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Veröffentlicht am 05.09.2022

Seltsames Geschreibsel-Konstrukt

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. „Wer oder was bestimmt unsere Weltanschauung?“ soll die zentrale Frage im Buch sein laut Verlag. Die Weltanschauung, die uns die Autorin in ihrem Büchlein verkaufen will, ist erbärmlich. Oder vielleicht ...



. „Wer oder was bestimmt unsere Weltanschauung?“ soll die zentrale Frage im Buch sein laut Verlag. Die Weltanschauung, die uns die Autorin in ihrem Büchlein verkaufen will, ist erbärmlich. Oder vielleicht bin ich einfach nur zu dumm, den Inhalt zu verstehen.

In der Verlagsankündigung wird behauptet, dass uns die Autorin erzählt von den „Abgründen des virtuellen Raums“. Ja, in der Tat, das tut sie – ungefähr etwas mehr als 20 Seiten auf der Gesamtseitenzahl von ganzen 106 Seiten für 20,00 €. Diese ca. 20 Seiten zeigen scheußliche Beispiele menschlicher Widerlichkeiten. Aus dieser Schockwirkung, der der Leser damit ausgesetzt wird, hätte man etwas machen können. Wenigstens hätte man psychologisch aufarbeiten können, was es mit der Protagonistin macht, die zum Geldverdienen diese „Abgründe“ sichten und – wenn es die strengen Regeln erlauben – löschen muss.

Doch leider, leider folgt nach diesem „Aufhänger“ nur heiße Luft, eine sexuelle Bedürftigkeit, eine Liebesabhängigkeit, deren Details ich ehrlich gesagt wirklich nicht wissen will und die absolut nichts mit den Auswirkungen virtuellen Abschaums zu tun hat. Ein seltsames Geschreibsel-Konstrukt ohne logischen Aufbau, ohne nachvollziehbaren sinnhaften Inhalt, und ohne jegliche Achtung vor dem Werkzeug Sprache wird da für viel Geld verkauft.

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Veröffentlicht am 03.09.2022

Originelle und kluge Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft

Uli & Knud
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Mir war bislang noch kein Bilderbuch in die Hände gekommen, das sich um einen Kraken dreht, geschweige denn um die Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Kraken. Das ist schon etwas ganz Besonderes!

Knud ...



Mir war bislang noch kein Bilderbuch in die Hände gekommen, das sich um einen Kraken dreht, geschweige denn um die Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Kraken. Das ist schon etwas ganz Besonderes!

Knud würde gerne Forscher werden oder Kapitän. Glücklicherweise hat er eine Dauerkarte für ein großes Aquarium gewonnen, und da verbringt er sehr viel Zeit. In einem viel zu kleinen Bassin wohnt dort der Krake Uli, ein sehr trauriger Krake, denn das Leben in dem Bassin ist langweilig, und der Krake möchte so gerne zurück in sein Zuhause, in das große weite Meer. Knud versteht das sehr gut und je länger er Uli beobachtet, umso dringender möchte er dem Kraken helfen. Er schmiedet einen Plan… Was dann alles passiert mit Uli und Knud an Aufregendem und Lustigem, das müsst ihr unbedingt selbst anschauen und euch vorlesen lassen!

Die Illustrationen, offenbar von der Autorin selbst gezeichnet, sind sehr dynamisch, lebendig, ausdrucksstark und detailreich. Da gibt es viel zu entdecken, wenn man ganz genau hinschaut. Auch allerlei Witziges ist auf den Bildern versteckt, denn Uli und Knud treiben es ganz schön wild. Niemand ist sicher vor Ulis lustigen Ideen, aber bald wird klar: Uli braucht mehr, er braucht seine Freiheit in seinem ureigensten Element, dem Meer. Und weil Knud ein wahrer Freund ist, lässt er Uli schließlich ziehen. Doch die Geschichte endet nicht mit Tränen, im Gegenteil…

Das Bilderbuch erzählt eine schöne Geschichte der Freundschaft, in der es darum geht, auf die Bedürfnisse des anderen zu achten, nicht nur das zu verfolgen, was man selbst möchte. Die Bebilderung und die Geschichte hätten vielleicht ein wenig intensivere Farben vertragen, denn das Wassergrün überwiegt auf allen Seiten. Aber die Ausdrucksstärke ist beeindruckend und unterstreicht das Vorgelesene ganz unmittelbar. Sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 23.08.2022

Auf die Nerven gehende psychisch gestörte Ermittler langweilen

Bruch: Ein dunkler Ort
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Vom Autor hatte ich bislang keines seiner Bücher gelesen. Insofern war ich unvoreingenommen neugierig. Und am Ende des Buches, das bis zu Ende zu lesen mir viel Überwindung kostete, blieb nichts als Enttäuschung ...


