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Veröffentlicht am 27.03.2018

Eine fantastische Geschichte für jeden Bücherliebhaber

Wortwächter
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Der 12jährige Tom soll seine Sommerferien bei dem ihm unbekannten Onkel David in England verbringen. Leider stellt sich schnell heraus, dass Onkel David längst nicht so cool wie sein anderer Onkel George ...

Der 12jährige Tom soll seine Sommerferien bei dem ihm unbekannten Onkel David in England verbringen. Leider stellt sich schnell heraus, dass Onkel David längst nicht so cool wie sein anderer Onkel George ist. Das Anwesen ist der alte Familiensitz, ist vollgestopft mit Büchern und WLAN ist auch Fehlanzeige. Auch der Wortschatz von David und seinem Diener Will ist ziemlich altbacken. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Zuerst hört er ein Summen, dann entdeckt er in der Nacht ein Seite, die Worte über ihn schreibt und dann tauchen auch noch zwei unheimliche Männer auf, die Onkel David entführen und der Diener Will zeigt übermenschliche Fähigkeiten. Als am nächsten Tag auch noch Josephine auftaucht, deren Vater entführt wurde, ist das der Start eines aufregenden Abenteuers, dass Tom, Josephine und Will von einem Land ins nächste führt, um die vier Teile einer mächtigen Feder zu finden.

Es wird nicht nur eine abenteuerliche Reise, sondern auch das Zusammentreffen mit vielen berühmten Schriftstellern, die in ihren steinernen Abbildern als Bibliothekare weiterleben. So ist der Diener Will zum Beispiel kein geringerer als William Shakespeare. Sehr gut gefallen haben mir auch die Gebrüder Grimm und Toni alias Antoine de Saint-Exupéry. Eine wundervolle Idee, die das Herz eines jeden Literaturfans höherschlagen lässt. Danach wird man einige Denkmäler und Wahrzeichen definitiv mit anderen Augen sehen, vielleicht sogar ein Gespräch mit ihnen führen wollen.

Während Tom zu Beginn der Geschichte ein absoluter Bücherignorant ist, liebt Josephine Bücher über alles. Aber es ist Tom, der außergewöhnliche und sehr seltene Fähigkeiten besitzt. Beide wirken für ihre 12 Jahre außerordentlich reif, so dass ich mich öfter fragte, sie sind wirklich erst 12? Toms Verhältnis zu Büchern ändert sich im Laufe der Geschichte von Grund auf und es ist richtig schön, das mitzuerleben.

Neben den steinernen Bibliothekaren haben mich auch die Lebensseiten fasziniert. Die "Lesenden" (wie z.B. Tom und sein Onkel David) können diese Seiten lesen, die "Schreiber" können sie verändern und so in das Leben eingreifen. Aber diese Seiten haben auch ihr eigenes Wesen. So ist Toms Lebensseite recht eingebildet und selbstbewusst und möchte immer wieder für ihre Hilfe gelobt werden. Man könnte nun meinen, dass dies nervig sei, aber was für Tom in brenzligen Situationen störend ist, zaubert dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht.

Fazit: Eine perfekte Mischung aus Abenteuer, Spannung, phantastischen Elementen, Humor und Hommage an große Schriftsteller machen dieses Buch zu einem echten Erlebnis! Einzigartig!

Veröffentlicht am 25.03.2018

Eine warmherzig-chaotische Familie, von der man gerne mehr lesen möchte!

Wir Buddenbergs – Der Schatz, der mit der Post kam
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Die Buddenbergs - das sind Mia (9), Joshua (17), die beiden Zwillingsbrüder Luis und Lukas (6), die Mama der 4 Kinder und Opipi - wohnen in einer alten Villa, die so manches Geheimnis verbirgt. Als wäre ...

Die Buddenbergs - das sind Mia (9), Joshua (17), die beiden Zwillingsbrüder Luis und Lukas (6), die Mama der 4 Kinder und Opipi - wohnen in einer alten Villa, die so manches Geheimnis verbirgt. Als wäre das Leben in einer so chaotischen Familie nicht Abenteuer genug, kommt eines Tages auch noch ein uralter Brief an. Er war 140 Jahre unterwegs und an die damalige Tochter des Hauses gerichtet. In dem Brief ist auch noch von einem Schatz die Rede, der in der alten Villa versteckt sein soll. Das riecht nach einem Abenteuer!

