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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2020

Mut zur Wahrheit

Im Netz des Lemming
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Lemming sitzt mit seiner Frau am Tisch und sie unterhalten sich über Sohn Benjamin und seinen Freund Mario, genannt Loll. Beide kommen plötzlich durch die Tür. Es ist Abend und Lemming muss zur Arbeit. ...

Lemming sitzt mit seiner Frau am Tisch und sie unterhalten sich über Sohn Benjamin und seinen Freund Mario, genannt Loll. Beide kommen plötzlich durch die Tür. Es ist Abend und Lemming muss zur Arbeit. Er ist Nachtwächter im Zoo und Mario will ihn begleiten. In der Bahn bekommt Mario plötzlich eine SMS und beim nächsten Halt verlässt er fluchtartig die Straßenbahn. Lemming rennt ihm hinterher und sieht, dass der Junge auf das Geländer einer Brücke zurennt. Mario will springen und schafft es auch. Was stand in dieser SMS und war sie so schlimm, dass ein Kind sich das Leben nimmt? Und wenn ja, wer ist der Absender, also der Mörder?

Im Netz des Lemming ist eine Mischung aus Krimi und kritischem Tatsachenbericht. Der Autor Stefan Slupetzky legt den Finger in die Wunde und hat keine Scheu vor radikalen Mächten. Polivka, ein Kriminalinspektor und Lemming verlieren ihren Job, weil sie von den Medien diffamiert werden. Ein Troll postet im sozialen Netzwerk Lügen und Gemeinheiten und viele User springen auf diesen Zug. „Ein Stich ins Wespennest und hundert andere Lumpen fahren die Stacheln aus.“ So steht es in dem Buch und ja, genau so ist es. Wer auf FB unterwegs ist, der kann das an jedem Tag tausendfach erleben.

Mir gefiel der Kriminalroman gut. Hin und wieder fand ich die Sprache ein wenig überzogen, aber das ist wohl der Stil von Herrn Slupetzky. Seine Ansichten und Meinungen zur Österreichischen Regierung und deren ehemaligen Begleiter unterstreiche ich voll. Dazu gehört auch, dass in dem Buch Journalisten und deren Gazetten so beschrieben werden, wie sie sind. Nämlich Meinungsmacher und Menschen, die über Leichen gehen. Ich gebe dem Buch fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.02.2020

Die Füchsin und der Bastard

Die Geliebte des Kaisers
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In dem Buch Die Geliebte des Kaisers von Peter Dempf wird ein Stück deutscher Geschichte unterhaltsam und mit vielen Fakten bestückt, beschrieben. Eine junge Frau gibt dem Werben eines Kaisers nach und ...

In dem Buch Die Geliebte des Kaisers von Peter Dempf wird ein Stück deutscher Geschichte unterhaltsam und mit vielen Fakten bestückt, beschrieben. Eine junge Frau gibt dem Werben eines Kaisers nach und gibt sich ihm hin. Kurz darauf wird sie schwanger. Den Bastard (so hießen die unehelichen Kinder von Fürsten damals) möchte Mena, die Geliebte des Kaisers, auf jeden Fall austragen. Sie hofft, dass es ein Sohn ist und er Anspruch auf den Thron erhält. Otto III stirbt in Italien und es ist ein schwieriges Unterfangen, seine Gebeine bis nach Aachen zu schaffen. Es ist Winter und der Brenner eingeschneit. Mena will die beschwerliche Reise zu Fuß antreten, muss aber nicht nur gegen Schnee und Eis kämpfen. Böse Männer stellen ihr nach und wollen ihr eine wertvolle Reliquie des Kaisers wegnehmen. Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Auch bei diesem Buch erfüllte sich das, was ich von einem historischen Roman erwarte: Ich lerne Geschichte und das recht unterhaltsam. Zum Schluss des Buches schreibt Peter Dempf, der Autor, welche Fakten dem Roman zugrunde liegen. Das sind viele Dinge, die ich nicht wusste und mich doch sehr erstaunten. Im Glossar erläutert Herr Dempf Begriffe, die heute nicht mehr so oft zu hören oder lesen sind. Die Geliebte des Kaisers ließ sich gut lesen und an Spannung mangelte es nicht. Nach einem zähen Beginn kam der Roman richtig in Fahrt und daher gebe ich vier Sterne. Eine Leseempfehlung für alle, die ihr Wissen über das Mittelalter vertiefen möchten, gibt es dazu.

