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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Heimlicher Star

Wilder Honig
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Vordergründig sollte es hier eigentlich um drei Frauen gehen: Hannah, die den Tod ihres Ehemanns kaum verkraften kann, ihre Schwester Sadie und Megan plötzlich in ihre Leben tritt. Der Lesende soll mit ...

Vordergründig sollte es hier eigentlich um drei Frauen gehen: Hannah, die den Tod ihres Ehemanns kaum verkraften kann, ihre Schwester Sadie und Megan plötzlich in ihre Leben tritt. Der Lesende soll mit den vielen verschiedenen Schichten an Emotionen konfrontiert werden, die die Frauen während ihrer Trauerbewältigung durch leben.

Als roter Leitfaden der Liebe und Trauer sollen die elf Briefe dienen, die Ehemann John vor seinem Tod verfasst hat.

Was für mich stattdessen hängen blieb, sind die Honigbienen und der Obstgarten, den die Frauen als Nachlass der Familie erhalten und die folgenden Monate pflegen. Diese beiden sind die heimlichen Stars des Buchs, hinter denen die menschlichen Mitspielenden verblassen und stellenweise auch verstummen.

Die Beschreibungen der Pflanzen- und Tierwelt sind sehr gut gelungen, stimmungsvoll, eindrücklich und greifbar. Sie habe ich viel intensiver begriffen als jegliches Innenleben der drei Frauen.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Was sind wir ohne ich

Die Spur der Vertrauten
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Christelle Dabos hat ein Händchen für interessante Ideen und verbindet sie mit einem manchmal fast ätherischen Schreibstil. Wer "Die Spiegelreisende" gelesen hat, kennt ihren Stil und hat ihm im Laufe ...

Christelle Dabos hat ein Händchen für interessante Ideen und verbindet sie mit einem manchmal fast ätherischen Schreibstil. Wer "Die Spiegelreisende" gelesen hat, kennt ihren Stil und hat ihm im Laufe der Bücher wahrscheinlich lieben und hassen gelernt. Was dort im Laufe der vier Bücher langsam angewachsen ist, konzentriert sich bei "Die Spur der Vertrauten" auf knappe 600 Seiten.

Versteht mich nicht falsch: Die Geschichte von Claire und Goliath beginnt unheimlich fesselnd!

In einer Welt, in der die Menschen von ihren angeborenen Instinkten beherrscht werden und so zum Gemeinwohl des "Wir" beitragen, verschwindet die Individualität des Einzelnen fast vollkommen. Doch nicht nur das, die beiden entdecken auch, dass einige ihrer Mitschüler wie vom Erdboden verschluckt sind und machen sich auf die Suche nach ihnen.

Wo dieser erste Teil des Buches den Lesenden förmlich einsaugt, macht die Autorin ungefähr nach der Hälfte des Buches einen Cut und führt ihre Erzählung in eine wesentlich weitschweifigere, weniger zielgerichtete und damit ziemlich verwirrende Richtung weiter (ähnlich wie die Spiegelreisende ab Band 2).

Versteht mich nicht falsch, diese Welt finde ich wirklich faszinierend, die Theorie der Instinkte und des daran anknüpfenden Klassensystems, das gewisse Instinkte massiv begünstigt, ist wirklich gelungen. Die darin mitschwingende Gesellschaftskritik kommt an.

Aber man hätte den Roman locker um 200 Seiten kürzen können, um dadurch die Spannung vor allem im zweiten Teil hochzuschrauben. Vielleicht hat die Autorin einfach zu viel Subtext unterbringen wollen, der zumindest bei mir nicht so ganz ankam. Unterhalten hat mich das Buch trotzdem.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Hölzerne Sprache

Die Bibliothek meines Großvaters
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Ich weiß nicht genau, was es ist, dass ich immer wieder so meine Probleme mit der Sprache in japanischen Büchern habe, und trotzdem jedes Mal wieder danach greife.

Masateru Konishi erzählt die Geschichte ...

Ich weiß nicht genau, was es ist, dass ich immer wieder so meine Probleme mit der Sprache in japanischen Büchern habe, und trotzdem jedes Mal wieder danach greife.

Masateru Konishi erzählt die Geschichte der Lehrerin Kaede, die ihren an Demenz erkrankten Opa pflegt, und dabei mit ihm gemeinsam die verschiedensten Alltagsrätsel und kleineren Kriminalfälle auf teils ziemlich kreative Weise löst.

Die Figur der jungen Lehrerin hat mir eigentlich sehr gut gefallen, da der Autor ihre Einsamkeit und Traurigkeit auf einfühlsame Art eingefangen hat. Ihr Großvater ist die letzte verbliebene Bezugsperson ihres noch kungen Lebens und es fällt ihr offensichtlich schwer, Kontakt zu den Personen in ihrem Umfeld zu knüpfen. So liest es sich schön, wie sie sich nach und nach öffnet.

