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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2021

Wenig Spannung und recht unrealistisch

Schneenacht
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Mit diesem Buch ging alles schief: Die Sendung des Verlages verschwand im Niemandsland, ein zweites versprochenes Exemplar wurde offenbar gar nicht erst verschickt. Da ich jedoch von den Verfilmungen ...


Mit diesem Buch ging alles schief: Die Sendung des Verlages verschwand im Niemandsland, ein zweites versprochenes Exemplar wurde offenbar gar nicht erst verschickt. Da ich jedoch von den Verfilmungen rund um Irene Huss stets sehr angetan war und unbedingt nun mein erstes Buch von Helene Tursten lesen wollte, kaufte ich das Buch entgegen meiner Gepflogenheiten von einem großen Versender.

Das stimmungsvoll düstere Cover stimmt gekonnt ein auf große Kälte im schwedischen Winter. Leicht und angenehm lesbar ist die gewählte Schriftgröße. Die Inhaltsangabe des Verlages muss hier nicht wiederholt werden, weil sie alle wesentlichen Angaben enthält.
Generell handelt es sich um einen Kriminalroman, der leider nicht unbedingt fesselt. Die Geschichte kommt relativ ruhig daher. Erst im letzten Viertel nimmt sie Fahrt auf. Es wird sehr detailreich erzählt, viele Namen tauchen auf und verschwinden wieder. Überhaupt schreibt Helene Tursten sehr sachlich und emotionsarm. Sie beschreibt hauptsächlich „sehend“, Gehör-, Tast- und Geruchssinn scheinen in den Schilderungen weitgehend ausgeblendet, das macht den Text irgendwie flach, einseitig und nüchtern, sodass der Leser sogar zu der Hauptperson Embla leider keinerlei Bindung aufnimmt. Angenehme Unterbrechung sind die häufigen Dialoge, wobei auch diese relativ sachlich und unrealistisch daherkommen. Sehr konstruiert und unwirklich ist letztlich leider auch der üppige Gebrauch von Handgranaten und Scharfschützengewehren. Wirklich lebendig wirkt Helene Tursten’s Schreibstil eigentlich nur beim Beschreiben der Landschaften und Örtlichkeiten und wenn ihr sehr gutes Gespür für Hunde in die Handlung einfließt.

Fazit: Ein im klassischen Sinn aufgebauter nüchterner Kriminalroman mit wenig Spannung und teilweise recht unrealistischen Szenen.

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Veröffentlicht am 13.03.2021

Wirres Typographie-Gedönse und Schreibstil nerven

Das ungeheimste Tagebuch der Welt!, Band 1 - Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde …
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Der recht dürftige Inhalt: Die Halbgeschwister Karline und Paul können eines besonders gut: Über andere ablästern. Karline will Klassensprecherin werden und Paul will ein berühmter DJ werden. Weil Paul ...

Der recht dürftige Inhalt: Die Halbgeschwister Karline und Paul können eines besonders gut: Über andere ablästern. Karline will Klassensprecherin werden und Paul will ein berühmter DJ werden. Weil Paul sitzen geblieben ist, muss er in der gleichen Klasse sitzen wie seine Schwester Karline. Karline entdeckt das Tagebuch von Paul und liest mit böser Begeisterung, was Paul bewegt.
Eine grundsätzliche Kritik zu Beginn: Ein Comic-Roman ist angekündigt. Hmmm… Wo sind die Comics? Vielleicht bin ich mit Micky Mouse und Asterix verdorben worden? Aber auch in der offiziellen Bedeutung sind Comics „eine Geschichte, die in einer Reihe von Bildern mit wenig Text dargestellt ist“. In diesem Buch finde ich keine in einer Reihe von Bildern dargestellte Geschichte. Ich finde Schriftenwirrwarr, ich finde Pfeile und Einrahmungen und allerlei sonstiges Typographie-Gedönse. Aber ich finde keinen Comic! Und dass dieses wirre gestalterische Durcheinander Lesemuffel angeblich ansprechen soll, bezweifle ich sehr, denn die Texte zu lesen, ist echt anstrengend.
Wobei das nicht nur an der graphischen Gestaltung liegt. Nach spätestens 60 Seiten ging mir das Buch völlig auf die Nerven, denn das angeblich soooo lustige Buch ergeht sich in ewigen Wiederholungen, wie wer warum total blöd ist. Ätzend langweilig und sehr fragwürdig. Genauso fragwürdig, dass es angeblich soooo lustig sein soll, wenn die Schwester heimlich das Tagebuch des Bruders liest. Und dann diese schreckliche Sprache! Als würden Kinder Schaden nehmen, wenn sie im Buch eine halbwegs gepflegte Sprache lesen. Nein, sie lesen von Idioten, von Oberaffen, von Zickenblasen usw., und das alles „fett krass“. Das soll lustig sein? Zudem ist schlecht zu erkennen, wer gerade erzählt. Das war dem Graphiker wohl eine zu simple Aufgabe und nicht lustig genug, den Text so zu gestalten, dass der Inhalt optisch dem jeweiligen Erzähler sofort zugeordnet werden kann. Wer um des Himmels willen glaubt tatsächlich, auf diese Weise Lesemuffel ans Lesen zu bringen?

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Veröffentlicht am 12.03.2021

Manchmal passen Buch und Leser einfach nicht zusammen

Die dritte Frau
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Eigentlich klingt der Text auf der Rückseite des Buches sehr interessant: „Ein junger Romanautor versucht vergeblich, ein geheimnisvolles Gemälde des Louvre zu entschlüsseln. … Jahre später wünscht eine ...


Eigentlich klingt der Text auf der Rückseite des Buches sehr interessant: „Ein junger Romanautor versucht vergeblich, ein geheimnisvolles Gemälde des Louvre zu entschlüsseln. … Jahre später wünscht eine Nachfahrin einer der porträtierten Frauen mit ihm in Kontakt zu treten. Offenbar hat sie Antworten…“ Die kurze Leseprobe, die ich vorweg gelesen hatte, hatte mich neugierig gemacht. Aber mit dem gesamten Buch habe ich mich schwer getan, besser gesagt, ich fand darin nichts, was ich mochte.

Vielleicht lag es daran, weil ich das Vorgänger-Buch nicht gelesen habe und insofern manche Verknüpfungen für mich nicht verständlich waren. Vielleicht weil die Gesamtmischung des Sujets für mich verwirrend war. Verschiedene Zeitebenen, historische „Ausflüge“ in die Renaissance und eine Art Liebesroman – das war mir schlichtweg zu viel von allem und in der Summe nichts. Die Protagonisten bleiben allesamt ungreifbar und flach. Meine lesehungrigen Augen fanden in diesem Buch einfach keinen Ort, an dem ich gerne bleiben wollte, so als eine Art roter Faden, anhand dessen ich mich durch die „Handlung“ hindurch lesen hätte können, ohne die Lust am Buch zu verlieren. Langweilig wurde mir beim Lesen in zunehmendem Maße, und so legte ich das Buch immer wieder weg. Mag auch sein, dass ich das Buch und seine Intention einfach nicht verstanden habe trotz meines Bemühens. Manchmal passen Buch und Leser einfach nicht zusammen.

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Veröffentlicht am 07.03.2021

Poetisch und tief bewegend

Nächstes Jahr in Berlin
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Ein Buch, das den Verstand ebenso beansprucht wie das Gefühl. Ein Buch, das poetisch ist und politisch. Ein Buch, das mich tief bewegt hat. Ganz gewiss keine leichte Kost, aber purer Genuss für alle, ...


Ein Buch, das den Verstand ebenso beansprucht wie das Gefühl. Ein Buch, das poetisch ist und politisch. Ein Buch, das mich tief bewegt hat. Ganz gewiss keine leichte Kost, aber purer Genuss für alle, die Sprache auf hohem Niveau zu schätzen wissen. Nicht der Leser verschlingt das Buch – das Buch verschlingt den sensiblen Leser mit Haut und Haaren.

Der Inhalt in aller Kürze. Die Mutter ist gestorben. Die Tochter beginnt auf- und auszuräumen und wird dabei hineingezogen in das erlittene Schicksal der Mutter während des Zweiten Weltkrieges, beginnend von der Flucht aus Ostpreußen bis zur Nachkriegszeit in Deutschland. Die Tochter verliert dabei – zu spät - zunehmend ihre langjährige innere Distanz zur Mutter, einer Frau, die bereits viele Jahre vor ihrem Tod an ihrem Schicksal zerbrochen war.