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Veröffentlicht am 04.02.2020

Der "heilige Gral" der Naturwissenschaft

Das Evangelium der Aale
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Als wir vor über zehn Jahren ein Aquarium in Dänemark besuchten, konnten wir dort ein Becken mit vielen Aalen bewundern. Für mich gehören sie zu den faszinierendsten Tieren und ich war häufig beim Angeln ...

Als wir vor über zehn Jahren ein Aquarium in Dänemark besuchten, konnten wir dort ein Becken mit vielen Aalen bewundern. Für mich gehören sie zu den faszinierendsten Tieren und ich war häufig beim Angeln auf Aal dabei. Daher war ich gespannt, wie Herr Svensson dieses Thema zu einem interessanten Buch macht. Und das ist ihm meiner Meinung nach perfekt gelungen.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Biographie der Aale. Diese wird aber im weiteren Verlauf noch wesentlich ausführlicher dargestellt. Herr Svensson schreibt über die Gedanken des Aristoteles genau so wie über jene des Herrn Freud. Beide sind schon lange tot und bis heute konnte die Wissenschaft deren Fragen nicht abschließend beantworten. Zwischen den Erkenntnissen bekannter Forscher über das Leben der Aale, kommen immer wieder auch Angelerlebnisse zur Sprache. Die hatte Herr Svensson mit seinem Vater und es sind Erinnerungen, die er nie vergessen wird.

Egal, wie lange sie forschten oder welchen Aufwand sie betrieben. Kein Wissenschaftler kann bis heute belegen, wie Aale sich fortpflanzen oder warum sie ausgerechnet in der Sargassosee laichen. Woher wissen sie, wann sie sich auf den Weg zur Vermehrung machen müssen? Wie erkennen sie ihren Weg, der lang und gefahrvoll ist? Die Natur lässt sich nicht umfassend ergründen und/oder katalogisieren. Das imponiert mir und daher mag ich den Aal so gerne. Nein, nicht nur zum Essen. Obwohl er, frisch geräuchert, eine Delikatesse ist.

Das Evangelium der Aale ist ein außergewöhnliches Buch und der Autor Akademiker. Er studierte unter anderem Literatur und das fällt beim Lesen positiv auf. Die Wortwahl hebt sich von vielen anderen Büchern wohltuend ab. Die Sprache ist gehoben aber nicht abgehoben und so bildhaft, dass ich mir die hier beschriebenen Plätze bestens vorstellen konnte. Aale sind eigensinnige Tiere, die leider auch vom Aussterben bedroht sind. Und das obwohl sie wesentlich länger auf der Erde leben als die Menschen. Das Cover ist übrigens ein Eyecatcher. So schön gestaltet, dass es wirklich häufig von mir betrachtet wurde. Am Schluss des Buches macht der Autor noch auf seine Quellen aufmerksam. Also, fünf Sterne plus und eine absolute Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 31.01.2020

Ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte

Die Spionin
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Nach dem Überfall auf Frankreich gab es immer mehr Menschen, die sich dem Widerstand anschlossen. Sie kamen aus vielen Milieus, sämtlichen Altersstufen und es gab sowohl weibliche als auch männliche Patrioten. ...

Nach dem Überfall auf Frankreich gab es immer mehr Menschen, die sich dem Widerstand anschlossen. Sie kamen aus vielen Milieus, sämtlichen Altersstufen und es gab sowohl weibliche als auch männliche Patrioten. Eine von ihren war Nancy Wake und diese tapferer Frau gab es tatsächlich. Ihre Aktionen während der Besatzung wurden jetzt in einem Roman zusammengefasst, den ich als äußerst gelungen ansehe.

