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Veröffentlicht am 04.01.2025

Einer wird gewinnen?

One Perfect Couple
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Dr. Lyla Santiago ist kein Fan von Realityshows. Als ihr Freund Nico - ein achtundzwanzigjähriger erfolgloser Schauspieler - sie bittet, mit ihm an „One Perfect Couple“ teilzunehmen - einer Sendung über ...

Dr. Lyla Santiago ist kein Fan von Realityshows. Als ihr Freund Nico - ein achtundzwanzigjähriger erfolgloser Schauspieler - sie bittet, mit ihm an „One Perfect Couple“ teilzunehmen - einer Sendung über 5 Paare auf einer indonesischen Insel – willigt die Virologin, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt, ihm zuliebe ein. Beruflich steckt sie in einer Sackgasse, als Ü30-Wissenschaftlerin kann sie den Traum vom eigenen Labor sowieso „knicken“. Nico hingegen erhofft sich einen Karriereboost vom Format. Als die Briten auf „Ever After Island“ eintreffen, wirkt alles seltsam provisorisch, und der Produzent Baz kann ihnen weder Infos über die Höhe der Siegerprämie noch über den Sender, in welchem die Show ausgestrahlt werden soll, geben.

Bevor die Sache richtig begonnen hat, ist sie auch schon wieder vorbei, weil ein Sturm (erzähltechnisch der klassische Katalysator) die Insel verwüstet. Aus dem Spiel wird bitterer Ernst, als ein Kampf um’s Überleben beginnt...

Vorab: Ein auf den ersten Blick ‚ausgelutschtes‘ Thema wird hier fesselnd aufbereitet – schon ‚Der Herr der Fliegen’ oder ‚Squid Game‘ kreisten um klassische menschliche Konflikte & Instinkte. Homo homini lupus est. Der kammerspielartige Aufbau gehört zu Wares liebsten settings (hier ist ein Vergleich mit englischen Großmeistern – was die Form betrifft – gerechtfertigt). Es gelingt der Schriftstellerin gut, die Ich-Erzählerin als Sympathieträgerin zu etablieren, überhaupt hat Lyla von allen Figuren am meisten Profil.

„One Perfect Couple“ liest sich sehr flüssig. Ab dem Mittelteil konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe schon mehrere Publikationen der Autorin, die in der Presse schon mit Agatha Christie verglichen wurde, gelesen. Vielleicht ist „One Perfect Couple“ spannungstechnisch gesehen Wares bisher beste Arbeit. Vom Ende war ich aber enttäuscht. Die Erzählung ist kein klassischer Krimi, es muss meiner Meinung nach nicht groß gerätselt werden, eine spektakuläre Wendung bleibt in meinen Augen aus, obwohl es final einen kleinen plot twist gibt. Erfreulicherweise gibt es in der Handlung keinen Zickenkrieg, Frauenpower lautet das Credo. Weibliche Solidarität wird großgeschrieben.

Die Figuren sind dennoch nicht filigran genug gezeichnet, sodass manche mir auf die Nerven gingen (obwohl das von der Autorin so nicht intendiert war). Auch wenn manche Protagonisten sich entwickeln und nicht statisch bleiben, ist die Charakterisierung meiner Meinung nach zu schwach. Manches war recht plakativ erzählt, stellenweise kann man durchaus von Schwarzweißmalerei sprechen. Da sogar ein real existierender höchst umstrittener Influencer namentlich genannt wird, war schnell klar, dass „One Perfect Couple“ eine zeitgeistige Gesellschaftskritik sein will (Stichwort „toxische Maskulinität“). Es geht um Fake News und um die Tatsache (hier lassen die Geisteswissenschaften grüßen), dass das Leben aus (divergierenden) Narrativen besteht, dass die Realität eine Sache der Wahrnehmung ist. Mir persönlich war das dann doch zu flach, insgesamt war mir die Prosa nicht raffiniert genug, und die von Ware zurecht angeprangerten Missstände sind zu ernst, um sie als „Aufhänger“ eines Unterhaltungsromans zu nutzen. Wie so oft präsentiert Ruth Ware eine ausgesprochen vielversprechende Story, die dann aber zum Ende hin schwächelt. Ich dachte über weite Strecken der Lektüre, mit „One Perfect Couple“ endlich das Meisterstück der Britin in Händen zu halten; letztendlich hat sich diese Hoffnung leider nicht erfüllt, da auch nicht alle Handlungsfäden komplett zusammengeführt wurden. War der Thriller spannend? Ja! Konnte er meinen Erwartungen gerecht werden? Nein.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

(K)ein Job wie jeder andere?

Only Margo
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Vorab:
Der Originaltitel „Margo’s got money troubles“ passt besser zum Inhalt des Romans als der etwas ungelenke deutsche Titel.

Worum geht’s?
Margo ist das uneheliche Kind einer Hooters – ...

Vorab:
Der Originaltitel „Margo’s got money troubles“ passt besser zum Inhalt des Romans als der etwas ungelenke deutsche Titel.

Worum geht’s?
Margo ist das uneheliche Kind einer Hooters – Kellnerin und eines Wrestlers. Mit nicht einmal zwanzig Jahren wird sie ungewollt von ihrem verheirateten Literatur-Professor schwanger (als „Keats für Arme“ beeindruckt er das unerfahrene Mädchen mit Vaterkomplex). Als Margo ihren Sohn Bodhi zur Welt bringt, muss sie ihre Uni (eine Art Community College) verlassen, während der Vater (seine Mutter gibt Margo Geld) keine Konsequenzen fürchten muss. Kind und „Karriere“ sind bald nicht mehr vereinbar, das WG – Zimmer und das Auto wollen jedoch bezahlt sein, zumal Kalifornien kein günstiges (dafür aber kein konservatives) Pflaster ist. Margos Mutter will ihr nicht helfen. Als Margo der Kellnerinnen-Job gekündigt wird, ist guter Rat teuer. Margo braucht dringend Geld, sie ist aber zeitlich nicht flexibel. Den Ausweg sieht sie in einem OnlyFans – Account. Nach anfänglicher Skepsis wird sie von ihrem Vater unterstützt, ist nicht alles Showbusiness, ob nun Profi- Wrestling oder OnlyFans?

Rufi Thorpe kann schreiben, nicht umsonst ist im Roman von Nikolai Gogol die Rede. Die Erzählperspektive ist vielleicht das Beste an der Geschichte – sie variiert und ist doch eins. Die story liest sich unheimlich flüssig, und vordergründig ist der plot auch unterhaltsam. Die Figuren sind als Sympathieträger angelegt, als Leser/in kann man gar nicht anders, als Margo Glück zu wünschen. Ganz stark ist die Geschichte, wenn es um soziale und finanzielle Ungerechtigkeit geht - als Margos wohlhabende Freundin behauptet, dass es Stipendien für „richtige“ Colleges gibt, entgegnet die Protagonistin zurecht, dass es für Normalsterbliche (Margos Familie gehört laut Autorin zur amerikanischen Unterschicht, der hässliche Begriff lautet white trash) dennoch in die Schuldenfalle führt, eine prestigeträchtige US-Uni zu besuchen.
Meine anfängliche Begeisterung ließ rasch nach. Die Personen im Buch sind meines Erachtens Comicfiguren. Als Leserin ist man der Protagonistin oft einen Schritt voraus, ein konventionelles Stilmittel. Als Margos Vater Jinx in ihre WG einzieht, ist klar, dass dies nicht aus reiner Nächstenliebe geschieht, als seine Tochter das realisiert, ist es nicht mehr lustig, nur noch tragisch. Margos Mitbewohnerin liebt Cosplay, Margos Stiefvater ist ein richtiger Ned Flanders (ein bigotter Pastor), Baby Bodhi ist süß. An zwei Stellen im Text erwähnt Rufi Thorpe die Schattenseiten von OnlyFans. Die misogynen Morddrohungen, die Margo von ihren Abonnenten erhält, die Gewaltfantasien der Männer sind widerlich. Die Autorin scheint eine Vertreterin des sexpositiven Feminismus zu sein, und sie spricht sich gegen doxxing und slutshaming aus. Beim Thema Prostitution bin ich auf der Linie von Alice Schwarzer und EMMA. Prostitution ist (auch wenn sie online stattfindet, ‚Sexarbeit‘ ist ein Euphemismus, der die Ausbeutung verschleiert) meines Erachtens kein Job wie jeder andere und kein modernes Unternehmertum, obschon die Heldin und ihr Freund gegen Ende sozusagen ins Consulting wechseln. Rufi Thorpe führt an, dass die Cam Girls Steuern und Sozialabgaben zahlen, dass kalifornische Gerichte in Prozessen zugunsten der Frauen urteilten. Wenn sie aber erwähnt, dass die Plattform einen Anteil von den Einnahmen der Frauen behält (ob sie sich nun ausziehen oder „nur“ Computerspiele für ihre Kunden spielen), ist klar, dass es eigentlich eine moderne Form der Zuhälterei ist. OnlyFans wurde natürlich von einem Mann gegründet. Es ist nicht schön, dass Margos Gedanken ins Blasphemische abgleiten, wenn sie über Religion nachdenkt. In dieser Hinsicht ist der Roman arg amerikanisch – Liberale gegen Konservative, scheinbar moderne Menschen kämpfen gegen bigotte evangelikale Hardliner. Endgültig „raus“ war ich aber, als die Titelheldin eine Liebesbeziehung zu einem Kunden einging (ich fand „Pretty Woman“ schon in den 1990er Jahren doof). „Only Margo“ ist zweifellos ein wokes Manifest. So absurd es klingt – die story liest sich wie ein klasse geschriebenes Märchen. Die Message der Autorin ist allerdings mehr als fragwürdig.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

"So kommen Sie in den Ordnungs-Flow."

Ordnung für immer
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Das Sachbuch „Ordnung für immer“ wurde von der Stiftung Warentest publiziert und von den Autorinnen Gunda Borgeest (studierte Philologin & Ordnungscoach) & Petra Thorbrietz (Wissenschaftsjournalistin) ...

Das Sachbuch „Ordnung für immer“ wurde von der Stiftung Warentest publiziert und von den Autorinnen Gunda Borgeest (studierte Philologin & Ordnungscoach) & Petra Thorbrietz (Wissenschaftsjournalistin) verfasst. Die Haptik und die Größe des Buches sind perfekt; da es nicht zu groß ist, nimmt man es gerne zur Hand, um darin zu blättern. Die Schriftgröße ist definitiv nicht zu klein. Das Layout ist stimmig, die Gliederung gelungen. Der Leser arbeitet sich durch drei Teile, es ist ein klassisches Workbook (teils zum Ausfüllen), das mit Sonderseiten, die auch ausdruckbare pdf-Dateien enthalten, punkten kann, man muss aber nicht umständlich erst QR-Codes scannen, um beginnen zu können. Natürlich steht „die Psychologie der Ordnung“ im Mittelpunkt. Es gibt sinnvolle Tipps. Auch Tricks zur Entwicklung von wiederkehrenden Ritualen sind enthalten. Nicht umsonst prangt auf dem Cover der Slogan „Aufräumroutinen, die glücklich machen.“ Es gibt insgesamt fünf Kapitel, wobei das letzte Kapitel zum Anhang gehört.
Dem Leser soll „der einfache Weg zu einem aufgeräumten Leben“ aufgezeigt werden. Daher erfinden die Autorinnen das Rad nicht neu, aber sie geben durchaus sinnvolle Hilfestellung. Man möge „keine toten Dinge“ (vertrocknete Blumen etc.) horten – das versteht sich wohl von selbst. Die Forderung „mit weniger leben lernen“ sehe ich indes kritisch, da hier automatisch vom Überfluss ausgegangen wird (ich bin aber auch kein Fan von Tiny Houses & Co.). Achtsamkeitsübungen können sinnvoll sein; klar ist auch, dass im Buch die Konzepte der extrinsischen und intrinsischen Motivation erläutert werden; nie gleiten die Autorinnen in esoterisches Blabla ab. Das Buch ist für Anfänger (und Fortgeschrittene?) gut geeignet, manche Anregungen finde ich jedoch überflüssig (soll man Bücher alphabetisch oder farblich im Regal sortieren?) und von der Pomodoro – Methode für‘s Zeitmanagement hat wohl jeder schon einmal gehört (es werden diverse Techniken vorgestellt). Insgesamt gefällt mir das Sachbuch aber gut, da man nicht vom Inhalt „erschlagen“ wird. Auch der Ton ist freundlich und angemessen. Daher kann ich „Ordnung für immer“ zur Lektüre durchaus empfehlen.


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Veröffentlicht am 20.11.2024

Vorhersehbare Verwechslungskomödie

P. S. I Hate You – Auf dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe
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In der fünften Klasse bekommt Naomi Light aus Oklahoma einen Brieffreund zugeteilt. Luca Pichler aus Kalifornien ist ganz schön frech! Also schreiben sich die Amerikaner mehr oder weniger gemeine ...



In der fünften Klasse bekommt Naomi Light aus Oklahoma einen Brieffreund zugeteilt. Luca Pichler aus Kalifornien ist ganz schön frech! Also schreiben sich die Amerikaner mehr oder weniger gemeine Sachen à la „Ich hoffe, du stirbst.“ Ein paar Jahre später – Naomi arbeitet inzwischen als Wetterfee bei einem Regionalsender in Florida – taucht wieder eine fies - lustige anonyme Nachricht auf. Naomis Kollegin Anne wittert sofort einen Stalker, doch die rothaarige Meteorologin muss sofort lachen und sie weiß – nur Luca kann der Verfasser des sarkastisch – boshaften Grußes sein! Zusammen mit Anne, die ihr den Spitznamen „Gnom“ verpasst hat, macht sich die Fernsehfrau auf die Suche nach dem Kindheitsfreund/feind, den sie nie persönlich getroffen hat. Doch da gibt es auch noch den heißen Nachbarn namens Jake. Schon längst hat es zwischen Naomi und dem Meerestierarzt gefunkt…

Die Leseprobe zu „P. S. I Hate You – Auf dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe“ fand ich unheimlich witzig, daher wollte ich den Roman unbedingt lesen. Dass Pubertierende sich böse Briefe schreiben, ist nicht so abwegig. Ich musste einfach wissen, wie die RomCom enden wird, zumal ich am liebsten Enemies - to – Lovers - Geschichten lese. Manchmal möchte man schlicht gut unterhalten werden & etwas „für’s Herz“ lesen. Der Anfang des spicy Romans gefiel mir noch ganz gut, aber die Briefe waren teils so fies, dass es nicht mehr lustig war. Der Inhalt war ernst, vor allem Lucas Schicksal ist hart. Insofern ist die Handlung anfangs einigermaßen deprimierend, dabei hatte ich mich auf eine spritzige Lovestory eingestellt. Es gibt (ganz klassisch) alternierende Erzählperspektiven. Leider war mir schon im ersten Drittel (!) der Erzählung das große Geheimnis der Geschichte klar. Das fand ich sehr enttäuschend. Die Figuren sind unheimlich flach (und wunderschön, wie könnte es anders sein). Naomi ist sehr naiv. Anders hätte die Geschichte auch nicht funktioniert. Obwohl die deutsche Übersetzung sicher nicht falsch ist, wirkt der Spitzname „Gnom“ seltsam deplatziert. Der zweite plot twist war auch vorhersehbar. Die sehr gemeinen Briefe in der Einleitung lesen sich unangenehm, der Mittelteil zieht sich in die Länge, gegen Ende wird es aber noch einmal interessant. Es macht aber wenig Sinn, dass die Protagonistin ein schlechtes Gewissen bekommt, als sie berechtigte Kritik äußert. Ferner werden im Roman toxische (männliche) Verhaltensweisen legitimiert, das gefiel mir gar nicht. Aufgelockert wird das Ganze durch süße Haustiere, das ist ein Pluspunkt. Aber es ist zu wenig, um dem Roman und den Figuren Tiefe zu verleihen. Schade! Aus dem „Stoff“ hätte man mehr machen können, der Stil von Donna Marchetti ist sehr simpel. Von einem Chicklit-Schmöker erwarte ich keinen Mann’schen Tiefgang, aber ein wenig ‚Feintuning‘ sollte schon vorhanden sein.

Fazit:
„P. S. I Hate You – Auf dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe“ ist schnell gelesen & schnell vergessen.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Highlight

Blutrotes Karma
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Frankreich, im Mai 1968:
Arbeiterproteste und Studentenunruhen dominieren die Straßen von Paris, es kommt zum Generalstreik – Chaos!
Mittendrin: Drei Freundinnen, die Vorreiterinnen der neuen ...



