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Veröffentlicht am 06.05.2020

Liebesbomben

Wie uns die Liebe fand
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Kurz vor ihrem 93. Geburtstag denkt Marie-Ann Nanon, von allen liebevoll nur Madame Nan genannt, an ihr bewegtes Leben zurück, welches sie ausschließlich in dem Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht ...

Kurz vor ihrem 93. Geburtstag denkt Marie-Ann Nanon, von allen liebevoll nur Madame Nan genannt, an ihr bewegtes Leben zurück, welches sie ausschließlich in dem Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht hat. Sie hat die deutsche Besatzung überstanden, 4 Töchter geboren, ist früh Witwe geworden und musste ihre Kinder allein großziehen. Ihr erster Mann war ihre große Liebe, doch mit 50 verliebt sie sich wieder. Weil sie sich nicht traut, es ihrem Angebeteten zu sagen, entwickeln ihre älteste Tochter und deren Freund Malou „Liebesbomben“ und verändern damit das Leben des ganzen Dorfes …

Ich fand die Idee von Claire Stihlé, Nan ihre Geschichte selbst erzählen zu lassen, sehr schön und hatte mir dadurch einen guten Einblick in ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle erhofft. Leider deutet sie vieles nur an oder bricht ab, wenn es endlich interessant wird. Das soll wahrscheinlich die Erwartungen der Leser erhöhen, aber mich hat es gestört, weil auch sonst keine richtige Spannung aufkam. Zudem schweift sie immer wieder ab und erzählt sehr erschöpfend von den anderen Dorfbewohnern. Auch das viel gepriesene Geheimnis aus dem Klappentext konnte mich nicht wirklich fesseln oder berühren.
Dazu kommen noch der Aberglauben und die Mystik, die sich um die Liebesbomben ranken, die Marie und Malou nach dem Rezept seiner in Voodoo bewanderten Mutter herstellen und von denen sie gleich mal 1000 Stück in einer Woche ihrem kleinen Dorf verkaufen – das sind m.E mehr., als es Einwohner gibt.

Eine Lebensbeichte mit viel französischer Lebensart und leckeren Rezepten, aber mir fehlte die Spannung und es war zu mystisch angehaucht.

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Der Tag der Hexe

Dorf ist Mord
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Die Italienerin Stella ist Anfang 30, Single und liebt Krimis, vor allem die von Agatha Christy. Sie ist vor Jahren als Krankenschwester nach Deutschland gegangen, weil man da besser verdient und die Arbeitszeiten ...

Die Italienerin Stella ist Anfang 30, Single und liebt Krimis, vor allem die von Agatha Christy. Sie ist vor Jahren als Krankenschwester nach Deutschland gegangen, weil man da besser verdient und die Arbeitszeiten geregelt sind. Jetzt hat sie sich in ihrer alten Heimat ein uraltes baufälliges Häuschen als Feriendomizil gekauft und macht Urlaub im Ort, um die Sanierung zu überwachen. Dabei freundet sie sich mit Marta an, die eine Fliesenfirma leitet. Als Marta dann ausgerechnet am „Tag der Hexe“ verschwindet und sich anscheinend niemand sonst dafür interessiert, eifert Stella ihrem großen Vorbild Miss Marple nach und ermittelt zusammen mit dem Carabinieri Michele, der ihr schon länger schöne Augen macht.

Autorin Dori Mellina hat mit ihrem Debüt den Spagat zwischen Krimi und Roman gewagt und zum Teil über etwas geschrieben, dass sie augenscheinlich gut kennt: Italien, Dolce Vita, Handwerker und damit auftretende Probleme, verwöhnte Italiener und deren besorgte Mütter, den Zusammenhalt kleiner Dörfer, Aberglaube, Mystik und die „eine Hand wäscht die andere“ Mentalität. Man merk es vor allem dem Strang um die Renovierung von Stellas Häuschen an, dass die Autorin davon einiges selbst mitmachen musste, so farbenfroh, abwechslungsreich und humorvoll beschreibt sie die Erlebnisse.
Nicht ganz so gut gefallen hat mir die etwas verworrene Krimihandlung. Das liegt zum einen an Stella selbst. Sie erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form und ist mir dabei dem Carabiniere und den Lesern gegenüber zu besserwisserisch und belehrend. Sie benutzt Michele als Handlanger und er lässt es sich gefallen - obwohl italienische Männer angeblich solche Machos sind?! Außerdem verliert sie sich ein bisschen in Nebenhandlungen.

Wer keinen klassischen Krimi sucht, sondern einen gemütlichen, spannenden Urlaubs-Roman mit einigen Geheimnissen, die es zu ergründen gilt, liegt mit „Dorf ist Mord“ genau richtig. Mir hat auch Setting, die Beschreibung der Landschaft und vor allem der Insel Isolarocca gefallen – ich glaube, darin die Monte Isola wiederzuerkennen.

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Veröffentlicht am 01.05.2020

Ganz oder gar nicht

Die Mitte ist ein guter Anfang
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„Arne und ich … gehen uns lieber auf die Nerven oder aus dem Weg statt ins Kino.“ (S. 52) Eva und Arne sind seit 20 Jahren zusammen und ihre Beziehung ist etwas eingeschlafen. Während sie über eine Trennung ...

