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Veröffentlicht am 14.03.2025

Herausfordernd

Die Sehenden
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Welch ein provokanter und herausfordernder Text. Er hat mich nachhaltig beschäftigt und sehr beeindruckt, durchaus auch zu tief beeindruckt und war schwer verdaulich.

Hannah, eine junge Eritreerin, flüchtet ...

Welch ein provokanter und herausfordernder Text. Er hat mich nachhaltig beschäftigt und sehr beeindruckt, durchaus auch zu tief beeindruckt und war schwer verdaulich.

Hannah, eine junge Eritreerin, flüchtet nach Großbritannien. In Eritrea und auch auf der Flucht wurde sie vergewaltigt. In London wird sie als unbegleite Minderjähriger in einer Pflegestelle bei Diana untergebracht. Diese ist selbst eher unglücklich mit ihrem Leben. Hannah wartet auf den Asylbescheid. Sie versucht sich einzuleben, kann aber aufgrund der Gesetze nicht viel machen. Sie stößt wiederholt auf Rassismus. Sie versucht am Leben zu bleiben - nur das Begehren und die Lust halten sie am Leben. Sie verliebt sich.
Ihre spezielle Formen der Lust ist allgegenwärtig und nimmt sehr viel Raum ein. Sicherlich auch als Bewältigungsversuch ihrer traumatischen Erlebnisse zu verstehen. "Es muss weh tun, um all den Schmerz zu ertränken." Zudem setzt sie sich mit dem Tagebuch ihrer früh verstorbenen Mutter auseinander. Hier werden Parallelen deutlich,was ich letztlich als Versuch des eines feministischen Aufbegehrens verstehe.

Eine Bewertung fällt mir schwer. Ich kann von einem bis fünf Sterne alles vergeben:

1 Stern dafür, dass ich Dinge überflogen habe und überlegt habe, abzubrechen. Viele Geschehnisse und Beschreibungen irritierten mich und stießen mich sehr ab.

2 Sterne dafür, dass ich mich manchmal gelangweilt habe, da es zuviel desselben war und mir die Story zu wild wurde. Es nervte mich zudem, dass alles irgendwie mit Sex und verschiedenen Praktiken verbunden wurde. Ich habe einige Ideen dazu, wie man es verstehen kann, aber es war mir insgesamt zu viel und manchmal auch zu heftig.

3 Sterne dafür, dass der Autor ein Mann ist und ich mich fragte, ob es überhaupt okay ist, solch ein Buch aus der Ich-Perspektive einer jungen Frau zu schreiben. Anfangs dachte ich, es sei eine Autorin. Mein Mitgefühl mit der Protagonistin war dadurch sehr groß, fast schon quälend schmerzhaft und herzzerbrechend. Bald bemerkte ich aber, dass dieser Text nicht von einer Frau sein könne und begriff dann endlich, dass der Autor ein Mann war. Dadurch konnte ich mich besser vom Text distanzieren, und etwas Atem holen, fühlte mich aber auch etwas provoziert.

4 Sterne für den schrägen, ungewöhnlichen und eigenwilligen Text, der ohne Absätze, im Stil eines stream of consciousness geschrieben wurde. Dadurch ist man sehr dicht am Erleben der Hauptfigur dran. Nicht immer ist hierbei klar, ob Ereignisse tatsächlich oder eher metaphorisch geschehen.

5 Sterne für die eindrückliche Darstellung des Lebens als Geflüchtete, die sich einfinden muss und um ihre Identität ringt. Die Schilderungen der politischen und gesellschaftlichen Situation in Eritrea fand ich sehr interessant. Die Darstellung der der Warterei und der Verdammung zum Nichtstun in London fand ich sehr authentisch und beleuchtet das Asylsystem durchaus kritisch.
Der Text zwang mich inhaltlich zur Auseinandersetzung und wird mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Auch strukturell zwang mich der Text zur Auseinandersetzung: was kann Literatur leisten, was soll sie leisten? Zudem hat der Autor meinen tiefen Respekt, da er im Nachgang seine literarischen Anleihen und entnommenen Gedichte als Quellen darlegt.

