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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Anspruchtsvoll, aber interessant

Ein Date mit deinem Gehirn
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In seinem neuen Sachbuch gibt der Gehirnforscher Damir del Monte auf rund 240 Seiten Einblicke in die evolutionäre Entwicklung des Gehirns, unsere Wahrnehmung der Welt sowie mögliche Auswirkungen von Künstlicher ...

In seinem neuen Sachbuch gibt der Gehirnforscher Damir del Monte auf rund 240 Seiten Einblicke in die evolutionäre Entwicklung des Gehirns, unsere Wahrnehmung der Welt sowie mögliche Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Lernprozesse.
Das komplexe Thema wird durchgehend mit anschaulichen, bildhaften Erklärungen unterstützt, die dabei helfen, die teilweise schwierigen Zusammenhänge besser zu verstehen. Das gelingt grundsätzlich gut. Allerdings bleibt die Sprache sehr akademisch, was das Lesen stellenweise anspruchsvoll macht. Vieles ist im Moment zwar nachvollziehbar, bleibt jedoch nicht unbedingt langfristig im Gedächtnis.
Inhaltlich ist das Buch durchaus interessant und bietet spannende Denkanstöße. Aufgrund des eher fachlichen Schreibstils konnte es mich persönlich jedoch nicht völlig einnehmen. Für Leser:innen mit biologischem Vorwissen oder besonderem Interesse an Neurowissenschaften dürfte es daher besser geeignet sein.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Drei Frauen, drei Wege, eine Heimat

Die Riesinnen
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Der Roman Die Riesinnen von Hannah Häffner, erschienen im Februar 2025 im Penguin Verlag, erzählt auf 416 Seiten die Geschichte von drei Generationen von Frauen in Wittenmoos, einem Ort im Schwarzwald.

Die ...

Der Roman Die Riesinnen von Hannah Häffner, erschienen im Februar 2025 im Penguin Verlag, erzählt auf 416 Seiten die Geschichte von drei Generationen von Frauen in Wittenmoos, einem Ort im Schwarzwald.

Die Handlung beginnt in den 1950er-Jahren mit Liese, die in einer unglücklichen Ehe mit ihrem Mann Bernhard lebt. Statt Zuneigung erfährt sie vor allem Ablehnung, auch von den Dorfbewohnern, die sie aufgrund ihrer Größe und ihrer roten Haare zur Außenseiterin machen. Immer wieder denkt sie darüber nach, ihren Mann und den Ort zu verlassen, doch die gesellschaftlichen Umstände jener Zeit lassen ihr kaum Handlungsspielraum. Umso beeindruckender ist ihre Entwicklung. Nach einem schweren Schicksalsschlag beginnt sie, für sich und ihre Tochter Cora einzustehen, wächst über sich hinaus und gewinnt zunehmend an Selbstständigkeit.

Cora hingegen fühlt sich im Schwarzwald lange Zeit eingeengt. Sie möchte reisen, die Welt entdecken und sich nicht den Erwartungen ihres Umfelds beugen. Konventionen lehnt sie bewusst ab, und es ist ihr gleichgültig, was andere über sie denken. Dennoch führt ihr Lebensweg sie schließlich zurück nach Wittenmoos – insbesondere, als sie ungeplant schwanger wird.

Evas Geschichte bildet die dritte Perspektive. Im Gegensatz zu ihrer Mutter liebt sie das Leben im Schwarzwald, vor allem die Nähe zur Natur. Auch wenn Cora sie dazu drängt, die Heimat zu verlassen, verspürt Eva keinen Wunsch nach einem Leben in der Ferne. Stattdessen findet sie ihren eigenen Weg – und letztlich auch ihr Glück – genau dort, wo sie sich am wohlsten fühlt.

Der Roman überzeugt durch seine ruhige, atmosphärische Erzählweise. Ohne große Dramatik entfaltet sich das Leben dieser drei Frauen, und gerade dadurch entsteht eine besondere Nähe zu den Figuren. Man fühlt mit ihnen, bewundert ihre Stärke und ihren Zusammenhalt. Die Riesinnen ist eine klare Leseempfehlung für alle, die vielschichtige Familiengeschichten und leise, aber eindringliche Erzählungen schätzen.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein schwere Weg zurück ins Leben

Gin Boom
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Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. ...

Der Roman Gin Boom von Verena Titze hat mich mit vielen Gedanken zurückgelassen.

Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wegen eines Alkoholentzugs versucht Helena, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. Dabei wird sehr deutlich, wie selbstverständlich Alkohol in unserer Gesellschaft verankert ist – sei es beim Anstoßen, zum Abschalten nach der Arbeit oder zur Auflockerung in sozialen Situationen.

Diese Allgegenwärtigkeit erschwert nicht nur Helena den Neuanfang, sondern auch ihrem Umfeld den Umgang mit ihr. Freunde und Kolleg:innen bemühen sich zwar, sie möglichst normal zu behandeln, wirken dabei jedoch oft unsicher oder genervt von der notwendigen Rücksichtnahme. Auch ihre Eltern erscheinen eher überfordert und sorgen sich vor allem um ihren gesellschaftlichen Ruf.

