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Veröffentlicht am 01.06.2018

Wahre Freundschaft?

Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit
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Eine innige Freundschaft verbindet Francesca und Sophie von klein auf. Sie sind unzertrennlich, haben keine Geheimnisse voreinander und verbringen all ihre Zeit zusammen, oft gemeinsam mit ihrer Clique ...


Eine innige Freundschaft verbindet Francesca und Sophie von klein auf. Sie sind unzertrennlich, haben keine Geheimnisse voreinander und verbringen all ihre Zeit zusammen, oft gemeinsam mit ihrer Clique am baufälligen Pier sitzend. Da verschwindet eines Nachts Sophie spurlos. Und bleibt verschwunden. Niemand weiß, ob sie noch lebt oder tot ist. 18 Jahre später kehrt Francesca, eine inzwischen beruflich sehr erfolgreiche Geschäftsfrau, an den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurück, und zwar auf Bitten von Daniel, dem Bruder der verschwundenen Sophie. Es seien Leichenteile angespült worden, und Daniel brauche die Unterstützung von Francesca…
Die Autorin benutzt einen geschickten schriftstellerischen Dreh, um Damals und Heute zu verbinden. Sie lässt zum einen Francesca, genannt Frankie, erzählen, was in der Jetzt-Zeit geschieht, aber auch, welche Erinnerungen auftauchen, insbesondere über ihre Freundschaft zu Sophie, beunruhigende Wahrnehmungen, verstörende Feindseligkeiten alter Bekannter bis hin zu seltsamen Drohungen. Zum anderen berichtet Sophie tagebuchartig, 19 Jahre früher, über ihre Freunde und über Frankie, über ihre Freundschaft zu ihr. Durch die Darstellung aus zwei Perspektiven lernt der Leser Sophie und Frankie, deren gemeinsames und individuelles Erleben, ihr jeweiliges Umfeld, ihr Denken und Fühlen, sehr intensiv kennen. Auch wenn ich streckenweise die häufigen Perspektivenwechsel als etwas anstrengend zu lesen empfand, da ja beide Protagonistinnen in gleicher Weise Einfühlung fordern und man sozusagen mit seiner Einfühlung stets hin- und herspringen muss, so gewinnen doch genau durch diesen Sichtwechsel die geschilderten Personen sehr viel schärfere Konturen als bei einer einseitigen Erzählweise. Ich hatte beim Lesen ein ständig zunehmendes Gefühl der Spannung, da jedes Kapitel wie bei Hänsel und Gretel einen Brotkrumen mehr auf den jeweiligen Weg von Frankie und Sophie streut, bis Vergangenheit und Gegenwart an einem entsetzlichen Punkt zusammentreffen. Ein gut und spannend zu lesender Thriller, sehr zu empfehlen.

Veröffentlicht am 30.05.2018

Enttäuschend

Der einsame Bote
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Von Gard Sveen hatte ich bislang noch nichts gelesen. Insofern begann ich vorurteilsfrei mit diesem Band 3 rund um den Ermittler Tommy Bergmann. Jetzt, am Ende des Buches, weiß ich ganz sicher, dass ...


Von Gard Sveen hatte ich bislang noch nichts gelesen. Insofern begann ich vorurteilsfrei mit diesem Band 3 rund um den Ermittler Tommy Bergmann. Jetzt, am Ende des Buches, weiß ich ganz sicher, dass ich nichts mehr über Tommy Bergmann lesen möchte.
So wird das Buch von Verlagsseite beworben: Kommissar Tommy Bergmann hat sich an einem hoffnungslosen, längst zu den Akten gelegten Fall festgebissen. Seine Kollegen wenden sich von ihm ab und wenn er seine Ermittlungen nicht einstellt, droht ihm die Suspendierung. „Der einsame Bote“ beginnt bedrückend. Bis Tommy Bergmann Hinweise auf eine alte Sekte findet, die junge Mädchen opfert, um das Seelenheil von Mördern zu retten. Ist das die Spur, die er seit Monaten sucht? Kann er die totgesagte 13-jährige Amanda befreien und den Mörder fassen – und weitere Morde verhindern?
Das Buch hat mich von Anfang bis Ende völlig kalt und unberührt gelassen. An keiner einzigen Stelle hat es mich eingefangen, ich las es wie eine Pflichtlektüre, distanziert, ohne innere Beteiligung. Ich fühlte mich nie hineingezogen in die Geschichte. Ich sah sozusagen von außen zu, wie Tommy Bergmann wie ein Hund die Witterung aufnimmt und sich von nichts und niemandem mehr aufhalten lässt. Oder wie sich Susanne, Kollegin von Tommy, aus Sorge um ihr eigenes Kind schließlich auch auf Spurensuche begibt. Was ist an diesem Buch, dass man es mehr oder weniger interessiert wie einen mäßig interessanten Zeitungsartikel durchliest, den man nach Lektüre gleich wieder vergisst? Da ist zum einen meiner Meinung nach der fehlende Spannungsbogen. Zuviel wird in dunklen Ecken, hier und dort und dann auch noch in Litauen, herumgestochert. In verwirrender Schreibweise werden dem Leser nicht zusammenpassende Mosaiksteinchen vorgehalten. Aber Verwirrung zu schaffen, ohne den erkennbar roten Faden durchscheinen zu lassen, bringt keine Spannung, sondern Leserdistanz. Und wenn dann noch der Hauptakteur im Buch jemand ist, dem man sich weder mit Sympathie noch mit Mitleid, schon gar nicht mit Verständnis, lesend nähern möchte, ist die Leserdistanzierung perfekt. Nichts für mich, schade.


Veröffentlicht am 29.05.2018

Dschungel-Thriller

Sag niemals stirb
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1970: Der Pilot Wild Bill Maitland stürzt nach einer Explosion an Bord seines Transportflugzeugs über dem Dschungel von Vietnam ab. Seine Leiche wird nie gefunden. 20 Jahre später: Seine Tochter, Willy ...


1970: Der Pilot Wild Bill Maitland stürzt nach einer Explosion an Bord seines Transportflugzeugs über dem Dschungel von Vietnam ab. Seine Leiche wird nie gefunden. 20 Jahre später: Seine Tochter, Willy Jane Maitland, will einen letzten Wunsch ihrer krebskranken Mutter erfüllen und macht sich auf die Suche nach dem verschollenen Vater. Sie reist nach Vietnam und trifft dort auf Guy Barnard, einen ortskundigen Paläontologen, der ihr seine Hilfe anbietet. Doch die Suche entwickelt sich schnell zu einer lebensgefährlichen Mission…
Dass Tess Gerritsen schreiben kann, dass sie Meisterin darin ist, Spannung aufzubauen, weiß man zur Genüge. Insofern waren meine Erwartungen an dieses Buch hoch. Und in der Tat schafft es die Autorin, mich in die mir fremde Welt Vietnams tief eintauchen zu lassen, die besondere Atmosphäre so intensiv und lebendig zu beschreiben, dass ich mitunter das Gefühl hatte, Hitze, Regen, Moskitos auf meiner eigenen Haut zu spüren. Und sie lässt mich in packender Weise teilnehmen an einer immer gefährlicher und bedrohlicher werdenden Suche. Jeder neue Kontakt, jedes neue Gespräch wirft neue Fragen auf, und der Leser wird immer mehr in ein geschicktes Verwirrspiel hineingezogen. Wer Freund oder Feind ist, wer Wahrheit spricht oder lügt, ändert sich nahezu bei jedem Schritt, den Willy tiefer hinein in das Gespinst der Vergangenheit macht. Willy, die sich mutig, aber auch recht naiv auf die Suche gemacht hatte, wird zunehmend selbst zur Gejagten, und so steigert sich der Spannungsbogen kontinuierlich bis zum rasanten Ende.
Auch wenn mich streckenweise das allzu breit ausgewalzte Hin und Her, dieses wenig nachvollziehbare „Beziehungsgedöns“ zwischen Guy und Willy nervte, hat mich der Thriller, der im Original bereits 1992 erschien, insgesamt bestens unterhalten. Es mag nicht das beste Buch von Tess Gerritsen sein, aber lesenswert ist es dank des ungewöhnlichen Plots auf jeden Fall.

Veröffentlicht am 27.05.2018

Ein türkisch-fränkischer Humor-Döner

Bülent Rambichler und die fliegende Sau
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Bülent Rambichler pflegt sich gerne und ausgiebig in seinem Wohnungs-Hamam, ist Hauptkommissar im Nürnberger Morddezernat und sträubt sich seit Jahren erfolgreich gegen jeglichen Außendienst. Als jedoch ...


