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Veröffentlicht am 15.09.2024

Zerstreut wie ein Teenie

Long Live Evil
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Mit Rae kann man eigentlich nur Mittleid haben. Sie ist kaum 17 Jahre alt und liegt schon mit schwerem Krebs im Krankenhaus, ihre Aussichten sind schlecht. Der einzige Ausweg, den ihr eine mysteriöse Fremde ...

Mit Rae kann man eigentlich nur Mittleid haben. Sie ist kaum 17 Jahre alt und liegt schon mit schwerem Krebs im Krankenhaus, ihre Aussichten sind schlecht. Der einzige Ausweg, den ihr eine mysteriöse Fremde bietet, ist eine Reise in ihre liebste Fantasyreihe. Sie soll eine Blume besorgen, die ihr Heilung und Leben verspricht. Doch wird es nicht ganz so leicht wie sie es sich erhofft, denn sie findet sich als ungeliebte Gegnerin in diesem Spiel wieder.

Die Idee hinter dieser Geschichte ist großartig! Wollten wir nicht alle schon einmal die Rolle des Antagonisten übernehmen, ohne Rücksicht auf Verluste oder schlechtes Gewissen? Sich eigene Verbündete aussuchen, mit gleichen Interessen oder Voraussetzungen? Rae kann das nun alles machen, immer in dem Wissen, dass es ja nur eine Geschichte ist.

Ein paar kleine Schwächen hat das Buch leider. Zum einen ist die Hauptfigur Rahela stellenweise einfach nur unerträglich jugendlich und sowohl in ihren Handlungen, vor allem aber in ihren Äußerungen furchtbar unbedacht. Dadurch wühlt sie das mittelalterliche Setting mit ihrem Jugendslang und gesellschaftsaktuellen Popkulturreferenzen total durcheinander. Über die vielen Wortwiederholungen breiten wir den Mantel des Vergessens.

Des Weiteren wissen weder wir als Lesende noch Rae selbst (die ja die Bücher angeblich gelesen hat und sich anhand deren Handlung durch ihr Abenteuer hangelt) genug, um die Handlung immer nachvollziehen geschweige denn vorhersehen zu können.

Aber darüber kann man hinweg sehen, denn die Story ist vollgepackt mit Ereignissen, sodass man kaum die Gelegenheit bekommt zum Nachdenken.

Letzlich muss man sich nur darüber im Klaren sein, dass dies kein abgeschlossener Einzelband ist, sondern der Beginn einer weiteren der unzähligen Fantasyreihen. Wer mit offenen Enden klarkommt, kann aber auch mit diesem einen Band zufrieden sein.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Queersein in Nigeria

Wünschen
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Chukwuebuka Ibeh hat mit seinem Debut über den Jungen Obiefuna ein Thema aufgegriffen, das mit der politischen Entwicklung im erzkonservativen Nigeria und dem 2014 verabschiedeten Gesetz über die Strafbarkeit ...

Chukwuebuka Ibeh hat mit seinem Debut über den Jungen Obiefuna ein Thema aufgegriffen, das mit der politischen Entwicklung im erzkonservativen Nigeria und dem 2014 verabschiedeten Gesetz über die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen aktueller nicht sein könnte.

Obiefuna fällt es schon immer schwer im Vergleich mit seinem fußballinteressierten jüngeren Bruder Ekene die Gunst und Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Als absolutes Wunschkind hält seine Mutter schon immer die schützende Hand über den zarten Jungen, bis sein Vater eines Tages einen Blick zwischen ihm und dessen Lehrling mtibekommt, der das akzeptable Maß überschreitet. Obie wird auf ein christliches Internat geschickt, wo er die konservativen Werte seines Volkes eingeprügelt bekommt. Doch auch in der Kargheit und emotionalen Einöde des Jungeninternats kann er erste Beziehunugen entwickeln, immer in der Angst entdeckt und verurteilt zu werden.

Man kann sich wohl kaum vorstellen, was die ständige Angst und Beurteilung mit der Seele und dem Innenleben eines in der Entwicklung befindlichen Jungen anstellt. Chukwuebuka hat das aber mit seiner unheimlich schönen, wenn auch teilweise ernüchternden Sprache auf beeindruckende Weise eingefangen. Er erschafft Sätze, die hängen bleiben und zeichnet damit ein Bild von Nigeria, das wenig einladend, dafür aber umso mahnender ausfällt.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Eine starke Freundschaft

Malnata
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Beatrice Salvioni präsentiert uns mit ihrem Debutroman eine wunderbar ergreifende Geschichte über zwei starke Mädchenfiguren im Italien der 1930er Jahre.

Francesca wächst als Tochter eines Hutfabrikanten ...

Beatrice Salvioni präsentiert uns mit ihrem Debutroman eine wunderbar ergreifende Geschichte über zwei starke Mädchenfiguren im Italien der 1930er Jahre.

