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Veröffentlicht am 24.07.2019

Das Geheimnis der schwarzen Nacht

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Dickers neuster Roman führt uns in das beschauliche Orphea an der amerikanischen Ostküste. Die Vorbereitungen für das jährliche Theaterfestival laufen und die Bewohner scheinen in friedlicher Euphorie ...

Dickers neuster Roman führt uns in das beschauliche Orphea an der amerikanischen Ostküste. Die Vorbereitungen für das jährliche Theaterfestival laufen und die Bewohner scheinen in friedlicher Euphorie zu sein. Doch das war nicht immer so, denn vor zwanzig Jahren wurde dieser Ort während der Eröffnung des ersten Festes, von einem großen Gewaltverbrechen erschüttert. Ein Vierfachmord, der die gesamte Familie des damaligen Bürgermeisters und eine Passantin auslöschte. Es war ein kniffeliger Fall, der die jungen Ermittler der State Police Jesse Rosenberg und Derek Scott sehr herausforderte. Nach einer schwierigen Beweisfindung, floh jedoch ihr Hauptverdächtiger und sie lieferten sich mit ihm eine rasante Verfolgungsjagd, die in einem sehr tragischen Unfall endete und ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen sollte.

Kurz vor Rosenbergs Verabschiedung in den Ruhestand taucht nun 2014, die Journalistin Stephanie Mailer auf. In einem kurzem Gespräch mit Jesse behauptet sie, die beiden Ermittler hätten damals das Offensichtliche nicht gesehen und sich somit geirrt. Als Mailer kurz darauf spurlos verschwindet, ihre Wohnung abfackelt und sie etwas später tot in einem nahe gelegenen See aufgefunden wird, scheint hinter dieser Behauptung sehr viel mehr zu stecken, als anfangs befürchtet. Was wusste sie? Wen traf sie? Wer fürchtete sie und ihr journalistisches Talent?
Trotz Unwillen der örtlichen Polizei rollen Jesse, Derek gemeinsam mit Anna Kramer, einer verbündeten Ermittlerin des Polizeireviers in Orphea, den Fall neu auf. Eine Schnitzeljagd beginnt und dabei werden sie immer wieder mit dem Hinweis ' die schwarze Nacht' konfrontiert. Doch was bedeutet das? Und vor allem, wer wird das nächste Opfer sein? Eine gefährliche Suche mit allerlei Korruption, Intrigen, versteckten Fallen und Zeitdruck beginnt.

"VIERFACHMORD IN ORPHEA:
BÜRGERMEISTER UND FAMILIE GETÖTET
Samstagabend wurden Joseph Gordon, der Bürgermeister von Orphea, seine frau und ihr zehnjähriger Sohn im eigenen Haus erschossen. Das vierte Opfer hieß Maghan Padalin, 32 Jahre alt. Die junge Frau hatte zur Tatzeit ihre Jogging-runde gedreht und wurde vermutlich unfreiwillig zur Zeugin des Mordes. Sie wurde auf offener Straße vor dem Haus des Bürgermeisters erschossen." - Orphea Chronicle vom 1.August 2994

Ja, doch, das war so beinahe durch und durch ein Spannungsroman nach meinem Geschmack. Ab und zu hatte ich zwar einen gewissen Punkt erreicht und wollte nun endlich vorwärts kommen und wissen, wer denn nun der Mörder ist, aber das Durchhalten hat sich doch mehr oder weniger gelohnt. Zwar waren im Vorfeld recht eindeutige Zeichen und Hinweise über den weiteren Verlauf der Ermittlungen versteckt, die es dann manchmal recht wenig überraschend machten, aber als Gesamtpaket mag dieses Buch dann wirklich sehr. Zumal Dicker es geschafft hat mich wieder zum Schnellleser zu machen und "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" ein gut durchdachter und unterhaltender Roman ist. Zwar ist es kein Buch, das mit enormer Action oder sonderlich viel Herausforderung und Spürsinn punkten kann, aber gerade menschlich und charakterlich finde ich Dickers Spurensuche wirklich gut. Die Charaktere und Verdächtigen sind sehr individuell bis teilweise gar verrückt. Ein jeder hat so seine Geheimnisse und versucht seine Fassade aufrecht zu erhalten. Ein Hauch Selbstschutz, etwas Egoismus und Rache... für mich eine recht interessante Kombination, aber das ist dann auch tatsächlich beinahe schon alles, was man dazu sagen kann. Es ist eher ein klassisches 'leichteres' Sommerbuch und eine große Empfehlung, für alle, die eher seichtere Krimis mögen oder eben, wie ich, keine durchtriebene Mordlust und enormen Nervenkitzel benötigen.