Fazit: Eindrücklich, tragisch, berührend, provokant, verstörend, interpretierbar. Nicht für jede*n geeignet.
Triggerwarnung: sexueller Mißbrauch, sexuelle Spielarten, Suizid, Gewalt

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Leider wenig überzeugt

Cycle Breaker: Für mein Kind mache ich es anders
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Mit diesem Erziehungsratgeber tat ich mich leider sehr schwer, da ich mit dem Stil nicht gut zurecht kam, obwohl ich das Thema sehr wichtig und spannend finde. Thematisch geht darum, aus ungünstigen Verhaltensweisen ...

Mit diesem Erziehungsratgeber tat ich mich leider sehr schwer, da ich mit dem Stil nicht gut zurecht kam, obwohl ich das Thema sehr wichtig und spannend finde. Thematisch geht darum, aus ungünstigen Verhaltensweisen im Umgang mit Kindern auszusteigen. Die von den Eltern oder Anderen übernommenen ungünstigen (toxischen) Verhaltensweisen, Glaubenssätze und Erwartungshaltungen sollen erkannt und verändert werden. Ziel ist es, aus diesem Kreislauf auszubrechen, um Kinder psychisch zu stärken und resilient aufwachsen zu lassen..

Nach dem ersten Teil, der Einführung werden 20 ungünstige Verhaltensweisen vorgestellt sowie Ideen zur Selbstreflexion gegeben und Hinweise zur Veränderung angeboten. Im letzten Teil finden sich Reflexionsübungen, die man eigenständig durchführen kann sowie Überlegungen zu einem hilfreichen Mind Set.
Soweit, so gut – leider kam ich mit dem Stil des Buches überhaupt nicht zurecht. Der Text wirkte redundant und oft unnötig ausschweifend. Stilistisch wirkte es auf mich eher holprig, da die Autorin viele Substantive verwendete und immer wieder zwischen sehr kurzen und sehr langen Sätzen wechselte. Zudem war der Text durchgehend mit Merkkästen, Stichpunkten, Abgrenzungen und Kurzzapitel strukturiert, was meinen Lesefluss störte und sich wie ständige Unterbrechungen anfühlte. Ein etwas lockerer Fließtext mit Zusammenfassungen am Ende hätte mir hier gutgetan, vielleicht auch ein größeres Buchformat, um eine bessere Übersicht zu haben.

Zwischendurch fanden sich immer wieder gute Gedanken und Hinweise, aber es fiel mir schwer, sie in den gehäuften Wiederholungen und eher abstrakten Allgemeinplätzen oder Füllsätzen zu entdecken, die nicht weiterführten. Insgesamt wird das Thema zu wenig konkret behandelt. Im Einführungstext wird viel über Resilienz gesprochen, aber die konkreten Resilienzfaktoren werden beispielsweise nie umfassend vorgestellt. Zudem fehlte mir eine Differenzierung, da oft unklar blieb, auf welche Altersgruppe sich die Aussagen beziehen. Auch die Frage z.B., in welchem Umfang und wie oft man sich um Geschwister kümmern kann, ohne dass dies als schädigende Parentifizierung gilt, bleibt unbeantwortet. Einige Themen hätten zudem zusammengefasst werden können, da sie im Grunde die gleichen Aspekte beleuchteten. Des Weiteren verfolgte sie einige Gedanken nicht weiter, sondern sprang zu anderen Gedanken, z.B. gibt sie ein Besipiel zur Herausforderung im Umgang mit Geschwisterstreit. Dieses wird kurz skizziert, aber das Beispiel schwenkt dann um und es geht um mangelnde Fitness. Hier wird Potential verschenkt, etwas tiefer in die Thematik einzusteigen.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Autorin immer wieder betont, wie wichtig es ist, freundlich und empathisch zu sich selbst zu sein, dass Veränderungen nicht von heute auf morgen geschehen und dass man Fehlerfreundlichkeit leben sollte. Hier gibt sie viel Mut und Bestärkung.

Insgesamt handelt es sich um ein wichtiges Thema, aber leider hat mich die stilistische, strukturelle und teilweise inhaltliche Umsetzung wenig überzeugt. Menschen, die sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben, können hier dennoch gute Impulse erhalten.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Potential verschenkt

Skin City
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Ein durchaus brutaler Krimi (als Thriller würde ich es nicht bezeichnen), der quer durch verschiedene Berliner Stadtbezirke und das Brandenburger Umland führt.
Der Roman verfolgt drei wechselnde Perspektiven: ...

