Profilbild von honigbuch

honigbuch

Lesejury Star
offline

honigbuch ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit honigbuch über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2023

Im Schatten der Schwester

Die Schattenschwester
0

Im dritten Band der „Sieben Schwestern-Reihe“ geht es diese Mal um die introvertierte Star. Sie kennt man eigentlich nur im Doppelpack mit ihrer Schwester CeCe, die gerne für das Duo spricht und auch Entscheidungen ...

Im dritten Band der „Sieben Schwestern-Reihe“ geht es diese Mal um die introvertierte Star. Sie kennt man eigentlich nur im Doppelpack mit ihrer Schwester CeCe, die gerne für das Duo spricht und auch Entscheidungen trifft. Bisher hat sich Star in dieser Rolle ganz wohl gefühlt, doch nach dem Tod von Pa Salt und der Möglichkeit sich auf die Suche nach ihrer Herkunft zu machen, tritt Star aus dem Schatten ihrer Schwester heraus. Und ich glaube ich verrate nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass uns die Vergangenheit von Star diese Mal nach England führt. Was mich an diesem Teil der Reihe etwas gestört hat, waren die verworrenen Familienverhältnisse. Die Hintergrundgeschichte ist in erster Linie spannend und zum Wohlfühlen. Jedoch bin ich irgendwann kaum noch hinterhergekommen, wer mit wem verwandt ist und wer mit wem eine Liaison hat, hatte und wollte. Die Gegenwartsgeschichte hat mich an mancher Stelle etwas aufgeregt, da Star hier einfach nicht so sympathisch rüberkommt wie die beiden Schwestern vor ihr, ich es ihr aber sehr gegönnt hätte. Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen und werde die Reihe auch weiterverfolgen. Aber mein Lieblingsband der Reihe ist es jedoch bisher nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2023

Der Abwesende

Vatermal
0

Arda ist schwer krank. Während er auf der Intensivstation liegt, schreibt er einen Brief an seinen unbekannten Vater. Metin hat die Familie verlassen als Ardan noch sehr klein war und ist zurück in die ...

Arda ist schwer krank. Während er auf der Intensivstation liegt, schreibt er einen Brief an seinen unbekannten Vater. Metin hat die Familie verlassen als Ardan noch sehr klein war und ist zurück in die Türkei gegangen, wo er eine neue Familie gegründet hat. Ardan blieb zurück mit seiner älteren Schwester Aylin und der Mutter, die beide nicht gut miteinander auskommen. Die Mutter hatte selbst keine glückliche Kindheit. Als ihre Familie nach Deutschland ging sollte es ein Neuanfang sein und wurde doch nicht neu nur anders. Obwohl sich Ardan in seinem Brief an seinen Vater wendet, erzählt er uns viel von den beiden Frauen in seinem Leben, Aylin und ihrer Mutter. Die Konflikte, die die beiden austragen, wie beide versuchen auf ihre eigene Weise glücklich zu werden und wie sie doch verzweifelt um eine Perspektive im Leben kämpfen. Aber wir erfahren auch viel über Arda, wie er als Außenseiter unter Außenseitern aufwächst, am Rand der Gesellschaft, weil ihn die Gesellschaft dort platziert hat. Ich bin tief in diese Geschichte hinabgetaucht und habe die Perspektive der unterschiedlichen Figuren eingenommen und mich in allen irgendwie zu Hause gefühlt. Necati Öziri schenkt uns wunderschöne Sätze, die noch lange nachhallen, die wieder zurechtrücken, was die Gesellschaft in ihrer Arroganz auseinanderzerrt. Zurecht steht dieses Buch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, denn es beinhaltet so viel und erfasst so klar, was kaum ein anderes Buch vermag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2023

Facettenreicher Roman

Wilde Jagd
0

Seine Frau hat ihn verlassen und seine Tochter möchte nichts mehr von ihm wissen. Unschuldig daran ist er nicht, der 53-jährige Philosophie-Professor Quintus, aber gewollt hat er es sicher nicht. So zieht ...

