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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2019

Ein Krimi mit Luft nach oben

Das Wäldchen
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In dem Buch Das Wäldchen ist Willi Wipperfürth Kriminalkommissar und Witwer. Vor über 3 Jahren starb seine Frau und um nicht zu vereinsamen, verbringt er seine Zeit gerne im Kommissariat. Hier ist er als ...

In dem Buch Das Wäldchen ist Willi Wipperfürth Kriminalkommissar und Witwer. Vor über 3 Jahren starb seine Frau und um nicht zu vereinsamen, verbringt er seine Zeit gerne im Kommissariat. Hier ist er als Ermittler tätig und wird von Timm Berger unterstützt. Er ist mehr als ein Kollege, er ist auch ein Freund. Stand er ihm doch nach dem Tod der Frau stets zur Seite. Beide lieben die Stadt Beuel, weil nur wenige Verbrechen geschehen und einen Mord gab es seit Jahren nicht mehr.

Die Autorin Karin Büchel erzählt die Geschichte in zwei Zeitabschnitten. Das ist die Gegenwart und die 27 Jahre zurückliegende Vergangenheit. Damals verschwand ein junges Mädchen spurlos. Die Ermittlungen verliefen im Sande und wurden nicht neu aufgenommen. Bis in den Siegauen Knochen eines Menschen gefunden werden und laut Herrn Meyer - Rettich bereits seit Jahrzehnten dort lagen.

Wie weit führen die Untersuchungen der Gerichtsmediziner und können sie einem Vermissten zugeordnet werden? Welche der vielen ungelösten Fälle können die Ermittler durch den Fund abschließen? Können sie das überhaupt? Viele Fragen, die nach einer Lösung rufen. Das Buch ist klug aufgebaut, hat aber meiner Meinung nach zu viele Längen. Dadurch verpufft die Spannung immer wieder und muss sich danach stets neu aufbauen. Es gibt etliche Nebenschauplätze, die nichts mit der Story zu tun haben und dennoch viel Raum einnehmen.

Was mir gefiel, das ist der feine Humor und die kundige Beschreibung von Bonn und Umgebung. Auch das Cover passt meiner Meinung nach perfekt zum Thema. Es ist äußerst aussagekräftig.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...

Vater unser
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In Vater Unser wird die Ich-Erzählerin Eva Gruber in eine psychiatrische Klinik gebracht. Begleitet von Polizisten kommt sie dort an und sofort erkennt sie in einem Patienten ihren Bruder Bernhard. Sie ...

In Vater Unser wird die Ich-Erzählerin Eva Gruber in eine psychiatrische Klinik gebracht. Begleitet von Polizisten kommt sie dort an und sofort erkennt sie in einem Patienten ihren Bruder Bernhard. Sie wird von einem Arzt, dem Psychiater Korb therapiert und während der Gespräche versucht sie immer wieder, ihn zu manipulieren. Und nicht nur ihn. Auch Mitpatienten und Pfleger sind ihre Opfer. Sie beschreibt den Alltag in der Psychiatrie und wie sie die Menschen außerhalb der Klinik sieht. Immer wieder blickt sie zurück auf ihre Kindheit und das Leben mit Vater und Mutter.

Für mich war das Buch zu verwirrend. Die Hauptperson Eva lügt zwar immer wieder, aber nur selten war mir klar, was nun gelogen war und welche Ereignisse der Wahrheit entsprachen. Wurde sie aufgrund eines Diagnosefehlers eingeliefert oder wollte sie es gar selber? Was geschah mit Bernhard und welche Rolle spielen die Eltern in dem Stück? Viele Fragen, die für mich nicht beantwortet wurden. Das Leben in der Psychiatrie schildert die Autorin recht gut. Die üblichen Gruppentreffen mit ihren skurrilen Aufgaben oder der Frühsport am Morgen, der ebenfalls zur seelischen Gesundheit beitragen soll, hat sie treffend beschrieben. Dennoch, die Art von Eva gefällt mir nicht und ich habe lieber eine Geschichte, die ich auch tatsächlich nachvollziehen kann.

Das Cover ist gut gewählt. Zeigt es sich doch laut und aufdringlich, zudem hebt es sich wohltuend von den momentan üblichen Covergestaltungen ab. Wer eigenwillige Literatur bevorzugt, der wird gefallen an dem Buch finden.