Frau Wake war die meistgesuchte Frau Frankreichs und die Nazis wollten ein Kopfgeld von 5 Millionen Franc für sie zahlen. Dabei war ihnen egal, ob sie tot oder lebendig gefangen wurde. Da sie immer wieder Schlupflöcher fand und sie nicht überführt werden konnte, bekam sie den Namen „Weiße Maus“. Einer ihrer Hauptfeinde war ein Major, der in die Heimatstadt Nancys versetzt wurde, nach Marseille. Ihr Ehemann half dem Widerstand mit Geld und wurde verraten. Die Gestapo holte ihn ab und Nancy musste fliehen.

Das Leben schreibt die spannendsten Geschichten und dieser Satz gilt mal wieder für das Buch Die Spionin. Ihr Mut und ihr Kaltblütigkeit rettete vielen ihrer Mitkämpfer das Leben. Auch konnte sie mit ihren Kameraden deutlich dazu beitragen, dass die Alliierten nach der Landung in der Normandie den Feind niederrang. Am Ende des Buches schreiben die Autoren, was sie sich ausdachten und was tatsächlich geschah. Mir gefiel der Roman ausgesprochen gut. Gibt er doch wieder mal Zeugnis von einer Heldin unserer Zeit. Davon gibt es sehr viele und so langsam werden sie den Nachfahren der Kämpfer von damals vorgestellt. Fünf Sterne und eine ausdrückliche Leseempfehlung für dieses Buch, welches zudem hervorragend übersetzt wurde.

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Veröffentlicht am 30.01.2020

"Es pendelt zwischen Mythos und Realität"

Die Bücherschmuggler von Timbuktu
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Im Epilog schreibt der Autor des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu, dass die Geschichte der Stadt sich in einer Art Pendelbewegung befindet. Sie schwingt hin und her zwischen Mythos und Realität. ...

Im Epilog schreibt der Autor des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu, dass die Geschichte der Stadt sich in einer Art Pendelbewegung befindet. Sie schwingt hin und her zwischen Mythos und Realität. So verstand ich auch dieses Sachbuch. Thesen werden veröffentlicht und kurze Zeit später wieder widerrufen. Fest steht aber, dass Afrikaner keineswegs minderwertige Menschen und die Europäer ihnen haushoch überlegen sind. Diese Meinung galt damals und gilt leider auch heute noch und das nicht nur für die Europäer.

Timbuktu ist eine Stadt, die in der Phantasie vieler Menschen gebildet wurde. Ihr Reichtum, so hieß es, sei unübertroffen und die Häuser mit Gold behangen. Dass das nicht stimmt, wurde erst nach Jahrzehnten bekannt und ich glaube nicht, dass jeder die Fakten verinnerlichte. In diesem Buch geht es aber vornehmlich um Schriften. Also Aufzeichnungen, die vor tausenden von Jahren niedergeschrieben wurden und angeblich dem Feuer der Dschihadisten zum Opfer fallen sollten. Auch hier weiß niemand etwas Genaues. War es wirklich so, oder hatten einige Menschen mal wieder ihre Märchenstunde? Fakt ist aber, dass es viele Aufzeichnungen und Handschriften gibt, die von gläubigen Muslimen stammen. Sollten diese tatsächlich von ihren Glaubensbrüdern vernichtet werden? Wenn ja, warum?

Das Buch lässt sich gut lesen. Es bedarf allerdings einer gewissen Aufmerksamkeit, sonst verliert der Leser leicht den Faden. Es berichtet von der Geschichte des Ortes mit all den Versuchen von Reisenden, ihn zu erreichen. Der zweite Erzählstrang handelt von dem Überfall durch Dschihadisten im Jahr 2012 und die heimliche Rettung der alten Schriften. Die Hilfe der Franzosen im Kampf gegen die „Gotteskrieger“ ist ebenfalls erwähnt. Was mich ein wenig störte, das war das Hin und Her bei den Zeiten. Aber trotzdem gebe ich sehr gerne vier Sterne und eine Leseempfehlung für Menschen, die Afrika besser kennenlernen möchten.

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