Vom Autor hatte ich bislang keines seiner Bücher gelesen. Insofern war ich unvoreingenommen neugierig. Und am Ende des Buches, das bis zu Ende zu lesen mir viel Überwindung kostete, blieb nichts als Enttäuschung und die Gewissheit, von Frank Goldammer nichts mehr lesen zu wollen.

Der erste Fall um die Ermittler Bruch und Schauer wird als „spannend, beklemmend, einzigartig“ angepriesen. „Einzigartig“ war jedoch das einzige Adjektiv, das ich als zutreffend bezeichnen würde. Der Kriminalroman war für mich einzigartig langweilig, einzigartig abstoßend und einzigartig unglaubwürdig. Felix Bruch ist ein undurchsichtiger, ungewaschener, ungehobelter Ermittler, der stumm und eigenbrötlerisch sein Ding macht. Seine neue Partnerin Nicole Schauer fällt durch vieles Reden auf (aus Sicht von Bruch) und bringt, wie könnte es anders sein, ebenfalls schwerwiegende private Probleme mit. Offensichtlich gibt es in der aktuellen Thriller- und Kriminalliteratur nur noch ge- und verstörte, durch frühere oder akute Traumata beeinträchtigte Ermittler. Der aktuelle Fall eines verschwundenen Mädchens mit Parallelen zu einem früheren Geschehnis, in dem ein ebenfalls verschwundenes Mädchen nach zwei Wochen zurückgekehrt war, würde eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Bruch und Schauer erfordern, aber der völlig empathielose, sich mit Tabletten durch den Tag bringende Bruch und die unbeherrschte, aggressive Schauer schaffen es, dass mir als Leser der Fall irgendwann völlig egal wurde. Zu lang, zu breit und dennoch Hintergründe oder Ursachen nicht erläuternd, wurden die seelischen und sozialen Defizite der beiden Ermittler breit getreten und in immer neuen unmöglichen Situationen „eingearbeitet“. Langweiliger und unsympathischer ging es nicht mehr! Erst gegen Schluss kam Fahrt in die eigentliche Krimi-Handlung – für mich jedoch zu spät.

Fazit: Zwei unsympathische Ermittler, die durch ihre breitgetretenen psychischen Defizite dem Leser auf die Nerven gehen, was den eigentlich guten Plot des Kriminalromans insgesamt langweilig und unglaubwürdig macht.

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Veröffentlicht am 23.08.2022

Schreiendes Pink macht das Buch auch nicht besser

Liebe machen
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Wenn sich „Spiegel-Bestseller-Autorinnen“ ein Jahr darüber unterhalten, wie viel Zeit zwei Menschen zusammen verbringen sollten oder wann man dem neuen Mann seine Kinder vorstellen sollte oder ähnlich ...


Wenn sich „Spiegel-Bestseller-Autorinnen“ ein Jahr darüber unterhalten, wie viel Zeit zwei Menschen zusammen verbringen sollten oder wann man dem neuen Mann seine Kinder vorstellen sollte oder ähnlich essentielle Themen wälzen - wenn man also diese Unterhaltungen dann mehr oder weniger öde gesammelt in heftiges Pink verpackt und dem Ganzen noch den , sorry, saublöden Titel „Liebe machen“ verpasst, dann bleibt mir nur noch, den Kopf zu schütteln. Das Machwerk ist mir schlichtweg zu unsinnig, um es komplett zu lesen und meine Lebenszeit damit zu verplempern.

