Liebenswert-grantiger Protagonist
Commissario Tasso auf dünnem EisIn einem noblen Hotel im tiefverschneiten Meran des Jahres 1962 wird die Leiche des Malers Carlo Colori gefunden. Commissario Aurelio Tasso beginnt eigentlich nur in dem Fall zu ermitteln, um einem alten ...
In einem noblen Hotel im tiefverschneiten Meran des Jahres 1962 wird die Leiche des Malers Carlo Colori gefunden. Commissario Aurelio Tasso beginnt eigentlich nur in dem Fall zu ermitteln, um einem alten Kollegen einen Gefallen zu tun. Und dann wird ihm auch noch gegen seinen Willen das vorwitzige Töchterlein des Bürgermeisters, Mara Oberhöller, zur Seite gestellt. Die angehende Jura-Studentin möchte ein wenig in die Polizeipraxis hineinschnuppern. Zur gleichen Zeit macht die emsige-beflissene Gastwirtin Rosa Marthaler eine Zeugenaussage, die der Ermittlung des Falls eine neue Richtung gibt und Aurelio und Mara nach Misurina führt. Und dort entdecken sie durch einen kuriosen Zufall eine weitere Leiche.
Dies ist der erste Krimi dieser Reihe. Nachdem ich vor einiger Zeit den dritten Band in die Hände bekommen habe, wollte ich nun wissen, wie alles mit Aurelio Tasso und Mara Oberhöller begann. Der Protagonist präsentiert sich zunächst als Stockfisch. Er fühlt sich in den kalten Gefilden des Nordens sichtlich unwohl, und man fragt sich, warum er nicht in seine Heimat Rom zurückkehrt. Und ganz besonders unpassend findet er, dass man ihm das kecke Fräulein zwangsweise zur Seite gestellt hat. Mara ist auf charmante Weise emanzipiert zu einer Zeit, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Tasso erkennt widerwillig, dass sie auch zu etwas nutze ist. Und wie die beiden am Ende auf pfiffige Weise den Fall gemeinsam lösen, ist so putzig, dass man einfach schmunzeln muss. Besonders liebenswert fand ich die Szene mit der kleinen Katze. Der Krimi lebt vom Flair der frühen 1960er Jahre, einer Zeit, in der es noch keine Smartphones gab und gute, bodenständige Polizeiarbeit vonnöten war. Das Coverbild ist zwar sehr stimmungsvoll, dessen Motiv hat aber mit der Handlung nicht viel zu tun.
Mein persönliches Fazit: Man muss diesen süditalienischen Miesepeter einfach gern haben, und die flotte Mara ist das perfekte Gegenstück zu ihm. Echte Spannung kommt zwar nicht auf, aber die heiter-entspannte Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch den ganzen Krimi zieht, ist wundervoll. Man möchte mit den beiden am Tisch sitzen, sich die leckeren Knödel der Gastwirtin aus Meran schmecken lassen und damit seinen Seelenfrieden wiederherstellen.