Veröffentlicht am 23.07.2019

"Die Nickel Boys" von Colson Whitehead - Ein erschütterndes Zeugnis der Rassendiskriminierung in den 60er Jahren

Die Nickel Boys
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Manchmal muss man nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein und plötzlich wird das ganze Leben aus der Bahn geworfen. So ähnlich ergeht es zumindest dem Protagonisten in "Die Nickel Boys" von Colson Whitehead. ...

Manchmal muss man nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein und plötzlich wird das ganze Leben aus der Bahn geworfen. So ähnlich ergeht es zumindest dem Protagonisten in "Die Nickel Boys" von Colson Whitehead.

Elwood ist ein recht fleißiger und intelligenter Junge, doch seine Hautfarbe legt ihm stets Steine in den Weg. Er lebt gemeinsam mit seiner Großmutter in Tallahassee. Im Ghetto der Schwarzen. Und von einem einfachen Leben kann man zu dieser Zeit einfach noch lange nicht sprechen. Schwarze wurden schikaniert, unterdrückt, nur als Hilfskräfte für das privilegierte, weiße Volk betrachtet. Schon seine Schulzeit war nicht unbedingt unproblematisch, gemischte Klassen gab es bis dato einfach nicht und niemand wollte die schwarzen Kinder an den Schulen haben. Und wenn, dann bekamen sie die alten, abgewetzten Bücher der Weißen, die sie voller rassistischer Botschaften für sie hinterließen. Doch Elwoods Lehrer glaubt an ihn und so soll es dann Anfang der 60er Jahre auch für ihn in eine Möglichkeit geben aufs College zu gehen. Elwoods Vorbild ist Dr. Martin Luther King und so träumt auch er von einem gerechten Leben. Und gerade das scheint mit Bildung nun für ihn möglich. Doch alles kommt anders als erwartet. Elwood gerät auf dem Weg zum College in ein gestohlenes Auto und so wird der sechzehnjährige Junge dann ohne ein gerechtes Verfahren in eine Besserungsanstalt, die Nickel Academy, gesperrt. Hier herrscht nicht nur strikte Rassentrennung und Selektion, sondern auch gewaltsame Unterwerfung. Ab und zu verschwinden spurlos Mitinsassen, teilweise begleitet von mysteriösem nächtlichen Dröhnen und Schreien. Und manchmal kommt es auch einfach so zu willkürlichen Bestrafungen durch die weißen Aufseher. Die Besserungsanstalt ist vergleichbar mit einer Vorstufe eines Arbeitslagers und nur wer nicht negativ auffällt, darf das Nickel nach seiner verhängten 'Haftstrafe' wieder verlassen, aber selbst das ist leichter gesagt als getan...


"Das ergab keinen Sinn. [...] Vielleicht hatte die Gewalt kein System, und niemand, weder Wächter noch Bewachte, wusste, aus welchem Grund sie etwas taten oder nicht. Dann war Elwood an der Reihe."


