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Veröffentlicht am 03.11.2022

Überraschende Erzählweise

Auf Bewährung
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„Gewalt hinterlässt einen besseren Geschmack im Mund, wenn sie sich gerecht anfühlt.“

Auf Bewährung setzt sich aus den Perspektiven dreier Freunde zusammen: Christian, der inzwischen bei der Drogenfahndung ...

„Gewalt hinterlässt einen besseren Geschmack im Mund, wenn sie sich gerecht anfühlt.“

Auf Bewährung setzt sich aus den Perspektiven dreier Freunde zusammen: Christian, der inzwischen bei der Drogenfahndung arbeitet, Malik, der Zahnmedizin studiert und seit mehreren Wochen verschwunden ist sowie Danny, der frühzeitig entlassen wird und verspricht Malik zu finden.

Sprachlich war die Geschichte auf den Punkt. Der Autor liefert gerade genügend Informationen, um ein Gefühl für die Charaktere und das Setting zu bekommen, sie sind jedoch nicht ausschweifend genug, um sich darin lediglich treiben zu lassen. Es werden Andeutungen gemacht, Geschichten aufgegriffen und wieder fallengelassen. Gleichzeitig geht die Geschichte in einem ruhigen, nicht weniger kraftvollen, Ton immer weiter, lässt einen mit den eigenen Gedanken alleine und keine Zeit, um sich in Vergangenem oder Kleinigkeiten zu verlieren. Spannend finde ich in diesem Kontext auch, dass kaum Wertungen stattfinden. Wir werden nicht in eine Richtung gelotst, wie wir zu den Figuren stehen sollen und auch Danny plagen z. B. keine Schuldgefühle, um ihn nahbarer zu gestalten. Stattdessen scherzen Christian und er darüber, dass er ihn seiner Frau als reumütigen Mann vorgestellt hat, während die Wahrheit eher so aussieht: "Der Mann öffnet den Mund, um etwas total Hartes und Männliches zu sagen, da schlägt ihm Danny gegen die Kehle. [...] Danny ist es nicht gewohnt, dass ein Kampf so schnell vorbei ist, also tritt er ihm mit dem Knie ins Gesicht. Nur um das Ganze ordentlich abzurunden."

Danny leistet keine bahnbrechende Ermittlungsarbeit. Er stellt weder geschickte Fragen, noch geht er sonderlich subtil vor. Uns erwartet kein Nervenkitzel und auch keine unerträgliche Spannung. Aus meiner Sicht lebt die Geschichte aber gerade von dieser Ruhe, weil sie uns so die Chance eröffnet, um die Ecke zu denken, Bezüge herzustellen und eigene Urteile zu fällen.

Mir hat das Buch insgesamt ausgesprochen gut gefallen, obwohl mich der Stil überrascht hat.

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Veröffentlicht am 03.11.2022

Interessante Thematik für jüngere Leser:innen

Der Riss in unserem Leben
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Amy und Aiden wachsen in einer Welt auf, die durch die Folgen des Klimawandels nur noch mit viel Vorsicht und einigen Vorkehrungen bewohnbar ist. Den Zwillingen fehlt es dank des privilegierten Elternhauses ...

Amy und Aiden wachsen in einer Welt auf, die durch die Folgen des Klimawandels nur noch mit viel Vorsicht und einigen Vorkehrungen bewohnbar ist. Den Zwillingen fehlt es dank des privilegierten Elternhauses an nichts, werden jedoch dazu angehalten, immer aufeinander aufzupassen – auch wenn das heißen sollte, Dinge tun zu müssen, die sie vielleicht nicht tun wollen. Nachdem Aiden bei dem Versuch Amy zu retten schwer verletzt wird, ist er oft in Gedanken versunken und deutlich verschlossener. Mit der Zeit ändert sich sein Verhalten erneut, doch Amy wird das Gefühl nicht los, dass sich etwas an ihrem Bruder verändert hat…

Zunächst muss ich etwas gestehen: Ich konnte Amy anfangs nicht leiden, was allerdings für die Geschichte spricht, denn ihre Charakterentwicklung habe ich (bis auf Ausnahmen im letzten Drittel des Buches) als sehr gelungen empfunden. Amy weist nur wenig Empathie und noch etwas weniger Selbstreflexion auf: „Es gab Leute, die mich für gemein und egoistisch hielten? Wie konnten sie nur?“. Außerdem hofft sie mit Angebereien – trotz Warnung ihres Bruders – Anschluss zu finden: „Es würde mich nicht überraschen, wenn alle mit mir befreundet sein wollten…“. Im starken Kontrast zu ihrer selbstzentrierten Art steht Aiden, der sich in erster Linie um Amys Wohlergehen sorgt. Im Laufe der Geschichte weitet sich ihr Blick auf die Dinge aber. Besonders hervorzuheben ist hierbei der Nebenstrang zu einer Beschwerde über eine Äußerung, die Amy belauscht und geahndet sehen will.

