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Veröffentlicht am 18.10.2023

Sommerlicher Dorfroman

Nincshof
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Wie das Buch auf den Leser wirken wird, kommt stark darauf an, wie ernst man die Geschichte nimmt. Denkt man nicht zu intensiv über manche Äußerungen nach oder misst man gewissen Ansichten nicht allzu ...

Wie das Buch auf den Leser wirken wird, kommt stark darauf an, wie ernst man die Geschichte nimmt. Denkt man nicht zu intensiv über manche Äußerungen nach oder misst man gewissen Ansichten nicht allzu viel Bedeutung bei, kann "Nincshof" ein sehr unterhaltsamer Sommeroman sein.

Ein Sommerroman über ein Dorf in der österreichischen Pampa, das gern vergessen werden möchte. Zumindest wenn man einigen wenigen engagierten Einwohner*innen folgt. Dem stehen die neu Hinzugezogenen im Weg- ein Züchter seltener (fiktiver) Ziegen und eine Filmemacherin auf der Suche nach einer neuen Aufgabe.

Die Story schwankt zwischen belustigender Gegenwart und aufschlussreicher Vergangenheit, wobei das Gleichgewicht zwischen den beiden Parts unterwegs etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Dabei verliert der eigentliche Schwerpunkt des Buches etwas den Fokus.

Die Figuren sind sehr skurril und schrullig gezeichnet, haben aber teilweise auch sehr schwere Päckchen zu tragen. Leider passt genau diese Ernsthaftigkeit nicht so ganz zur angestrebten Leichtigkeit des Romans.

Und vor allem die immer wieder angesprochene Aussteigermentalität könnte, wenn man die Geschichte zu ernst nimmt und ihr zu viel Bedeutung einräumt, einen etwas bitteren Beigeschmack bekommen.

Für mich persönlich hat aber die unbeschwerte Lockerheit überwogen.

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Veröffentlicht am 16.10.2023

Ägyptischer Steam Punk

Meister der Dschinn (Gewinner des Nebula Award 2021 für Bester Roman & des Hugo Award 2022 für Bester Roman)
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Neue Welten zu entdecken macht immer Spaß. Wenn in dieser Welt ein historisches Ägypten, fortschrittliche Technik und Dschinn aufeinander treffen, erst recht!

Fatma arbeitet für das Ministerium für Alchemie, ...

Neue Welten zu entdecken macht immer Spaß. Wenn in dieser Welt ein historisches Ägypten, fortschrittliche Technik und Dschinn aufeinander treffen, erst recht!

Fatma arbeitet für das Ministerium für Alchemie, Verzauberungen und Übernatürliche Wesen und hat durch ihren Job, das Zusammenleben von Menschen und Übernatürlichen zu sichern, regelmäßig mit aus der Reihe tanzenden Dschinn zu tun. Sie arbeitet gern alleine und hat in ihrem Job auch großen Erfolg. Doch mit dem Auftakt einer neuen Mordserie bekommt sie eine neue Partnerin an die Seite gestellt. Und das ist nicht das einzige Problem, das sie bald zu lösen hat.

In diese Welt einzutauchen macht unheimlich viel Spaß und bringt starke "Die Mumie kehrt zurück"-Vibes mit. Der Weltenbau ist sehr detailiert und ausgearbeitet, die Verknüpfung aus Historie und Phantastik gefällt mir sehr.

Aber auch die Figuren machen viel Spaß. P. Djeli Clark setzt auf sehr starke und tragende Frauenfiguren, die die Welt im Alleingang retten können... und auch wollen. Die ganze Story kommt ohne Stereotype und Platitüden aus und weiß einfach gut zu unterhalten.

Die Auszeichnung mit dem Nebula Award 2021 hat es wirklich verdient erhalten.

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Veröffentlicht am 16.10.2023

Kein Feingefühl

Mord im Christmas Express
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Wie ein Leuchtfeuer schwebt Agatha Christie über diesem Christmas-Express und verheißt weihnachtliche Atmosphäre und spannende Kriminalfälle. Was die Autorin daraus gemacht hat, kann dann leider doch nicht ...

Wie ein Leuchtfeuer schwebt Agatha Christie über diesem Christmas-Express und verheißt weihnachtliche Atmosphäre und spannende Kriminalfälle. Was die Autorin daraus gemacht hat, kann dann leider doch nicht überzeugen.

Pünktlich zu Weihnachten versinkt Großbritannien im Schneechaos und keine Züge fahren mehr. Bis auf den einen, der die letzten Passagiere zu ihren Familien in die Highlands bringen soll. Doch auf der Strecke entgleist der Zug und die erste Leiche lässt nicht lange auf sich warten.

Das Setting kommt einem sehr bekannt vor und auch die Konstellation verschiedener Figuren lässt stark an die Grand Dame des britischen Krimi erinnern. Und doch schafft es das Buch nicht, überzeugende Figuren zum Leben zu erwecken. Natürlich werden verschiedenste Themen und Probleme aufgeworfen, eines härter und krasser als das andere. An mancher Stelle wäre eine Triggerwarnung vielleicht nicht verkehrt gewesen.

