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Veröffentlicht am 22.09.2023

Die wunderbaren Jahre

Sylter Welle
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Strandkorbfeeling, Fischbrötchen vs Möwenkampf und auch ein bisschen Schickimicki. Das zeichnet für mich seit meiner Kindheit der Urlaub auf Sylt aus. Für den Protagonisten Max, sind es noch ganz andere ...

Strandkorbfeeling, Fischbrötchen vs Möwenkampf und auch ein bisschen Schickimicki. Das zeichnet für mich seit meiner Kindheit der Urlaub auf Sylt aus. Für den Protagonisten Max, sind es noch ganz andere Dinge. Vor allem verbindet er mit diesen Urlauben seine Großeltern, die Omma Lore und den Oppa Ludwig. Zwei nicht ganz unstrittige Charaktere der älteren Generation. Aber das macht sie so lebensecht. Lore zeigt ihre Liebe nicht durch übertriebene Körperlichkeit wie Wangenkneifen oder durch teure Geschenke und das Kreisen ums Enkelkind, sondern durch kleine Gesten und Interesse. Während Ludwig in seiner eigenen ganz strukturierten Welt zu Hause ist. Als Erwachsener besucht Max seine Großeltern, die gerade Urlaub in der „Sylter Welle“ machen. In den drei Tagen seines Besuchs tauchen wir als Leser ab in die unzähligen Kindheitserinnerungen und lernen so die Familie kennen. Jeder hat seinen Platz, seinen Charakter und seine Gewohnheiten. Mit viel Liebe, Witz aber auch schonungsloser Ehrlichkeit bringt uns der Autor die Mitglieder seiner Familie näher. Durch die Auswahl seiner Anekdoten und den überaus bildhaften Schreibstil werden die Figuren menschlich und vertraut. Ihr Charakter zeugt von Tiefe und Vielschichtigkeit, wie ihn nur echte Menschen haben können. Es ist wirklich ein schönes Buch, dass wunderbar erzählt, ohne belehren zu wollen. Für viele Leser wird es Kindheitserinnerungen wecken. Und manchmal ist es gut, aus der Vogelperspektive auf die Mitglieder seiner Familie zu schauen, ohne sie zu werten, sondern sie zu nehmen wie sie sind und sich darüber zu freuen das sie da sind. Das hat mich dieses Buch gelehrt.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

So fern und doch so nahe

Miss Kim weiß Bescheid
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„Miss Kim weiß Bescheid- Storys“ von Cho Nam-Joo
In diesem Buch erwarten einen acht verschiedene Geschichten koreanischer Frauen. Alle eint die Elegie des Lebens und der stille Protest gegen ihre ihnen ...

„Miss Kim weiß Bescheid- Storys“ von Cho Nam-Joo
In diesem Buch erwarten einen acht verschiedene Geschichten koreanischer Frauen. Alle eint die Elegie des Lebens und der stille Protest gegen ihre ihnen zugedachte Rolle. Gut ausgebildete junge Frauen, die unter der Last der Arbeit und gleichzeitigen Rolle als Mutter, Ehefrau und Haushälterin zusammenbrechen und sich trübsinnig und resigniert dazu entschließen ihre Arbeit zu kündigen. Oder Frauen kurz vor ihrer Pension, die schwer gearbeitet haben und sich nun ihren Lebenstraum erfüllen wollen, von denen jedoch erwartet wird, dass sie sich um ihre Enkelkinder kümmern. Bestürzt hat mich jedoch auch eine Story zur sexuellen Belästigung von Schulmädchen, deren männliche Klassenkammeraden die knappe Schuluniform nutzten, um den Mädchen unter die Röcke zu filmen.
Zwischen Deutschland und Südkorea liegen rund 8100 km und dennoch kamen mir die Erzählungen und Gefühle der Frauen stark bekannt vor. In Deutschland wird händeringend nach Fachkräften gesucht, während viele Mütter verzweifelt nach Betreuungsmöglichkeiten ihrer Kinder suchen, um arbeiten gehen zu können. Die Frauen in Cho Nam-Joos Geschichten protestieren nicht laut, sie leiden eher still und versuchen selbst ihr Leben für sich erträglich zu gestalten. Und die Absurdität dieses Dilemmas wird in der Geschichte mit den sexuell belästigten Mädchen deutlich. Die Mütter der beschuldigten Jungen laufen Sturm und bedrängen die Mutter eines der Mädchen ihre Aussage zu ändern, da sie Nachteile für die Karriere ihrer Söhne vermuten, wenn ein Vermerk in ihrer Schulakte steht. Ketzerisch stellte ich mir die Frage, warum wir Frauen eigentlich immer wieder unglücklich in diese Rollen verfallen, wenn wir es doch eigentlich sind, die die Jungs aufziehen, ihnen Regeln und Werte mitgeben. Sind wir es dann nicht auch die die Macht darüber haben, wie die Gesellschaft einmal aussehen soll? Cho Nam-Joo regt sehr zum Nachdenken an. Nicht, indem sie uns klare Botschaften sendet, sondern indem sie uns Geschichten erzählt, die viele Frauen von uns kennen und so ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Großartige Erzählkunst!

