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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2025

Faszinierender Mix aus Krimi, Fantasy und warmherzigen Humor

Manche Schuld vergeht nie
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Offiziell beschäftigen sich die Londoner Kriminalbeamtin Alisoun „Ali“ Dawson und ihr Team mit Cold Cases, in Wahrheit jedoch klären sie alte Fälle auf, indem einer von ihnen eine Zeitreise in die Vergangenheit ...

Offiziell beschäftigen sich die Londoner Kriminalbeamtin Alisoun „Ali“ Dawson und ihr Team mit Cold Cases, in Wahrheit jedoch klären sie alte Fälle auf, indem einer von ihnen eine Zeitreise in die Vergangenheit unternimmt, um den wahren Tathergang bezeugen zu können. Diesmal gelangt Ali in das Jahr 1850. Sie soll im Auftrag eines höheren Regierungsbeamten herausfinden, ob dessen Ururgroßvater tatsächlich drei Frauen ermordete. Aber dann geht etwas schief, Ali kann nicht in das Jahr 2023 zurückkehren, sondern sitzt mutterseelenallein im viktorianischen London fest. Zur gleichen Zeit wird der Auftraggeber dieser Reise getötet, und Alis Sohn Finn gilt als mutmaßlicher Täter.

Schon allein wegen der bunten Schilderungen des viktorianischen London ist dieser Krimi lesenswert. Die Autorin verwöhnt uns mit Details, die mir gänzlich unbekannt waren und ein authentisches Bild der damaligen Zeit widerspiegeln. Die Protagonistin Ali ist eine taffe, vielschichtige Persönlichkeit und mir von der ersten Seite an sympathisch. Die Beziehung zwischen ihr, ihrem Sohn Finn und Kater Terry ist sehr liebevoll gezeichnet.
Doch auch die Verbrechen, um die es hier geht, sind überaus aufregend beschrieben. Zum Ende hin nimmt die Spannung von Kapitel zu Kapitel zu. Die Auflösung ist gänzlich anders, als ich sie erwartet hätte, alle Fäden laufen zusammen, und es bleiben für mich keine Fragen offen. Die Danksagung der Autorin lässt hoffen, dass zumindest ein weiterer Band folgen wird, in dem die packende und mit Sprachwitz gespickte Geschichte fortgeführt wird. Und genau das wünsche ich mir: Eine neue spannende Zeitreise mit Ali.
Ich vergebe fünf Sterne für diesen ungewöhnlichen und liebenswerten Krimi.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Geniales Verwirrspiel

Seventeen Years Later
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Vor 17 Jahren hat ein grauenhafter Mord Neuseeland erschüttert. Die gesamte Familie Primrose wurde in ihren Betten erstochen. Der Täter, Bill Kareama, konnte dank Zeugenaussagen sehr bald gefasst und ...

Vor 17 Jahren hat ein grauenhafter Mord Neuseeland erschüttert. Die gesamte Familie Primrose wurde in ihren Betten erstochen. Der Täter, Bill Kareama, konnte dank Zeugenaussagen sehr bald gefasst und verurteilt werden. Obwohl er die Tat bestritt, sprachen alle Indizien gegen ihn, und sowohl sein Verteidiger Eddie, als auch sein Psychologe TK waren von seiner Schuld überzeugt. Warum?
Das herauszufinden, hat sich die erfolgreiche australische Podcasterin Sloan Abbott vorgenommen. Sie überredet TK dazu, mit ihr zu kooperieren und die Hintergründe der einstigen Ermittlungsarbeit nach Fehlern und Versäumnissen zu durchleuchten. Denn dass Bill keinen fairen Prozess bekommen hat, ist bei genauem Hinschauen nicht zu übersehen. Und je näher Sloan und TK der ultimativen Wahrheit kommen, umso tödlicher wird die Gefahr für sie beide.