Es hat Spaß gemacht die Zwillinge zu begleiten, auch wenn das Buch keines war, das mich mitgerissen hat, wie z. B. Lifelike oder Die Tribute von Panem. Ich denke jedoch, dass mich die Geschichte früher sehr begeistert hätte und bewerte das Buch mit Blick auf eben diese deutlich jüngere Zielgruppe. Die Ansprache auch komplexerer Thematiken habe ich als sehr gelungen und für jüngere Leser:innen angemessen transportiert empfunden. Dennoch gibt es einige Aspekte, die ich kritisch beäuge, z. B. das Verhältnis der Eltern und ein Handlungsstrang, der verbale und körperliche Ausschreitungen beinhaltet, die in meinen Augen nicht ausreichend aufgelöst wurden.

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Veröffentlicht am 12.10.2022

Ein Buch mit vielen Möglichkeiten

Rebel Witch – Befreie die Hexe in dir
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Nachdem ich einige Fantasybücher mit Hexen verschlungen habe, hat mich die Neugierde gepackt und so sind weitere Bücher zu diesem Themenbereich eingezogen: Sachbücher zu Gift- und Heilpflanzen sowie deren ...

Nachdem ich einige Fantasybücher mit Hexen verschlungen habe, hat mich die Neugierde gepackt und so sind weitere Bücher zu diesem Themenbereich eingezogen: Sachbücher zu Gift- und Heilpflanzen sowie deren Bedeutung, historische Abhandlungen und Bücher, die esoterische Komponenten – zumeist unter dem Aspekt Empowerment – beinhalten. Dabei ist mir auch Rebel Witch in die Hände gefallen.

Direkt zu Beginn des Buches betont die Autorin, dass es ihr darum geht Denkanstöße zu geben und ihr Ziel Inclusion ist. Mir gefällt diese Botschaft des Buches: Probiere aus, was dir guttut, bringe deine eigenen Erfahrungen ein und vertraue auf deine innere Stimme. Auch die Vorstellung von verschiedenen Methoden folgt diesem Schema. Es gibt nicht die eine Lösung, sondern viele Möglichkeiten. Außerdem verzichtet sie auf Begriffe und Vorstellungen von Kulturkreisen, mit denen sie selbst nicht verbunden ist. Diese Basis hat mich direkt positiv abgeholt und ich hatte richtig Lust mich näher mit dem Buch auseinanderzusetzen.

Inhaltlich beschäftigt sich das Buch z. B. mit dem Hexenkalender und den Mondphasen, reflektierenden Aufgaben und dem Transfer: Wie bringen wir das, was wir erarbeitet haben, zusammen? Wirklich gut gefallen hat mir – abgesehen von spannenden Impulsen –, dass sich ein Kapitel dem Thema Hilfe suchen und Probleme lösen widmet und dabei unter anderem mit der Stigmatisierung von Therapie und Selbsthilfegruppen bricht. Diese positive Stärkung zieht sich durch alle Bereiche des Buches und hat bei mir beim Lesen große Freude bereitet.

Was mich nicht abgeholt hat, war die persönliche Ansprache im Buch. Zwar hat die Nähe in dem Kontext Sinn ergeben, aber mit Girl oder Schnecke adressiert zu werden, hat sich für mich verkehrt angefühlt.

Da das Buch deutlich flexibler gestaltet ist, bin ich zwischen den Kapiteln hin und her gesprungen, habe Denkanstöße genutzt oder auch überblättert und die Fragen zum Teil aus dem Hexenkontext losgelöst. Mir hat es Spaß gemacht in dem Buch zu stöbern und ich kann mir gut vorstellen auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal einzelne Abschnitte zu lesen!

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Zwei Schwestern, eine Krone: Was für eine Königin braucht das Land?

Zwillingskrone
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Stell dir vor, du triffst nach achtzehn Jahren zum ersten Mal auf deinen Zwilling. Würdest du dich freuen? Was, wenn ihr ganz unterschiedliche Ziele verfolgt? Könntest du ihr verzeihen, wenn sie dich entführen ...

Stell dir vor, du triffst nach achtzehn Jahren zum ersten Mal auf deinen Zwilling. Würdest du dich freuen? Was, wenn ihr ganz unterschiedliche Ziele verfolgt? Könntest du ihr verzeihen, wenn sie dich entführen lässt und deine Krone will? Nicht für die Macht als solche, sondern für die Freiheit der Hexen? Und könnte sie Sympathie für dich aufbringen, wenn du dein Leben lang auf der anderen Seite des Krieges mit den magisch Begabten gestanden hättest?