Francesca wächst als Tochter eines Hutfabrikanten und einer ehemaligen Bühnenschönheit in einem streng reglementierten Haushalt auf. Ihr Alltag ist geprägt von Regeln und Gleichgültigkeit. Ganz anders Maddalena, die aufgrund ihres Aussehens und verschiedener Geschehnisse in der Vergangenheit nur als Malnata bezeichnet und von allen im Ort gemieden wird. Für beide ändert sich vieles, als zwischen ihnen erste zarte Bande einer Freundschaft entstehen, die von vielen nicht gern gesehen wird.

Beide Mädchen präsentieren starke Figuren, die für ihre Überzeugungen und Wünsche kämpfen. Doch vor allem Francesca, aus deren Sicht das Buch erzählt wird, macht im Laufe des Romans eine gewaltige Entwicklung durch. Dadurch gibt der Roman einen feministischen Einblick in die damalige Zeit eines Italiens, das vom Duce und den drohenden Afrika-Kriegen beherrscht wird.

Die geschichtliche Einordnung des Geschehens hätte für meinen Geschmack gerne etwas stärker im Vordergrund stehen dürfen. Aber auch mit dem Fokus auf dem Coming of Age-Element macht es unglaublich viel Eindruck.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Zu viel Satire

Content
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Ich lese gerne Gesellschaftskritik und Satire, mag es wenn man an aktuelle Themen mit Witz und angedeuteten Bedeutungen herangeht. Aber das war mir entweder zu hoch oder über meinem Niveau.

Die namenlose ...

Ich lese gerne Gesellschaftskritik und Satire, mag es wenn man an aktuelle Themen mit Witz und angedeuteten Bedeutungen herangeht. Aber das war mir entweder zu hoch oder über meinem Niveau.

Die namenlose Erzählerin arbeitet bei Smile Smile Inc., einer Firma, die sinnlosen Content am Fließband produiziert. Videos für Youtubbe, inhaltsbefreite Listen und Rankings für den alltagsmüden Doomscroller. Ihr Freund Jonas gründet Start Ups am Fließband, die keine nennenswerten Ziele verfolgen. Ihre Stadt steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Das klingt alles nach viel Potential für einen bissigen Roman mit tiefgründigen Ansätzen. Den Anschein macht er auch immer wieder, aber irgendwie fehlte mir der rote Faden, das Ziel oder zumindest eine gewisse Richtung. Teilweise las sich das Ganze so abgedreht wie ein schlechter Trip, das Lachen blieb mir immer öfter im Hals stecken.

Das Buch mag viele Freunde oder Liebhaber finden, mich hatte es nach nicht einmal der Hälfte verloren.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Starke Frauen

Lil
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Gemeinsam tauchen wir ein in die Highsociety New Yorks 1880, um das Schicksal von Lillian Cuttings aus mehr oder weniger großer Nähe zu begleiten. Neben der fortwährenden Konkurrenz der beiden führenden ...

Gemeinsam tauchen wir ein in die Highsociety New Yorks 1880, um das Schicksal von Lillian Cuttings aus mehr oder weniger großer Nähe zu begleiten. Neben der fortwährenden Konkurrenz der beiden führenden Großfamilien geht es vor allem darum, was Frauen dürfen und was nicht. Sie dürfen neben ihrem erfolgreichen Mann hübsch aussehen und zu seiner ständigen Verfügung stehen. Ihre "Frauenleiden" dürfen sie im Sanatorium für höhere Frauen kurieren, unter der ständigen Aufsicht eines selbstverliebten Psychiaters. Was sie defintiv nicht dürfen, ist selbstständig sein und erfolgreich. Vor allem nicht erfolgreicher als ihre Männer!

Dieses Buch macht wütend, konfrontiert die Leserin mit einer ganz eigenen Art von Ohnmachtsgefühl und Hilflosigkeit, gefolgt von leichtem Triumph und Schadenfreude (ich finde es ja immer noch bemerkenswert, dass es dieses Wort nur im Deutschen gibt, wenn es doch das Empfinden so unglaublich gut beschreibt!).

Dabei steht die titelgebende Figur gar nicht mal so sehr im Vordergrund. Neben ihr kommt auch eine Vielzahl anderer Figuren zu Wort und in den Genuss des Rampenlichts. Dies komplettiert jedoch nur ziemlich gut den Eindruck, den man von der damaligen Gesellschaft gewinnt.

Einen etwas bitteren Beigeschmack bekommt das Buch allerdings. Ich hätte dieses Buch gerne in weiblichen Worten, mit einer weiblichen Sichtweise gelesen. Stellenweise merkt man es dem Buch einfach zu sehr an, dass es von einem "alten, weißen Mann" geschrieben wurde. es fehlt das Einfühlungsvermögen, dass man gerade den weiblichen Figuren wünschen würde. Die Männer sind dagegen durchweg gut getroffen.

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