Gemäß dem Klappentext ist J.P.Pomare ein äußerst erfolgreicher neuseeländischer Autor, und Seventeen Years Later ist sein erstes Buch, das auf dem deutschen Markt erscheint. So wie ich das sehe, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn dieser erstklassige Thriller nicht auf der Bestsellerliste landet. Mit TK, Sloan und Bill hat er drei authentische Protagonisten geschaffen, die sich zunächst gegenseitig argwöhnisch beäugen, um im Verlaufe der atemberaubenden Handlung schließlich am gleichen Strang zu ziehen. Dem Autor gelingt es, den Leser zu immer neuen Schlussfolgerungen zu verleiten, die sich kurz darauf als grandioser Irrweg erweisen. Ist Bill wirklich der Mörder? Oder eine der anderen rätselhaften Figuren, die sich im Umfeld der Familie Primrose aufhielten? Man stolpert als Leser von einem Irrglauben in den nächsten, um immer wieder zu erkennen, dass alles doch eigentlich ganz anders war. Oder doch nicht? Am Ende laufen die Fäden logisch zusammen, alles klärt sich auf. Und das Gefühl, das bleibt, ist WOW! Für das letzte Drittel dieses Buches habe ich meinen Fernsehabend ausfallen lassen, was nicht oft vorkommt. Es war mir nicht möglich, diesen Reißer aus der Hand zu legen. Hier stimmt einfach alles: Figuren, Plot, Spannungsaufbau, Twist, Dramatik und fulminantes Ende. Man sollte diesen Thriller sorgfältig lesen und auf Details achten, denn die führen letztendlich zur wahren Lösung des Falls. Nichts ist, wie es scheint.
Für mich ist Seventeen Years Later einer der ganz großen Thriller-Highlights dieses Jahres. Fünf Sterne mit Auszeichnung.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Spannend, bizarr, unvorhersehbar. Einfach schön!

Heldentage
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Der 15jährige Nilo ist süchtig nach Handy-Spielen und kriegt in seinem normalen Leben nichts mehr in den Griff. Als ein Streit mit seiner Mutter eskaliert, lässt sie ihn schweren Herzens in die Jugendpsychiatrie ...

Der 15jährige Nilo ist süchtig nach Handy-Spielen und kriegt in seinem normalen Leben nichts mehr in den Griff. Als ein Streit mit seiner Mutter eskaliert, lässt sie ihn schweren Herzens in die Jugendpsychiatrie einweisen. Dort trifft er auf den gleichaltrigen Faris, ebenfalls ein Spiele-Junkie. Und noch während die beiden sich darüber im Unklaren sind, was sie voneinander halten sollen, werden sie Zeugen, wie ein ebenfalls an diesem Tag eingewiesenes Mädchen aus der Klinik türmt. Die beiden folgen ihr, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, in welch haarsträubende Abenteuer sie geraten werden.

Wenn ich mal davon absehe, dass ich die gesamte Handlung eher als unrealistisch einschätze und manche Szenen und Wendungen klischeehaft rüberkommen, so hat mich dieser rasante Roadtrip doch von der ersten Seite an gefesselt. Wie Nilo, Faris und Mayla sich nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten ganz allmählich näherkommen und in welch bizarre Situationen sie geraten, ist so locker-leicht erzählt, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Das Finale ist einfach wundervoll. Der Autor geizt nicht mit humorvollen Dialogen, und mehr als einmal musste ich laut lachen. Es ist kein klassisches Jugendbuch für die Altersgruppe ab 12, eher für 10-12jährige. Parallelen zu Wolfgang Herrndorfs tschick und Harry Potter sind unübersehbar, auch wenn es an Tiefe und echter Dramatik fehlt.

Für dieses warmherzige und positiv stimmende Jugendbuch gebe ich fünf Sterne mit einer klaren Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Ausgesprochen amüsanter Bayernkrimi

Bodenfrost
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Es sollte ein ungezwungener Informationstag der Miesbacher Polizei für die Kinder der Region werden, an dem sie auf spielerische Weise die Arbeit der Ordnungshüter kennenlernen. Doch eines der Kinder entdeckt ...

Es sollte ein ungezwungener Informationstag der Miesbacher Polizei für die Kinder der Region werden, an dem sie auf spielerische Weise die Arbeit der Ordnungshüter kennenlernen. Doch eines der Kinder entdeckt in dem verlassenen Bauernhaus die Leiche des Brauereibesitzers Vitus Zander. Der leitende Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner und sein gewitzter Mitarbeiter Leonhard Kreuthner nehmen die Ermittlungen auf. Die Witwe des Toten gibt Rätsel auf, und zu allem Übel mehren sich die Hinweise, dass ein früherer Serienmörder aus Hessen hinter der Tat stecken könnte. Aber wie passt das zusammen?
Dies war mein erster Krimi von Andreas Föhr. Schon auf den ersten Seiten bin ich aus dem Kichern nicht mehr herausgekommen. Der Autor amüsiert mit einem gepflegten oberbayerischen Dialekt, und besonders die Figur des Leo Kreuthner sorgt mit ihren nicht immer legalen Eskapaden für Heiterkeit. Sprachlich ist dieser Roman ein Genuss. Im Mittelteil ziehen sich die Ermittlungen zwar ein wenig hin, aber zum Ende hin nimmt die Handlung unerwartet an Fahrt auf. Alle offenen Fragen werden geklärt, und die Schlusspointe finde ich zum Piepen.
Ein rundum gelungener, heiter stimmender Bayernkrimi mit sympathischen Figuren und sehr viel Lokalkolorit.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Bravouröses Meisterstück

Schwüre, die wir brechen
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Ein Mitarbeiter der Verkehrswacht von Malmö wird auf grausamste Weise ermordet, seine Leiche findet man enthauptet. Stattdessen wurde der Kopf eines Nilkrokodils auf dem Rumpf befestigt. Die Identität ...

Ein Mitarbeiter der Verkehrswacht von Malmö wird auf grausamste Weise ermordet, seine Leiche findet man enthauptet. Stattdessen wurde der Kopf eines Nilkrokodils auf dem Rumpf befestigt. Die Identität des Opfers kann zwar in kurzer Zeit festgestellt werden, dennoch tappen die Kommissare Jon Nordh und Svea Karhuu zunächst im Dunkeln, was das Motiv betrifft. Auch als die zweite Leiche, ebenfalls mit einem Tierkopf verunstaltet, auftaucht, sieht das Kripo-Team keine Parallelen zueinander. Nordh wehrt sich dagegen, diesen diffizilen Fall übernehmen zu müssen, aber seine Vorgesetzte hat ein Druckmittel gegen ihn in der Hand. Ihr nächster Karrieresprung hängt von der erfolgreichen Ermittlung und Auflösung dieses spektakulären Falls ab. Aber auch Karhuu schleppt ein traumatisches Erlebnis mit sich herum, das ihr emotional immer mehr zusetzt. Erst als ein junges Mädchen von dem bizarren Mörder entführt wird und eine True Crime Podcasterin die Öffentlichkeit in Aufruhr versetzt, laufen die beiden Kommissare zu ihrer Höchstform auf.

Ich kannte den ersten Band dieser Trilogie nicht, fand mich aber sofort in die Handlung und deren Vorgeschichte hinein. Der Erzählstil der Autoren riss mich von Anfang an mit. Obwohl ich Rückblenden normalerweise nur überfliege, fand ich die geschilderten Vorgeschichten von Nordh und Karhuu ungewöhnlich und packend. Die beiden Kommissare als tough zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.
Was die Spannung noch mehr vorantreibt, ist die Tatsache, dass insgesamt fünf Handlungsstränge aufeinander zulaufen. Hat man als Leser von Anfang an keinen Schimmer, wie diese einzelnen Mosaiksteine zusammenpassen könnten, so ergibt sich am Schluss ein faszinierender Showdown. Alles klärt sich auf, alles ergibt Sinn. Es ist kaum auszuhalten, aber erst in den letzten Zeilen wird der Fall gelöst.
Dieser Krimi fügt sich in die Tradition der ganz großen Schweden-Krimis ein. Noch mehr Spannung und Action geht nicht. Wie Nordh und Karhuu versuchen, den Täter zu stellen, ist astreines Action-Kino.
Fünf Sterne mit Auszeichnung für dieses bravouröse Meisterstück der Kriminalliteratur.

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