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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein schwere Weg zurück ins Leben

Gin Boom
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Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. ...

Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. Dabei wird sehr deutlich, wie selbstverständlich Alkohol in unserer Gesellschaft verankert ist – sei es beim Anstoßen, zum Abschalten nach der Arbeit oder zur Auflockerung in sozialen Situationen.

Diese Allgegenwärtigkeit erschwert nicht nur Helena den Neuanfang, sondern auch ihrem Umfeld den Umgang mit ihr. Freunde und Kolleg:innen bemühen sich zwar, sie möglichst normal zu behandeln, wirken dabei jedoch oft unsicher oder genervt von der notwendigen Rücksichtnahme. Auch ihre Eltern erscheinen eher überfordert und sorgen sich vor allem um ihren gesellschaftlichen Ruf.

Die Gründe für Helenas Sucht werden vielschichtig dargestellt: der Druck im Job in einer PR-Agentur, die Erwartungen ihrer Eltern und der Wunsch nach Liebe und Anerkennung. All das wächst ihr zunehmend über den Kopf, sodass Alkohol und später auch Kokain für sie zu einem Ausweg werden – zumindest kurzfristig. Besonders eindrücklich fand ich auch die Darstellung ihres zweiten Klinikaufenthalts, bei dem deutlich wird, wie begrenzt Therapieplätze sind und dass oft nur diejenigen ausreichend Unterstützung erhalten, die als besonders erfolgversprechend gelten.

Auch wenn der Erzählstil stellenweise etwas sprunghaft ist und nicht jeder Handlungsstrang für mich notwendig gewesen wäre, hat mich das Buch sehr zum Nachdenken angeregt.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Zwischen Kontrolle und Manipulation

Das Signal
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Nachdem Viola Decker beim Einsturz ihres Weinkellers ein Bein verloren hat, steht ihr Leben plötzlich Kopf. An vieles kann sie sich nicht mehr erinnern, doch ihr Ziel ist klar. Sie möchte so schnell wie ...

Nachdem Viola Decker beim Einsturz ihres Weinkellers ein Bein verloren hat, steht ihr Leben plötzlich Kopf. An vieles kann sie sich nicht mehr erinnern, doch ihr Ziel ist klar. Sie möchte so schnell wie möglich wieder selbstständig werden. Während sie mit Krücken das Gehen übt, stellt sie fest, dass diese immer wieder nicht am gewohnten Platz sind. Kurzerhand stattet sie sie mit Trackern aus – und schon bald auch ihren Mann und ihre Pflegerin, um deren Bewegungen im Blick zu behalten.
Zu Beginn des Thrillers war ich überrascht, dass Viola so konsequent an ihrem Mann festhält. Denn eigentlich ist ihr von Anfang an bewusst, dass er nicht vorhat, dauerhaft an ihrer Seite zu bleiben. Für ihn scheint sie nach ihrem Unfall nicht mehr in sein Leben zu passen. Dennoch kehrt sie in das gemeinsame Haus zurück und lässt sich von ihm im Erdgeschoss im Gästezimmer unterbringen. Sein Verhalten ist dabei alles andere als unterstützend: Er sabotiert ihre Genesung und redet ihre Fortschritte klein. Als Leser:in möchte man sie am liebsten wachrütteln, damit sie ihm endlich klare Grenzen setzt.
Gerade dadurch baut sich über weite Strecken eine enorme Spannung auf. Man wartet förmlich auf den Moment, in dem Viola die Kontrolle übernimmt und ihren Mann mit ihren Beobachtungen konfrontiert – und genau das macht den Reiz der Geschichte aus.
Für meinen Geschmack hätte das Ende jedoch noch etwas spektakulärer und dramatischer ausfallen dürfen. Dennoch ein insgesamt sehr gelungener Thriller mit starkem Spannungsaufbau.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Magisch, gemütlich und voller Herz

The Faraway Inn
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Im neuen Buch von Sarah Beth Durst begleiten wir die Protagonistin Calisa bei ihrem Besuch im renovierungsbedürftigen Bed & Breakfast ihrer Großtante in Vermont. Umgeben von Bergen und Kiefern entsteht ...

Im neuen Buch von Sarah Beth Durst begleiten wir die Protagonistin Calisa bei ihrem Besuch im renovierungsbedürftigen Bed & Breakfast ihrer Großtante in Vermont. Umgeben von Bergen und Kiefern entsteht ein wunderbar gemütliches Setting, das auch die Leser:innen zum Entspannen einlädt - genau wie die Gäste, die aus diesem Grund im Inn einkehren.