Auch die Rätsel und Krimis, die die beiden lösen, haben mir eigentlich ziemlich gut gefallen, waren kreativ und ideenreich.

Aber diese Sprache. Ich werde einfach nicht warm mit diesem hölzernen, teilweise recht plastischen, emotionslosen, sehr beschreibenden Erzählstil. Dabei möchte ich das gar nicht dem Übersetzer Peter Aichinger-Fankhauser anlasten. Man merkt es dem Text einfach an, dass das Japanische aus einer völlig anderen Sprachfamilie kommt als das Deutsche. Ich verneige mich vor der Arbeit des Übersetzers, daraus einen flüsssigen Text kreiert zu haben, mich packt es nur einfach nicht so richtig und ich habe Mühe, gedanklich am Ball zu bleiben.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Spooky, nein danke

Spookily Yours
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Wenn der Herbst beginnt, bin ich bereit für herzwärmende, leichte Buchkost- herbstlich soll es sein, mit einem kleinen Touch Fantasy, einer Tonne an Kürbissen und am liebsten Hexen. Das alles verspricht ...

Wenn der Herbst beginnt, bin ich bereit für herzwärmende, leichte Buchkost- herbstlich soll es sein, mit einem kleinen Touch Fantasy, einer Tonne an Kürbissen und am liebsten Hexen. Das alles verspricht dieses Buch, zusammen mit einem Dämon, Katzen und einem alles belastenden Fluch. Klingt gut, sagt ihr? Das dachte ich auch, wurde aber leider schnell eines besseren belehrt.

Ja, die Autorin hat das alles in ihren Roman reingepackt: Willow lebt mehr oder weniger zufrieden in ihrem kleinen Hexendorf, bis sie sich eines Tages einen neuen Kater ins Haus holt und schnell feststellt, dass es sich bei dem Tier um den verfluchten Dämon Damien handelt. Um ihn zu retten, sucht sie nach einer Methode, den Fluch aufzuheben und ihn zu befreien.

Mit diesem Setting hätte man das ganze Buch füllen können und eine cosy Herbstgeschichte drum rum stricken können. Stattdessen wird diese Quest schon im ersten Drittel des Buches abgehandelt, danach geht es nur noch um die unsterbliche Liebe (und eigentlich doch eher Lust) der beiden zueinander.

Das Buch driftet in die Belanglosigkeit ab, alles was es spannend gestalten könnte (Jahrhunderte Altersunterschied, Dämonen und Hexen sind verfeindet,...) werden in Nebensätzen abgehandelt, damit es schnell wieder zum Knick-knack übergehen kann.. Am schlimmsten ist aber dieses Heilwe Welt-Ende, das die Autorin konstruiert denn SPOILER man kann ja nur wirklich glücklich werden als Frau, wenn man verheiratet und Mutter geworden ist, sein eigenes Geschäft aufgegeben hat und von der Wohlätigkeit seines reichen Ehemannes abhängig ist.

Nein danke für dieses Szenario aus dem letzten Jahrhundert!

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Könnte so großartig sein

Die Geschichte des Klangs
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Was habe ich die Geschichte von Lionel und David geliebt! Ich hätte ewig weiterlesen können, hätte mich der Verlag nicht um einen Großteil ihrer Geschichte gebracht.

Ben Shattuck erzählt auf berührende ...

Was habe ich die Geschichte von Lionel und David geliebt! Ich hätte ewig weiterlesen können, hätte mich der Verlag nicht um einen Großteil ihrer Geschichte gebracht.

Ben Shattuck erzählt auf berührende und ergreifende Weise von der kurzlebigen, aber alles über den Haufen werfenden Begegnung zwischen dem Sänger Lionel und dem Pianisten David. Daraus entwickelt sich ein Sommer, der für Lionel die Welt bedeutet und alles, was er später erreicht und erlebt, bestimmt und formt.

Dabei erzählt der Autor diese Geschichte in kurzen Essays, lässt verschiedene Figuren zu Wort kommen und formt daraus ein komplexes Bild dieser Beziehung.

So zumindest stelle ich mir es vor, denn die deutsche Übersetzung enthält leider nur einen Bruchteil des gesamten Werkes. Aus für mich vollkommen unerfindlichen Gründen hat sich der Verlag entschieden, von den im Original enthaltenen Kurzgeschichten lediglich zwei übersetzen zu lassen.

Diese lassen zwar schon die Großartigkeit erahnen (Dirk van Gunsteren hat es auf überzeugende Weise geschafft, die Wortmagie des Autors einzufangen und wiederzugeben), die das Buch in seiner Gänze entfaltet, stellen mich aber in keiner Weise zufrieden. Man spürt einfach, dass da noch mehr ist!

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