Seine Frau hat ihn verlassen und seine Tochter möchte nichts mehr von ihm wissen. Unschuldig daran ist er nicht, der 53-jährige Philosophie-Professor Quintus, aber gewollt hat er es sicher nicht. So zieht er sich in sein einsames Elternhaus im kleinen Ort Stein am Gebirge zurück, um sein Leben neu zu sortieren. An seiner Seite der Hund seiner Tochter, der ihn zwingt zumindest etwas Routine im verlotterten Tagesablauf zu pflegen und eine Wohltat für uns Leser. Schon bald begegnet Quintus der seltsamen Altenpflegerin Evelina die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester ist. Mehr und mehr merkwürdige Ereignisse häufen sich in dem kleinen Ort, die Quintus aus der Façon bringen und auf ganz neue Wege. Das Buch wurde in das Genre Roman eingestuft, was meiner Meinung nach dem nicht gerecht wird. Es hat viel von einem Kriminalroman, jedoch auch Witz, Spannung eine Prise Esoterik, handelt von Selbstfindung in der Mitte des Lebens, Anthropologie und Soziologie. Während der arme Quintus selbstmitleidig die seit 14 Jahren abgelaufenen Dosen-Ravioli kalt in sich hineinstopft, pflegt die verzweifelte Evelina den alten Zillner mit einem Auge in der Realität mit dem anderen in eine Zwischenwelt gerichtet. Und während die Gerüchte durchs Dorf wabern, einer dem anderen nicht traut und die Fußpflegerin Sabine den Philosophen mit erschreckenden Erkenntnissen über den Menschen als solchen, blass werden lässt, werden wir Leser in eine Geschichte gezogen, in der einfach nichts klar ist (nicht mal das Genre). Verzweifelt klammert man sich an Strohhalme, um im Strom der Geschichte wenigstens etwas Halt zu finden, der einem jedoch zwei Seiten weiter schon wieder entrissen wird. Mich hat diese Geschichte total gepackt. Ich war amüsiert, gespannt, aufgeregt und am Ende fassungslos. Für mich war es in jedem Fall ein Jahreslesehighlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.08.2023

Tod auf viele Arten

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
0

Dies ist der zweite Teil mit der Europol-Kommissarin Inga Björg und dem Ex-Cobra-Polizisten Christian Brand. Wie auch schon im ersten Teil beginnen mehrere Handlungsstränge gleichzeitig. Zum einen ist ...

Dies ist der zweite Teil mit der Europol-Kommissarin Inga Björg und dem Ex-Cobra-Polizisten Christian Brand. Wie auch schon im ersten Teil beginnen mehrere Handlungsstränge gleichzeitig. Zum einen ist da Hanna, die auf dem Moselsteig ihr Selbst sucht, zum anderen der prollige Strafverteidiger Dornhoff, der von einem Unbekannten unter Druck gesetzt wird, sowie die taffe Notärztin Sophia. Und irgendwie ahnen wir schon: Es wird alles zusammenlaufen. Wer wird Opfer, wer wird Täter sein? Zuerst verwirrten die vielen einzelnen Handlungsstränge etwas. Doch durch die kurzen Kapitel und das schnelle Switchen zwischen den Szenen, kommt man sehr schnell in einen zog-ähnlichen Lesefluss. Es beginnt rasant und so bleibt es auch das ganze Buch hindurch. Es gibt kaum Gelegenheit zum Durchatmen oder Buchweglegen. Mir hat dieser zweite Teil noch besser gefallen als der erste. Auch das Finale war auf den Punkt und sehr überraschend. Starke Nerven sind auch von Vorteil, da hier schon ziemlich unübliche Tötungsarten beschrieben werden. Das hatte etwas von mittelalterlicher Folterkammer und könnte schlaflose Nächte bereiten. Also auf in die Nacht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.08.2023

Wenn nichts mehr bleibt

Für immer deine Tochter
0

Es herrschen die letzten Monate des zweiten Weltkriegs. Bisher sind Anna und ihre Familie in ihrem kleinen Ort in Pommern verschont geblieben. Doch nun bricht das ganze Gräuel über sie herein.
Als Paula ...

Es herrschen die letzten Monate des zweiten Weltkriegs. Bisher sind Anna und ihre Familie in ihrem kleinen Ort in Pommern verschont geblieben. Doch nun bricht das ganze Gräuel über sie herein.
Als Paula im Jahr 2004 ihr Elternhaus ausräumt, da ihre Mutter Anna verstorben ist und ihr Vater Karl im Heim, da staunt sie nicht schlecht, als unter dem Wachstuch einer Küchenschublade, das Tagebuch ihrer Mutter auftaucht. Sie beginnt es zu lesen in dem Glauben eine Geschichte von Vertreibung und Heimatliebe gefunden zu haben. Welche Wahrheit ihr hier jedoch entgegenschlägt zieht der bodenständigen Paula schier den Boden unter den Füssen weg.
Nachdem ich schon so einige Geschichten und Berichte von Vertriebenen gelesen hatte, hätte ich nicht erahnen können, dass mich diese Geschichte so mitreißen würde. Die Fakten der letzten Kriegstage sind bekannt, Hera Lind füllt die Geschichte jedoch so mit Emotionen, dass es schier nicht auszuhalten ist. Angst, Kälte, Hunger und Verzweiflung werden real und fühlbar. Ich bin fassungslos, wie man die Erlebnisse so unglaublich greifbar schildern kann, ohne selbst dabei gewesen zu sein. Das sich dann offenbarende Geheimnis hat auch mich total umgehauen. Und es bewegt mich auch nach Beendigung des Buches nachhaltig. Dies ist eine Geschichte die einen nicht loslässt, an die man immer wieder denkt und die man unbedingt weitererzählen möchte. Dieses Buch bereitet bestimmt keine fröhlichen leichten Stunden, aber es ist so wichtig, um unsere Eltern und Großelterngeneration verstehen zu können, den Frieden zu wahren und die Familie zu schätzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere