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Veröffentlicht am 10.04.2023

Dem Lebensende liebevoll begegnen

Abschied gestalten
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In die Situation Abschied von einem lieben Menschen zu nehmen, werden wir alle früher oder später einmal kommen. Christine Kempkes vermittelt dem Leser in diesem Buch, wie wir dies auf achtsame und liebevolle ...

In die Situation Abschied von einem lieben Menschen zu nehmen, werden wir alle früher oder später einmal kommen. Christine Kempkes vermittelt dem Leser in diesem Buch, wie wir dies auf achtsame und liebevolle Weise gestalten können. Sie gibt Impulse, um den Weg ganz bewusst zu gestalten und den Tagen mehr Leben zu geben. Für den Betroffenen ist jede Minute und Stunde kostbar, die mit schönen Dingen ausgefüllt werden kann. Ob schönes Essen, Unternehmungen, soweit möglich, Gespräche oder Besuche. Die Autorin ist Sterbebegleiterin, Bestatterin, Trauerbegleiterin und systemischer Coach. Dieses Wissen aus den Berufen und der ehrenamtlichen Tätigkeit ist ein reichhaltiger Fundus, aus dem sie den Lesern dieses Buches viele Ratschläge mitgeben kann. Sie gibt nicht nur Anregungen, wie man bewusst die Tage nach der lebensverkürzenden Diagnose noch gestalten kann, sondern auch hilfreiche Tipps für die Zugehörigen, wie sie mit der neuen Situation umgehen können, Traueraufgaben bewältigen und die Selbstfürsorge mit einbeziehen können. Für die Familie ist jetzt eine besonders emotionale und traurige Zeit angebrochen, die bewältigt werden muss. Mit den Betroffenen über den Tod zu sprechen ist nicht immer einfach, manche verschließen sich regelrecht. In dieser Situation finde ich die behutsame Strategie der hilfreichen Rituale und der geschlossenen und offenen Fragen sehr schön und nachahmenswert. Nicht gesagte Sätze können uns im Nachhinein schwer auf der Seele lasten und wir werden es bereuen, wenn wir nicht versuchen, Dinge noch einmal angesprochen zu haben.

Dieser Ratgeber soll den/die Leser*innen ermutigen verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und den Betroffenen in Verbundenheit und Liebe zu begleiten. Diese Lektüre hätte ich mir tatsächlich am Anfang meiner Ausbildung zur Sterbebegleiterin gewünscht, um noch besser auf die Arbeit im Hospiz mit den Gästen und Angehörigen vorbereitet zu sein. Obwohl ich dies jetzt viele Jahre gemacht habe, kann ich dennoch vieles aus diesem Buch für mich mitnehmen. Es ist ein wunderbarer Wegweiser für Betroffene, Angehörige und Zugehörige, um sich auf die letzte Lebensstrecke mit einem geliebten Menschen vorzubereiteten und ich kann diesen wertvollen Leitfaden uneingeschränkt weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 04.04.2023

Die Alchemie der Bücher - bezaubernd

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
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Die letzten 4 Sätze aus dem Lavendelzimmer sind die ersten Sätze in diesem wunderbaren Roman über die heilsame Kraft der Bücher, Seelenverwandschaft, Freundschaft, Liebe und kleine Wunder. Trotz der glücklichen ...

Die letzten 4 Sätze aus dem Lavendelzimmer sind die ersten Sätze in diesem wunderbaren Roman über die heilsame Kraft der Bücher, Seelenverwandschaft, Freundschaft, Liebe und kleine Wunder. Trotz der glücklichen Jahre mit Catherine in der Drôme hat Jean Perdu etwas vermisst, auch wenn er es nicht gleich selbst gemerkt hat und zugeben möchte. Seine Literarische Apotheke, sein Job als literarischer Pharmazeut, der für jede Seelen-Maladie eine wirksame Lektüre parat hat. Und so tritt das Bücherschiff die Rückreise von Aigues-Mortes in den Heimathafen nach Paris an.

Es ist für Perdu eine Zwischenzeit. Zwischen einem Ende und einem Anfang am Ende der Reise. Die Geschichte lebt von den Menschen, die das Bücherschiff an den Anlegestellen besuchen. Im Verlauf der Reise wird es sogar zu einer Art Arche für Menschen - Groß und Klein, Tiere und natürlich Bücher.

Zwischen den einzelnen Kapiteln befinden sich Jeans Notizen zu seiner Großen Enzyklopädie der Kleinen Gefühle, die mal mehr und mal weniger ausführlich beschrieben werden. Die aber immer einen Bezug zum jeweiligen Kapitel bzw. zu den Personen darin haben.

Mich hat das lavendelfarbene Cover in gezeichneter Form sehr angesprochen und da ich bereits das Lavendelzimmer gelesen habe, wollte ich jetzt auch unbedingt wissen, wie es weitergeht. Den Anfang fand ich tatsächlich etwas schleppend, doch sobald die Idee aufkam, die Rückreise anzutreten, bin ich tief in die gewohnte flüssige Schreibweise eingetaucht und habe mich von den Geschehnissen wohlig einwickeln und tragen lassen. Mit viel Einfühlungsvermögen hat die Autorin die Charaktere herausgehoben, hat geführte Dialoge voller Gefühl, tiefsinnig und humoristisch gestaltet und den Menschen eine authentische individuelle Persönlichkeit gegeben.

Für mich war es wieder ein Lesegenuss, den ich absolut weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

Sanft, sensibel und ganz gefühlvoll

Leonard und Paul
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Die Nebenstraßen des Lebens sind auch gefüllt mit liebenswürdigen und humorvollen Menschen. Dieser Roman erzählt von den allerbesten Freunden Leonard und Paul. Beide wohnen noch zu Hause, alles schön geordnet ...

Die Nebenstraßen des Lebens sind auch gefüllt mit liebenswürdigen und humorvollen Menschen. Dieser Roman erzählt von den allerbesten Freunden Leonard und Paul. Beide wohnen noch zu Hause, alles schön geordnet und unaufgeregt. Paul, der ein großer Anhänger täglicher Routinen ist, geht Sicherheit in dieser stetig wandelnden Welt über alles. Leonard, ein schüchterner zurückhaltender junger Mann, dessen Beziehung zu seiner Mutter schon eher partnerschaftlich ist, lebt bis zu ihrem plötzlichen Tod mit ihr zusammen. Den beiden Freunden geht die Familie und Freundschaft über alles. Doch auch für sie hat das Leben einige Lebensveränderungen parat, denn nichts hat auf Dauer Bestand.

In dieser Erzählung dürfen wir Leonhard und Paul mit seiner Familie einen kleinen bedeutenden Teil ihres Weges begleiten. Ganz charmant werden uns die Charaktere näher gebracht. Sie haben Eigenschaften, die in unserer lärmenden schnelllebigen Welt nur von jenen erkannt werden, die sich mit den stillen, sanftmütigen und bescheidenen Menschen auseinandersetzen und akzeptieren.

Es bleibt einem nichts anderes übrig, als Leonhard und Paul sofort ins Herz zu schließen. Wie der Mondfisch habe ich diese ganz besondere Lektüre in ruhigen Bahnen durchschwommen und genossen.

Das Cover wurde dezent in frühlingshaften Farben gestaltet und der Mondfisch in der Mitte ist für mich der absolute Eyecatcher. Durch die rauere Oberfläche des Einbandes hat das Buch eine gewisse Haptik und liegt richtig gut in der Hand. Es zeichnet sich durch eine wunderbare gefühlvolle und feinsinnige Erzählung aus, was mich absolut überzeugt hat. Eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.03.2023

Lebensentscheidungen

Weite Sicht
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Torsten Pilz hat mit seinem Debütroman eine bedeutungsschwere Geschichte um die vier Frauen Charlotte, Gesine, Sabine und Bente geschrieben. Nachdem Charlottes Mann Friedrich stirbt, wird das, woran sie ...

Torsten Pilz hat mit seinem Debütroman eine bedeutungsschwere Geschichte um die vier Frauen Charlotte, Gesine, Sabine und Bente geschrieben. Nachdem Charlottes Mann Friedrich stirbt, wird das, woran sie in 50 Ehejahren so glaubte, auf einmal in Frage gestellt. Geheimnisse treten zutage, die Charlottes Sicht auf das hier und jetzt verändern. Der sehr einfühlsame Roman erzählt von Trauer, Familienbande, Freundschaft, Täuschung und die Entscheidung, das Leben, auch im Alter, noch einmal zu überdenken und neue Wege zu beschreiten.

Der Autor hat den Protagonistinnen sehr unterschiedliche, authentische Charaktere verliehen. Jede Person hat ihre eigene Lebensgeschichte, in die ich als Leserin sehr gut eintauchen konnte. Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch sehr gut lesen und jedes geschriebene Wort besticht durch eine gewisse Emotionalität und Tiefgründigkeit. Aufgeteilt sind die einzelnen Abschnitte in Tage und so erfährt der Leser, was sich in einem dreiviertel Jahr verändert und wie die Vier sich den Herausforderungen des Lebens stellen. Hier hat der Autor sehr gut die Gemeinschaftlichkeit herausgearbeitet, mit der man viel mehr erreichen kann, als gedacht.

Das schön gestaltete Cover zeigt eine selbstbewusste Frau mit Weitsicht. Nach dem Lesen dieses Romans kann ich persönlich dieses Cover nur so interpretieren. Für diese wunderbare gefühlvolle Geschichte kann ich meine absolute Leseempfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Eine sehr emotionale Geschichte über Liebe und Verlust

Lichte Tage
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Das Cover mit den wunderschön gestalteten Sonnenblumen, angelehnt an das Bild der fünfzehn Sonnenblumen von van Gogh, hat erst beim zweiten Anblick meine Aufmerksamkeit erregt und mich tief in die Geschichte ...

Das Cover mit den wunderschön gestalteten Sonnenblumen, angelehnt an das Bild der fünfzehn Sonnenblumen von van Gogh, hat erst beim zweiten Anblick meine Aufmerksamkeit erregt und mich tief in die Geschichte von Ellis, Michael, Dora und Annie gezogen. Sarah Winman ist es gelungen, auf sehr einfühlsame und melancholische Weise einen Roman über Freundschaft, Liebe, Sehnsucht, Verlust und Einsamkeit zu schreiben.

1950, noch vor der Geburt von Ellis, gewinnt Dora bei einer Tombola eine Nachbildung von van Gogh’s Bild mit den fünfzehn Sonnenblumen. Seitdem bringt es täglich Farbe in die Tristesse ihrer Umgebung. Für Dora bedeutet das Bild Zuflucht und Inspiration zugleich. Dann gibt es einen Zeitsprung in die 1960’er Jahre. Michael tritt in Ellis Leben ein und eine Zeit der tiefen Freundschaft und Zuneigung, der Sehnsucht nach Kunst und Poesie beginnt. Das Herantasten an das, was sein könnte, um letztendlich andere Entscheidungen zu treffen. Als beide Annie kennenlernen, entwickelt sich eine berührende Dreiecksfreundschaft bis Ellis Annie heiratet und Michael plötzlich nach London zieht.

Die Autorin haucht den Charakteren die ganze Emotionsbreite an Gefühlen ein, so dass der Leser mit den Protagonisten liebt, leidet, die Zerissenheit spürt und den schmerzlichen Verlust durchlebt. Auf seine ganz eigene Weise ein wunderbar geschriebener Roman, der durch seinen Schreibstil und seine Sprache zu Herzen geht und noch lange nachhallt.

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