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Veröffentlicht am 04.10.2024

Ein lesenswertes Buch über den Gewinn durch Reduktion, das Leben und die Liebe.

Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben
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"(...) Und was wollen Sie ausgerechnet hier?", fragte sie.
"Weniger", sagte ich. "Ich will weniger."
Kapitel 4
Ja, das ist Ellas Plan, Ella reduziert sich. 15 Jahre lang hat sie Dokumentationen über Umweltkatastrophen ...

"(...) Und was wollen Sie ausgerechnet hier?", fragte sie.
"Weniger", sagte ich. "Ich will weniger."
Kapitel 4
Ja, das ist Ellas Plan, Ella reduziert sich. 15 Jahre lang hat sie Dokumentationen über Umweltkatastrophen gemacht und jetzt, nach der Scheidung, dem Auszug der Kinder und dem Verkauf des Hauses, macht sie keine halben Sachen. Sie reduziert ihr Hab und Gut drastisch und zieht in ein Tiny House. Nicht viel haben, nicht viel zu tun, Zeit für sich und darüber eine Doku machen, das ist der Plan.
Doch es ist gar nicht so leicht, aus der Hektik des Alltags und des Überflusses ins Weniger zu kommen. Erst Mal braucht es viel mehr Organisation und Arbeit, seine Habseligkeiten auf wenigen Quadratmetern zu sortieren und dann ist sie es einfach nicht gewohnt, weniger zu tun. Erst verliert Ella sich, vertrödelt ihre Tage und findet sich schwer zurecht. Im kleinen Haus und im Leben.
Doch in der Tiny-House-Siedlung wird sie nicht alleingelassen! Liebe Mitbewohnerinnen wie Pia fangen sie ein wenig auf. Und dann gibt es auf einmal doch viel zu tun, denn Theo, der Bauer, dem die Siedlung gehört, hat Probleme mit seinen Helfern. Unerwartet findet Ella sich auf dem Feld wieder, beim Bäume schneiden und Löcher buddeln.
Und dann ist da noch Jakob, ein eher schweigsamer Nachbar, der sie erst auf Abstand hält...
Ich mochte Ella vom Fleck weg! Sie ist einen patente Frau, die ihr Leben und auch das ihrer Leben gewuppt hat. Nun muss sie loslassen, Dinge und auch ihre Kinder, die zu groß sind, um bemuttert zu werden. Auch alte Glaubenssätze, wie zum Beispiel, immer funktionieren zu müssen. Anfangs tut sie sich sehr schwer, und das konnte ich nur zu gut verstehen. Unerwartet trifft sie die neue Aufgabe als Theos Helferin und sie merkt, wie sie die körperliche Arbeit erdet und auch die langsam Routine werdenden Spaziergänge mit Jakob und seinem Hund Ackermann lassen sie en wenig zur Ruhe kommen.
Die Energie zwischen den beiden war richtig zu spüren - und auch, dass ihr Jakob etwas verschweigt. So nah sie sich auf persönlicher Ebene kommen, zu seinem früheren Leben schweigt er sich aus. Warum?
Auch die praktischen Aspekte kamen nicht zur kurz und waren sehr unterhaltsam. Wie etwa Ellas Versuche, Edgar, dem störrischen Holzofen, etwas Wärme zu entlocken. Seit ich ein Teenager bin, musste ich mich auch um die Holzheizung daheim kümmern, aber mir ist bewusst, dass das für einen Ungeübten eine große Herausforderung darstellen kann.
Letzten Endes kommt alles anders als erwartet und doch zu einem stimmigen Ende!
Und die Geschichte hat mich angeregt, etwas über die Berge an Dingen nachzudenken, die man so anhäuft.
Dies war für mich das zweite Buch von Kristina Günak, das ich gelesen habe. Und es wird sicher nicht das letzte sein! Sie schreibt locker und ehrlich, nimmt auch schwierige Themen unter die Lupe und behandelt sie mit viel Fingerspitzengefühl.
Fazit: Ein lesenswertes Buch über den Gewinn durch Reduktion, das Leben und die Liebe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 14.09.2024

Eine phantastische, phantasievolle Geschichte, in die man sich fallen lassen muss!