„Arne und ich … gehen uns lieber auf die Nerven oder aus dem Weg statt ins Kino.“ (S. 52) Eva und Arne sind seit 20 Jahren zusammen und ihre Beziehung ist etwas eingeschlafen. Während sie über eine Trennung nachdenkt, macht er ihr an ihrem 49. Geburtstag einen Heiratsantrag – obwohl sie beide nie heiraten wollten. Warum? Ist er etwa krank? Hat er ein schlechtes Gewissen, eine Affäre? Wieso etwas ändern, was so lange gut funktioniert hat? Hat er Angst, dass sie ihn verlässt, weil er beruflich für längere Zeit nach Kiew muss? Eva ist unsicher und auch ihre Eltern sind skeptisch. Vor allem ihre Mutter redet ihr ins Gewissen. Will sie nach so vielen Jahren wirklich ihre Unabhängigkeit aufgeben?
Ihre gemeinsame Teenagertochter Frida hingegen freut sich. Endlich werden ihre Eltern einen gemeinsamen Nachnamen tragen und sie eine richtige Familie sein. Auch Evas Freundin Carla, zum dritten Mal geschieden und immer noch auf der Suche nach der großen Liebe, versteht ihr Zögern nicht. Also sagt Eva ja – und die Probleme beginnen.

„Die Mitte ist ein guter Anfang“ von Franka Bloom beginnt da, wo Liebesgeschichten normalerweise aufhören – nach dem Happy End und Heiratsantrag, wenn die großen Entscheidungen anstehen. Wann wird wo mit wie vielen Gästen auf welche Art geheiratet? Arne will nur eine ganz unromantische Trauung auf dem Standesamt, aber das kann er vergessen. „Ganz oder gar nicht!“ ist Evas Devise. Und während sie mit Hilfe ihrer Freundin Carla ihre nie gewollte Traumhochzeit plant, scheinen die Ehen ihrer Freunde gerade zu zerbrechen, die Bilderbuchehe ihrer Eltern zeigt tiefe Risse und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht.

Arnes Antrag und sein Verhalten danach stürzen Eva in eine tiefe Krise. Nur wegen ihm stimmt sie der Hochzeit zu, hofft auf neuen Schwung in der Beziehung, doch ihn interessiert nur seine Karriere. Sie fühlt sich von ihm allein gelassen, muss sich mit ihrer Familie, dem ersten Verliebtsein ihrer Tochter und der Hochzeitsplanung rumschlagen. Dass auch sie einen anspruchsvollen Job als Restauratorin und gerade einen neuen Auftrag angenommen hat, interessiert ihn nicht. Ohne ihre beste Freundin Carla wäre sie echt aufgeschmissen.

Die Protagonisten und beschriebenen Situationen sind wieder mitten aus dem Leben gegriffen und ich habe einiges aus eigenem Erleben oder dem von Freunden wiedererkannt. Franka Bloom erzählt vom ganz normalen Wahnsinn beim Brautkleidpowershoppen, von der Junggesellinenabschiedsparty, einer angsteinflößenden Hochzeitsmesse und dem komplizierten Aussuchen der Trauringe. Sie schreibt mit viel Humor und trotzdem sehr tiefgründig über langjährige Beziehungen, über Freundschaften, Wechseljahre, Midlifecrisis, Illusionen, Affären und sich neu bzw. wieder verlieben und regt den Leser damit auch zum Nachdenken über seine eigene Beziehung an.

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Veröffentlicht am 28.04.2020

Wer mordet denn im Urlaubsidyll?

Leichen, die auf Kühe starren
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Ein Französischlehrer mit Zählfimmel, ein geheimer Hansi-Hinterseer-Fanclub, ein Streetartkünster, der Probleme mittels Sockenpuppen löst, eine ältere Dame, die aussieht wie „… eine hochklassige Escort-Prostituierte ...

Ein Französischlehrer mit Zählfimmel, ein geheimer Hansi-Hinterseer-Fanclub, ein Streetartkünster, der Probleme mittels Sockenpuppen löst, eine ältere Dame, die aussieht wie „… eine hochklassige Escort-Prostituierte für Männer mit reiferem Geschmack.“ (S. 48) und 5 internationale Gangsterbosse – willkommen in der schrägen Welt von Tatjana Kruse.

Diesmal entführt uns die Meisterin der Krimödie ins mondäne Kitzbühel der Nebensaison. Die Gäste sind nicht ganz so illuster wie sonst und eigentlich geht es ganz ruhig zu. Wenn da nicht immer wieder Leichenteile an verschiedenen Orten auftauchen würden. Die auch noch von verschiedenen Opfern sind, wie sich bald herausstellt. Wer mordet denn im Urlaubsidyll und vor allem warum? Chefinspektor Köttel ist auf Diät und deswegen übellaunig, sein Mitarbeiter Münzner ein Depp, meint Köttel, und so ganz Unrecht scheint er mit der Einschätzung nicht zu haben.

