers Expansionsplänen? „…sein Ziel war es, ein erfolgreicher Winzer zu werden, und das ist ihm gelungen.“ (S. 33) Oder ist der Streit mit einem Nachbarn eskaliert? Außerdem soll seine Ehe in letzter Zeit nicht besonders gut gelaufen sein und seine erwachsene Tochter und Erbin wollte die Ausrichtung des Gutes verändern – Verdächtige und Motive gibt es genug.

„Ein tödlicher Jahrgang“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe von Beate Maxian und im wunderschönen Weinanbau- und Urlaubsgebiet Wachau angesiedelt. Geschickt verbindet sie die gefährliche, in einem echten Showdown gipfelnde Jagd nach dem Mörder mit den genussvollen Seiten dieser Gegend, macht Appetit auf die Weine der Region, deftige Brotzeiten, ausgefallene Torten und Urlaub in Niederösterreich.

Lou hat sich bewusst gegen die Arbeit bei der Polizei und für den Delikatessenladen und das Weingut ihrer Eltern entschieden, auf dem sie regelmäßig aushilft. Sie liebt das ruhige Leben und den Genuss, den Kontakt zu ihren Kunden, die hochwertigen Produkte, die sie verkauft und dass sie ihren Berner Sennenhund Michelin mit ins Geschäft nehmen kann. Doch als sozusagen vor ihrer Haustür ein Mord geschieht, kann sie das Ermitteln dann doch nicht lassen. Ihre ehemalige Chefin ist nicht begeistert, kurz rutscht Lou sogar selber in das Visier der Polizei, weil sie sich zu sehr für den Fall interessiert. Aber als dann ihre alte Freundin Mona abtaucht und deren Mann, Sternekoch Fabio Gerber, Lou händeringend um Hilfe bittet, sagt sie zu – denn er ist auf eine Verbindung zwischen seiner Frau und dem Toten gestoßen, von der niemand wusste. Bei ihren Nachforschungen machen sie mehrere folgenschwere Entdeckungen, die sie selbst in Lebensgefahr bringen.

Ich mag das Setting des Roman, die malerischen Weinberge, die bezaubernde Kleinstadt mit ihren verschiedenen Läden, sie sich alle dem Genuss verschrieben haben. Beate Maxian schafft es, die Atmosphäre des Ortes in ihrem Roman zu transportieren, in dem jeder jeden kennt und über jeden redet, in dem man sich aber auch hilft, wenn es nötig ist. Und dann ist da noch die leise Andeutung einer beginnenden Liebesgeschichte, von der ich gespannt bin, ob und wenn ja wie sie weitergeht.
Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und mitreißend. In dem Moment, wenn man in die Handlung eintaucht, schaltet man den Alltag und die Umgebung sofort aus.

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Veröffentlicht am 10.10.2023

Das das dynamische Trio ermittelt wieder

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bräutigam
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„Ich verdiene mein Geld mit Kreuzworträtseln. Ich kann es einfach nicht ertragen, ein Rätsel ungelöst zu lassen. Und nichts war ein größeres Rätsel, als der Mord an Sir Peter.“ Seitdem Judith und ihre ...

„Ich verdiene mein Geld mit Kreuzworträtseln. Ich kann es einfach nicht ertragen, ein Rätsel ungelöst zu lassen. Und nichts war ein größeres Rätsel, als der Mord an Sir Peter.“ Seitdem Judith und ihre Freudinnen Suzie und Becks vor einem Jahr eine Mordserie aufgeklärt haben, sind sie lokale Berühmtheiten in Marlow, aber inzwischen ist es wieder ruhig um sie geworden. Darum ist Judith auch überrascht, als Sir Peter Bailey sie zur Party am Vorabend seiner Hochzeit einlädt: „Ich hoffe, Sie erwarten keine Morde auf ihrer Gartenparty?“ Doch was sie im Scherz gesagt hat, wird Wirklichkeit. Während der Feier kracht es plötzlich im Arbeitszimmer. Viele Gäste, darunter auch Judith und ihre Freundinnen, stürmen hin, doch das Zimmer ist verschlossen. Als sie die Tür endlich aufgebrochen haben, ist der Gastgeber tot – erschlagen von einem uralten, extrem großen Schrank, der eigentlich in der Wand verankert war. Und obwohl Sir Peter den Zimmerschlüssel selber einstecken hatte und die Polizei an einen unglücklichen Unfall glaubt, ist Judith überzeugt, dass er ermordet wurde. Sie beginnt zu ermitteln.
„Vater war ein alter Sack, ein Witzfigur, wer sollte ihn denn umbringen wollen?“ Doch Verdächtige gibt es bald mehr als genug. Die Verlobte galt als Goldgräberin. Der Sohn des Toten war wegen seines Lebenswandels verstoßen worden. Mit der Tochter gab es Streit, weil sie das Anwesen zwar seit Jahren führte, aber als Frau nicht erben durfte. Die Ex-Frau war mit einer extrem mickrigen Apanage abgefunden wurden und zwischen der Familie des Gärtners und den Baileys gab es seit Generationen eine Blutfehde. Motive gibt es also genügen, aber leider hat jeder Verdächtige ein hieb- und stichfestes Alibi …

Die drei Damen sind echte Originale. Judith, knapp 80 und etwas exzentrisch, liebt das Nacktschwimmen in der Themse, Whiskey und die Kreuzworträtsel, die sie für überregionale Zeitungen erstellt. Diesmal fühlt sie sich bei ihrer Ehre gepackt, weil in den Rätseln der Marlow-Free-Press neuerdings Hinweise auf Treffpunkte versteckt sind – treibt etwa ein Drogenring in Marlow sein Unwesen?
Suzie ist ihre Berühmtheit ein kleines bisschen zu Kopf gestiegen. Neben ihrem Job als Hundesitterin arbeitet sie beim lokalen Radio, verdient damit aber leider kein Geld. Sie prescht immer ein etwas voraus und kann Geheimnisse nur schwer für sich behalten. Aber sobald sie am Mikro sitzt, ist sei ein absolutes Ass.
Auch Becks hat sich verändert, allerdings zu ihrem Vorteil. Sie ist schlanker und schicker und bekommt Anrufe, die sie in Gegenwart ihrer Freundinnen nicht annimmt. Was verheimlicht sie ihnen? Außerdem sie hat den geschulten Blick einer erfahrenen Hausfrau und entdeckt Dinge, die Judith und Suzie nie auffallen würden.

Detektiv Sergeant Malik, mit der sie beim letzten Mal zusammen ermittelt haben, wird diesmal leider von ihrem Chef ausgebremst. „Wir sind schon überlastet genug. Dann müssen wir nicht auch noch versuchen Morde aufzuklären, wo keine stattgefunden haben.“ Doch sie glaubt Judith und ermittelt zusammen mit dem dynamischen Trio auf eigen Faust.

Schon mit seinem ersten Krimi „Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ hat mich Robert Thorogood extrem gut unterhalten und das gelingt ihm auch mit dem zweiten Teil der Reihe. Durch geschickte Wendungen und immer wieder neu eingestreute Hinweise hält er die Spannung bis zum Schluss. Außerdem gefällt mir der leise Humor der Reihe.
Auch die Sprecherin Christine Prayon konnte mich mit ihrer Interpretation der verschiedenen Charaktere wieder überzeugen.

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