Ein herrlich turbulente Geschichte mit ganz viel Herz hat Antje Herden hier vorgelegt. Die Charaktere sind durchweg sympathisch. Als Mama gefiel mir vor allem die liebevolle und bewundernswert entspannte Mutter, die ihre Kinder so sein lässt, wie sie sind und in jedem Missgeschick das Positive sieht. Und auch der 17Jährige Einzelgänger im Vampiroutfit zeigt einen wunderbaren Familiensinn und ist seinen jüngeren Geschwistern ein fürsorglicher Bruder. Die Zwillinge sind sehr verschieden und doch ein Herz und eine Seele. Mia, die uns die Geschichte erzählt, einfach ein liebenswertes Mädchen. Und der liebe Opipi hat ein Geheimzimmer im Keller und keiner hat es je gesehen. Geheimnisse, ein turbulentes und herzliches Patchwork-Familienleben, Witz und Spannung machen aus dieser Geschichte ein wunderbares Familienbuch.

Ganz besonders toll finde ich auch die Art der Illustrationen. Mia schreibt nämlich nicht einfach Tagebuch, sondern sie zeichnet Karten. Und da Karten in einem Atlas sind, nennt sie ihr Buch "Lebensatlas". Ein originelle Idee! Diese Karten kommen in der Geschichte vor und wir können Mias Werke dann, gezeichnet von Florentine Prechtel, im Buch betrachten. Man schaut sich diese Illustrationen nicht einfach nur kurz an, sondern verweilt bei Ihnen und versucht Mias Gedankengänge nachzuvollziehen. Einfach wunderbar!

Fazit: Eine warmherzig-chaotische Familie, von der man gerne mehr lesen möchte!

Veröffentlicht am 23.03.2018

Eine herrliche Geschichte zum Mitlachen und zum Nachdenken

Das verrückte Wiesengeflüster
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Ein Schaf spaziert über die Wiese. Da schnappt es von zwei vorbeifliegenden Amseln auf, dass das Häschen eins aufs Näschen bekommen hat. Sofort beginnt es sich Gedanken darüber zu machen, was da wohl passiert ...

Ein Schaf spaziert über die Wiese. Da schnappt es von zwei vorbeifliegenden Amseln auf, dass das Häschen eins aufs Näschen bekommen hat. Sofort beginnt es sich Gedanken darüber zu machen, was da wohl passiert sein könnte und erzählt es den Fuchs. Der kann es gar nicht verstehen, da die Hasenfamilie doch so nett ist und erzählt die Neuigkeit den Dachs und so geht es nach dem Stille-Post-Prinzip von einem Tier zum nächsten und aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht. Als letztendlich das Eichhörnchen dem kleinen Wildschwein die unglaubliche Geschichte auftischt, ist das Wildschein das erste Tier, dass dem Gehörten nicht uneingeschränkt glaubt und kritisch nachfragt. Und so geht es die Kette rückwärts bis schließlich alle zusammen am „Tatort“ landen und es die Auflösung gibt.

Eine herrliche Geschichte über Gerüchte und ihre erschreckend schnelle Wandlung in wahre Märchen, an denen kein Funken Wahrheit mehr dran ist, lässt die jungen Zuhörer, aber durchaus auch die Erwachsenen nachdenken, wie oft sie in letzter Zeit dem „Hörensagen“ anderer uneingeschränkt Glauben geschenkt haben. Man sollte einfach nicht alles glauben und sich lieber ein eigenes Bild machen. So wird man sicher auch im wahren Leben einige Überraschungen erleben.

Die Geschichte wurde von den Zwillingsbrüdern Christian und Fabian Jeremies ganz zauberhaft illustriert. Neben den direkt beteiligten Tieren gibt es auf jeder Seite auch einen kleinen Marienkäfer zu entdecken, der immer etwas anderes macht. Mein kleiner Räuber sucht ganz bewusst danach und erzählt es mir, auch was die anderen kleinen Wiesenbewohner machen.

Fazit: Eine herrliche Geschichte zum Mitlachen und zum Nachdenken über die Macht von Gerüchten und dass man nicht alles glauben sollte, was man hört!

Veröffentlicht am 19.03.2018

Ein spannende Geschichte zum Thema Freundschaft, Eifersucht und Angstüberwinden

Der Brückentroll und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft
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Der Brückentroll wird von einem seltsamen Geräusch geweckt. Da steht doch tatsächlich ein zweiter Troll unter seine Brücke und er will auch noch hier wohnen! Ob das dem Zugbrückenwärter und den Anwohnern ...

Der Brückentroll wird von einem seltsamen Geräusch geweckt. Da steht doch tatsächlich ein zweiter Troll unter seine Brücke und er will auch noch hier wohnen! Ob das dem Zugbrückenwärter und den Anwohnern recht ist? Der neue Troll ist auch noch nachtaktiv und glaubt, er würde zu Stein werden, wenn er sich in die Sonne wagt. Der Brückentroll ist verunsichert und berät sich mit seinem Freund, dem Zugbrückenwärter, bei einer Tasse Tee. Gemeinsam überzeugen sie den neuen Troll, dass Sonne überhaupt nicht schädlich für Trolle ist. Und so genießt der Neue die Sonne und schläft nachts und hat neue Freunde gefunden. „Friede, Freude, Eierkuchen“ könnte man jetzt denken, wäre da nicht die Eifersucht, die sich so langsam in das Herz des Brückentrolls schleicht und ihr Gift lässt ihn zu einer bösen Lüge greifen.