Die Unmöglichkeit des Lebens
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"Wir sind aus dem Nichts geboren. Das ganze Universum ist aus dem Nichts geboren. Und doch sind wir hier. Das Unmögliche Etwas, das aus dem Nichts zum Sein gekommen ist. Die Unmöglichkeit des Lebens. Ein ...

"Wir sind aus dem Nichts geboren. Das ganze Universum ist aus dem Nichts geboren. Und doch sind wir hier. Das Unmögliche Etwas, das aus dem Nichts zum Sein gekommen ist. Die Unmöglichkeit des Lebens. Ein Glück, das es zu ehren gilt!"
Doch damit tut sich Grace, eine pensionierte Mathematiklehrerin, sehr schwer. Nach dem Verlust ihres Sohnes verwehrt sie sich jede Freude, und seit ihrer Pensionierung geht sie kaum noch vor die Tür. Das ändert sich, als sie von einer alten Freundin, von der sie sehr lange nichts gehört hat, ein heruntergekommenes Haus auf Ibiza erbt. Ganz entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten reist sie spontan auf die Insel. Dort muss sie alles, was sie über die Realität und das Leben zu wissen glaubte, überdenken.
Ein Buch wie dieses ist sehr schwer zu beschreiben! Grace ist eine gewöhnliche ältere Dame, so sieht es auf den ersten Blick aus. Und doch widerfährt ihr auf Ibiza Ungewöhnliches. Sie will herausfinden, wie ihre Freundin gestorben ist - und erfährt dabei mehr, als sie sich jemals zu hoffen gewagt hätte!
"Die Unmöglichkeit des Lebens" in ein Genre zu packen, ist für mich unmöglich! Da gibt es magische Seegrasfelder, Licht im Meer, unglaubliche Fähigkeiten, die von einem anderen Planeten zu stammen scheinen, eine Bedrohung für die Insel, plötzlich auftretende Fähigkeiten, die niemand erklären kann.
Und obwohl Matt Haig Phantastisches schreibt, Übersinnliches, das nicht von dieser Welt stammt, so geht es doch ums Hier und Jetzt! Damit Grace die Insel retten kann, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen und dieser Teil war so traurig und berührend - und heilend auch für den Leser!
Lass dich darauf ein und du wirst belohnt!
Fazit: Eine phantastische, phantasievolle Geschichte, in die man sich fallen lassen muss!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.09.2024

Unterhaltsamer Enemy to Lovers-Roman im Sportmilieu mit Tiefgang - unbedingt lesen!

The Rule Book – Liebe kennt keine Regeln
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"Ich bevorzuge Arbeit. Arbeit ist gut. Arbeit ist mein Rettungsanker, wenn mich die Welt verunsichert (...). Außerdem bin ich gut, in dem was ich tue. Wollt ihr raten, worin ich nicht gut bin? Derek."
Kapitel ...