Veröffentlicht am 24.09.2019

Die akribische Recherche zeichnen das Buch aus

Die Kräutersammlerin
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Schiltach liegt am gleichnamigen Fluss im schönen Schwarzwald. Wir schreiben das Jahr 1343 und lernen eine Kräutersammlerin kennen. Johanna heißt sie und lebt alleine. Sie arbeitet als Heilerin und hat ...

Schiltach liegt am gleichnamigen Fluss im schönen Schwarzwald. Wir schreiben das Jahr 1343 und lernen eine Kräutersammlerin kennen. Johanna heißt sie und lebt alleine. Sie arbeitet als Heilerin und hat alles von der Mutter gelernt. Traut sich sogar zu, den Schädel eines Verletzten zu öffnen, um Druck vom Gehirn abzuleiten. Die OP gelingt und seitdem sind Symon, er ist Flößer, und seine Familie ihr treu ergeben. Lukas wohnt ebenfalls in Schiltach, ist Flößer und mag Johanna sehr. Sie weist jedoch seine Annäherungsversuche stets zurück. Sie möchte alleine bleiben. Damals war es üblich, dass Frauen sich nur um Haus und Kinder kümmerten. Arbeiten durften sie, wenn überhaupt, nur mit Genehmigung des Ehemanns. Johanna liebt ihren Beruf und möchte frei bleiben.

Beim Sammeln von Heilkräutern findet Johanna im Wald eine Frauenleiche. Sie zeigt Bissspuren von Wölfen sowie Spuren von Fesseln an Beinen und Handgelenken. Johanna schaut sie sich an und sofort denkt sie, dass die Frau keines natürlichen Todes starb. Kurze Zeit darauf wird ein schwer verletztes Mädchen zu ihr gebracht. Die Kleine fürchtet sich vor Johanna und kratzt und beißt, als sie gebadet werden sollte. Sie muss schreckliche Dinge erlebt haben. Mit der Zeit gewöhnt sie sich an Johanna, nur bei Männern zeigt sie noch eine große Furcht.

Das war mein erstes Buch von Heidrun Hurst und mit Sicherheit nicht das letzte. Mir gefiel der klare Schreibstil und die ausführliche Recherche von Frau Hurst. Ich habe sehr viel über Heilpflanzen, deren Zubereitung und die Wirkungsweise der Kräuter gelernt. Aber auch den Beruf der Flößer brachte die Autorin mir nah. Zudem versteht sie es, Spannung aufzubauen und den Bogen bis zum Schluss auch stramm gespannt zu halten. Immer wenn ich dachte, ja, das ist der Täter, da war schon wieder ein neuer Verdächtiger im Spiel. Ein echter historischer Krimi mit viel geschichtlichem Hintergrund. Ich bin beeindruckt. Das Cover zeigt den „Schwarzen Wald“ mit seinen Fichten und dem aufsteigenden Nebel. Es passt perfekt zur Handlung.

Veröffentlicht am 24.09.2019

Bewegend und mit Humor gespickt

Laufen
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Die Ich-Erzählerin ist 40 Jahre alt und nach einer Fußverletzung vor acht Jahren gab sie das Laufen auf. Jetzt sieht es ganz anders aus. Sie muss nicht nur mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig ...

Die Ich-Erzählerin ist 40 Jahre alt und nach einer Fußverletzung vor acht Jahren gab sie das Laufen auf. Jetzt sieht es ganz anders aus. Sie muss nicht nur mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig werden. Auch das Wie des Todes setzt ihr hart zu und sie hat das Bedürfnis, sich beim Laufen von den traurigen Gedanken abzulenken. Zumal es auch Schuldgefühle sind, die sie quälen. Daran hat aber nicht nur ihre eigene Einstellung schuld. Es sind auch die Eltern des Toten, die sie durch ihr Auftreten fertig machen.

Laufen beginnt mit dem ersten Mal, wo sie wieder ihr Training beginnt. Bereits nach wenigen Metern meint sie, dass sie aufhören muss. Sie kann nicht mehr und spürt alle Muskeln. Doch sie setzt sich durch, überwindet ihre Schwäche und das Laufpensum wird von Tag zu Tag höher. Beim Laufen geht sie ihren Gedanken nach und wir als Leser erfahren sie in allen Einzelheiten. Auch ihre Ansichten gegenüber den anderen Läufern teilt sie uns mit.

