Wie sind eigentlich unsere Ozeane entstanden? Wieso ist das Wasser salzig? Wer lebt alles im Meer und wie ernähren sie sich? Was können wir als Menschen tun, um dieses faszinierenden Lebensraum zu schützen? ...
Wie sind eigentlich unsere Ozeane entstanden? Wieso ist das Wasser salzig? Wer lebt alles im Meer und wie ernähren sie sich? Was können wir als Menschen tun, um dieses faszinierenden Lebensraum zu schützen? Mit all diesen und noch einigen fragen mehr beschäftigt sich das Erstleserbuch rund um das Thema Ozeane.
Die Schrift ist groß gehalten, so sind die Seiten nicht zu voll und man kann den Inhalt gut überblicken. Durch eine einfache Wortwahl und kurze Sätze werden die Informationen auch für Kinder verständlich. Hin und wieder werden natürlich Fachworte benutzt, diese werden dann jedoch im Text auch erklärt, so dass man direkt weiß, womit man es zu tun hat. Die Ozeane sind ein sehr komplexer und facettenreicher Lebensraum, der viel zu bieten hat und längst noch nicht komplett erforscht ist. Das Buch bietet einen schönen Überblick über ganz verschiedene Themenbereiche, die sich um die Entstehung und die Veränderungen der Ozeane drehen, die aufzeigen, wer alles im Meer lebt und wieso der Lebensraum bedroht ist. Jedes Themengebiet wird nur kurz angerissen, man kann daher nur einen ersten Einblick erhalten. Wenn man sich für einen Bereich mehr interessiert, wird man darüber hinaus recherchieren müssen. Das Buch zeigt jedoch wie vielfältig die Aspekte sind und was alles eine Rolle spielt, wenn man Ozeane betrachten möchte. Mit vielen tollen Fotos, Grafiken und Illustrationen werden die Inhalte zudem sehr anschaulich präsentiert. Von vielen der angesprochenen Dinge erhält man so auch direkt ein Bild. Schön gemacht fand ich auch den munteren Seestern, der einen durch das Buch mitnimmt. Mit kleinen, teils witzigen Kommentaren ergänzt er die Dinge, die in den Sachtexten stehen.
Am Ende jedes Kapitels gibt es ein Leserätsel. Diese sind immer wieder anders aufgebaut und können auf spielerische Art für einen kleinen Wissenstest genutzt werden. Dabei dreht es sich jeweils um die Inhalte des vorangegangenen Kapitels. Auch ein paar Aufkleber sorgen für Abwechslung beim Anschauen und Lernen. Eine sehr schöne Idee ist auch immer das Leselotto am Ende jedes Buches. So enthält das Buch nicht nur Informationen sondern bietet darüber noch Möglichkeiten für Spaß und Spiel. Gut gefallen hat mir auch, dass das Thema Umweltschutz ebenfalls angesprochen wurde.
Manchmal ist es ein wenig schade, dass für jedes Thema nur so wenig Platz im Buch ist, zwischendurch wäre eine Doppelseite mehr vielleicht schön gewesen, um auf das eine oder andere noch mehr einzugehen. Insgesamt empfand ich den Überblick und Einblick in die verschiedenen Themenbereiche jedoch gut. Man kann ein Gefühl dafür bekommen, wie komplex Ozeane sind und wie vielfältig der Lebensraum ist, den sie bieten.
In „So sind Familien“ werden in 14 in sich abgeschlossenen Geschichten unterschiedliche Familien vorgestellt, die zwar auf verschiedene Art zusammenleben, die aber alle ganz ähnliche, alltägliche Sorgen, ...
In „So sind Familien“ werden in 14 in sich abgeschlossenen Geschichten unterschiedliche Familien vorgestellt, die zwar auf verschiedene Art zusammenleben, die aber alle ganz ähnliche, alltägliche Sorgen, Probleme oder Freuden haben. Es gibt kein „so muss eine Familie“ sein. Familien sind individuell, bunt und auf tausend verschiedene Arten genau richtig. Ob man mit zwei Mamas oder zwei Papas aufwächst, mit einem Papa und einer Mama, mit Geschwistern oder ohne, mit Haustieren oder ohne Tiere, in einem gemeinsamen Haus mit mehreren Generationen oder nur mit einer kleinen Anzahl an Personen, nichts davon ist richtiger als eine andere Variante. Manche Familienmitglieder kommen aus unterschiedlichen Ländern, bringen verschiedene Kulturen, Sprachen und Erfahrungen mit, all das macht Familien noch bunter und besonderer. Liebevoll illustriert kann man zwischen den Buchdeckeln entdecken, wie es in den Familien aussieht, die man hier begleitet.