Astrid Seeberger schreibt atemberaubend gut. Schon vom grandiosen Roman „Goodbye Bukarest“ war ich hingerissen. Doch der vorliegende Roman ergriff mich noch mehr, wohl weil die Autorin hier sehr viel mehr von sich selbst preisgibt. Ich hatte das Bedürfnis, ganz langsam lesen zu müssen, Wort für Wort sorgsam einsammelnd, um nichts zu übersehen, nichts zu verlieren von den Gedankenbildern. Und es sind, wie im ersten Roman, gerade die Nebenbei-Sätze, die besonders schmerzhaft sind. Der poetisch schöne, bildreiche Schreibstil ist oftmals so treffend, dass er geradezu schmerzhaft in mein lesendes Herz hineinfuhr. Dass man vergangener Lebenszeit solch eine Stimme geben kann, dass selbst das Unscheinbarste zum Gleichnis oder zur Metapher wird, gibt dem Erleben und Erinnern eine unfassbare Tiefe, in allen Schattierungen. „Die Toten bleiben in unserem Leben zurück.“ Astrid Seeberger gestaltet den Bericht des Entsetzlichen, des eigentlich Unerzählbaren von Krieg und Flucht, vom Geruch der Angst und des Todes in einer Sprache, die präzise ist, ohne jegliche Larmoyanz. Mit genauem Blick verknüpft die Autorin Vergangenes mit der Gegenwart und lässt durch ihre Wortbilder das eigentlich Unsagbare des Schmerzes nachspüren. Aber es gibt auch Trost, so wie von der Großmutter überliefert, die verstand, „dass man wegsingen kann das, was wehtut“.

Ein anspruchsvolles, ein einfühlsames, ein ganz und gar wunderbares Buch.

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Veröffentlicht am 05.03.2021

Wachsen und Werden

Frau Noahs Garten
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Von Noah und seiner Arche, mit der er die Tiere der Welt vor der Sintflut rettete, hat sicher das eine oder andere Kind schon einmal etwas gehört. Aber Frau Noah, die es ja zweifellos auch gab, war mir ...


Von Noah und seiner Arche, mit der er die Tiere der Welt vor der Sintflut rettete, hat sicher das eine oder andere Kind schon einmal etwas gehört. Aber Frau Noah, die es ja zweifellos auch gab, war mir bislang nicht bekannt, insbesondere da ich das Vorgänger-Bilderbuch von Jackie Morris nicht kenne. Herr Noah ist der kraftvolle Macher, Frau Noah dagegen ist die mit dem feinen Gespür und mit Samen in der Manteltasche. Sie sehnt sich nach einer neuen Heimat, die sie mit einem Garten gestalten möchte. Mit Hilfe der Kinder legt sie sehr sorgfältig, kenntnisreich und mühevoll diesen ersten Garten nach der Sintflut an und erweckt damit die Natur zu einem neuen Leben. Blüten, Vögel und Insekten finden damit eine neue Heimat ebenso wie die Kinder und Herr und Frau Noah.

Die weise Geschichte über das Wunder, das Zeit und Geduld vollbringen, wenn man mit Mühe und Arbeit den Grundstock schafft für das Entstehen von Neuem, ist durch die kurzen, leicht verständlichen Texte bereits von den Kleinen ab 4 Jahre gut zu erfassen. Was an diesem Bilderbuch besonders besticht, ist die grandiose Farbenfreude, die den Betrachter auf nahezu jeder Seite anspringt. Neben den Puzzleteilen, die kräftig mit Stiften gezeichnet sind, fügen sich holzschnittartige Collagen aus Papier oder Stoffstückchen zu aussagekräftigen Illustrationen, die die Handlung lebendig werden lassen. Mystische Figuren beleben zusätzlich die Bilder und setzen die Magie der Natur mit ihrem unermüdlichen Wachsen und Werden symbolhaft bildlich um.

Ein schönes, liebevoll gestaltetes, fantasievolles Bilderbuch über das Wunder der Natur und wie wir mit Eifer und Geduld gleichermaßen dieses Wunder erfahren können.

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