Whitehead hat sich mit diesem fiktionalen und doch auf Fakten basierenden Roman einem sehr ernsten und wichtigen Thema gewidmet. Rassismus, Unterdrückung, willkürliche Gewalt. Die 60er Jahre waren nach wie vor für die dunkelhäutige Bevölkerung eine sehr schwere Zeit und gerade diese Schwere, aber auch Willkür der Weißpriviligierten schwingt in nahezu jeder Zeile mit. Es ist kein einfaches Buch, dass man zur allgemeinen Nebenbeiunterhaltung nutzen kann, denn dafür ist das Geschehen einfach zu brutal und legt Zeugnis ab, von Dingen, die man in der heutigen Zeit nahezu ungeschehen machen möchte. Diskriminierung und Unterdrückung findet viele Wege und gerade Besserungsanstalten hatten in den USA einen großen 'Einfluss'. Und so öffnet Whitehead dem Leser auf diesem Weg noch einmal die Augen, was für ein Klima damals herrschte und wie schwer das speziell für die Nichtweißen war. Gerade deshalb ist das Buch für mich dann auch so etwas wie Pflichtlektüre - zum Verständnis, aber auch um sich in der heutigen Zeit der Ungerechtigkeit bewusst zu werden und die Vergangenheit nicht einfach unter den Tisch zu kehren.
Aber dieses Buch hat, wie ich finde, auch so einige Schwachstellen. Whitehead beschreibt vielfach die ausgeübte Gewalt, doch die meisten Erzählungen enden abrupt und ein neues Kapitel beginnt. Auch die Spannung kann er so nicht ununterbrochen aufrecht erhalten. Ähnlich verhält es sich dann auch mit den einzelnen Teilen selbst. Sobald man in das Geschehen hineingefunden hat, mitgerissen wurde, wird man auch wieder rausgeschmissen. Daher ist dieser Roman im Großen und Ganzen auch eher als eine Art Gedankenanstoß zu sehen, der den 'normal aufgeklärten' Leser, mehr mitnimmt und schockiert, aber eben auch mit seinen Gedanken alleine lässt. Und das empfinde ich gerade bei so ernsten Themenkomplexen etwas schwierig und schade.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Großes Feuerwerk, wenig Begeisterung

Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale
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"Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale" ist der dritte Teil der historischen Paris-Krimireihe von Jean-Francois Parot. In diesem Band nimmt uns Commissaire Nicolas Le Floch erneut mit durch ...

"Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale" ist der dritte Teil der historischen Paris-Krimireihe von Jean-Francois Parot. In diesem Band nimmt uns Commissaire Nicolas Le Floch erneut mit durch das frühere Paris und gewährt uns zeitgleich Einblick in die damaligen Gesellschaftsstrukturen. Während es im ersten Teil noch hauptsächlich um das verruchte Treiben in den Bordellen, Spielhöllen, Verliesen von Paris ging, führte uns Le Floch im zweiten Teil nach Versailles und in die Klöster der Stadt. In diesem Buch befinden wir uns bereits im Jahre 1770. und beginnen mit einer aufsehenerregenden Inszenierung eines Feuerwerks, das König Ludwig XV zu Ehren der bevorstehenden Hochzeit seines Sohnes, in die Lüfte steigen lässt. Doch aus den schönen Feierlichkeiten wird rasch ein großes Fiasko. Fehlgeleitete Feuerwerkskörper lösen eine Massenpanik aus. Die zuständigen Ordnungshüter sind verschwunden, hunderte Menschen werden zu Tode getrampelt, Gauner nutzen die Gelegenheit des Aufruhrs und zwischen all den Opfern taucht mit der einkehrenden Ruhe die Leiche einer jungen Frau auf. Die 19-jährige Elodie Galaine wurde erwürgt und gerade ihre Verwandten scheint das ganze Szenario unbeeindruckt zu lassen.
Die Obduktion lüftet etwas später noch ein ganz anderes Geheimnis. Die junge Frau hat vor kurzem ein Kind entbunden, ob es sich hier um einen späten Abbruch oder eine normale Geburt handelte? Man weiß es nicht. Noch nicht. Was verschweigt Elodies Verwandtschaft?Haben sie die junge Frau auf dem Gewissen? Sind sie alle schuldig im großen Verwirrspiel oder hat die Familie des Kürschners und Pelzhändlers noch ganz andere Dinge zu verstecken?

Jean-Francois Parot schreibt sehr zeitgenössisch und man hat tatsächlich das Gefühl, in eine ganz andere Zeit einzutauchen und das Leben, die Gesellschaft, die Auseinandersetzungen und vor allem das Machtspiel zwischen dem König, seinen Untergebenen, dem Volk und den einzelnen Instanzen des Landes kennenzulernen. Und gerade diese historische Auseinandersetzung, die verschiedenen Hierarchien, Institutionen, motivierten Protagonisten... machen diese Reihe so faszinierend. Normalerweise würde ich sagen, dass ich ein großer Fan dieser Krimireihe bin, doch mit diesem dritten Teil konnte ich ehrlich gesagt, recht wenig anfangen. Es ist eher ein Band, der für den weiteren Verlauf und das Heranreifen des Protagonisten essentiell sein könnte, aber sonst hat dieses große Verwirrspiel kaum Spannung geboten. Einzig den Abschnitt über den Exorzismus fand ich irgendwie noch ganz interessant, aber das war's dann im Großen und Ganzen auch schon. Dieses Buch mit dem Einblick in das Haus und das Treiben eines Pelzhändlers war dann doch teilweise sehr langweilig, etwas gestreckt und auch vom Fall als solches recht unspektakulär. Also dieses Teil ignorieren wir einfach mal und freuen uns auf den aktuell erschienenen neuen Band, in dem Commissaire Le Floch aufgrund einer Liebelei zum Hauptverdächtigen wird und nun versuchen muss, alle von seiner Unschuld zu überzeugen. Ob ihm dies gelingen wird und was der König davon halten wird... wir werden's sehen.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Auf in ein langweiliges Abenteuer!

Dschungel
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Von Friedmann Karigs "Dschungel" hatte ich recht viel erwartet und wurde dann leider sehr enttäuscht. Dies liegt vielleicht bereits daran, dass die Grundidee seines Buches annähernd mit Doris Knechts neuem ...

Von Friedmann Karigs "Dschungel" hatte ich recht viel erwartet und wurde dann leider sehr enttäuscht. Dies liegt vielleicht bereits daran, dass die Grundidee seines Buches annähernd mit Doris Knechts neuem Roman "weg" übereinstimmt. Während bei ihr die Tochter nach Kambodscha abhaut, ist es hier der beste Freund des Protagonisten. Felix ist weg, einfach verschwunden, ohne irgendeine Nachricht hinterlassen zu haben. Und natürlich muss er nun seinen Kumpel suchen, er hat zwar Angst loszulassen und sich einfach treiben zu lassen, aber er tut dies für seinen besten Freund und dessen Mutter, die ihn auf die Reise schickt. Und dafür setzt er nun einfach alles aufs Spiel... seinen Job, seine Beziehung mit Lea, sein Leben. Er verrennt sich in kleinsten Hinweisen, durchforstet Kambodscha, das Land der Menschen aus aller Welt, die einfach alles zurücklassen wollten und hier unabhängig und frei aufblühen. Er verfolgt jeden Hinweis, trifft Leute mit denen Felix zutun hatte und eine wilde Schnipseljagd zwischen Kindheitserinnerungen, Hoffnung und Realität beginnt.

"War es das wert? Ein Leben verlieren, um ein neues zu bekommen? Was war es überhaupt wert, wenn ich erst herkommen musste, um es zu sehen? Um unsere ganze Geschichte erzählen zu können?"

Normalerweise hätte ich die Geschichte sicherlich toll gefunden, aber ich hab hier weder sprachlich noch inhaltlich etwas wirklich fesselnd, rasantes entdecken können. Karigs Figuren bleiben für mich auch nach Beendigung des Romans eher schleierhaft, fremd und überhaupt nicht greifbar. Einer ist ein Schisser, der andere ein Draufgänger und beide leben eher in ihrer eigenen Welt. Die Geschichte entwickelt sich auch eher langsam, hat zahlreiche Längen und Karig driftet immer mal wieder ab. Das hat dann leider auch dazu geführt, dass ich recht schnell die Lust verloren habe. Mir fehlte da einfach die Nähe und auch sprachlich irgendeine Besonderheit. Karig schreibt zwar sehr klar, erzeugt einzelne sehr interessante Bilder, aber auch nicht mehr. Ich würde beinahe sagen, dass die Geschichte bis auf die Angst, dass er seinen Freund verliert, recht kühl gehalten ist. Es stehen alle Möglichkeiten offen und trotzdem verrennt sich der Protagonist in seinem eigenen Ding. Auch die Spielerei mit den Erinnerungen fand ich zwar einzeln nett, aber den wirklichen Sinn daran konnte ich leider auch nicht feststellen. Es gibt an den Haaren herbeigezogene Hinweise, die sich dann immer mal wieder mit dem darauf folgenden Kapitel decken, aber dieses Sprunghafte macht es für mich sehr, sehr schwierig. Wahrscheinlich ist dies eher so eine Art 'Draufgänger'-buch und daher mag der aktuelle Hype etwas gerechtfertigt sein, für mich hingegen war es einfach zu platt.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Schlichte Faszination

Warum die Vögel sterben
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Vögel. Buntes Federvieh, das einfach so vom Himmel stürzt. In Hitchcocks Die Vögel greifen sie noch scharenweise die Menschen an.Und auch in Victor Pouchets Gedanken dreht sich vieles um herabstürzende ...

