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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2026

Sehr düsteres Thema für ein Bilderbuch

Emma und der traurige Hund
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Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf ...

Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf die Unendlichkeit des Meeres.
Doch der Hund ist traurig, ohne Grund und ohne Perspektive auf Besserung. Zugute halten muss man dem Buch, dass es das Thema der Depression sehr ernst nimmt und keine schnelle oder einfache Lösung anbietet, so nach dem Motte: einmal pusten und dann ist alles wieder gut. Einzig tröstende Figur ist die optimistische, lebensbejahende Figur Emma, die sich um den Hund bemüht. Nachdrücklich, aber auch vorsichtig. Mit Respekt vor seinen Gefühlen.
Die Bilder changieren zwischen poetisch und düsterem Gekritzel, das auch etwas Aggressives hat. So stelle ich mir gerade die Buchinnendeckel vor, als ob jemand seine Wut mit wilden, dicken Zickzacklinien zum Ausdruck gebracht hat.
Für mich als Erwachsene hat das Buch interessante Aspekte bereit. Doch muss man Kinderseelen schon so früh mit so schweren, schwarzen Themen trüben? Zumal es für die Kinder oft der Hund ist, der der tröstende Spielgefährte ist, und nicht der, der Hilfe braucht und dem Kind die Rolle des Therapeuten auflastet. Ist es kleinen Kindern, für die man sich ja Bilderbücher meist denkt, möglich, den Transfer zu leisten, in dem traurigen Hund eben nicht nur einen traurigen Hund zu sehen? Welche Botschaft sollen sie empfangen? Worauf sollen sie wie reagieren?

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Dingelbach - überwiegend heitere Dorfgeschichten

Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt
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Im letzten Band der Dorfladentrilogie von Anne Jacobs stehen wieder die drei Schwestern der Inhaberin des Dorfladens von Dingelbach im Mittelpunkt. Die älteste, Herta, ist plötzlich schwanger. Doch dass ...

Im letzten Band der Dorfladentrilogie von Anne Jacobs stehen wieder die drei Schwestern der Inhaberin des Dorfladens von Dingelbach im Mittelpunkt. Die älteste, Herta, ist plötzlich schwanger. Doch dass der Vater des Kindes sie heiraten wird, glaubt Herta allein. Das sorgt schon für Klatsch und Tratsch in Dingelbach. Frieda, die zweite, hat ein Theaterengagement in Bochum, und die Verehrer liegen ihr zu Füßen. Doch dass sie Dingelbach und ihren guten alten Freund, den Dorflehrer Hohnermann dann doch so vermissen könnte, hätte sie, die immer in die große weite Welt hinaus sollte, dann nicht gedacht. Die jüngste, Ida, steht endlich kurz vor dem Abitur. Aber nicht nur ihre vorlaute Art, sondern auch ihre Liebe zu dem Studenten Florian Häger gefährden ihren Schulabschluss. Denn dieser steht der KPD gefährlich nahe.
Auch den anderen mehr oder weniger lieb gewonnen Bewohnern von Dingelbach begegnen wir in diesem Roman wieder: der Fabrikbesitzerin Ilse Küpper, jetzt verheiratete Goldstein, und ihr Bruder, der Tunichtgut und Möchtegern, der sie bis in den Wahnsinn treibt, dem Heini Schütz mit seinem Vater und der Stiefmutter Marie sowie der Oma Gertrud, der lungenkranken Julia usw. Wieder entspinnen sich viele Geschichtsfäden rund um Dingelbach, heitere und ernste. Überwiegend liest man sie gerne diese liebevollen kleinen Dorfgeschichten und erfreuten sich an den Stärken und Macken seiner Bewohner. Da kriegt jeder sein Fett weg, aber nicht immer jeder, was er verdient. Das Dorfleben ist hart, insbesondere wenn das Wetter ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Aber man hält zusammen, wenn man sich nicht gerade die Pest an den Hals wünscht. Es geht um Liebe, um Neid und Missgunst, um Familie, um Talent und Bestimmung. So hat jeder sein Päckchen zu tragen und muss sich seinen Weg suchen, auch wenn er mal falsch abgebogen ist.
Der Roman bietet gute Unterhaltung. Bei einigen der Nebenfiguren erscheint das Übertriebene in der Darstellung des Klischees nicht störend, aber bei den Hauptfiguren hätte ich mir manchmal weniger Überspitzung gewünscht: Herta ist nervtötend nah am Wasser gebaut und wird als allzu einfältig und schon fast dämlich hingestellt, Ida ist bisweilen auch wiederum nervig frech und vorlaut und ohne Respekt, und auch Frieda ist bisweilen entweder zu naiv oder zu kokett gezeichnet. Aber Idas und Friedas Geschichten haben auch ernste Züge, was sie wieder lesenswert macht. Die Geschichte um Hertas uneheliches Kind und Ilse Küppers größenwahnsinnigen Bruder sind mir allerdings zu langatmig, zu redundant und enervierend einfältig. Zum Glück nehmen sie nicht so ganz viel Raum ein wie die Geschichte von Helga Schütz mit ihrem unermüdlich bejammerten Liebeskummer oder von Hertas von der Mutter vereitelten Liebelei im zweiten Band. Aber beide Bände erreichen für mich nicht mehr die herzlich erzählten Geschichte aus Dingelbach, wie die Autorin sie im ersten Band entspinnt. Selbst Hohnermann, ein sonst immer herzerwärmender Charakter, ist mir hier ein wenig zu schwärmerisch verliebt und übertrieben selbstbescheiden.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Krieg, Pest und Liebe in Seppenrade