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Veröffentlicht am 14.09.2023

Darfs ein bisschen Fantasy sein?

Silber - Das erste Buch der Träume
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Liv und ihre Schwester Mia sind an keinem Ort zu Hause. Ihre Mutter ist Professorin und fast jedes Jahr an einer anderen Uni der Welt angestellt. So müssen auch die zwei immer wieder Abschied nehmen und ...

Liv und ihre Schwester Mia sind an keinem Ort zu Hause. Ihre Mutter ist Professorin und fast jedes Jahr an einer anderen Uni der Welt angestellt. So müssen auch die zwei immer wieder Abschied nehmen und neu beginnen. Deshalb sind sie eigentlich sehr glücklich, dass ihre Mutter nun doch tatsächlich in London sesshaft werden möchte. Eigentlich! Denn der Grund dafür ist Ernest- ein neuer Mann im Leben ihrer Mutter. Widerwillig spielen sie mit und versuchen an der neuen Schule heimisch zu werden. Und dort sind ja schließlich auch ein paar interessante Jungs zu finden. Und eine Gruppe Jungs scheint ein ganz besonderes Geheimnis zu wahren. Als Liv den Jungen in ihrem Traum begegnet wird es spannend.
Kerstin Gier scheibt einfach unglaublich zauberhaft. Der Roman hat viel Esprit und Witz, aber auch die richtige Mischung an Romantik (jedenfalls für einen Jugendroman) und Spannung. Die Vorstellung dieser Traumwelt hat mir richtig gut gefallen. Aber auch die sehr charismatischen Figuren, wie das bayrische Kindermädchen, dass das ganze Jahr über Vanillekipfel backt oder die zerstreute Professor-Mutter fand ich großartig. Auch wenn ich bestimmt nicht mehr der Zielgruppe entspreche, habe ich mich sehr gefreut von Kerstin Gier in diese fantastische Welt entführen zu lassen. Und kann es allen Junggebliebenen nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Das Urgestein

Dallmayr. Der Traum vom schönen Leben
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Anton und Therese Randlkofer betreiben das Feinkost- und Delikatessengeschäft in der Dienerstraße in München mit dem klangvollen Namen Dallmayr. Hier kauft die elitäre Kundschaft und lässt sich von lukullischen ...

Anton und Therese Randlkofer betreiben das Feinkost- und Delikatessengeschäft in der Dienerstraße in München mit dem klangvollen Namen Dallmayr. Hier kauft die elitäre Kundschaft und lässt sich von lukullischen Genüssen begeistern. Das Leben geht noch sehr beschaulich zu im Jahr 1897. Das Ehepaar kann ihren Kindern ein gutbetuchtes jedoch arbeitsreiches Leben bieten. Doch um Anton steht es bald sehr schlecht und sein Bruder Max möchte gerne geschäftlich einen Fuß in die Tür des Dallmayrs bekommen. Unstete und emotionale Zeiten stehen der Familie bevor. Und Therese hat alle Hände voll zu tun den Intrigen ihres Schwagers entgegenzutreten.
Die Geschichte um die Familie und auch die einzelnen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Auch die Schwärmerei für die Köstlichkeiten fand ich zu Beginn noch attraktiv. Jedoch war mir die Geschichte dann an mancher Stelle etwas zu überladen mit den Beschreibungen einzelner Delikatessen. Besonders mochte ich die junge Balbina. Durch ihre Eigensinnigkeit und ihre Lebenslust hat sie viel Frische in die Geschichte gebracht. Nach meiner Meinung ein gelungener Auftakt der Dallmayr-Saga mit kleinen Schwächen durch die künstlichen Längen.

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Veröffentlicht am 10.09.2023

Das war nicht so meins

Marta schläft
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Angstattacken und Selbstzweifel plagen Nadja. Dennoch versucht sie ein zurückgezogenes und normales Leben zu führen. Sie arbeitet in einer Anwaltskanzlei bei dem Staranwalt Gero van Hoven und versucht ...

Angstattacken und Selbstzweifel plagen Nadja. Dennoch versucht sie ein zurückgezogenes und normales Leben zu führen. Sie arbeitet in einer Anwaltskanzlei bei dem Staranwalt Gero van Hoven und versucht sich mit seiner Frau Laura anzufreunden. Doch Nadja hat eine dunkle Vergangenheit, die ihr bald schon zum Verhängnis wird. Mehr kann ich zum Inhalt hier leider nicht erzählen, denn das Buch lebt von der Verwirrung. Schauplätze und Charaktere unterliegen einem ständigen Wechsel. Mir hielt diese Verworrenheit definitiv zu lange an. Erst gegen Mitte des Buches hatte ich so langsam verstanden, wohin es führen sollte. Der häufige Charakterwechsel der Protagonisten machte diese für mich eher undurchschaubar und unglaubhaft. Bis zum Schluss konnte ich so manche Handlung nicht nachvollziehen. Ich habe schon viel Gutes über die Autorin gehört und wollte deshalb unbedingt ein Werk von ihr lesen. Ich denke ich habe mit dieser Wahl nicht gerade ihr bestes Buch getroffen.

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