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Veröffentlicht am 07.06.2021

Die Vergangenheit in der Gegenwart

Viktor
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„Viktor“ von Judith Fanto.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Beide handeln von und mit der jüdischen Familie Rosenbaum/van den Berg. Die erste Zeitschiene beginnt vor dem zweiten Weltkrieg ...

„Viktor“ von Judith Fanto.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Beide handeln von und mit der jüdischen Familie Rosenbaum/van den Berg. Die erste Zeitschiene beginnt vor dem zweiten Weltkrieg in Wien. Zentrale Figur ist der junge Mann Viktor (Sohn der Rosenbaums). Er lebt sein Leben unkonventionell und mit viel Kreativität, Witz und Charme. Auch wenn nicht immer alles ganz nach den strengen Rechtsordnungen des Staates zugeht, muss man doch ständig schmunzeln. Denn er bereichert sich nicht um seiner Selbstwillen, sondern hat immer das Wohl der Schwächeren im Blick. Doch dann kommt Hitler in Deutschland an die Macht und auch das Leben in Wien ändert sich radikal. Die jüdischen Bürger sind Schikanen und Gewalt machtlos ausgeliefert. Auch Viktors Familie bekommt dies zu spüren. Doch ein Teil dieser Familie kann sich durch eine Flucht nach Belgien retten.
Die überlebende Familie lebt in den Niederlanden. Und hier beginnt der zweite Handlungsstrang in den 1990er Jahren. Im Mittelpunkt steht hier die junge Geertje. Ihre jüdischen Wurzeln sind ihr bewusst, doch versucht ihre Familie diese wie einen Makel zu verstecken. Und so gerät sie zunehmend in eine Identitätskrise. Sie begibt sich auf Spurensuche um die Vergangenheit ihrer Familie zu erforschen und damit das Schweigen zu brechen.

Der Roman war unglaublich aufwühlend. Beide Handlungsstränge hatten mich schon nach kurzer Zeit total gefesselt. In kurzen Kapiteln wurde zwischen den Zeitebenen hin und her gesprungen. Die Autorin hat beide so perfekt miteinander verknüpft, dass es sich dennoch wie eine Geschichte las. Die Figur „Viktor“ war unglaublich witzig, spontan und liebenswert. Ein Mensch, denn man gerne gekannt hätte und dessen Schicksal sehr berührt. Die junge Geertje ähnelt ihm in ihrer Unerschrockenheit. Durch sie werden in dem Buch Dinge angesprochen, die kaum öffentlich diskutiert werden. Das Leiden der zweiten Generation, die Übertragung von Traumata auf die Kinder und das Gefühl von Schuld bei den Opfern. Ihre Suche nach der Geschichte ihrer Familie war für Geertje eine Suche nach sich selbst. Sie hat dem Leser damit vor Augen geführt, dass niemand als unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommt. Jeder Mensch trägt die Schatten der Vergangenheit in sich und gibt sie an seine Kinder weiter. Geschichte ist nicht nur Vergangenheit sondern auch Gegenwart.

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Veröffentlicht am 21.05.2021

Gelebte Geschichte

Fortunas Rache
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„Fortunas Rache“ ist der erste Teil der Invita-Reihe. Für mich war es jedoch das zweite Treffen mit Invita und der römischen Kultur. Und ich war auch hier wieder begeistert.
Invita ist Sklavin im Hause ...

„Fortunas Rache“ ist der erste Teil der Invita-Reihe. Für mich war es jedoch das zweite Treffen mit Invita und der römischen Kultur. Und ich war auch hier wieder begeistert.
Invita ist Sklavin im Hause des Stadthalters. Für eine Sklavin ist sie sehr gebildet, denn sie kann lesen und schreiben. Und auch sonst hat sie ihren eigenen Kopf. Aber vor allem ist sie sehr neugierig. Das wird ihr leider immer wieder zum Verhängnis, denn mit ungehorsamen Sklaven gingen die Römer nicht zimperlich um. Besonders der Sklavenaufseher Celsus hat es auf Invita abgesehen und schikaniert sie permanent. Und dann verschwindet auch noch ein Sklave aus dem Haushalt spurlos. Der Verdacht fällt natürlich auf Invita, etwas damit zu tun zu haben. So bleibt ihr nicht anderes übrig, als sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu machen, um ihre eigene Haut zu retten.
Ich bin total begeistert von dieser alten römischen Welt. Früher war ich mir nie so sicher ob das Genre der historischen Romane etwas für mich ist. Aber Maria W. Peter hat mich mit ihrer Invita-Reihe total überzeugt. Sie bewegt sich sicher und wie selbstverständlich in dieser längst vergangenen Zeit. Dadurch wirken die Charaktere unheimlich lebensecht und nah. Und ganz nebenbei lernt man viel ohne belehrt zu werden. Die Story ist spannend und fesselnd und hat dadurch bei mir das „Nur-noch-ein-Kapitel-Phänomen“ hervorgerufen. Invita muss man einfach nur mögen. Sie ist unglaublich sympathisch, tapfer und mutig. Ich kann nur hoffe noch viele Abenteuer mit ihr erleben zu dürfen.

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Veröffentlicht am 16.05.2021

Perspektivwechsel

Die Nachtbushelden
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Die Geschichte der „Nachtbushelden“ spielt in London. Dort lebt der 10 jährige Hector mit seinen Eltern und Geschwistern. Seine Eltern sind nur selten zu Hause und er fühlt sich eher unbeachtet. Wahrscheinlich ...