Mir hat das Buch insgesamt wirklich richtig gut gefallen. Die Texte sind sprachlich leicht gehalten, so dass auch kleine Zuhörer der Handlung folgen können. Die Geschichten selbst sind nicht sehr komplex und lassen einen einfach in kurze Episoden der Familie eintauchen. Die tollen, liebevollen Illustrationen führen einen gut durch die Geschichten und machen die Familien gleich richtig greifbar. Man bekommt eine Vorstellung von ihnen und ihrem Zusammenleben. So kann man auch unterschiedliche Kulturen, das Vorhandensein von Haustieren, Geschwistern oder weiteren nah bei ihnen lebenden Familienangehörigen auf einem Bild zu Beginn der Geschichte erfahren und möglicherweise mit den Kindern, denen man die Geschichten vorliest, direkt darüber sprechen, bevor man in die eigentliche Kurzgeschichte eintaucht. Damit wird auch direkt auf den ersten Blick deutlich, wie unterschiedlich und bunt mischt die Familien innerhalb des Buches sind. Bei manchen ist es ruhiger, bei anderen etwas wilder. Und bei manchen werden auch einfach mal die Rollen getauscht.
Die Mischung im Buch ist gut gewählt, weil es so vielseitig ist und man damit ganz unterschiedliche Familien sieht. Gleichgeschlechtliche Elternpaare sind genauso integriert wie Familien, in denen sich die Eltern getrennt haben und es damit neben den eigentlichen Eltern noch einen zusätzlichen Partner gibt und Familien, in denen jemand ein Handicap hat. Meistens gibt es jede Familienstruktur nur einmal innerhalb des Buches, Eltern, die aus Mama und Papa bestehen, gibt es aber schon häufiger. Bei ihnen unterscheiden sich dann die Anzahlen der Kinder, die Kulturen, ob es Haustiere gibt oder ob weitere Familienangehörige bei ihnen oder direkt in der Nähe wohnen. So hat jede Familie ihre Besonderheiten. Richtig schön fand ich, dass es ganz egal ist, wie die Familie zusammengestellt ist, jede von ihnen hat so ihre Alltagsproblemchen, Hürden oder eben auch freudige Momente, schöne Ausflüge und Erlebnisse. Es wird auch nicht unbedingt in den Mittelpunkt gestellt, wie die Familie „aufgebaut“ ist, man erlebt einfach eine kleine Episode aus ihrem Leben, zum Beispiel wenn die Kinder Radfahren lernen oder wenn die Kinder und Eltern mal die Rollen tauschen, weil es ja gar nicht so schwer sein kann, sich um den Haushalt zu kümmern.
Um noch ein paar spezifischere Einblicke zu geben: Ebenfalls integriert ist, dass nicht die Blutsverwandtschaft allein entscheidet, wer Familie ist. Gleich in der ersten Geschichte wird dieses Thema aufgegriffen. Manchmal kann auch eine kleine Familie entstehen, wenn jemand eigentlich zuvor nicht zu ihnen gehörte. Schön eingeflochten waren auch Handicaps, die manche Familienmitglieder haben. So sitzt eines der Mädchen im Buch zum Beispiel im Rollstuhl, eine Oma in einer anderen Geschichte scheint an Demenz erkrankt zu sein und bringt manches durcheinander. Für die Kinder nicht unbedingt eine einfache Situation, wenn die Oma sie nicht mehr erkennt, aber ein guter Aufhänger, um auch über solche Themen zu sprechen. Richtig schön fand ich auch die Geschichte mit den beiden Eineiigen Zwillingen, in denen die Besonderheiten jedes einzelnen eine Rolle spielten.