Tage des Wandels
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Ich habe mich etwas schwer getan, den Einstieg in den zweiten Band der Kalmule-Reihe „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk zu finden. Vielleicht lag es daran, dass ich noch zu sehr dem ersten Band verhaftet ...

Ich habe mich etwas schwer getan, den Einstieg in den zweiten Band der Kalmule-Reihe „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk zu finden. Vielleicht lag es daran, dass ich noch zu sehr dem ersten Band verhaftet war mit seiner starken Protagonistin Elze.
Zu Beginn des zweiten Bandes nun hat der Leser einige Zeitsprünge zu verkraften. Elze ist alt. Sie wohnt auf der Burg Kakesbeck. Auf dem Hof Kalmule wächst eine neue Generation heran. Doch die Sterblichkeit ist hoch: der Krieg, die Pest fordern ihre Opfer. Adam und Eva sind die jüngsten der Geschwister, ein Zwillingspaar. Und Eva verzichtet zugunsten ihres Bruders auf ihr Erbrecht am Hof. Sie ist nun eine Leibfreie und kann gehen, wohin sie will. Doch als Frau muss sie erst einmal ihren Weg finden.
Es dauert ein wenig, bis Eva in Elzes Fußstapfen treten kann. Als Hauserin bei einem Pfarrer in Seppenrade. Doch spätestens hier ist man angekommen im gewohnt spannungs- und anschauungsreichen Erzählstil der Autorin, die sehr sorgfältig recherchiert und dem Leser auch hier wieder das Leben in dem kleinen Dorf Seppenrade vor Augen führen kann. Der Krieg kehrt wieder, und auch die Pest klopft erneut an die Türen. Das sorgt für Spannung. Hinzukommen die Herausforderungen, die kleine dörfliche Gemeinden zu bewältigen haben, die ganz dem Willen der Natur und der großen Herren in fernen Landen unterworfen sind. Doch die Seppenrader stehen füreinander ein. Die Dorfgemeinschaft ist wirklich beeindruckend. Und auch der neue Pfarrer, obwohl ein Anhänger des alten Glaubens, ist ein treusorgender Hirte für seine Schäfchen. Insbesondere Eva wächst mit ihrem aufgeweckten Verstand, ihrem Interesse an der Welt, ihrer Fähigkeit lesen und schreiben zu können. Die Liebesgeschichte, die sich da zwischen Pfarrer und Hauserin anbahnt, hält neben ein wenig Rührseligkeit auch viele überraschende Einsichten in die Anschauung der einfachen Leute bereit, wenn sie denn dem Zeitgeist entsprechen. In Seppenrade herrscht auf jeden Fall mehr der gesunde Menschenverstand als ein starrer religiöser Dogmatismus, was die Figuren sehr sympathisch macht.
Schlussendlich ist der zweite Band eine zunehmend gelungene Fortsetzung und macht neugierig auf den Abschluss der Trilogie.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Drachen in Gefahr

Die geheime Drachenschule - Die schwarze Bibliothek
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Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die ...

Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die grauen Brüder die Drachen vernichten wollen. Außerdem macht ihnen ihr Erzrivale Marcus das Leben schwer. Doch ganz unerwartet dreht sich das bereits verloren geglaubte Los der Drachen …
Die Geschichte hat genau die richtige Mischung aus Spannung, Grusel und witzigen Begebenheiten, sodass man sich nicht zu sehr gruselt und großen Spaß beim Zuhören hat. Nur zu gerne wären man mit den Freunden unterwegs, die für einander einstehen, die aber auch alle ihre Macken haben und sich damit manchmal in Schwierigkeiten bringen, aus denen sie nur mit Mühe, Not und kluger Raffinesse zu befreien vermögen.
Das Hörbuch ist hervorragend gelesen. Der Sprecher hat eine phantastische Lesestimme, die er sehr geschickt einsetzt, sodass es nie langatmig wird und man dem Vortrag gebannt folgen kann. Auch die akustische Untermalung bisweilen macht das Ganze zu einem großen Hörvergnügen.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Die dunklen Seiten der Geschichte

Adama
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Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte ...

Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte beginnt mit einem vermeintlichen Selbstmord und führt zurück in die Zeit, in der die junge Ruth aus Ungarn beschließt, sich auf den Weg nach Israel zu machen, weil sie sich der Bewegung zugehörig fühlt, die einen eigenen Staat und eine Gemeinschaft im Sinne der Kibbuz aufbauen will. Sie ist eine der wenigen Figuren, die ungebrochen an diese Gemeinschaft glaubt und bereit ist, alles dafür zu tun, diese zu gründen und am Leben zu erhalten. Sie ist eine starke junge Frau mit eisernem Willen, Waffenschmugglerin, Geliebte und Mutter. Sowohl ihre eigenen Geschwister als auch ihre Kinder sowie ihre Enkel scheinen mehr durch das Schicksal und die Geburt in die Gemeinschaft hineingezwungen. Einigen von ihnen gelingt die Flucht, doch eingeholt werden sie von der Geschichte des Ganzen immer irgendwie.
Es ist ein hartes, entbehrungsreiches, ein gewalttätiges Leben in dem Kibbuz, das einen hohen Preis bezahlt, für den es wenig bekommt. Und das Ideal des gemeinschaftlichen Lebens bleibt weit hinter der Realität zurück, scheitert am Menschsein der anderen, mit ihren Gefühlen, Leidenschaften, persönlichen Motiven.
Wer im Dreck wühlt, wird Dreck finden. Es gibt in dem Roman keine Figur, die mir wirklich durchgängig sympathisch ist. Jeder hat seine Träume, für die er bereit ist, ob bewusst oder unbewusst, andere bezahlen zu lassen. Es bleibt wenig übrig von der Geschichte eines Volkes, das über Jahrtausende hinweg verfolgt und in alle Winde zersprengt wird, und sich an einem Flecken sammelt, das ihnen nichts schenkt, dem sie alles mit hartem Willen abringen, dem nackten Stein, dem kahlen Fels, der feindlichen Umgebung, die seine Existenz beharrlich negiert. Dies schwingt immer mal wieder mit, wird aber immer wieder verschüttet von der Darstellung der schlechten Seiten, auch wenn sie aus dem Wunsch nach dem Guten entspringen mögen: so z. B. Ruths Gefühlskälte, mit der sie bereit ist, dem Überleben des Kibbuz alles zu opfern, die Unfähigkeit der Kinder und Enkel ein Leben, unter dem sie offensichtlich leiden, in etwas Positives zu verkehren.
Wer die Geschichte Israels kaum kennt, erhält – meiner Ansicht nach – ein ziemlich einseitiges Bild, die Brutalität der Siedler gegenüber der arabischen Bevölkerung, die Bereitschaft zu Drogenhandel und Mord, um den Kibbuz zu finanzieren und zu erhalten, die Gemeinschaft des Kibbuz, in der die Kinder schon als Säuglinge den Eltern entfremdet werden, um dann von einem Nachtwächter missbraucht zu werden.
Den Schattenseiten der Geschichte fehlen die Lichtmomente, aus denen überhaupt erst Schatten entsteht. So bleibt letztlich vieles im Dunkeln, wie Nathan Deutsch im Kellerverließ von Ruth, da er einst ihre Eltern und ihre Schwester an die Deutschen verriet. Und ewig: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

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