Doch schon bald muss Calisa feststellen, dass sie dort alles andere als willkommen ist. Besonders gut gefallen hat mir an ihr ihre Hartnäckigkeit: Sie lässt sich nicht entmutigen und hält an ihrem Plan fest, den Sommer dort zu verbringen. Zudem ist ihr ihre Familie sehr wichtig. Sie versucht, zwischen ihrer Großtante und ihren Müttern zu vermitteln, da ein zehn Jahre alter Streit noch immer zwischen ihnen steht. Dabei beweist sie viel Einfühlungsvermögen und findet stets die richtigen Worte.

Auch der männliche Protagonist Jack konnte mich überzeugen. Anfangs wirkt er etwas seltsam, was vermutlich daran liegt, dass er nicht weiß, wie viel Calisa bereits über die magischen Aspekte weiß. Mit der Zeit zeigt sich jedoch, wie aufmerksam und unterstützend er ist. Er setzt alles daran, das Inn instand zu halten, und ist immer wieder beeindruckt davon, wie Calisa mit den Gästen umgeht und ihnen bei ihren Problemen hilft.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass Calisa gerne etwas früher in die magische Welt hätte eingeführt werden können. Insgesamt vergebe ich daher 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Volltreffer für junge Fußballfans

Fußball Academy 7: Ein wahres Wunder
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Im siebten Band der Reihe Fußball Academy steht vor allem Yao im Mittelpunkt, ein Schüler aus Ghana. Besonders gut hat uns gefallen, dass wir dabei Einblicke in die Kultur und die Gebräuche seines Heimatlandes ...

Im siebten Band der Reihe Fußball Academy steht vor allem Yao im Mittelpunkt, ein Schüler aus Ghana. Besonders gut hat uns gefallen, dass wir dabei Einblicke in die Kultur und die Gebräuche seines Heimatlandes bekommen. Ein bestimmter Gegenstand erhält dabei für ihn eine ganz besondere Bedeutung, was die Geschichte zusätzlich bereichert.
Auch die anderen Figuren stammen aus unterschiedlichen Ländern, was die Vielfalt der Charaktere unterstreicht und einen schönen Eindruck davon vermittelt, wie unterschiedlich Menschen und Hintergründe sein können. Besonders witzig fanden wir Fiete, der die Angewohnheit hat, ständig mit vollem Mund zu sprechen.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Buch sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht. In den Teams spielen beide Geschlechter – sowohl getrennt als auch gemeinsam. Das zeigt auf schöne Weise, dass Fußball eine Sportart für alle ist. Zudem wird der Teamgeist großgeschrieben: Die Spielerinnen und Spieler feuern sich gegenseitig an und unterstützen sich, auch wenn ein Spiel einmal nicht so läuft wie erhofft.
Wir würden jederzeit wieder zu einem Buch aus dieser Reihe greifen.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Hinter der perfekten Fassade

Bullshit mit Blümchenkleid
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Anhand konkreter Beispiele führt Barbara Haas die Leser:innen in die Welt der sogenannten Tradwives ein. Im Fokus stehen drei Frauen, die ihren Lebensstil auf Instagram und TikTok inszenieren und vermitteln, ...

Anhand konkreter Beispiele führt Barbara Haas die Leser:innen in die Welt der sogenannten Tradwives ein. Im Fokus stehen drei Frauen, die ihren Lebensstil auf Instagram und TikTok inszenieren und vermitteln, dass Frauen in der klassischen Rolle als Hausfrau und Mutter Erfüllung finden und dem Stress des Berufslebens entkommen können.
In klaren und ehrlichen Worten zeigt die Autorin jedoch, dass dieses Bild eine Illusion ist. Sie legt dar, wie ein solcher Lebensstil in Abhängigkeit, Altersarmut und den Verlust von Selbstbestimmung führen kann.
Darüber hinaus beleuchtet das Buch die historische Entwicklung der Hausfrauenrolle, den Einfluss von Religion sowie die Funktion, die Tradwives in rechten Ideologien einnehmen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild, das unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnet.
Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Verweise auf Instagram-Profile, Podcasts, Glaubensgemeinschaften, politische Akteure und weiterführende Literatur. Sie ermöglichen es, sich auch über die Lektüre hinaus intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Insgesamt kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen. Lediglich gegen Ende wiederholen sich einige Erkenntnisse, ohne wesentlich neue Aspekte hinzuzufügen, weshalb ich hier kleine Abzüge machen würde.

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