!!Mini-Spoiler:
Nur eine Geschichte empfand ich als nicht komplett gelungen und das war die, in der sich das Einzelkind ein Geschwisterchen wünscht. Klar kann man sich viel wünschen und das wird eben nicht immer in Erfüllung gehen, besonders wenn es eh schon schwierig war dieses eine Kind zu bekommen. Und wenn man betrachtet, für welches Alter das Buch geschrieben ist, braucht es hier auch keinen langen Aufklärungstext, dennoch empfand ich den Umgang mit dem Thema als etwas „schnell abgetan“ und auch die Alternative, dass er doch dann einfach mit dem Hund des Nachbarn spielen könnte, war irgendwie unbefriedigend. Die Idee kam zwar nicht von den Eltern, sondern vom Nachbarn, aber trotzdem war es irgendwie schade. Ein Hund ersetzt ja nicht den Wunsch nach einem Geschwisterkind. Und der Junge in der Geschichte war durchaus in einem Alter, in dem man verstehen kann, dass manches schwierig ist.
Spoiler-Ende!!
Fazit
Ein richtig schönes, toll und liebevoll gestaltetes Buch, das zeigt, wie bunt und vielseitig Familien sind. In jeder Familie läuft es etwas anders, selbst wenn die gleiche Anzahl an Familienmitgliedern und Haustieren da sind. Jede Familie hat schöne Momente, tolle Gespräche, Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben genauso wie kleine Sorgen und Probleme, Schwierigkeiten, Stress oder Unstimmigkeiten in der Kommunikation. So ist das Leben, das gehört dazu. In kurzen Geschichten kann man die 14 Familien in mehr oder weniger alltäglichen Situationen oder bei kleinen Ausflügen begleiten und erleben, wie es bei ihnen so läuft, wo auch mal Chaos entsteht und was für wertvolle Erfahrungen sie aus unterschiedlichen Momenten mitnehmen. Zwischen den Buchdeckeln stecken schöne, kleine Botschaften, Augenblicke zum Schmunzeln aber auch mal Szenen, die vielleicht nachdenklich machen oder für ein bisschen Gesprächsbedarf sorgen. Insgesamt eine wirkliche schöne Mischung.
Eigentlich wollte Paula nur einen kleinen Ausflug aufs Meer machen. Sich und auch ihrer Familie beweisen, dass sie keinesfalls zu klein ist, um ebenfalls mit einem Brett über die Wellen zu flitzen, wie ...
Eigentlich wollte Paula nur einen kleinen Ausflug aufs Meer machen. Sich und auch ihrer Familie beweisen, dass sie keinesfalls zu klein ist, um ebenfalls mit einem Brett über die Wellen zu flitzen, wie ihr Vater und ihre Brüder es zuvor getan haben. Doch dann passiert ein Unglück und Paule strandet auf der Insel Chronossos- der Insel der Zeit. Dort gelten die Regeln, die Paula bisher kannte nicht, denn dieser Ort hat seine eigenen Gesetze zu Raum und Zeit. Um die Zehnjährige wieder zurück zu ihrer Familie zu bringen, muss sie einiges lernen und gut vorbereitet sein, denn es ist alles andere als leicht, durch die Zeit zurück zu reisen – sogar nahezu unmöglich. Als Unterstützung an ihrer Seite sind dabei die Urwald-Oma, Sau Anna Bella und Gorilla Baddabamba.
Ich habe einen Moment gebraucht, um mich an die Sprech- und Betonungsweise von Anna Thalbach zu gewöhnen. Teilweise zieht sie das Tempo beim Lesen enorm an und macht dabei Pausen innerhalb der Sätze, die ich als ungewöhnlich empfand. Daran habe ich mich jedoch schnell gewohnt und im Laufe der Geschichte ist es mir dann auch nicht mehr so sehr aufgefallen, wie noch zu Beginn. Insgesamt fand ich es aber gut, dass sie das Sprechtempo der Situation anpasst, damit unterstützt sie das zwischendurch ansteigende Tempo der Handlung und die Turbulenzen, die im Buch immer wieder auftauchen. Man fühlt sich direkt mit unter Strom gesetzt, ohne dabei „gehetzt“ zu werden. Es unterstreicht einfach die aufkommende Spannung. Richtig gut gefallen hat mir, wie unterschiedlich sie die Charaktere liest. Man kann die Figuren gut voneinander unterscheiden und es schwingt viel von der Persönlichkeit mit, so wirkt die Handlung direkt noch lebendiger.