Die Geschichte der „Nachtbushelden“ spielt in London. Dort lebt der 10 jährige Hector mit seinen Eltern und Geschwistern. Seine Eltern sind nur selten zu Hause und er fühlt sich eher unbeachtet. Wahrscheinlich genau aus diesem Grund ist er ein echter Rüpel. Er mobbt seine Mitschüler und ist respektlos seinen Lehrern gegenüber. Das Verhalten bringt ihn nur noch weiter in seine Außenseiterrolle. Um seinen Frust loszuwerden sucht er sich ein neues Opfer, und das ist ausgerechnet der obdachlose Thomas. Durch einen tragischen Zwischenfall verknüpfen sich ihre Lebenswege. Ein weitere Handlungsstrang beschreibt Diebstähle von wertvollen Skulpturen in der Londoner Innenstadt. An den Tatorten werden Zeichen, die man von der Geheimschrift Obdachloser kennt, zurückgelassen. Dies führt natürlich dazu, dass nun die Obdachlosen in Verdacht geraten. Und auch Hector ist nicht ganz unschuldig, dass sich dieser Verdacht erhärtet. Doch dann kommt alles anders und die Geschichte nimmt eine spannende Wendung.
Ich habe das Buch zusammen mit meiner Tochter gelesen. Wir fanden das Buch großartig. Es enthält einfach viele neue Perspektiven. Wir erleben die Welt aus der Sicht eines Mobbers. Und einerseits findet man ihn schrecklich, aber andererseits hat man auch Mitleid. Er ist nicht einfach nur böse, sondern hat ganz bestimmte Gründe für sein Handeln. Hinter dem Begriff der Obdachlosen haben wir ganz tolle Menschen kennengelernt. Persönlichkeiten mit einer bewegenden Geschichte. Aber auch Menschen die sich helfen und unterstützen. Es ist ein besonderes Kinderbuch, welches in keinem Familienbücherregal fehlen sollte.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Argentinien in Zürich

Enriettas Vermächtnis
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Enrietta da Silva, eine prominente Schriftstellerin, stirbt und hinterlässt ihr Vermögen. Bedacht in ihrem Testament hat sie ihre Ziehtochter Jana und einen langjährigen Freund, mit dessen Vater sie lange ...

Enrietta da Silva, eine prominente Schriftstellerin, stirbt und hinterlässt ihr Vermögen. Bedacht in ihrem Testament hat sie ihre Ziehtochter Jana und einen langjährigen Freund, mit dessen Vater sie lange zusammengelebt hat. Doch was sie verschweigt ist viel wichtiger, nämlich ihren leiblichen Sohn. Seine Geschichte ist tragisch und beginnt in Argentinien.
Mir hat besonders der Erzählstil der Autorin gefallen. Er war so weich und melodisch. Man fühlte sich beim Lesen getragen wie in einem Fluss. Auch die Charaktere waren sehr interessant gestaltet. Es war nicht alles so wie es auf den ersten Blick scheint. Man lernte die einzelnen Protagonisten, durch die Augen der anderen Protagonisten kennen. Vieles blieb jedoch auch rätselhaft. Manches war nur schwer zu erfassen. Schon während des Lesens habe ich viel über die Geschichte nachgedacht und auch nun zum Ende bin ich mir noch immer nicht so ganz im Klaren was ich davon halten soll. Ich habe das Gefühl, es wurde nicht alles gesagt, nicht alles erzählt. Vielleicht besteht dieses Gefühl meinerseits auch nur, weil ich gerne noch mehr über die Charaktere gewusst hätte, neugierig auf ihr vorangegangenes Leben bin. Und als etwas unbefriedigend empfinde ich es auch, das Enrietta so davon kommt. Trotz meines eigenen Gefühlschaos muss ich sagen, dass dieses Buch in jedem Fall lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 11.05.2021

Die Würze des Lebens

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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"Zeit für Träume", ist der erste Teil der Senfblütensaga von Clara Langenbach.
Die Geschichte spielt in Metz (Lothringen) 1908. Die junge Emma ist eine kluge und lebenslustige Frau. Sie hat sich vorgenommen ...

"Zeit für Träume", ist der erste Teil der Senfblütensaga von Clara Langenbach.
Die Geschichte spielt in Metz (Lothringen) 1908. Die junge Emma ist eine kluge und lebenslustige Frau. Sie hat sich vorgenommen zu studieren und unabhängig zu sein. Dies ist jedoch zur damaligen Zeit ein schweres Unterfangen. Ihre Eltern wollen sie dagegen reich verheiraten um selber besser dazustehen. Doch dann begegnet ihr Carl Seidel. Eigentlich ein Traum eines Schwiegersohns. Doch auch Carl hat seine Träume und möchte eine Senffabrik eröffnen, anstatt das Unternehmen seines Vaters weiterzuführen. Worüber seine eigene Familie nicht glücklich ist. Die beiden müssen viele Hindernisse überwinden um zu ihrem Ziel zu kommen. Ob sie glücklich werden und welche dramatischen Ereignisse geschehen, wird nicht verraten. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Es war stellenweise romantisch aber auch spannend und hat mich echt gefesselt. Nur ab und an hatte das Buch einige Längen die mir nicht ganz so gut gefallen haben. Des Öfteren wurde kurz vor der Lösung einer Situation die Handlung noch einmal ins Gegenteil verkehrt. Das fand ich dann ab und an zu übertrieben. Andererseits hatte die Geschichte dadurch auch viel Schwung und Spannung. Ich werde mit Sicherheit auch den zweiten Teil lesen, der November 2021 erscheinen soll.

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