Herrjeh, wie schafft man es nur, Probleme zu verbalisieren, die man vor Lektüre des Buches gar nicht hatte? Wie schafft man es, diesen blödsinnigen Titel „Liebe machen“ derart ungeniert mit Klischees, Oberflächlichkeiten und journalistisch geübtem Pseudowitz zu füllen? Der Mann geistert als Beute durch die Seiten, die Frauen definieren sich über den dank toller Schamhaarfrisur erbeuteten, chemisch anziehenden Mann – wie armselig, wie hintergestrig – und wie traurig! Und ja, dank der mehrfachen Wiederholungen habe sogar ich es verstanden: Susanne Fröhlich ist eine erfolgreiche, kluge Frau, die genug Geld verdient und bekannt ist. Die Beute soll das ruhig wissen, aber sich darüber nicht beunruhigen. Schön, dass wir das nun auch wissen. Ja klar, Emanzipation ist wichtig. Aber der Mann soll doch bitteschön den ersten Restaurantbesuch zahlen. Und was mache ich, wenn es nicht „matcht“? Was ist das? Tolle Sprache.

Die eine Autorin ist schon lange verheiratet, die andere frisch verliebt. Offenbar reicht das, um sich anzumaßen, die erdachten Fragen selbstsicher „wissend“ und „klug“ zu beantworten. Was für Zeitschriftenartikel genügen mag, wirkt in diesem Buch sowohl unglaubwürdig als auch sehr fragwürdig. Denn die Antworten sind teils unausgereift, teils respektlos, teils emanzipierter Frauen nicht würdig und würden übrigens einem lebensklugen und reifen Menschen niemals in den Sinn kommen.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Eine kluge und sensible Geschichte, die ganz ohne Getöse auskommt

Agnes und der Traumschlüssel
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Wie schön, mit dem vorliegenden Buch endlich wieder einmal eine Geschichte gefunden zu haben, die sich aus den vielen lauten, um Aufmerksamkeit heischenden Kinderbüchern erfreulich positiv heraushebt. ...



Wie schön, mit dem vorliegenden Buch endlich wieder einmal eine Geschichte gefunden zu haben, die sich aus den vielen lauten, um Aufmerksamkeit heischenden Kinderbüchern erfreulich positiv heraushebt. Tuutikki Tolonen, eine engagierte Autorin, erzählt uns hier eine träumische, leise, feine Geschichte, die ganz ohne Getöse auskommt und dennoch sehr spannend zu lesen ist.

Die 11-jährige Agnes ist mit ihrer Mutter aus der teueren Großstadt Helsinki in den kleinen Ort Harmala gezogen. „Weil der Mensch eine Herde braucht“, versuchen Agnes und ihre Mutter dort so schnell wie möglich neue Menschen kennen zu lernen. Agnes hilft sofort einem alten Nachbarn, der nicht mehr die Kraft hat, seinen Hund Oskar auszuführen. Das übernimmt Agnes sehr gerne. Mit Oskar zusammen streift sie durch den Ort und findet sich plötzlich in einem alten Friedhof wieder. Wie seltsam: ein sehr alter, vermooster Grabstein trägt doch tatsächlich den gleichen Namen wie Agnes und das identische Geburtsdatum, allerdings die Jahreszahl 1938. Wer war dieses Mädchen, das anscheinend nur einen Tag gelebt hat? Glücklicherweise hilft ihr bei den Nachforschungen der Nachbarsjunge Muffin. Aber auch die seltsamen Träume von Agnes scheinen helfen zu wollen. Sogar Oskar trägt seinen Teil bei zur Lösung des Rätsels. Wie, das müsst ihr unbedingt selbst lesen.

Die Autorin versteht es außerordentlich gut, kindgerecht und gut verständlich zu schreiben, dabei durchaus etliche schwierige Themen einzubauen, ohne dass sie belastend wirken. Ganz leicht, feinfühlig und fast ein wenig träumerisch wird erzählt. Dabei bewirken rätselhafte Träume und fast mystisch wirkende Vorkommnisse eine permanente Spannung, die zum Weiterlesen drängt. Die zart-schönen Illustrationen von Kati Vuorento, die wie aus der Zeit gefallen wirken, passen perfekt zum Buchinhalt. „…Vielleicht hatte alles, auch eine schlechte Erfahrung, eine Art Sinn…“ Wie wahr!

Fazit: Ein sensibles, kluges, feines Kinderbuch, das zum Mehrfachlesen einlädt.

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