Sau Anna Bella ist sehr lebenslustig, manchmal etwas aufgedreht, hat gern Spaß und genießt einfach ihr Leben in vollen Zügen, mit all den Dingen, die ihr Freude machen. Sie lässt im wahrsten Sinne des Wortes gern die Sau raus. Mir war sie manchmal fast schon ein bisschen zu abgedreht mit ihren Ideen, allerdings ist sie auch ein schöner Gegenpol zu den anderen Charakteren und im Verlauf des Buches wird dann auch klar, dass sie ebenfalls noch weiter Seiten hat als nur die lustig-ausgelassene, der es egal ist, wie viel Cola man (auch als Kind) so trinkt.
Baddabamba habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Der ausgeglichene, gütige und oft weise wirkende Gorilla ist der Ruhepol auf der Insel. Er bringt Paula viele wertvolle Dinge bei, zum Beispiel auch, wie wichtig es ist, geduldig zu sein, Nichtstun und Innehalten auszuhalten und planvoll vorzugehen. Ich mochte seine Art mit dem Mädchen umzugehen und es zu beschützen. Auch über ihn erfährt man innerhalb der Geschichte einiges zu seiner Vergangenheit, wie er zur Urwald-Oma kam und auch dass es wirklich düstere Zeiten bei ihm gab. Das macht die Figur noch vielseitiger und greifbarer und unterbricht auch die Gute-Laune-Stimmung ein wenig, was ich jedoch gut fand, weil im Leben eben leider auch nicht immer alles nur locker-leicht ist.
Die Urwald-Oma ist ein echtes Unikat. Sie vereint so viele verschiedene Eigenschaften in sich, je nachdem welche Tageszeit gerade ist. So ist sie allein schon ein sehr facettenreicher Charakter mit einem sehr niedlichen Begleiter, der in ihren Haaren sein Heim hat.
Paula kennt als Menschenmädchen die Insel der Zeit natürlich nicht und muss sehr viel lernen. Das fällt ihr nicht immer leicht und selbst wenn sie dachte, sie hätte das eine oder andere verstanden und verinnerlicht, ist es für sie nicht immer einfach, sich in der Akutsituation dann auch an das Gelernte zu erinnern. So passieren Fehler und unbedachte Handlungen. Manchmal ist sie etwas ungestüm und eben doch weiterhin ungeduldig. Aber sie ist eben auch erst zehn und manche Dinge brauchen mehr Zeit als die, die sie auf der Insel hat. Man spürt jedoch trotzdem, dass sie sich entwickelt, sich dem Leben auf der Insel anpasst, viel hinterfragt, das Wissen, das ihr präsentiert wird, so gut es geht aufsaugt und sich bemüht, es anzuwenden.
Es stecken sehr viele zauberhafte Ideen in dem Buch. Besonders begeistert war ich von der detailreichen, vielseitigen, anschaulich beschriebenen Welt, in der es enorm viel zu entdecken und erleben gab. Sehr ungewöhnliche Orte und Wesen, Eigenarten und Möglichkeiten. Immer wieder gibt es etwas Neues, was für kleine Herausforderungen oder schöne Augenblicke sorgt, langweilig wird es wirklich nie. Ich mochte auch die Dynamik zwischen den Figuren richtig gern. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie so unterschiedlich sind, ergänzen sie sich gut und Paulas Begleiter sind ein ziemlich gutes Team. Gemeinsam erleben sie Abenteuer, bestehen Gefahren, haben Spaß, tauschen sich aber auch zu ernsteren oder bedrückenderen Themen aus oder philosophieren über das eine oder andere. So entsteht eine abwechslungsreiche Handlung in der man sich immer wieder überraschen und verzaubern lassen kann.
Mir persönlich war Anna Bella etwas zu drüber, aber ich bin nun auch keine zehn Jahre mehr alt. Ich schätze, Kinder hätten mit ihr einfach nur Spaß und würden sich schieflachen über die Dinge, die Paula und sie zusammen erleben – zumindest in den Augenblicken, in denen sie noch geschützt in der Villa sind. Auf der Reise wird es auch mit Anna Bella dann nicht immer nur lustig und unbeschwert sein.