Vögel. Buntes Federvieh, das einfach so vom Himmel stürzt. In Hitchcocks Die Vögel greifen sie noch scharenweise die Menschen an.Und auch in Victor Pouchets Gedanken dreht sich vieles um herabstürzende Vögel, allerdings nicht unbedingt von sich aus. "In Warum die Vögel sterben" beginnt nämlich alles mit einem mysteriösen Vogeltod. Sie fallen einfach so in Scharen vom Himmel und kaum jemand interessiert sich dafür. In Bonsecours, dem Heimatort des Ich-Erzählers ist ähnliches passiert. Pouchet hat gerade eine Trennung hinter sich gebracht und müsste sich eigentlich voll und ganz auf seine Studienarbeit konzentrieren und doch möchte er diesem Phänomen nachgehen. Er hat nämlich eine sehr 'besondere' Bindung zu Vögeln. Mit sieben Jahren hatte er kurzzeitig einen grün-gelben Papagei aufgelesen, der sich knapp ein Jahr später tief verstört selbst dahinraffte. Auch Hitchcocks Die Vögel ist für ihn kein unbekannter Film und hatte schon früh sein Interesse geweckt. Und nun auch diese Todesfälle. Mittels einer spontanen Seine-Kreuzfahrt flieht er daher kurzerhand aus Paris und will sich dem Ursprung der Vorfälle nähern. An Bord ist er scheinbar der Jüngste unter den Passagieren und führt einige interessante Gespräche und das, obwohl er selbst kaum Ahnung von der Ornothologie zu haben scheint. Dort kreuzt auch die Vizekapitänin seinen Weg und er verliebt sich in sie. Doch dies sollte wie gewohnt nur ein kurzfristiger Ausflug sein, denn bereits einige Stationen später, geht er in Rouen von Bord, widmet sich erneut seinen Forschungen und entdeckt doch wieder anderes als ursprünglich geplant...

Ob es sich hierbei nun um einen autobiografischen Auszug aus dem Leben Victor Pouchets selbst handelt oder alles doch auf fiktiven Gegebenheiten beruht ist fraglich. Jedenfalls war mir der Ich-Erzähler, der auch den Nachnamen Pouchet trägt, auf Anhieb sehr sympathisch. Pouchet erzählt mit einer gewissen Faszination von verschiedenen Vögeln. Seine Gedanken, seine Erlebnisse, seine Ahnenforschung bilden eine interessante Mischung. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es ein einfacher Roman ist oder ein total spannender, denn dafür plätschert die ganze Handlung so ein bisschen zu sehr vor sich hin und findet keine wirkliche Antwort. Es scheint so, als würde er sich selbst nie so recht festlegen wollen und geht dann konsequent weiter, um etwas neues zu beginnen und dessen Ende dann auch wieder offen zu lassen. Und so war ich dann recht häufig gefangen in gedanklichen Weiterverstrickungen, dass es mir manchmal recht schwer gefallen ist, das Gelesene auf Anhieb so wahrzunehmen wie es ist. Ich bin recht häufig abgedriftet oder habe nach Fakten über Pouchet, Bonsecours und die Vogelabstürze gesucht... und das ist dann für mich tatsächlich etwas ganz seltenes. Ich konnte auch während des Lesens nicht gerade behaupten, dass es nun ein wahnsinnig großartiger Roman ist, aber im Nachhinein wächst meine Begeisterung für dieses Buch mehr und mehr. Und so möchte ich auch gerne glauben, dass es sich hierbei um einen autobiografischen Auszug handelt, dass es dieses Naturkundemuseum genauso dort gibt, dass Félix-Archimède Pouchet zu den Vorahnen des Autors zählt, dass er selbst diese Seine-Fahrt unternommen und auch seine Studienarbeit in diesem Rahmen stattgefunden hat. Denn genau das alles macht ihn irgendwie als Menschen so spannend und sympathisch. Aber nicht nur das, ich habe auf diesen 189 Seiten so viele großartige Sätze und Gedanken entdeckt, dass es sich schon alleine wegen ihnen gelohnt hat dieses Buch zu lesen.