Trost möchte sie nicht immer haben. Sie steht auf dem Standpunkt, dass viele Worte in dieser Situation nur Floskeln sind. Sie denkt dazu: Manchmal muss man eben in der Ecke liegen, wie ein Putzlappen und wimmern. Nur ihre beste Freundin Rike versteht sie wirklich. Ihre Eltern zeigen zu viel Mitleid und bedauern sie zu sehr. Das hilft ihr nicht. Sie möchte wieder Freude am Leben haben und sich nicht in Trauer vergraben.

Es ist eine Mischung aus Wut und Trauer, welche die junge Frau täglich durchlebt. Aber so wie sie beim Laufen nicht aufgibt, tut sie das auch nicht bei ihrem Leben. Sie kämpft sich zurück, lernt neue Menschen kennen und kauft sich sogar ein neues Bett. Alles das sind Schritte, die sie eines Tages zum Ziel führen. Wie gut, dass sie dabei Unterstützung findet. Es sind ihre Freunde und die Arbeitskollegen, die sie tragen, wenn es mit dem Gehen nicht klappt.

Das Buch berührt und zeigt so viele Tatsachen, die nach dem Suizid des Partners auf den Zurückbleibenden einstürmen. Es wird sich wohl jeder Selbstvorwürfe machen und dazu braucht es keine Anklagen von Außen. Gut, dass die Frau den Kontakt zu jenen Anklägern abbricht. Nur so kann sie das Unbegreifliche durchstehen. Nein,

Laufen ist keineswegs weinerlich geschrieben. Hin und wieder gibt es auch humorvolle Stellen. Es ist ein Buch für alle, die Ähnliches erlebten oder für jene, die mehr Verständnis für Betroffene aufbringen möchten.

Ich danke dem Verlag und #NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Spannende Unterhaltung mit viel Historie

Rote Ikone
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Es ist der 02.02.1945 und Hauptmann Proskurjakow sowie sein Fahrer Owtschinikow finden zufällig eine wertvolles Gemälde. Was es damit auf sich hat und warum es ausgerechnet in einem Sarg versteckt wurde, ...

Es ist der 02.02.1945 und Hauptmann Proskurjakow sowie sein Fahrer Owtschinikow finden zufällig eine wertvolles Gemälde. Was es damit auf sich hat und warum es ausgerechnet in einem Sarg versteckt wurde, erklärt der Autor im Laufe des Buches.

Ein Schwenk in die Vergangenheit folgt. Es ist der 02.08.1914 und der Leser lernt Herrn Pekkala kennen, der als enger Vertrauter und Personenschützer des Zaren tätig ist. Und nicht nur das. Er tritt immer dann als Ermittler auf, wenn Geheimnisse zu schützen und Verräter zu überführen sind. Am 02.08. bekommt der vom Zaren persönlich den Auftrag, mit Rasputin zu sprechen. Dem Zaren missfällt der Plan seiner Frau, die rote Ikone, das symbolträchtige Gemälde, an den Vertrauten der Zaren zu übergeben.

Beim Lesen lernte ich einiges über die Geschichte Russlands. Die Fragen, warum Rasputin am Zarenhof so sehr willkommen war oder wie es den „Wolgadeutschen“ nach dem Ersten Weltkrieg und bis zum Beginn des Zweiten Krieges erging, wurden beantwortet. Ich besuchte Stalin in seinem Büro und habe mir diesen Mann genau so vorgestellt, wie hier beschrieben.

Es ist ein munteres Hin und Her zwischen den Jahren 1914 und 1945. Dabei geht der Autor nicht immer chronologisch vor und beim Lesen ist hohe Konzentration gefragt. Es ist ein guter Kriminalroman der durch seine vielen Wendungen überzeugt. Das Cover zeigt die für Russland typischen Zwiebeltürme im Hintergrund einer Schneelandschaft. Auch das ist treffend gewählt. Ein Buch, das ich durchaus empfehle. Nicht, weil es so spannend wäre, sondern weil es so viele historische Fakten bietet.