Fazit
Ein wirklich schönes Hörbuch, das mir viel Freude gemacht hat. Die vielseitigen, sehr unterschiedlichen Figuren, die alle ihre Geschichte mitbringen und diese auch in die Handlung einfließen lassen, haben mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn mir persönlich Anna Bella etwas zu aufgedreht war. Es stecken wahnsinnig viele kreative, liebevoll ausgearbeitete Ideen in dem Buch, die mich richtig begeistert haben. Ständig gibt es etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Es gibt lustige Passagen und ernstere Momente, kleine und größere Abenteuer, Turbulenzen und Gefahren und auch sehr viel Zusammenhalt und Freundschaft.
Sind wir wer wir sein wollen oder sind wir wer wir sein sollen? Direkt nach der Geburt bekommen wir unser erstes „Label“ aufgedrückt: männlich oder weiblich. Zumindest in den allermeisten Fällen. Aber ...
Sind wir wer wir sein wollen oder sind wir wer wir sein sollen? Direkt nach der Geburt bekommen wir unser erstes „Label“ aufgedrückt: männlich oder weiblich. Zumindest in den allermeisten Fällen. Aber was ist, wenn sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass das Geschlecht, das wir zugeordnet bekommen haben, nicht dem entspricht, wie wir uns fühlen? Und was ist, wenn auch das andere nicht so recht zu einem passen will? In einer heteronormativ geprägten Welt scheint es nicht so leicht zu sein, seinen Platz zu finden und frei zu äußern, wen man liebt oder wie man sich fühlt, wenn man in diese scheinbare Norm nicht passen will. Wie schlimm, verstörend und irritierend das für Betroffene sein kann und wie vielfältig die Welt hinter dieser „Norm“ ist, das zeigt „Queergestreift“. Es sensibilisiert und klärt auf, gibt Einblicke in die Gedanken und Gefühle von Betroffenen und baut hoffentlich auch ein paar Vorurteile ab, die möglicherweise nur durch Unwissenheit entstanden sind.
Obwohl wir inzwischen 2022 schreiben, ist es leider alles andere als selbstverständlich, dass Menschen lieben dürfen, wen sie wollen und dass sie sich fühlen dürfen, wie sie sich nun mal fühlen. Es muss nach wie vor viel für Rechte, Gleichstellung, Akzeptanz und Toleranz gekämpft werden, auch wenn sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat. Eigentlich absolut unverständlich, wieso es so schwierig zu sein scheint, schließlich wäre es doch für alle einfacher, wenn man offen, sensibel und tolerant gegenüber allen Arten von Liebe, Identitätsausdrücken und solchen Dingen wäre. Damit meine ich jetzt nicht toxische oder gewaltbehaftete Beziehungen und Bindungen, sondern all die anderen vielfältigen Wege sich zu verlieben oder es eben zu lassen bzw. sich selbst zu definieren. Es wäre weniger Stress, weniger Ärger, weniger Konflikte, mehr Zufriedenheit, mehr Akzeptanz, mehr Ruhe für alle – klingt doch traumhaft oder? Die Realität ist nun leider nicht so, aber vielleicht kommen wir irgendwann dahin, dass wir nicht mehr meinen über alles urteilen zu wollen, was andere so tun, wie sie denken und sich fühlen.
Queergestreift beleuchtet nach und nach die einzelnen Buchstaben in „LGBTQIA+“, so dass man eine gute Gliederung innerhalb des Buches hat und entweder von vorn durchgeht oder sich eben den Buchstaben raussucht, der einen am meisten interessiert. Die Bereiche sind klar unterteilt und auch innerhalb jedes Kapitels gibt es eine gute Gliederung, die es übersichtlich macht. Durch zahlreiche Illustrationen wird das Buch noch abwechslungsreicher bei der Betrachtung und sehr bunt. Mir manchmal etwas zu bunt, aber das liegt einfach daran, dass ich nicht so sehr auf quietschbunt stehe, das ist ja absolute Geschmackssache und tut dem Inhalt nun keinen Abbruch. Da die Welt und eben auch Sexualität und Identität sehr bunt und vielfältig sind, passen die farbenfrohen Bilder aber auf jeden Fall zum Thema. Zusätzlich wirkt der Text auch nicht so erschlagend, da es durch die Illustrationen etwas aufgebrochen wird.
