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Veröffentlicht am 26.08.2025

Bravouröses Meisterstück

Schwüre, die wir brechen
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Ein Mitarbeiter der Verkehrswacht von Malmö wird auf grausamste Weise ermordet, seine Leiche findet man enthauptet. Stattdessen wurde der Kopf eines Nilkrokodils auf dem Rumpf befestigt. Die Identität ...

Ein Mitarbeiter der Verkehrswacht von Malmö wird auf grausamste Weise ermordet, seine Leiche findet man enthauptet. Stattdessen wurde der Kopf eines Nilkrokodils auf dem Rumpf befestigt. Die Identität des Opfers kann zwar in kurzer Zeit festgestellt werden, dennoch tappen die Kommissare Jon Nordh und Svea Karhuu zunächst im Dunkeln, was das Motiv betrifft. Auch als die zweite Leiche, ebenfalls mit einem Tierkopf verunstaltet, auftaucht, sieht das Kripo-Team keine Parallelen zueinander. Nordh wehrt sich dagegen, diesen diffizilen Fall übernehmen zu müssen, aber seine Vorgesetzte hat ein Druckmittel gegen ihn in der Hand. Ihr nächster Karrieresprung hängt von der erfolgreichen Ermittlung und Auflösung dieses spektakulären Falls ab. Aber auch Karhuu schleppt ein traumatisches Erlebnis mit sich herum, das ihr emotional immer mehr zusetzt. Erst als ein junges Mädchen von dem bizarren Mörder entführt wird und eine True Crime Podcasterin die Öffentlichkeit in Aufruhr versetzt, laufen die beiden Kommissare zu ihrer Höchstform auf.

Ich kannte den ersten Band dieser Trilogie nicht, fand mich aber sofort in die Handlung und deren Vorgeschichte hinein. Der Erzählstil der Autoren riss mich von Anfang an mit. Obwohl ich Rückblenden normalerweise nur überfliege, fand ich die geschilderten Vorgeschichten von Nordh und Karhuu ungewöhnlich und packend. Die beiden Kommissare als tough zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.
Was die Spannung noch mehr vorantreibt, ist die Tatsache, dass insgesamt fünf Handlungsstränge aufeinander zulaufen. Hat man als Leser von Anfang an keinen Schimmer, wie diese einzelnen Mosaiksteine zusammenpassen könnten, so ergibt sich am Schluss ein faszinierender Showdown. Alles klärt sich auf, alles ergibt Sinn. Es ist kaum auszuhalten, aber erst in den letzten Zeilen wird der Fall gelöst.
Dieser Krimi fügt sich in die Tradition der ganz großen Schweden-Krimis ein. Noch mehr Spannung und Action geht nicht. Wie Nordh und Karhuu versuchen, den Täter zu stellen, ist astreines Action-Kino.
Fünf Sterne mit Auszeichnung für dieses bravouröse Meisterstück der Kriminalliteratur.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Geschmackssache

Gefährliche Aussicht
2

Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier ...

Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier und ihr Mitarbeiter Richard Martin nehmen die Ermittlungen auf. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen, aber jeder von ihnen hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Im Laufe der folgenden Tage offenbaren sich erbitterte Rivalitäten zwischen den Dorfbewohnern, es bröckelt an der Fassade des nach außen hin so harmonischen Miteinanders. Und dann wird der Hauptverdächtige ermordet aufgefunden.

Ohne Zweifel ist dieser fünfte Band der Périgord-Krimireihe spannender und atemloser als der vorhergehende. Zu sagen, dass sich in der beschaulichen Dorfgemeinschaft Abgründe auftun, wäre eine Untertreibung. Dennoch bietet die Autorin wieder herzerwärmende und humorvolle Einlagen. Das Leben in Saint-André fühlt sich zum Greifen nah an, bezaubernde Landschafts- und Milieuschilderungen ziehen den Leser in ihren Bann. Soweit zur ersten Hälfte des Romans.

Danach ärgern mich etliche spießbürgerlich-kleinkarierte Ansichten und Äußerungen der beiden Ermittler, die mir dadurch zunehmend unsympathisch werden. Und die Todesursache beim zweiten Mord ist hanebüchen. Peinlich.

Im Großen und Ganzen liest sich dieser Périgord-Krimi angenehm, das Cover ist wunderschön, und das Buch liegt gut in der Hand. Ich persönlich hätte mir jedoch in Bezug auf die liebevoll beschriebenen Delikatessen mehr Sensibilität gegenüber den auf Achtsamkeit und Tierwohl bedachten Lesern gewünscht.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Verachtung und Hass

Aschesommer
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Ein Serienmörder tötet nach einem bizarren Muster in Anlehnung an die fünf Epochen der Erdgeschichte, in denen nahezu alles Leben ausgelöscht wurde – und sich danach neu gestaltete: Eis, Sauerstoffmangel, ...