Die Gründe für Helenas Sucht werden vielschichtig dargestellt: der Druck im Job in einer PR-Agentur, die Erwartungen ihrer Eltern und der Wunsch nach Liebe und Anerkennung. All das wächst ihr zunehmend über den Kopf, sodass Alkohol und später auch Kokain für sie zu einem Ausweg werden – zumindest kurzfristig. Besonders eindrücklich fand ich auch die Darstellung ihres zweiten Klinikaufenthalts, bei dem deutlich wird, wie begrenzt Therapieplätze sind und dass oft nur diejenigen ausreichend Unterstützung erhalten, die als besonders erfolgversprechend gelten.

Auch wenn der Erzählstil stellenweise etwas sprunghaft ist und nicht jeder Handlungsstrang für mich notwendig gewesen wäre, hat mich das Buch sehr zum Nachdenken angeregt.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Zwischen Kontrolle und Manipulation

Das Signal
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Nachdem Viola Decker beim Einsturz ihres Weinkellers ein Bein verloren hat, steht ihr Leben plötzlich Kopf. An vieles kann sie sich nicht mehr erinnern, doch ihr Ziel ist klar. Sie möchte so schnell wie ...

Nachdem Viola Decker beim Einsturz ihres Weinkellers ein Bein verloren hat, steht ihr Leben plötzlich Kopf. An vieles kann sie sich nicht mehr erinnern, doch ihr Ziel ist klar. Sie möchte so schnell wie möglich wieder selbstständig werden. Während sie mit Krücken das Gehen übt, stellt sie fest, dass diese immer wieder nicht am gewohnten Platz sind. Kurzerhand stattet sie sie mit Trackern aus – und schon bald auch ihren Mann und ihre Pflegerin, um deren Bewegungen im Blick zu behalten.
Zu Beginn des Thrillers war ich überrascht, dass Viola so konsequent an ihrem Mann festhält. Denn eigentlich ist ihr von Anfang an bewusst, dass er nicht vorhat, dauerhaft an ihrer Seite zu bleiben. Für ihn scheint sie nach ihrem Unfall nicht mehr in sein Leben zu passen. Dennoch kehrt sie in das gemeinsame Haus zurück und lässt sich von ihm im Erdgeschoss im Gästezimmer unterbringen. Sein Verhalten ist dabei alles andere als unterstützend: Er sabotiert ihre Genesung und redet ihre Fortschritte klein. Als Leser:in möchte man sie am liebsten wachrütteln, damit sie ihm endlich klare Grenzen setzt.
Gerade dadurch baut sich über weite Strecken eine enorme Spannung auf. Man wartet förmlich auf den Moment, in dem Viola die Kontrolle übernimmt und ihren Mann mit ihren Beobachtungen konfrontiert – und genau das macht den Reiz der Geschichte aus.
Für meinen Geschmack hätte das Ende jedoch noch etwas spektakulärer und dramatischer ausfallen dürfen. Dennoch ein insgesamt sehr gelungener Thriller mit starkem Spannungsaufbau.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Magisch, gemütlich und voller Herz

The Faraway Inn
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Im neuen Buch von Sarah Beth Durst begleiten wir die Protagonistin Calisa bei ihrem Besuch im renovierungsbedürftigen Bed & Breakfast ihrer Großtante in Vermont. Umgeben von Bergen und Kiefern entsteht ...

Im neuen Buch von Sarah Beth Durst begleiten wir die Protagonistin Calisa bei ihrem Besuch im renovierungsbedürftigen Bed & Breakfast ihrer Großtante in Vermont. Umgeben von Bergen und Kiefern entsteht ein wunderbar gemütliches Setting, das auch die Leser:innen zum Entspannen einlädt - genau wie die Gäste, die aus diesem Grund im Inn einkehren.

Doch schon bald muss Calisa feststellen, dass sie dort alles andere als willkommen ist. Besonders gut gefallen hat mir an ihr ihre Hartnäckigkeit: Sie lässt sich nicht entmutigen und hält an ihrem Plan fest, den Sommer dort zu verbringen. Zudem ist ihr ihre Familie sehr wichtig. Sie versucht, zwischen ihrer Großtante und ihren Müttern zu vermitteln, da ein zehn Jahre alter Streit noch immer zwischen ihnen steht. Dabei beweist sie viel Einfühlungsvermögen und findet stets die richtigen Worte.

Auch der männliche Protagonist Jack konnte mich überzeugen. Anfangs wirkt er etwas seltsam, was vermutlich daran liegt, dass er nicht weiß, wie viel Calisa bereits über die magischen Aspekte weiß. Mit der Zeit zeigt sich jedoch, wie aufmerksam und unterstützend er ist. Er setzt alles daran, das Inn instand zu halten, und ist immer wieder beeindruckt davon, wie Calisa mit den Gästen umgeht und ihnen bei ihren Problemen hilft.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass Calisa gerne etwas früher in die magische Welt hätte eingeführt werden können. Insgesamt vergebe ich daher 4 von 5 Sternen.

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