Wörter oder Abkürzungen, die innerhalb der Texte vorkommen und einer Erklärung oder Definition bedürfen, sind am Seitenrand erläutert. So hat man alles direkt beisammen und muss nicht ewig blättern, um eine Antwort zu erhalten, sollte man die Begriffe nicht kennen.
Ein wenig gestört hat mich, dass der Text teilweise gewollt „hipp“ wirkte, zumindest auf mich. Englische Ausdrücke, die wie selbstverständlich eingeflochten werden, es zumindest in meinem Sprachgebrauch aber nicht sind, haben mich teilweise etwas aus dem Lesefluss gerissen. Je nachdem, wer das Buch zur Hand nimmt, ist dann vielleicht sogar ein Nachschlagen der Begriffe notwendig, um die es eigentlich innerhalb des Buches ja aber gar nicht gehen sollte. Ich fand das etwas schade, weil man auch einfach im Deutschen hätte bleiben können und alle würden gleich verstehen, was gemeint ist. Für eine junge Leserschaft wirkt es aber möglicherweise auch mitnehmend und sie fühlen sich sprachlich gut abgeholt.
Insgesamt sind die Texte informativ und vielseitig angelegt. Innerhalb der Kapitel gibt es sowohl Erklärungen als auch Erfahrungsberichte und auch Anlaufstellen, falls man Beratung oder einfach Vernetzung möchte. Das hat mir gut gefallen, weil Menschen, die vielleicht nicht so viel Akzeptanz in ihrem Umfeld bekommen, so ein Netzwerk finden, dass sie auffangen und aufbauen kann, ohne dass sie ewig suchen müssen. Außerdem kann es auch dabei helfen, wenn man selbst vielleicht noch nicht genau weiß, in welche der „Schubladen“ man passt. Wobei wir ja eigentlich genau davon wegwollen: vom Schubladendenken.
Auch die Unterschiede, die es innerhalb eines Buchstabens gibt, werden jeweils mit aufgegriffen. Das „L“ steht ja zum Beispiel für lesbian/lesbisch. Da könnte man platt sagen, okay eine Frau liebt/begehrt eine Frau und das stimmt an sich natürlich auch, aber es ist eben doch vielfältiger, weil zum Beispiel auch ein Teil der trans Personen oder non-binäre darunter fallen. Insgesamt ist das Thema einfach viel komplexer, als man es sich so vorstellt, wenn man sich noch nicht so viel damit beschäftigt hat.
Je nachdem wie viele Einblicke man im LGBTIQA+ Spektrum so hat, je unterschiedlicher wir es auch sein, wie viel innerhalb des Buches für einen neu ist und wie erschlagend vielleicht auch all die vielseitigen Informationen, die zwischen den Buchdeckeln stecken. Für mich gab es auf jeden Fall Abschnitte, in denen ich noch einiges erfahren habe, was mir bisher unbekannt oder einfach nicht so bewusst war, wie auch einige der geschichtlichen Rückblicke. Besonders gut gefallen hat mir einfach auch die Mischung an Themen. Es wird nicht beschönigt, es gibt Diskriminierung, zu viel, es gibt Missstände, es ist nicht immer einfach und doch ist es für Betroffene so wichtig zu sich stehen können zu dürfen, von ihrer Umwelt akzeptiert und unterstützt zu werden bei ihrem Weg, bei der Selbstfindung, beim Glücklichsein. Und wer nicht unterstützen möchte, der soll eben einfach tolerant sein, schließlich möchte man selbst ja auch sein und leben, wie man es für richtig empfindet. Manchmal liegen Vorurteile oder schiefe Blicke vielleicht auch einfach daran, dass man zu wenig weiß, umso wichtiger ist es, dass offen über LGBTIQA+ gesprochen wird und man sich vom heteronormativen Gesellschaftsbild löst.
Ein wenig störend empfand ich persönlich es, dass sehr viel auf Labels rumgeritten wird. Ich verstehe total, dass es für Betroffene wichtig ist, selbst entschieden zu können, wie sie „bezeichnet“ werden wollen, weil einige Begriffe für sie vielleicht verletzend sind, andere abwertend, mit anderen identifizieren sie sich schlicht vielleicht einfach nicht. Natürlich sollte jede Person das für sich selbst entscheiden können und die Umwelt sollte sich daran halten – macht es auch wieder für alle einfacher.