Ein Serienmörder tötet nach einem bizarren Muster in Anlehnung an die fünf Epochen der Erdgeschichte, in denen nahezu alles Leben ausgelöscht wurde – und sich danach neu gestaltete: Eis, Sauerstoffmangel, Feuer, Wasser und eine durch einen Meteoriteneinschlag bedingte Aschewelle. Zur gleichen Zeit erlebt die Stadt eine noch nie dagewesene Hitzewelle. Jakob Krogh und Mila Weiss nehmen mit den restlichen Kollegen der Gruppe 4 die Ermittlungen auf. Sie stoßen auf eine Verbindung zu Jan Christian Bode, einem in der forensischen Psychiatrie inhaftierten Mehrfach-Mörder. Aber wen könnte er von dort aus mit den grausamen Morden beauftragt haben? Als eine junge Frau spurlos verschwindet, vermutlich das nächste Opfer, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Die im Buch vorherrschende Glutofenhitze ist so gut beschrieben, dass mir beim Lesen sehr warm geworden ist. Ich mag die einzelnen Mitglieder der illustren Gruppe 4 total gern: Den vom Schicksal gebeutelten Jakob und die taffe Mila, die quirlige IT-Expertin Lucy mit ihrem schweren Motorrad, den schweigsamen Finnen Tuure, den stinkstiefeligen Profiler Max und den für seine Gründlichkeit bekannten Ludger Palm.
Der Autor spendiert uns einen interessanten Einblick in die Paläontologie, den sogar ich verstehe. Mit jedem einzelnen Kapitel steigert sich die Spannung, und der Showdown beschert mir wohlige Schnappatmung. Das ist Dramatik pur. Glich schon „Krähentage“ eine Achterbahnfahrt, so toppt „Aschesommer“ dieses Leseerlebnis noch um Längen.

Benjamin Cors ist schlicht einer der besten Thriller-Autoren, die wir im Moment haben.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Starke Fortsetzung der Küstenkrimi-Reihe um die Ostsee-Kommissare

Küstenmord: Spur ins Dunkel
6

Luisa macht sich Sorgen um ihre langjährige Freundin Vanessa. Sie gibt eine Vermisstenanzeige bei der Polizeiinspektion Schleswig aus. Die Kommissare Katja Greve und Daniel Kowalski haben spontan ein mieses ...

Luisa macht sich Sorgen um ihre langjährige Freundin Vanessa. Sie gibt eine Vermisstenanzeige bei der Polizeiinspektion Schleswig aus. Die Kommissare Katja Greve und Daniel Kowalski haben spontan ein mieses Gefühl, aber dann dauert es doch eine nervenzermürbend lange Zeit, bis sie die Kripo-Chefin und die Staatsanwältin davon überzeugen können, die Ermittlungen zu dem Verschwinden aufzunehmen. Und während dieser ganzen Zeit kämpft Vanessa ums Überleben.

Obwohl ich die vier vorhergehenden Bände nicht kenne, kam ich sehr gut in diesen hochspannenden Kriminalfall hinein. Ein paar Mal hätte ich die Vorgesetzten der beiden Kommissare am liebsten beim Kragen gepackt und durchgeschüttelt, damit sie endlich etwas für die entführte Vanessa unternehmen, deren Überlebenschancen von Kapitel zu Kapitel geringer wurden. Die Spannung steigerte sich ins Unerträgliche.

Trotz der einen oder anderen offenen Frage hat mich dieser Krimi gepackt. Ich hätte mir ein wenig mehr Lokalkolorit gewünscht, einige Szenen hätte man straffen können, und die Figur des Entführers blieb lange Zeit nebelhaft. Dennoch finde ich entscheidend, dass die Kommissare durchweg sympathisch, authentisch und menschlich auftraten, und das Erscheinen einer faszinierenden Nebenfigur putschte die Nerven weiter auf.

Das ist beste Krimiunterhaltung.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Viel Blabla, wenig Nutzen

Die LET THEM Theorie
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Das Cover und der Klappentext versprechen eine phänomenal neue Methode, um den Widrigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Die Autorin hat ein starkes Mitteilungsbedürfnis. In lockerem Plauderton teilt sie ...

Das Cover und der Klappentext versprechen eine phänomenal neue Methode, um den Widrigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Die Autorin hat ein starkes Mitteilungsbedürfnis. In lockerem Plauderton teilt sie mit uns ihre zahlreichen einschlägigen Erlebnisse und entpuppt sich dabei als ausschweifend erzählende, dominierende Person. Kein Wunder, dass sie damit im zwischenmenschlichen Bereich auf Probleme stieß.

Die von Mel Robbins aufgeführten Beispiele haben wir sicher alle schon mal erlebt. Insofern ist es nicht verkehrt, Lösungsvorschläge zu bekommen, die man unmittelbar umsetzen kann, um im Alltag zu mehr Gelassenheit und Verständnis füreinander zu gelangen. Vielleicht. Allerdings kratzt die Autorin mit ihren Beispielen und Erkenntnissen nur an der Oberfläche. Es geht ihr in erster Linie um Harmonie und Anpassung um jeden Preis. Oft sucht sie die Schuld bei sich selbst und gibt sich damit zufrieden. Tiefergehende Probleme kann man damit schwerlich lösen.

Die Fülle dieses Buches täuscht darüber hinweg, dass auf den vielen, vielen Seiten nur sehr wenig Konkretes präsentiert wird. Es ist erstaunlich, wie man mit so vielen Worten immer wieder nur das gleiche aussagen kann. Um die Hälfte reduziert, wäre das Buch erträglicher gewesen. Schon nach einem Viertel verspürte ich den dringenden Wunsch, es zuzuklappen und wegzustellen. Aber ich habe bis zum Schluss durchgehalten in der Hoffnung, dass da vielleicht doch noch etwas Überraschendes herauskommt. Tatsächlich bietet dieser Ratgeber nur einen einzigen Tipp, mit dem ich etwas anfangen konnte. Alle anderen in epischer Breite dargestellten Probleme erschienen mir konstruiert und aufgeblasen. Das von der Autorin gleich einem Mantra heruntergebetete LASS SIE! und LASS MICH! ist zu banal, um bei echten Sorgen und Nöten eine Hilfe darzustellen.

Mein persönliches Fazit: Dieses Buch ist, wenn man viel Zeit hat, recht unterhaltsam. Es hält absolut keinem Vergleich mit dem Klassiker von Dale Carnegie stand. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass die Autorin da eine Geschäftsidee entdeckt hat, mit der man viel Geld verdienen kann. Was ja offenbar auch funktioniert.

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