„Zugbrückentrollwohngemeinschaft“ ist doch mal ein tolles Wort, mit dem man bei „Hangman“ sicher gute Gewinnchancen hat, den Ratenden an den Galgen zu bringen. In der gesamten Geschichte finden sich immer wieder solche Zungenbrecherworte – ein wahre Herausforderung für Vorleser und ein Riesenspaß für die Kids, wenn man sich wieder mal verspricht. Ein wunderbares Sprachtraining für Groß und Klein! Hinzu kommen die drolligen Trollbilder von Thomas Hussung, die vor allem meinen großen Räuber sehr gut gefallen haben. Diese Trolle sehen auch gar nicht böse aus, sondern eher witzig.

Das Buch hat ein eher kleineres Format, was meiner Handtasche beim letzten Arztbesuch sehr gefallen hat, aber bietet dennoch jede Menge Text in einer Schriftgröße, die keine Augenschmerzen verursacht. Übrigens spitzte hier nicht nur der große Räuber die Ohren, sondern auch gleich noch alle anderen Patienten im Wartezimmer des Arztes, zumindest interessierte sich keiner der Wartenden für die ausliegenden Zeitschriften. Zurück zum Text: Hier wurde auch der Redetext der Trolle unterschiedlich bunt eingefärbt, was es dem Vorleser leichter macht, jeder Figur eine eigene Stimme zu verleihen. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, aber als Vorleser weiß man diese Details sehr zu schätzen.

Fazit: Ein spannende Geschichte zum Thema Freundschaft, Eifersucht und Angstüberwinden mit genial gezeichneten Figuren!

Veröffentlicht am 19.03.2018

Ein etwas anderes Bilderbuch mit lustiger Geschichte

Wer hat Angst vor Lollo Tollschwoll?
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Lollo Tollschwoll lebt im Wald und sammelt Pilze für sein Mittagessen. Er würde gerne auch mal etwas anderes essen, aber er hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen Angst vor ihm haben und so meidet er ...

Lollo Tollschwoll lebt im Wald und sammelt Pilze für sein Mittagessen. Er würde gerne auch mal etwas anderes essen, aber er hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen Angst vor ihm haben und so meidet er die Stadt und den Markt. Auf seiner Pilzsuche im Wald hört er plötzlich ein ungewöhnliches Geräusch und findet einen kleinen Kater hoch oben im Baum. Er lässt sich so einiges einfallen, um dem kleinen Fellknäuel zu helfen, aber er ist einfach nicht groß genug.

Zur gleichen Zeit sucht Sanna nach ihrem Kater Minzel. Nach und nach läuft sie mögliche Orte ab und hängt überall Plakate auf. Als Lollo Tollschwoll in der Stadt Hilfe holen möchte, finden die beiden zusammen und es kommt wie es kommen musste: Sanna nimmt reissaus und ruft um Hilfe. Verdenken kann man es dem kleinen Mädchen ja nicht. Lollo ist viel größer und die lebendigen Gesten und die fremde Sprache, in der er Sanna von ihrem Kater berichten will, wirken auch nicht gerade beruhigend. Also rennt Sanna weg und Lollo hinterher. Wie das Rennen dann ausgeht, verrate ich hier noch nicht.

Dieses Bilderbuch hat einen ganz ungewöhnlichen Aufbau. Zuerst sehen wir, wie Sanna wegrennt und dann erfahren wir auf den nächsten Seiten wie es eigentlich dazu kam. Dazu nimmt die Geschichte von Sanna die obere Seitenhälfte ein, die von Lollo Tollschwoll die untere bis die beiden zusammenfinden und es ein gemeinsames großes Bild gibt. Das Buch ist sehr großformatig, so dass selbst auf den geteilten Seiten die Bilder schön groß sind.

Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, ob ein kleines Kind das alles begreifen kann. In der Tat war mein 4jähriger Räuber recht schweigsam beim Vorlesen und als wir fertig waren, verlangte er nachdenklich „Nochmal!“ Bei der zweiten Runde merkte ich dann, dass er die Geschichte und den Aufbau gegriffen hatte und das Buch gefiel ihm sehr gut. Am besten findet er die Stellen, wo Lollo spricht. Diese Sprache klingt entsprechend vorgelesen doch sehr lustig.

Fazit: Ein etwas anderes Bilderbuch mit lustiger Geschichte und vielen schönen Bildern!