Frankreich, im Mai 1968:
Arbeiterproteste und Studentenunruhen dominieren die Straßen von Paris, es kommt zum Generalstreik – Chaos!
Mittendrin: Drei Freundinnen, die Vorreiterinnen der neuen Zeit sein wollen. Als eine der Studentinnen getötet aufgefunden wird, tippt die Polizei auf einen Ritualmord, da die Pose der Leiche einerseits an Tarotkarten & andererseits an eine Yogaübung angelehnt zu sein scheint. Als auch die Zweite aus dem Kleeblatt bestialisch ermordet wird, ist für den Kommissar klar, dass die Spur nach Indien führt, wo eine Sekte ihr Unwesen treibt (der Guru heißt nicht Bhagwan). Gemeinsam mit seinem Bruder, einem Studenten der Geisteswissenschaften und Mädchen Nr. 3 (ist sie die Nächste auf der Liste des Serienmörders?) reist der Haudegen nach Südasien, sozusagen ins Herz der Hölle, doch der Weg wird das Ermittlerteam wieder nach Europa führen…
Der Film „Die purpurnen Flüsse“ (mit den Top – Schauspielern Reno und Cassel) gehört zu meinen liebsten Buchverfilmungen (die Serienadaption finde ich aber richtig schlecht). Grangés letzte Publikation habe ich regelrecht „verschlungen“ - „Die marmornen Träume“ haben mich gut unterhalten.
In „Blutrotes Karma“ bleibt der französische Autor dem ‚Strickmuster‘ aus den „Träumen“ treu – es gibt ein Ermittlerteam, welches aus einem Dreiergespann besteht (nebst sidekick Berto), wobei zwei Personen Zivilisten sind.
„Blutrotes Karma“ ist eine einigermaßen wilde Mischung: Der Thriller ist nichts für schwache Nerven, als historischer Roman bietet er spannende Einblicke in die Geschichte (manchmal wird auch das Fantasygenre gestreift).
Diesen Mix muss man mögen, wie immer neigt Grangé zu Übertreibungen, er kombiniert sozusagen Dichtung und Wahrheit.
Es gefiel mir, dass es im Roman keine billige Blumenkinderromantik und kein kitschiges Indienbild gibt – das Gegenteil ist der Fall; Grangé präsentiert eine regelrechte Horrorvision der Umgebung mit „wimmelnden Menschenmassen“ und eine Kritik am Tantrismus (Man sollte immer daran denken, dass er einen Unterhaltungsroman geschrieben hat und keine wissenschaftliche Arbeit).
Die Gefahren und Irrwege des Hippie Trails werden aufgezeigt (wie auch in der Netflixserie „The Serpent“), der Subkontinent wird nicht zum gelobten Land verklärt, sondern als „Land des Teufels“ porträtiert, (die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen) in welchem obskure Praktiken nicht wenige Opfer forderten. Die kulturgeschichtlichen Hintergründe, die der Autor anführt (ob es sich nun um Europa oder um Indien handelt), sind sehr interessant. Zwar wusste ich, dass es auch eine französische Kolonie in Indien gab, dass Sikhs die Gebote ihrer Religion sehr ernst nehmen, „Aghori“ waren mir vor der Lektüre jedoch kein Begriff. Das Europabild des Autors ist nicht so düster, Kritiker werden ihm sicher einen kolonialen Blick attestieren. Eine filigrane Figurenzeichnung ist Grangés Sache nicht; wie so oft gibt es einen traumatisierten „Superbullen“: Algerienveteran Jean – Louis „JL“ Mersch ist ein drogensüchtiger Haudegen und ein überzeugter Sozialist, sein Halbbruder Hervé ein vergeistigter Intellektueller, die schlaue Studentin Nicole ist eine Vertreterin des Pariser Großbürgertums, und – wie könnte es anders sein – wunderschön. Auch der dramatische plot bietet keinen dezenten Handlungsverlauf; formal ist der Roman in mehrere Teile gegliedert, wobei der letzte Abschnitt schnell auserzählt ist - Dan Brown lässt grüßen. Manches wirkt recht konstruiert, ein Satz ist unfreiwillig komisch; trotz kleiner Schwächen ist für mich „Blutrotes Karma“ dennoch das Thriller- Highlight des Jahres. Die bildhafte Erzählweise des Autors macht eine längst vergangene Ära wieder lebendig; daher hebt sich „Blutrotes Karma“ angenehm von der Krimimassenware, die den Markt überschwemmt, ab. Die Geschichte ist durchweg spannend, ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich derart gefesselt hat! Im Kern ist der Histokrimi eine Liebeserklärung an Paris. Ich freue mich schon auf den nächsten Roman.

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