"Ich bevorzuge Arbeit. Arbeit ist gut. Arbeit ist mein Rettungsanker, wenn mich die Welt verunsichert (...). Außerdem bin ich gut, in dem was ich tue. Wollt ihr raten, worin ich nicht gut bin? Derek."
Kapitel 22
Ja, Nora ist sehr gut als Sportagentin. So gut, dass ihre Arbeitgeber ihr eine Riesenchance geben. Sie soll den legendärsten Tight End im Profi-Football unserer Zeit, Derek Pender, vertreten. Das einzige Hindernis: Die beiden kennen sich aus Collegezeiten und er hat keine Ahnung, dass Agent Mac, den er gleich treffen wird, seine Exfreundin Nora Mackenzie ist!
Nora kann ihn dazu überreden, es mit ihr als Agentin zu versuchen - doch Derek beschließt, es ihr so schwer wie nur irgend möglich zu machen. Als erstes wird ein ganzer Katalog an Regeln aufgestellt, an die sie sich zu halten haben ...
Was so vielversprechend nach einer Enemy to lovers-Geschichte klingt, ist genau das - aber noch viel mehr! Sehr unterhaltsam, mit vielen witzigen Szenen, bei denen ich teils laut auflachen musste, aber auch mit Tiefe. Nora ist eine emanzipierte Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und ihren Weg gehen will. Und Derek hat seine eigenen Probleme, denen er gerade erst auf den Grund gekommen ist. Nach einer schweren Verletzung hat er panische Angst, im Football zu versagen - denn wenn er den Football nicht mehr hat, wer ist er dann?
Erst machen sie sich gegenseitig das Leben schwer, doch als Noras Karriere auf der Kippe steht, ist Derek für sie da.
Ich mochte Nora vom ersten Moment an. Etwas verschroben, aber eine Kämpferin, die immer von ihrer Mutter unterstützt wurde und zu einer selbstständigen Frau geworden ist. Sie arbeitet in einer Männerdomäne und muss deshalb doppelt so hart schuften, um respektiert zu werden. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht von ihrer Vorgesetzten Nicole, die ihr auf ihre eigene Art zeigt, wie sehr sie sie schätzt - und mir damit auch sehr ans Herz gewachsen ist.
Derek wirkt im ersten Moment wie ein mürrischer, nachtragender Supersportler, doch je tiefer er blicken lässt, um so mehr versteht man ihn und sein Verhalten.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Noras und Dereks Perspektive erzählt, etwas, was ich sehr gerne mag und einen unweigerlich tief mit reinzieht, weil man die Beweggründe von beiden so besser versteht.
Fazit: Unterhaltsamer Enemy to Lovers-Roman im Sportmilieu mit Tiefgang - unbedingt lesen!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2024

Etwas dahinplätschernde herbstliche Liebesgeschichte.

Meet me in Autumn. Eine Pumpkin spiced Romance
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"Also nicht, dass er überhaupt vorgehabt hätte, Jeanie zu daten.
Er wollte nur ihren Kaffee."
Seite 34
Ja, alle im kleinen Städtchen Dream Harbour benötigen dringend ihren morgendlichen Kaffee aus dem ...

"Also nicht, dass er überhaupt vorgehabt hätte, Jeanie zu daten.
Er wollte nur ihren Kaffee."
Seite 34
Ja, alle im kleinen Städtchen Dream Harbour benötigen dringend ihren morgendlichen Kaffee aus dem kleinen Pumpkin Spice Café. Als Jeanies Tante Dot beschließt, sich zur Ruhe zu setzen, überlässt sie ihr das Café. Für Jeanie eine große Chance, denn ihren bisherigen Job möchte sie nicht mehr machen. Also versucht sie ihr Glück!
Doch wie es aussieht, hat jemand etwas dagegen. Es scheint in dem alten Haus zu spuken.
Gut, dass in dem kleinen Ort allte zusammenhelfen und so greift ihr Farmer Logan unter die Arme und sucht mit ihr gemeinsam nach der Ursache.
Für Logan eine Gradwanderung, denn er findet Jeanie sofort mehr als nur nett, doch wird sie in dem Städtchen bleiben oder ihn nach kurzer Zeit alleine zurücklassen?
Und dann hat Bürgermeister Kelly auch noch einen Traum...
Ich habe mich sehr auf diesen herbstlichen Liebesroman gefreut. Das Städtchen Dream Harbour ist entzückend, die Bewohner achten aufeinander und helfen sich gegenseitig, Jeanie wird sofort gut aufgenommen. Sie ist entzückend, etwas schräg und sehr lustig.
Auch der Kleinstadtflair kommt gut rüber.
Logan dagegen lebt sehr zurückgezogen auf der Farm, vor allem, seit seine Ex-Freundin ihn verlassen hat. Zwei nette Protagonisten, die zueinander finden sollten. Dazu eine charmante Buchhändlerin und eine Bäckerin, die Jeanie mit offenen Armen aufnehmen.
Und dann haben wir da Bürgermeister Logan, der prophetische Träume hat.
Die Zutaten klingen gut, aber irgendwie plätschert die Geschichte so vor sich hin. Der nächtliche Spuk scheint schnell geklärt, doch bald tauchen neue Probleme auf, jemand scheint Jeanie zu sabotieren. Die Leichtfertigkeit, mit der sie anfangs damit umgeht, machte mir etwas Bauchweh.
Schade fand ich es auch, dass Bürgermeister Logans Träume zwar immer wieder erwähnt werden, diese aber nicht wirklich zur Geltung kommen. Für mich wurde hier viel Potential verschenkt.
Es kommt, wie es kommen muss, und das Ende lässt Fäden für einen weiteren Band offen - schließlich gibt es noch einige Beinahe-Pärchen, die zueinander finden sollten.