Es gibt ja diesen Spruch: Ich habe Bilder im Kopf. Die habe ich bei Tatjana Kruse wirklich immer. Bilder und Fragen. Z.B., wie sie auf die Ideen zu ihren Büchern kommt und die wunderbar schrägen Protagonisten. Ich sag nur Vitzliputzli. Aber wer oder was das ist, müsst ihr schon selber nachlesen. Auf jeden Fall hat sie mich ihrem herrlich bitterbösen schwarzen Humor und der wirklich spannenden Handlung von Anfang bis Ende gefesselt.

Geschickt teilt sie die Geschehnisse auf mehrere, scheinbar unzusammenhängende Stränge auf und hält den Leser damit bei der Stange. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die meisten Beteiligten Dreck am Stecken oder etwas Illegales vorhaben. Wie der Fanclub von Hansi Hinterseer. Aber auch Frau Obermoser – die reife Escort-Dame – lässt sich nicht in die Karten gucken. Und Irina, der Witwe des vor kurzem verstorbenen russischen Oligarchen, scheint besonders zwielichtig zu sein. Das findet zumindest Zimmermädchen Luisa, weil Irina sie nicht das Bad des Hotelzimmers putzen lässt. Luisa hat gerade das Häuschen ihrer Oma in Kitzbühel geerbt und auch mit Mitte 30 noch keinen Plan, was sie im Leben machen will. Aber sie ist neugierig. Also lässt sich von Irina abwerben – um ihr besser hinterher spionieren zu können. Dass sie sich damit selbst in Gefahr bringt, wird ihr leider erst spät klar …

Für mich ist Tatjana Kruse ein Muss und ich will Euch auch mein Lieblingszitat aus dem Buch nicht vorenthalten : „Es heißt ja immer, man sollte jeden Tag so leben, als wäre es der letzte. Was Quatsch ist. Wenn man das tatsächlich täte, würde man hysterisch durch die Gegend laufen und Oh mein Gott, ich will nicht sterben brüllen.“ (S. 227)

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Veröffentlicht am 26.04.2020

Eine große glückliche Familie

Caféglück am Meer
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Budbury steht Kopf, alle bereiten die Hochzeit von Laura im Comfort-Food-Café vor. Auch Auburn hilft fleißig mit. Sie hat sich wieder hier niedergelassen, ist mit Finn zusammen, betreibt die Apotheke im ...

Budbury steht Kopf, alle bereiten die Hochzeit von Laura im Comfort-Food-Café vor. Auch Auburn hilft fleißig mit. Sie hat sich wieder hier niedergelassen, ist mit Finn zusammen, betreibt die Apotheke im Ort und kümmert sich mit ihren Geschwistern um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Auburn scheint endlich zur Ruhe gekommen zu sein. Ihre wilden Jahre sind vorbei, sagt sie (sich) immer wieder. Doch eine winzige Kleinigkeit hat sie bisher erfolgreich verdrängt und vor den anderen verheimlicht. Sie ist verheiratet. Um endlich ganz für Finn frei zu sein, reicht sie die Scheidung ein. Aber ihr Mann Sebastian will vor seiner Zustimmung noch etwas Zeit mit ihr verbringen und herausfinden, ob sie sich nicht doch noch lieben. Auburn war sich ihrer Gefühle für Finn eigentlich sicher, doch als Sebastian vor ihr steht, kommt sie ins Wanken ...

„Caféglück am Meer“ ist der Abschluss der Reihe rund um das Comfort-Food-Café und die Bewohner von Budbury. Ich würde empfehlen, die anderen Bücher vorher zu lesen, dann versteht man die Zusammenhänge und personellen Konstellationen besser.
Budburry ist ein bisschen heile Welt. Natürlich haben die Menschen auch hier Probleme, aber man ist für einander da, hilft sich und am Ende geht es meist gut aus. Man ist eine große, glückliche (Patchwork-)Familie.

Mit Sebastian kommen auch Auburns Gefühle und Erinnerungen wieder. Sie waren jung und haben das Leben in all seinen Facetten genossen. Ihre Ehe war ein Rausch und sie beide zu dieser Zeit selten nüchtern. Irgendwann ist ihr dann klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann und sie hat ihn verlassen. Jetzt scheint Sebastian eine bessere Version seiner selbst zu sein und kämpft um sie. Aber kann Auburn ihm wirklich trauen? Er war schon früher ein guter Schauspieler.
Und dann zieht sich Finn auch noch zurück, um ihr genügend Zeit und Raum zu geben, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden. Sie steckt in einer echten Zwickmühle, um die ich sie nicht beneidet habe.

„Caféglück am Meer“ von Debbie Johnson ist ein schöner romantischer und spannender Schmöker für kurzweilige Lesestunden. Bis zum Schluss ist Auburn unsicher, für wen sie sich entscheiden soll. Auch das Flair der englischen Küste ist der Autorin wieder sehr gelungen. Das Buch macht Lust auf Urlaub in Dorset und die Köstlichkeiten des Comfort-Food-Cafés. Mir persönlich war es an einigen Stellen nur etwas zu viel Drama.

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