Und doch fühlt es sich an, als ob man diese Theme mit der Keule eingeprügelt bekommen würde, es fehlt das Feingefühl, mit dem die Figuren über Frühgeburten, körperliche Übergriffe und Suchtprobleme sprechen sollten.

Und auch die eigentliche Handlung könnte ein wenig mehr Würze vertragen. Die Hinweise auf die Tatperson häufen sich relativ schnell und die Aufklärung des Mordfalls verkommt zwischendurch zur Nebensache.

Zudem schaffe ich es nicht, auch nur für eine der Figuren Sympathie zu entwickeln.

Insgesamt vermisst man vor allem aber die weihnachtliche Stimmung. Der Zug könnte genauso gut auch Highland Express heißen. Bis auf das Dtum und den Schnee deutet nichts auf diese besinnliche Zeit hin.

Insgesamt wurden meine Erwartungen leider enttäuscht.

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Veröffentlicht am 16.10.2023

Harte Welt

Schneekinder
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In Jorland muss man schon als Kind stark und mutig sein, um zu überleben. Denn Jorland befindet sich im Krieg und die Eltern wurden alle zum Dienst eingezogen. Nur die Alten und Jungen sind übrig geblieben ...

In Jorland muss man schon als Kind stark und mutig sein, um zu überleben. Denn Jorland befindet sich im Krieg und die Eltern wurden alle zum Dienst eingezogen. Nur die Alten und Jungen sind übrig geblieben und müssen zusammenhalten um zu überleben. Elin und Kjell sind zwei von ihnen. Während ihr Bruder im Berg nach Kohle gräbt, kümmert sich Elin um die anderen Kinder im Dorf. Doch der Krieg ist nicht die einzige Gefahr. Auch die Natur mit ihrer Kälte und den Vulkanen und Geysiren machen das Leben zu einer Herausforderung. Und dann graben Kjell und die anderen Jungen im Berg auch noch etwas aus, was nicht hätte geweckt werden dürfen.

Man merkt schon an der Beschreibung, dass "Schneekinder" keine ganz leichte Kost ist. Ob das Buch schon für 11-Jährige geeignet ist, sollte man wirklich gut überlegen. Ich als Erwachsene habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, die Spannung und Härte war aber auch für mich an manchen Stellen schon ausreichend.

Ansonsten ist das Buch aber wirklich großartig und passt perfekt zum endlich kühler werdenden Wetter. Die Stimmung der winterlichen Welt hat Andreas Langer unheimlich gut eingefangen. Sie erinnert mich sehr stark an Island.
Nebenbei schafft er es auch wirklich toll, neben den mystischen oder fantastischen Elementen auch Themen wie Mitgefühl und Gemeinschaftssinn anzusprechen.

Fazit: Dieses Abenteuer sollte man unbedingt wagen!

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Veröffentlicht am 16.10.2023

Der Titel ist Programm

Zeiten der Langeweile
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Wie so oft in letzter Zeit, fängt das Buch gut an, klingt unheimlich vielversprechend und lässt dann zum Ende hin immer mehr nach in seiner Wirkungskraft und Überzeugung.

Mila hat Angst für ihre im Internet ...

Wie so oft in letzter Zeit, fängt das Buch gut an, klingt unheimlich vielversprechend und lässt dann zum Ende hin immer mehr nach in seiner Wirkungskraft und Überzeugung.

Mila hat Angst für ihre im Internet getroffenen Aussagen gecancelt zu werden und steigt aus. Was als langsames Detoxing beginnt, steigert sich nach und nach zu einem in jeder Hinsicht ungesunden Verhalten.

Ich denke, mein erstes Problem mit diesem Buch waren die ursächlichen Beweggründe der Hauptfigur. Angst vor Cancelculture kann man doch eigentlich nur haben, wenn man sich bewusst ist, etwas falsches geschrieben oder gesagt oder getan zu haben. Das Ganze Buch über konnte ich allerdings keinen Grund finden, der Milas Angst hätte begründen können.

Dementsprechend übertrieben kamen mir sämtliche ihrer Reaktionen und Gedankengänge im Verlaufe des Buches immer mehr vor. Von nachvollziehbar zu besorgniserregend innerhalb von 200 Seiten- das muss man auch erstmal schaffen.

Dabei könnte man das Thema Ausstieg aus dem Internet auf jedes andere übertragen. Die Strukturen, die hier nach und nach gebildet werden und das Gedankenkarussell, in dem sich Mila nach und nach verrennt, sind leider universell und nur deshalb ist der Roman in gewisser Weise interessant.

Allerdings muss man als Leser seine Schlüsse selbst ziehen aus dem Beobachteten und bekommt ein für meinen Geschmack viel zu offenes Ende.
Vielleicht hat mein Interesse zum Schluss auch einfach nur nicht mehr ausgereicht um sich gebührend Gedanken machen zu können.

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