Mir hat Zwillingskrone gut gefallen. Mit jedem Kapitel wechselt die Perspektive zwischen Wren & Rose. Wren ist im Verborgenen inmitten einer liebevollen Gemeinschaft aufgewachsen, jedoch weit ab von den Vorzügen der Stadt und hat gelernt, was es braucht, um zu überleben. Rose hat den Palast noch nie verlassen und träumt von der Welt, weiß aber diplomatische und höfische Gepflogenheiten für sich einzusetzen. Im Laufe der Geschichte wachsen beide Charaktere nicht nur individuell, sondern auch gemeinsam, was mir insbesondere bei Rose sehr gut gefallen hat. Ein paar Klischees sind zwar vorhanden und auch die Love Interests sind keine Überraschung, doch wenn man darüber hinwegsieht, ist Zwillingskrone durchaus eine interessante Geschichte. (Das Rad muss für mich auch nicht jedes Mal neu erfunden werden, wenn der Rest stimmt. 🤭)

Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was ich in diesem Fall geschickt gewählt finde, da ich nie dazu kam während des Lesens zu überlegen, was die andere Schwester wohl gerade erlebt. Außerdem hat es der Geschichte ein gewisses Tempo verliehen. Die märchenähnlichen Elemente, die in Bezug auf die Historie des Königreiches und der Vergangenheit sowie Zukunft von Wren und Rose eine Rolle spielen, waren für mich eine schöne Ergänzung der gezeichneten Welt. Ich hoffe daher, dass auch im zweiten Band weitere Legenden, Prophezeiungen und Mythen auf uns warten.

Das Ende der Geschichte kam mir persönlich etwas zu übereilt und hätte ruhig noch etwas gestreckt werden können, dennoch freue ich mich auf ein Wiedersehen im zweiten Band. Es gibt viel zu tun und noch mehr zu klären!

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Wer fürchtet den kopflosen Reiter?

Die Legende von Sleepy Hollow - Im Bann des kopflosen Reiters
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Das Sequel zu Die Legende von Sleepy Hollow hat bei mir den Spooktober eingeläutet: Ein verschlafenes Dorf, eher abgeschieden von den Veränderungen in den Städten, umgeben von einem geheimnisvollen Wald, ...

Das Sequel zu Die Legende von Sleepy Hollow hat bei mir den Spooktober eingeläutet: Ein verschlafenes Dorf, eher abgeschieden von den Veränderungen in den Städten, umgeben von einem geheimnisvollen Wald, um den sich viele Geschichten ranken und das Vorkommen beunruhigende Ereignisse… Das perfekte Setting für ein gutes Herbstbuch! Zudem hat mich die Aussicht auf eine Fortführung von Sleepy Hollow neugierig gemacht, denn im Zentrum der Geschichte steht das Enkelkind von Katrina van Tassel und Brom Bones. Um nicht zu spoilern, kann ich leider nicht näher darauf eingehen, aber die Verknüpfung der bekannten Legende und der neuen Perspektive hat mir gut gefallen.

Die Stimmung war recht düster und hat mein Kopfkino eingeladen, sich die dunklen Wälder besonders gruselig vorzustellen – zuträglich war sicher, dass ich ausschließlich abends gelesen habe und sich Lügen mit jahrelang vergrabenen Geheimnissen mischen. Besonders gut hat mir der märchenhafte und doch schaurige Schreibstil gefallen, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er sich durch die gesamte Geschichte gezogen hätte. Im Gegensatz zu den Alice-Bänden waren die Beschreibungen und Vorfälle gemäßigter, was vielleicht auch der eher kindlichen Erzählweise geschuldet ist. Ich persönlich war froh, dass diesmal auf die ausführliche Brutalität verzichtet wurde.

Da die Autorin auf die Legende von Sleepy Hollow mehrmals Bezug nimmt, ist es nicht zwangsläufig notwendig die Geschichte bereits zu kennen, ich denke aber, dass es von Vorteil ist, zumindest die Grundzüge in Erinnerung zu haben.

Auch wenn die Meinungen bezüglich Triggerwarnungen auseinandergehen, hätte ich mir zumindest einen Hinweis darauf gewünscht, dass Misgendering ein Thema ist, das sich durch das gesamte Buch zieht. Für mich war es sehr unangenehm zu lesen, dass der Figur nahestehende Personen aus verschiedenen Gründen vereinzelt bewusst die falschen Pronomen wählen und auch Außenstehende diese Möglichkeit zu ihrem Vorteil nutzen.

Insgesamt hat mir die Idee Sleepy Hollow in einem neuen Licht zu porträtieren gut gefallen. Für den Einbezug schwieriger Themen wie Zugehörigkeit, Akzeptanz und Trauer(bewältigung) hätte ich mir jedoch etwas mehr Tiefgang gewünscht.

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