Bei der Flut an Begrifflichkeiten, Unterschieden und Abstufungen kann es für Menschen, die sich neu in das Thema „einarbeiten“ oder informieren wollen, aber schon erschlagend sein und man kann das Gefühl bekommen, man hat gerade halbwegs aufgenommen, wie vielfältig die Menschen sind, die unter einem gewissen „Buchstaben zusammengefasst“ werden (das meine ich nicht abwertend, aber im Buch geht man eben die einzelnen Buchstaben durch und was sich eben dahinter versteckt) und dann wird es wieder ein wenig umgestoßen, wenn es heißt „fragt jeden selbst, wie er genannt/bezeichnet werden will“. Wie gesagt, ich verstehe den Sinn dahinter und auch dass es in jedem Kapitel erneut steht, falls jemand nicht alles liest. Insgesamt wirkte es für mich aber trotzdem ein wenig, als würde ständig wieder darauf herumgeritten werden. Hin und wieder empfand ich auch die Erklärungen/Definitionen am Rand als nicht sehr hilfreich. Insgesamt war das Buch aber wirklich schön aufgebaut und gut gegliedert, vielseitig und informativ. Gut fand ich auch, dass es Abschnitte gab, die sich eher an die richten, die selbst queer sind oder sich gerade versuchen zu finden und andere Passagen eher auf die Lesenden eingehen, die sich informieren wollen, um zum Beispiel Hilfestellung für den richtigen Umgang zu erhalten oder einfach ihr Wissen zu erweitern.
Fazit
Ein Sachbuch, das das LGBTIQA+ Spektrum beleuchtet und sehr vielseitige Einblicke in verschiedene Bereiche gibt. Dabei gibt es Erklärungen und Definitionen von Begrifflichkeiten, ebenso wie Erfahrungsberichte verschiedener Personen, Anlaufstellen und Informationen zu Netzwerken, kleine Fragebögen/Checklisten, die dabei helfen können, für unterschiedliche Dinge zu sensibilisieren oder eigene Ansichten zu hinterfragen. Wie viel neues Wissen die Lesenden mitnehmen werden, wird davon abhängen, was sie vorher schon wussten und kannten. Mir hat die Struktur, Gliederung und Unterteilung auf jeden Fall gut gefallen und die farbenfrohen Illustrationen unterstützen die Texte zusätzlich.
Gilla und Carla hätten sich ihren ersten Schultag nach den großen Ferien und auch ihre erste Begegnung wohl anders vorgestellt. Dank Gillas halsbrecherischen Manövers, um noch gerade so pünktlich in der ...
Gilla und Carla hätten sich ihren ersten Schultag nach den großen Ferien und auch ihre erste Begegnung wohl anders vorgestellt. Dank Gillas halsbrecherischen Manövers, um noch gerade so pünktlich in der Schule zu erscheinen, steht Carla nun ein öder und zeitgleich schmerzhafter Aufenthalt im Krankenhaus bevor – mal wieder. Sie kennt das durch ihre Glasknochenkrankheit zwar, war allerdings froh, dass ihr letzter Bruch endlich verheilt war. Dass Carla da nicht bester Laune ist, kann man wohl gut verstehen. Doch schnell freunden sich die beiden Mädchen an und erleben eine alles andere als öde Zeit an den gemeinsamen Nachmittagen im Krankenhaus.
Die beiden Schülerinnen der Klasse 4b dachten eigentlich, sie würden einen recht normalen ersten Schultag erleben. Wobei es für Carla nicht ganz so „normal“ wäre, denn sie ist umgezogen, die Schule und ihre Mitschüler sind für sie neu. Doch dann kommt alles ganz anders. Durch einen Unfall, an dem Gilla nicht ganz unschuldig ist, landet Carla mit einem neuerlichen Bruch im Krankenhaus, ihre Laune ist auf dem Tiefpunkt.
Das Buch begleitet zu Beginn beide Mädchen, wie sie auf dem Weg zur Schule sind und sich dann ihre Wege auf eine etwas unsanfte Art kreuzen. Durch die Zeitangaben wirkt es wie ein Countdown – bis zum Schulbeginn oder aber bis zu ihrer ersten Begegnung. So wird direkt Tempo aufgebaut und man erwartet förmlich, dass etwas geschehen wird. Danach erlebt man die beiden Mädchen sehr viel zusammen und kann mitverfolgen, wie sie sich anfreunden, austauschen und dann von Detektiv-Fans selbst zu kleinen Spürnasen werden.
Schön in die Handlung eingebunden ist die Glasknochenkrankheit von Carla. Es gibt eine Erklärung was es ist und was es für die Betroffenen bedeutet, auch das Glossar klärt dahingehend noch mal auf, ohne dass es lange Fachtexte gibt. Berührungsängste vor Rollstühlen und Ungewohntem werden ebenso mit in die Geschehnisse eingeflochten, was ich gut gemacht fand.
Sprachlich ist die Geschichte einfach gehalten, viele Sätze sind kurz und damit gut verständlich und leicht zu erfassen. Durch die große Schrift eignet sich das Buch auf jeden Fall auch für die vom Verlag empfohlene Altersgruppe. Aufgewertet und sehr lebendig gemacht wird die Handlung durch die tollen Illustrationen, die sich auf vielen Seiten finden. So erhält man einen guten Eindruck von den beiden Mädchen, aber auch vom Personal auf Carlas Station und den Eltern der beiden. Kurze Kapitel lassen einen zügig vorankommen und bieten auch ausreichend Raum für Pausen, die Erstleser möglicherweise benötigen werden. Die Handlung ist gut strukturiert und entwickelt sich nach und nach, so dass man den Geschehnissen leicht folgen kann. Die Zeitangaben ziehen sich durch das gesamte Buch, so dass man immer eine gute Orientierung hat, wie viel Zeit vergangen ist.
Im Verlauf der Geschichte kommt dann noch mal Spannung auf, als Carla und Gilla von den Diebstählen hören und selbst etwas tun wollen. Das ist natürlich nicht ganz ungefährlich und man kann mit den beiden Protagonistinnen mitfiebern.
Mir hat der Stil der Geschichte gut gefallen, besonders durch die verschiedenen Themen, die angesprochen werden. Carla geht mit ihrer Krankheit ganz selbstverständlich um, es wird jedoch auch aufgegriffen, dass es durchaus Berührungsängste geben hat. Schön fand ich auch, dass vorallem Gilla zu Beginn des Buches sehr bewusst ist, dass auf ihrem Schulweg einiges nicht so gut gelaufen ist, es wird nicht runtergespielt, aber auch kein Fass aufgemacht. Aber es ist wichtig, es wahrzunehmen und zu erkennen, damit man es beim nächsten Mal anders machen kann. Im Bereich des Krankenhauses werden ein paar Klischees bedient, die aber für Momente zum Schmunzeln sorgen und auch die Protagonistinnen immer wieder zum Lachen bringen. Dass die drei Krankenschwestern, die erwähnt werden, scheinbar jeden Tag rund um die Uhr auf Station sind, ignorieren wir an der Stelle einfach mal. ;) Auch ein paar der Zahlenangaben schienen nicht ganz zu passen.
Die kleinen Lästereien der Schülerinnen sind vielleicht nicht ideal, aber für Neunjährige auch nicht unbedingt ungewöhnlich. Besonders wenn sie sich in so ungewöhnlichen Situationen befinden und vielleicht auch ein bisschen Ablenkung vom Krankenhausaufenthalt braucht. Es zeigt auf jeden Fall auch, dass man unterschiedlichen Persönlichkeiten im Laufe seines Alltags begegnet. Ein wenig untergehen tut dabei, dass man die Menschen trotz ihrer Eigenarten aber respektieren und akzeptieren sollte. Ich möchte hier aber nicht die Moralkeule schwingen, es ist mir beim Lesen nur aufgefallen. Die „Ermittlungen“ und Pläne, die Carla und Gilla schmieden, um dem Krankenhausdieb auf die Spur zu kommen und die sich zwischen ihnen entwickelnde Freundschaft steht schon eher im Fokus der Geschichte.
Fazit
Ein lebendig gestaltetes, schön illustriertes Erstlesebuch, dass den jungen Lesern bestimmt viel Freude machen wird. Es gibt Momente zum Schmunzeln und Lachen, spannendere Abschnitte und sympathische Protagonistinnen, die auf eine etwas ungewöhnliche Art aufeinander getroffen sind. Gleichzeitig greift es auch Themen wie die Glasknochenkrankheit und das Benötigen eines Rollstuhls auf.