Familie, Freunde, Fleisch oder was sonst?
Die VegetarierinDie Vegetarierin - ein seltsamer Titel für ein seltsames Buch. Doch trifft "seltsam" hier nicht ganz den Punkt. Es ist viel mehr eine Mischung aus verstörender Nüchternheit und abstruser Realitätsflucht.
Thematisiert ...
Die Vegetarierin - ein seltsamer Titel für ein seltsames Buch. Doch trifft "seltsam" hier nicht ganz den Punkt. Es ist viel mehr eine Mischung aus verstörender Nüchternheit und abstruser Realitätsflucht.
Thematisiert wird die Entwicklung von Yong-Hye. Geradezu über Nacht mutiert diese vom ruhigen, unauffälligen, stillen Mäuschen und wortlos gehorchender Ehefrau zur Selbstbestimmtheit. Entgegen dem Titel entscheidet sie sich zum Veganismus, nicht zum Vegetarismus und lehnt sich plötzlich bewusst gegen gesellschaftliche Konventionen. In einer Gesellschaft, wie dem konformitätsbewusstem Korea, beginnt sie sich gegen Freunde, Familie, Fremde und ihren Mann zu richten und ihrem eigenen Pfad zu folgen. Im Verlaufe der Geschichte bekommt die Erzählung dabei eine immer abstraktere Wendung. Die Protagonistin sieht bald kein Ende in ihrer Abkopplung von allem Fleischlichen und versucht sich mit allen Mitteln selbst vollständig neu zu definieren bis auch sie nicht mehr aus Fleisch und Blut besteht. Ihr todesmutiger Widerstand gegen die Gesellschaft bleibt ungebrochen, ihre Selbstbestimmung uneingeschränkt, auch wenn sie hart dafür bezahlt.
Zwischenzeitlich ist es durch die verworrene Erzählweise mit vielen Analogien, Metaphern und viel Interpretationsspielraum nicht leicht zu folgen. Es wird gleichzeitig so viel und so wenig über deren Hintergründe preisgegeben, dass vermutlich jeder Leser eine gänzlich verschiedene Interpretation vornehmen könnte. Ob dieser Roman nun den Literaturpreis verdient kann diskutiert werden. Dennoch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Platz der Frau in der Gesellschaft.