Fazit: Etwas dahinplätschernde herbstliche Liebesgeschichte.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

Lesenswertes Debüt mit vielen schweren Themen und einem sehr interessanten Plot!

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Wofür haben Bücher rechts einen so breiten Rand? Natürlich, damit man dort seine Gedanken, Gefühle, Anmerkungen hinterlassen kann! So zumindest macht es Erin. Doch aus Versehen landet ihr Lieblingsbuch, ...

Wofür haben Bücher rechts einen so breiten Rand? Natürlich, damit man dort seine Gedanken, Gefühle, Anmerkungen hinterlassen kann! So zumindest macht es Erin. Doch aus Versehen landet ihr Lieblingsbuch, behaftet mit Erinnerungen und vielen Notizen, in einem öffentlichen Bücherschrank mitten in London und gerät dort in die Hände von James. Er ist begeistert von der Kritzel-Queen und hinterlässt ebenso seine Randnotizen, um das Buch für sie wieder in den Bücherschrank zu stellen...
So tauschen sich Erin, die Kritzel-Queen, und James, der Mystery-Man, immer persönlicher in den Büchern aus - nicht ahnend, dass sie eine gemeinsame Vergangenheit verbindet und trennt.
Mich hats ab den ersten Seiten gepackt! Erin hat viele Probleme, einen Job, der sie fertig macht und den sie kurzerhand hinschmeisst. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll, doch glücklicherweise hat sie ja noch Bonnie, die ihr zur Seite steht - obwohl diese schon lange tot ist!
Doch auch James hat ein schweres Päckchen zu tragen und im Laufe der getauschten Bücher und Botschaften wachsen die beiden über sich hinaus und zusammen. Sie erzählen dem jeweils anderem - einem vermeintlich Fremden - Dinge, die sie ihren besten Freunden nicht anvertrauen und heilen so ein Stück weit.
Für eine romantische Komödie wirft "Wir treffen uns im nächsten Kapitel" mit ganz schön schweren Themen um sich. Deshalb hier meine Trigger (und Spoiler-)Warnung:
In diesem Buch geht es um Krebs, Trauer, Verlust, Mobbing, schwere psychische Probleme, Schuldgefühle, ... achte auf dich beim Lesen!
Obwohl dieser Roman teilweise ganz schön schwer und traurig ist, so schimmert dennoch immer ein Funke Hoffnung und Glück durch, was ihn sehr besonders zu lesen macht!
Lange lässt uns die Autorin im Dunkeln tappen über die Gründe der Entfremdung der beiden, die Auflösung kam für mich aber zum richtigen Zeitpunkt und sehr stimmig.
Mir hat Tessa Bickers Debütroman sehr gut gefallen, trotz oder wegen der großen Trauer, der schweren Themen, dem Entfremden und Wiederzusammenwachsen und manch einiger tränenschweren, aber auch vielen unterhaltsamen Szenen!
Fazit: Lesenswertes Debüt mit vielen schweren Themen und einem sehr interessanten Plot!

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