Ein durchaus brutaler Krimi (als Thriller würde ich es nicht bezeichnen), der quer durch verschiedene Berliner Stadtbezirke und das Brandenburger Umland führt.
Der Roman verfolgt drei wechselnde Perspektiven: Romina, eine Romnja, die es geschafft hat, Polizistin zu werden, was jedoch von ihrer Familie kritisch beäugt wird. Sie ist entschlossen, denjenigen zu finden, der ihre Schwester brutal verprügelt hat, und ist gleichzeitig mit der Aufklärung einer Einbruchserie betraut.
Koba, ein junger Mann aus Georgien, kann aufgrund einer begangenen Blutrache nicht nach Tiflis zurückkehren und ist in mafiöse Strukturen verstrickt. Er will mit Einbrüchen in Berliner Villen genug Geld verdienen, um nach Kanada auszuwandern.
Lippold, ehemaliger Techno-Fan und Drogendealer, der wegen Finanzbetruges im Gefängnis saß, ist schnell reizbar und frisch aus der Haft entlassen. Nun versucht er, sich in der Kunstszene einen Namen zu machen und dabei leichtes Geld zu verdienen.

Der Krimi ist rasant, spannend und fesselnd geschrieben. Die Handlung bewegt sich durch verschiedenste Berliner Milieus, was besonders Berlin-Kennern Freude bereiten dürfte. Von Schrebergärten und Hochhaussiedlungen bis hin zu Zelten am Landwehrkanal, Villen an den Randbezirken, edle Cafe`s der Stadtmitte und Kunstauktionen – die Vielfalt der dargestellten sozialen Welten hat mir gut gefallen.

Die Figurenzeichnung gefiel mir nur mittelmäßig. Besonders zu Beginn konnte ich mit Romina und Koba gut mitfühlen, ihre Handlungen waren nachvollziehbar, ihre Charaktere lebendig und greifbar. Anders verhielt es sich mit Lippold, der für mich als Figur schwer fassbar und wenig überzeugend blieb. Leider verloren Romina und Koba mit der Zeit an Tiefe und wirkten zunehmend eindimensional. Dies gipfelte in einem sehr schwachen Ende, das ich nicht mehr ernst nehmen konnte. Gerade weil die Charaktere mit interessanter Herkunft und viel Potenzial angelegt waren, hätte man hier deutlich mehr herausholen können.

Insgesamt zeichnet der Roman ein düsteres, stellenweise schmerzhaftes Bild von Berlin und seiner kriminellen Szene, bleibt dabei jedoch authentisch und realistisch. Dennoch verbleibt bei mir ein unangenehmer Nachgeschmack von Rassismus und Frauenverachtung, der insbesondere dem Ende geschuldet ist.

Ein weiterer Punkt, der mich irritierte: Das Cover und der Titel schienen nicht recht zum Inhalt des Romans zu passen.

Fazit: Ein spannender Einblick in die kriminelle Szene Berlins sowie die exklusive Kunstwelt. Die Handlung ist packend, doch das Potenzial der vielversprechenden Figuren wurde verschenkt. Das Ende war für mich leider nicht glaubwürdig.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Schafft Verständnis

»Mama, bitte lern Deutsch«
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Ich habe das Hörbuch gehört, das vom Autor selbst sehr gut gesprochen wurde und einfach perfekt passte. Er geht der Frage nach, warum seine Mutter, die schon sehr lange in Deutschland lebt, kaum Deutsch ...

Ich habe das Hörbuch gehört, das vom Autor selbst sehr gut gesprochen wurde und einfach perfekt passte. Er geht der Frage nach, warum seine Mutter, die schon sehr lange in Deutschland lebt, kaum Deutsch spricht. Dadurch geriet er in unliebsame Dolmetschersituationen, die ihn oft überforderten, und manchmal hatte ihr schlechtes Deutsch auch direkte, negative Konsequenzen für ihn.

Die Familie gehört den kurdischen Jesiden an. Der Autor erklärt ein wenig die Besonderheiten ihrer Kultur und Religion. Er erzählt anekdotisch von humorvollen, berührenden und nachdenklich stimmenden Begebenheiten, vor allem aus seiner Grundschul- und Jugendzeit, mit politischen und nichtpolitischen Seitenhieben, aber stets warmherzig. Rassistische und demütigende Situationen berichtet er stellvertretend für viele andere, die ähnlich aufgewachsen sind. Die gingen mir sehr nah.
Er liebt seine Mutter sehr und huldigt ihr mit diesem Werk. Sie hat sich letztlich komplett zugunsten der Familie zurückgenommen und ein Stück weit geopfert. Sie hat nie gewagt zu träumen, sondern einfach funktioniert, ohne sich je zu beklagen.

Manchmal fand ich die Erzählungen etwas ausschweifend und weniger humorvoll, als ich erwartet hatte. Auch habe ich mich gelegentlich gefragt, warum er gerade diese Szenen ausgewählt hat (zum Beispiel die Diebstähle auf den Maisfeldern). Bei manchen Aussagen oder Geschichten hatte ich daher die Sorge, dass sie eher ausländerfeindlich gesonnenen Menschen bestärken. Auch hätte ich mir gewünscht, die Rolle der Frau vielleicht mehr zu hinterfragen.

Insgesamt ist das Hörbuch jedoch unterhaltsam und treffend und vor allem hat Tahsim bei mir ein wirkliches tieferes Verständnis geweckt, wofür ich sehr dankbar bin!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Weckt Reiselust und Fernweh

LONELY PLANET Bildband Die 50 schönsten Reisen von Lonely Planet
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In diesem Buch finden sich 50 Reiseberichte aus aller Welt, die sowohl bekannte als auch weniger bekannte Reisen abdecken. Die Berichte stammen von verschiedenen Reisenden, die am Ende des Buches kurz ...

In diesem Buch finden sich 50 Reiseberichte aus aller Welt, die sowohl bekannte als auch weniger bekannte Reisen abdecken. Die Berichte stammen von verschiedenen Reisenden, die am Ende des Buches kurz vorgestellt werden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich vor allem mit individuellem Reisen, Naturerlebnissen und Rundreisen beschäftigen. Das Interesse am kulturellen Leben der Einheimischen, der Geschichte der jeweiligen Orte sowie das Staunen über beeindruckende Landschaften und Tierbeobachtungen sind durchweg spürbar.

Die Reiserouten werden beschrieben und auch grafisch dargestellt. Es kommen eine Vielzahl unterschiedlicher Fortbewegungsmittel zum Einsatz. Die Autor*innen wandern durch die Dolomiten oder das Amazonasgebiet, segeln übers Mittelmeer, paddeln mit dem Kanu über schwedische Seen, reisen mit einem Frachtschiff über den Atlantik, fahren mit dem Fahrrad durch die Bretagne oder Marokko, bereisen die kanadischen Rocky Mountains im Wohnmobil, segeln mit einer Yacht auf den Galapagos-Inseln, trampen entlang der Seidenstraße und nehmen den Bus durch Kambodscha – und das ist nur ein kleiner Auszug.
Ebenso vielfältig sind die Übernachtungsmöglichkeiten: von Zelten und Vans über Hotels, Hütten bei Einheimischen und Berghütten bis hin zur Transsibirischen Eisenbahn und Tiny Houses.
Abgerundet werden die individuellen Berichte durch kurze, aber treffende Informationen zur Reiseplanung.

Alle Berichte sind mit vielen, auch großformatigen Fotos bester Qualität versehen. Sie sind hervorragend gelungen und zeigen wunderbare Natur- und Tieraufnahmen sowie kulturelle Eindrücke. Nur hätte ich es bevorzugt, wenn die Erläuterungen zu den Fotos direkt darunter platziert gewesen wären.
Normalerweise schreibe ich nie etwas über das Cover, aber in diesem Fall möchte ich erwähnen, dass das metallisch glänzende Blau wirklich sehr schön und besonders aussieht.

Besonders gut gefallen haben mir die Reiseberichte über die Osterinseln, die Galapagos-Inseln, Schottland und die Nordwestküste Spaniens, aber eigentlich haben mir sehr viele Berichte gefallen.
Das Buch eignet sich eher nicht zum Schnelldurchlesen. Vielmehr kann man es zur Hand nehmen, um einige Reisen zu genießen und auf sich wirken zu lassen. Aufgrund der kleinen Schriftgröße, die das Lesen etwas erschwert, habe ich das Buch langsam, aber noch nicht vollständig durchgearbeitet. Einige Reisen werde ich wahrscheinlich nie antreten, umso mehr habe ich die Berichte genossen. Einige der beschriebenen Reisen habe ich selbst bereits unternommen und habe mich gefreut, sie hier wiederzufinden. Für zukünftige Reisen habe ich mir auf jeden Fall eine Fülle an Inspiration mitgenommen.

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