Bülent Rambichler pflegt sich gerne und ausgiebig in seinem Wohnungs-Hamam, ist Hauptkommissar im Nürnberger Morddezernat und sträubt sich seit Jahren erfolgreich gegen jeglichen Außendienst. Als jedoch in seinem Heimatstädtchen Strunzheim die „Gelbwurst-Pflunzn“, die Fleischereifachverkäuferin Kerstin, gewaltsam zu Tode kommt, muss er doch seinen geliebten Schreibtisch verlassen und zusammen mit seiner yogabiegsamen veganen Assistentin Astrid Weber tief eintauchen in den fränkische Provinzmief.
Zwei Anmerkungen vorneweg: Im Buch ist „Allmächd“ mit t am Ende geschrieben, also Allmächt. Das könnte ein Franke gar nicht aussprechen, geschweige denn schreiben! Und da sich die Franken nicht als Bayern sehen, ist ein Wolpertinger als Titelbild nicht ganz so glücklich…
Anja Bogner hat meiner Meinung nach den perfekten Provinzkrimi geschrieben. Perfekt, weil die Geschichte als solche gute Krimiqualität hat und die Aufklärung durchaus überrascht. Perfekt, weil die fränkische Grobheit in der Sprache und im Humor, die fränkische Sturschädeligkeit wunderbar in Szene gesetzt wird. Und perfekt, weil die Protagonisten in ihrer überzeichneten Darstellung, wie in einer Karikatur, Prototypen von Menschen sind, die man nicht nur in Franken findet: türkisch-stolze Eltern, träge Beamte, extrem neugierige Kleinstadtbewohner usw.
Schon viele Jahre lebe ich weit weg von meiner Heimatstadt Nürnberg, aber Anja Bogner hat es geschafft, mich mit ihrem Krimi nach nur wenigen Seiten mitten hinein in mein fränkisches Herz zu treffen. Da finde ich fränkische Mundartwörter, die fest zu meiner Kindheit gehörten und die ich schon vergessen hatte, wie z. B. der Hetscher (Schluckauf). Wenn Begriffe auftauchen, die zu tief in die fränkische Fremdsprache reichen, als dass ein Nicht-Franke sie verstehen könnte, gibt es entsprechende Übersetzungen als Anmerkungen, zusätzlich noch im Anhang ein Glossar „Fränkisch für den Hausgebrauch“. Anja Bogner trifft perfekt den derben Humor, hinter dem der Franke gerne sein großes Herz versteckt. Außerdem spielt die Autorin gekonnt mit Situationskomik, Krimispannung und Lokalkolorit, und der Leser merkt, dass sie selbst großen Spaß hat an diesem Spiel. Selten habe ich bei Lektüre eines Buches so oft so schallend gelacht wie bei diesem hier.
Das Buch ist wie ein türkisch-fränkischer Döner, saugut!

Veröffentlicht am 25.05.2018

Kittelschürzen-Humor

Das kann man doch noch essen. Renate Bergmanns großes Haushalts- und Kochbuch
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Dank der großartigen Carmen-Maja Antoni, die liest, als säße sie selbst in der Kittelschürze am Küchentisch, habe ich das Hörbuch mit Vergnügen gehört.
Die Verlagsinformation sagt alles: „Die Hausfrau ...


Dank der großartigen Carmen-Maja Antoni, die liest, als säße sie selbst in der Kittelschürze am Küchentisch, habe ich das Hörbuch mit Vergnügen gehört.
Die Verlagsinformation sagt alles: „Die Hausfrau heutzutage ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Da werden nur noch Tiefkühlpizzen aufgewärmt und wie man Fenster richtig putzt, das weiß keine. … "Ein Stich Butter muss immer ran ans Gemüse, sonst kann der Körper die Fittamine gar nicht verarbeiten." Renate Bergmann weiß zu vielem etwas zu sagen und vor allem: alles besser. Ihre Weisheiten, Ideen, Ratschläge und Rezepte sind auf diesem amüsanten Hörbuch versammelt.“
Ich kam mir vor, als säße ich bei Oma in der Wohnküche und bekäme erzählt, was jemanden bewegt, der „getrennt von seinen Zähnen schläft“, aber dennoch hausfraulich und mitmenschlich gesehen echten Biss hat. Mit tiefster Entrüstung vorgetragen erfahre ich von schlampigen Nachbarn, die nicht einmal mehr die Teppichfransen kämmen. Und ich bekomme leckere Kuchenrezepte verraten, die ich sofort mitschreiben möchte. Es könnte gut sein, dass ich demnächst mal die Gardinen mit Backpulver einweiche, wer weiß…